Alleine, mit dem Rucksack

Warum ich so reise, wie ich reise

Alleine mit dem Rucksack - in Südkorea
In Südkorea

Ich reise alleine. Als Frau alleine. Mit dem Rucksack. Durch die Welt. Am liebsten durch Asien und dort am liebsten durch China.

Alleine? Alleine! Mit Vergnügen, mit Genuss, mit dem Rucksack aber immer ohne Begleitung.

Immer – ohne – Begleitung? Nein, so kann ich das auch nicht sagen. Ich treffe unterwegs immer Menschen, mit denen ich manchmal Tempel und Museen besuche, mit denen ich am Abend meine Eindrücke teile, lache, Bier trinke.

Ich bin unterwegs nie wirklich alleine, ich lerne ständig neue Leute kennen. Das weiß ich, das gibt mir die Sicherheit, alleine aufzubrechen, alleine weiter zu reisen.

Alleine mit dem Rucksack durch China

Als ich es mir Mitte der 1980er in den Kopf gesetzt hatte, mit dem Rucksack durch China zu reisen, suchte ich voller Energie nach einer Begleitung. Denn eigentlich hatte ich Angst davor, in dieses fremde Land ganz alleine zu reisen. Die Suche nach einem Reisepartner war gar nicht so einfach, damals als es weder Facebook noch Virtualtourist.com gab. Ich schwindelte mich in einen Globetrotter-Verein, der verlangte, dass man mindestens drei Monate in seinem Leben mit dem Rucksack bzw. auf eigene Faust außerhalb von Europa unterwegs gewesen war.

Alleine m it dem Rucksack 1987 in China
1987 in Kunming

Auch zwei Monate vor Abreise hatte ich niemanden gefunden, der sich auf dieses Abenteuer China mit mir einlassen wollte, da hatte ich Albträume vor Angst, beschloss aber, es darauf ankommen zu lassen.

Nein, es fiel mir nicht leicht, nach China alleine aufzubrechen. Doch ich hatte schon so meine Erfahrungen im alleine reisen: Interrail, Spanien, Griechenland, Sri Lanka – alleine, mit dem Rucksack. Ein wenig trotzig beschloss ich, das Abenteuer China alleine in Angriff zu nehmen. Und es war gut!

Nur ca. eine Woche von den fast fünf war ich wirklich alleine unterwegs. Zwei Wochen mit einer Deutschen, die allerdings nicht in Tempel und Museen wollte. Dann ein Holländer. Danach hatte ich nie mehr die Angst, auf Reisen einsam zu sein.

Meine große Asienreise 1991/92

Im April 1991 stieg ich aus und brach zu meiner großen Asien-Reise auf – alleine, mit dem Rucksack. Ich startete mit einer netten Gruppe, denn die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn ging damals nur organisiert. Ich reiste mit ein paar Leuten durch China, wir trennten uns, ich lernte eine Holländerin kennen, unsere Reisepläne ließen uns bald getrennte Wege gehen. In Japan gab es nicht so viele Rucksackreisende, zu teuer. Doch in Korea lernte ich wieder Leute kennen, gemeinsame Wanderungen, Tempelbesuche.

Ulrike vor dem Rajgarh Palast
Vor dem Rajgarh Palast. 1992

Dann kamen die ersten Ermüdungserscheinungen: Ich mochte nicht um 6:00 Uhr aufstehen wie eine Mitreisende, nicht jeder Tempel musste von mir abgehakt werden. Kompromisse wurden immer seltener gefunden. Wir trennten uns.

In den nächsten Wochen, Monaten war ich glücklich, tagsüber alleine mein „Programm“ durchzuziehen, meinen eigenen Rhythmus zu leben und mich abends mit anderen Reisenden auszutauschen.

Chichen Itza - Alleine mit dem Rucksack in Mexiko
Chichen Itza, Mexiko

Es stellte sich auch mehr und mehr heraus, dass sich mir gerne Frauen anschlossen, die noch reiseunerfahren waren, die jemanden brauchten, der sie führte und beschützte. Das wurde mir schnell zu mühselig. Vor allem, wenn die Frauen mir ihr Programm aufzwingen wollten, und nicht verstanden, dass es Dinge gab, die ich unbedingt sehen oder erleben wollte und von denen ich mich nicht abbringen ließ.

Mit der Zeit habe ich mich immer bewusster dafür entschieden, alleine zu reisen, und habe mir die Freunde, denen ich mich angeschlossen habe, sorgfältig ausgesucht. 18 Monate Fernost: Alleine, mit dem Rucksack.

Nur manchmal, wenn ich einige Tage in Orten unterwegs war, wo ich gar keine westlichen Rucksackreisenden traf und ich auch abends keine Gesprächspartner fand, fühlte ich mich einsam. Doch der nächste Backpacker-Hub ist in Asien nie weit entfernt. Und eigentlich genoss ich auch diese Zeiten für mich, boten sich mir so auch die Möglichkeiten und Pausen zum Tagebuch und Briefe schreiben.

Und sonst so?

Zuhause bin ich von vielen lieben Freunden umgeben, die Erfahrungen und Erlebnisse mit mir teilen. Doch die wenigsten sind so leidenschaftliche Reisende wie ich.  Auch mein lieber Mann war kein Reisender. Nun, dann bin ich eben ohne ihn gereist: Mexiko, China, Madagaskar… alleine, mit dem Rucksack.

Übrigens habe ich viele Gruppenreisen, auch Studienreisen durch China, gemacht. Sogar einen All-Inclusive-Badeurlaub in der Türkei habe ich ausprobiert. Alles gut, alles richtig und interessant. Aber wenn man mich fragt, wie ich meinen nächsten Urlaub plane, dann antworte ich: Alleine, mit dem Rucksack.

Heute März 2022

Nun, ich würde nicht mehr mit dem Rucksack reisen. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und denke, dass ich mir etwas Bequemlichkeit gönnen kann. Aber alleine ist immer noch meine bevorzugte Reiseart.

Keiner, der mit mir diskutiert, ob wir nach rechts oder links müssen, der jetzt unbedingt sein Mittagessen braucht oder nicht zufrieden ist mit der Wahl des Hotels. Ich mache auch Kompromisse. Aber wenn ich mal wieder erlebe, wie 5 Leute an einer zugigen Kreuzung stehen und sich nicht einig werden, wo man jetzt sein Bier trinkt, bin ich manchmal ganz schnell verschwunden und gehe lieber nach Hause.


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Warum eine organisierte Gruppenreise ihre Vorzüge hat: Komfortabel, mit der Gruppe

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Was würde ich Frauen raten, die alleine reisen wollen, aber noch unsicher sind, ob sie es schaffen? Meine Antworten lest Ihr hier.

Eine Blogparade von goodmorningworld.de zum Thema „allein reisen“ bietet weitere Einblicke.

Chengdu 2013 Ulrike im Garten des Wenshu Tempels
Chengdu 2013, China: Begegnungen unterwegs sind einfacher, wenn ich alleine bin

Die ist einer meiner ältesten Artikel von 2013. Ich habe ihn jetzt überarbeitet und präsentiere ihn wie neu in 2022.

Ulrike
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6 Gedanken zu „Alleine, mit dem Rucksack“

  1. Ui, eine schlechte Erfahrung für den Schutzengel! Meiner war auch heftig beschäftigt. Es ist auch mit der Zeit so gekommen. Man gewinnt an Sicherheit, wenn man es immer öfter macht.
    LG
    Ulrike

  2. Ich bewundere deinen Mut, alleine durch Asien zu reisen. Ich bin auch einmal tageweise in Thailand alleine gewesen und zurückblickend meine ich, dass das eine unangenehme Erfahrung für meinen Schutzengel gewesen sein muss.
    Inzwischen mag ich beides: In Gesellschaft – aber auch alleine reisen.
    LG
    Sabiene

  3. Liebe Ulrike!
    Du hattest mir einen Kommentar in meinem JULIHERZEN Blog zu alleine-reisen da gelassen. Danke dafür! Jetzt, da ich Deinen Beitrag gelesen habe, verstehe ich was Du meinst: Respekt und Hut ab, meine Liebe! Du hast es gewagt und einen Entwicklungssprung hingelegt!!! China ist eben auch nicht Europa und da verstehe ich die Überwindung die es Dich gekostet hat! „Einfach“ MACHEN hat sich in den meisten Fällen bewährt bei mir! Alles Liebe und Gute!

  4. Hallo, da hab ich nicht drüber nachgedacht, weil es die Möglichkeiten einfach nicht gab. Es sind viele gereist damals, mit dem Rucksack. Schau auch mal: Unter Reiseberichte findest Du meine gesamte Große Asienreise. 18 MOnate ohne Internet unterwegs. Geht! War normal!
    LG
    Ulrike

  5. Hi Ulrike,
    ganz schön mutig alleine loszuziehen, zu Zeiten als man noch nicht mit der ganzen Welt vernetzt war und E-Mail, Facebook und What’s App die Kommunikation mit den Liebsten daheim von fast überall ermöglicht hat. Hut ab! Und wie man sieht, hat es sich gelohnt.

Ich freue mich auf Deinen Kommentar!