Konkubine Zhen – eine tragische Geschichte

Konkubine Zhen, die tragische Geschichte einer schönen und klugen jungen Frau am Hofe des chinesischen Kaisers Guangxu

Es war einmal…

…eine junge hübsche Frau in China. Sie wuchs Ende des 19. Jahrhunderts in einer reichen Mandschurischen Familie auf, dem Tatara Klan. Im Alter von 12 Jahren kam sie zusammen mit ihrer wenig älteren Schwester Jin an den Hof des Kaisers Guangxu und erhielt um ihren 13. Geburtstag herum den Titel „Konkubine Zhen“.

Verbotene Stadt, Paläste der Frauen

In den Palästen der Frauen

Das Leben am Hof des Kaisers von China war für Frauen nicht ganz einfach (siehe auch „Frauen in der Verbotenen Stadt“) und viele der Konkubinen bekamen den Kaiser nie zu Gesicht. Doch die künstlerischen Talente der Konkubine Zhen fielen der mächtigen Kaiserinwitwe Cixi auf. Diese förderte anfangs das Mädchen und ließ ihr Unterricht im Malen und in Musik erteilen.

Zhen war auch dem Kaiser ins Auge gefallen, der sie nicht nur wegen ihrer Schönheit sondern auch wegen ihrer Klugheit schätzte. So bekam Zhen immer mehr Einfluss auf den Kaiser. Sie unterstützte ihn in seinem Willen zu Reformen und seinem Interesse an einer Öffnung zum Westen. Es wird erzählt, dass Konkubine Zhen auch sehr an Fotografie interessiert war und gerne westliche Ausländer einlud, sie zu unterrichten und zu fotografieren.

Zhens zunehmenden Kontakte zu Westlern und ihr Einfluss auf politische Entscheidungen des Kaisers waren der Kaiserinwitwe Cixi zunehmend ein Dorn im Auge. Auch außerhalb des Palastes wurde von Skandalen geredet. Das führte dazu, dass Zhen und ihre Schwester Jin zeitweilig in Ungnade fielen. Sie wurden zwar schnell wieder rehabilitiert, wurden aber fortan von allen Aktivitäten am Hof fern gehalten. Schließlich wurde Zhen in einem kleinen abgeschiedenen Raum im Kaiserpalast unter Arrest gestellt..

Das Ende von Konkubine Zhen

Als im Jahr 1900 der Hof vor den alliierten Truppen fliehen musste – auch Cixi machte sich schweren Herzens auf die Flucht nach Xi’an – kam Zhen wieder frei. Cixi machte ihr den unglaublichen Vorschlag, Selbstmord zu begehen, da sie auf der Flucht Gefahr lief, von den verfolgenden ausländischen Soldaten vergewaltigt zu werden.

Dagegen wehrte sich das Mädchen verzweifelt. Sie versuchte den Kaiser dazu zu überreden, in Peking zu bleiben und mit den alliierten Truppen zu verhandeln. Cixi passte das gar nicht. Schließlich erteilte sie den Befehl, die Konkubine Zhen in einem Brunnen in der Verbotenen Stadt zu ertränken. Was umgehend ausgeführt wurde.

Als die Kaiserinwitwe und der Kaiser samt ihrem Hofstaat ein Jahr später nach Peking zurückkehrten, wurde es der Familie der Konkubine Zhen erlaubt, ihren Leichnam aus dem Brunnen zu bergen. Zhen erhielt posthum den Titel „Seniorkonkubine des Kaisers“. Ihre Schwester Jin, die mit nach Xi’an geflohen war, durfte nach der Abdankung des Kaisers in der Nähe des Brunnens einen kleinen Altar mit Ahnentafel im Gedenken an Zhen errichten.

Verbotene Stadt

Ahnenaltar für Konkubine Zhen

Mythos Konkubine Zhen

Nun, ob die ganze Geschichte stimmt oder nur einer der zahlreichen Mythen ist, die sich vor allem um die Kaiserinwitwe Cixi (1835 – 1908) ranken, ist umstritten. In einer abgeschiedenen Ecke der Verbotenen Stadt wird ein Brunnen gezeigt, bei dem eine Tafel auf das Schicksal der Konkubine Zhen aufmerksam macht. Gleich daneben befindet sich die kleine Halle mit dem Altar.

Beim Anblick des Brunnens stellte sich mir die Frage, wie eine junge Frau da hineinpasst. War sie wirklich so schmal und zierlich? Und die nächste Frage: Bei meinen Recherchen habe ich einige aktuelle Fotos von dem Brunnen gesehen. Dieser dort abgebildete Brunnen ist offenbar recht neu und ganz sicher nicht der, den ich gesehen habe. Letzterer zeigt deutliche Nutzungsspuren.

Der Brunnen, so wie ich ihn gesehen habe

Der Brunnen, so wie ich ihn gesehen habe

Die Konkubine Zhen soll im Congling Grab der Westlichen Qing Gräber beerdigt sein.

Ihre Schwester Jin machte „Karriere“ und wurde eine der nominellen Mütter des letzten Kaisers Puyi. Sie starb 1924.

Fotos von den Konkubinen der chinesischen Kaiser gibt es hier.

Ein Kommentar

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