Weekly Photo Challenge: Reflection / Chinesische Gärten

Auch diesmal besteht die Herausforderung der Weekly Photo Challenge von WordPress für mich darin, das Thema mit meinen Erfahrungen aus China zu verbinden. Denn ich möchte nicht einfach ein Foto online stellen, sondern auch eine Geschichte dazu erzählen. Diesmal also „Reflection“. Dabei soll es nicht nur um eine Reflektion, eine Spiegelung im Wasser oder im Spiegel, gehen, sondern möglichst auch um die gedankliche Reflexion. Da gibt es eigentlich nur ein durch und durch chinesisches Thema, das genau dazu passt: Der chinesische Garten.

Garten in Wuzhen: Teil der ehemaligen Residenz von Mao Dun// Garden in Wuzhen with reflections of Trees and Flowers in the Pond

Garten in Wuzhen: Teil der ehemaligen Residenz von Mao Dun// Garden in Wuzhen with Reflections of Trees and Flowers in the Pond. A Place to reflect on the World and on Life

In einem chinesischen Garten ist alles darauf ausgerichtet, über sich und die Welt nachzudenken. Kein Gedanke daran, Blumen zu pflanzen einzig und alleine, weil sie schön sind. Oder gar Gemüse für die eigene Küche! Alleine der Gedanke hätte schon vor Jahrhunderten manchen chinesischen Philosophen das Entsetzen in die Knochen fahren lassen.

Chinesische Gärten gibt es schon seit mehreren Tausend Jahren, je nach Quelle. Sie sind entstanden durch die chinesische Philosophie des Tao und sollen eine ideale Welt darstellen. Berge, Steine, kleine Bäche und Teiche spiegeln die Welt im Kleinen wider. Alles hat seine Bedeutung, jede Pflanze, jeder Baum steht für Aspekte des Lebens und wirkt als Objekt von Reflexionen und Philosophie. Ein chinesischer Garten ist ein Gesamtkunstwerk, das alle Sinne ansprechen soll.

Dabei spielt Wasser eine besondere Rolle: Wasser vergrößert wie ein Spiegel die Gartenanlage und reflektiert Himmel, Bäume, Blumen und Pavillons. Jeder Garten verfügt über einen Teich und einen plätschernden Bach. Die Lotuspflanzen im Teich stehen für Reinheit, die roten Goldfische sollen Glück und Reichtum bringen. Schildkröten bedeuten langes Leben. In manchen Gärten gibt es Bananenstauden, weil ein chinesischer Dichter einmal in einem Gedicht den Klang von Regentropfen auf Bananenblättern besungen hat. Die Zickzackbrücke, die es in größeren Gärten gibt, soll nicht nur die bösen Geister abhalten, sondern den Schritt des Betrachters verlangsamen, um eine größere Achtsamkeit zu erreichen.

Bananenstauden in einem Garten in Wuzhen

Bananenstauden in einem Garten in Wuzhen

Wenn man in China reist, wird man um den Besuch eines chinesischen Garten kaum herum kommen. Auf jeder organisierten Rundreise zu den klassischen Highlights stehen mindestens der Sommerpalast (Peking), die Große Moschee mit ihrem Garten (Xi’an) und der Yu-Garten (Shanghai) auf dem Programm.

Doch es gibt noch viel mehr wunderschöne Gärten in China zu entdecken, die mehr oder weniger abseits der Touristenpfade liegen. Ich will hier nur ein paar nennen.

Peking, Verbotene Stadt: Der Garten des Kaisers Qianlong. Dieser liegt etwas versteckt hinter dem Schmuck- und Uhrenmuseum. Es ist ein ruhiger Ort, wo man sich vor den Touristenströmen zurückziehen kann. Auch Qianlong nutzte den Garten, um nachzudenken, mit Freunden zu philosophieren und Ruhe zu finden. Dieser Garten ist einer meiner Lieblingsplätze in Peking, an den ich bei jeder Gelegenheit gerne zurück kehre, um ein wenig zu ruhen und eben auch über alles Mögliche nachzudenken.

Garten des Q'ianlong. IN diesem Pavillon (ähnliche gibt es auch in anderen Gärten) traf man sich zu einem Peotry-Slam. Auf dem schmalen mit Wasser gefüllten Kanal schwammen kleine Boote mit einem Glas Schnaps. Dort, wo das Boot zum Halt kam, musste derjenige, der da saß, ein Gedicht dichten und aufsagen. Dann durfte er den Schnaps trinken. Ein feuchtfröhliches Fest.

Garten des Q’ianlong. In diesem Pavillon (ähnliche gibt es auch in anderen Gärten) traf man sich zu einem Poetry-Slam. Auf dem schmalen mit Wasser gefüllten Kanal schwammen kleine Boote mit einem Glas Schnaps. Dort, wo das Boot zum Halt kam, musste derjenige, der da saß, ein Gedicht dichten und aufsagen. Dann durfte er den Schnaps trinken. Ein feuchtfröhliches Fest.

Peking, Palast des Prinzen Gong: Diese ausgedehnte Anlage ist ein ehemaliger Palast, an den sich ein ausgedehnter Garten anschließt mit allem, was einen chinesischen Garten ausmacht: Bizarre Steine, Teiche und Bäche, Pavillons und sogar ein Opernhaus.

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8 Kommentare

  • Betrachterauge

    Genau. Japanische Gärten sind interessanterweise in Europa mehr bekannt, als die chinesischen. Aus welchem Grund? Vielleicht hatten die Japaner eine bessere Marketingstrategie 🙂

    • Hallo,
      ich weiß nicht, ob man das wirklich so sagen kann. Schon nach den ersten Kontakten mit China entstanden in den Gärten der deutschen Fürsten Chinesische Gärten und Pavillons. Siehe den chinesischen Garten in München. Die Vorliebe für Japanische Gärten ist neuer und hat möglicherweise auch mit der Einführung des Zen-Buddhismus in Europa zu tun. Glaube ich jedenfalls. LG Ulrike

  • Spannendes Thema! Hab ich mir noch nie Gedanken drüber gemacht. Ich mag es, wie du mich immer wieder dazu bringst, mein Bewusstsein auf Dinge zu lenken, die normalerweise komplett außerhalb meines Wahrnehmungsbereichs bleiben würden.

    Liebe Grüße,
    Lena

  • Ich finde chinesische und japanische Gärten wunderschön! Muss zugeben, dass ich eher die japanische Variante kenne, aber das chinesische Konzept klingt sehr schön.

  • Auch japanische Gärten sind wahre Kunstwerke. Erschaffen von wahren Meistern. Oft ist es schwer die Komposition dort zu verstehen, sie zu lesen. Denn ein Garten sagt immer etwas aus. Ich mag die Bilder, die du uns wieder einmal schenkst, die passenden Worte. Fast bekomme ich etwas „Heimweh“ nach Asien.

    • Danke für die lieben Worte. Ich habe die japanischen Gärten nie verstanden, mir waren die zu gestyled, zu künstlich. Mehr noch als chinesische Gärten. Auch chinesische Gärten sind anscheinend nicht mein Ding, habe bemerkenswert wenig Fotos zu dem Thema gefunden.

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