Aidao Nonnenkloster und Jinsha-Tempel in Chengdu

Das Aidao Nonnenkloster und der Jinsha-Tempel

Wer nach Chengdu kommt, wird zwei touristische Highlights sehen: Die Großen Pandas und den buddhistischen Wenshu-Tempel. Da führt kein Weg drumherum und ist auch sehr zu empfehlen. Doch schon höre ich den Ruf nach nicht so touristischen Attraktionen laut werden. „Ich will doch etwas sehen, was sonst wenig Touristen sehen, etwas authentisches chinesisches!“ Keine Sorge, auch das gibt es reichlich in Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan. Ja, und um das zu sehen, muss man gar nicht weit laufen oder sich sonstwie groß Mühe geben.

Auch ich wäre nicht zu dem ruhigen Aidao-Tempel gekommen, wenn da nicht der geniale Stadtplan des Lazybones-Hostels gewesen wäre. Da waren ganz in der Nähe des berühmten Wenshu-Klosters zwei kleine Tempel eingezeichnet. Weder in meinem Reiseführer, dem schlauen Lonely Planet, noch im Internet fand ich irgendetwas über die beiden Tempel.

Beim Wenshu-Tempel

Beim Wenshu-Tempel

Also auf zum Wenshu-Tempel, den ich schon 1987 besuchte, als er noch ein ruhiges Refugium für Mönche. Pilger und Betende war. Das hat sich gründlich geändert. Das Leben pulsiert in dem Tempel, Reisegruppen, Pilger, Betende – fast ist es ein Gedränge. Der Duft der Räucherstäbchen hängt über allem und ein Gong signalisiert, dass mal wieder jemand eine Spende gegeben hat. Das Teehaus bei dem Wenshu-Tempel ist unglaublich groß und quirlig. Aber auf jeden Fall sehens- und erlebenswert!

Ein paar Meter die Straße hinunter gibt es ein lebhaftes rekonstruiertes Altstadtviertel mit Souvenirläden, Imbissen und Restaurants. Mittlerweile gibt es dort auch ganz edle Restaurants, zum Beispiel ein veganes mit interessanten Pilzgerichten. Und ein feines Hotel, das sich Buddha Zen Hotel nennt. Das Hotel befindet sich in einem alten Gebäude, das liebevoll traditionell renoviert wurde. Im Innenhof des Hotels steht ein buddhistischer Altar. In diesem alten Viertel gibt es einiges zu entdecken auch an moderner Kunst. Und dann sind da die wenig bekannten Tempel des Aidao- und Jinsha-Nonnenkloster.

In der "Altstadt" beim Wenshu-Tempel

In der „Altstadt“ beim Wenshu-Tempel

Aidao Nonnenkloster

Weiter, weiter! Da soll es doch zwei Nonnenklöster geben. Tatsächlich finde ich das eine, größere von beiden ziemlich schnell. Das Aidao Nonnenkloster. Das Kloster stammt aus dem Ende der Ming-Dynastie. Es hieß zunächst Yuanjue Kloster, das Kloster der perfekten Erleuchtung. Während der Qingzeit, da vor allem unter der Regierung des Kaisers Qianlong, blühte das Kloster.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts und der Republikzeit wurde das Kloster in „Aidao“ umbenannt. Die Geschichte des Kloster und seiner Nonnen war wechselhaft. Es war das erste öffentliche buddhistische Nonnenkloster in Sichuan überhaupt. Im 20. Jahrhundert haben die Gebäude erheblichen Schaden genommen, so dass im Jahr 2.000 nicht nur eine Restaurierung sondern auch eine weitgehende Rekonstruktion notwendig war.

Aidao Nonnenkloster

Beim Betreten des Aidao-Tempels

Wenn man erst einmal das große Tor passiert hat und in dem ruhigen Innenhof des Tempels steht, spielt es keine Rolle mehr, dass die Gebäude eigentlich neu sind. Plötzlich sieht man sich in einem besonderen Kosmos und man lässt den Trubel, der draußen herrscht, zurück. Kerzen und Räucherstäbchen brennen, Nonnen schreiten langsam durch die Hallen, leise lächelnd. Kaum ein Tourist verirrt sich hierher. Die Atmosphäre ist durch und durch spirituell. Ja, es gibt Nonnen hier. Doch ich weiß nicht wie viele… Ich lasse mir Zeit, verbeuge mich ehrfürchtig vor den Buddhastatuen, was von einer Nonne mit einem wohlwollenden Lächeln quittiert wird. Dann trete ich wieder auf die Straße.

Im Aidao Nonnenkloster

Im Tempel

Die andere Straßenseite

Die andere Straßenseite

Jinsha Nonnenkloster

Gleich auf der anderen Straßenseite soll es noch einen alten Tempel geben. Doch ich sehe nichts. Nur ein paar alte Häuschen mit bunten Geschäften. Normalerweise erkennt man Tempel in China schon von weitem, denn die Dächer der Hallen ragen über die umliegend Häuser hinaus. Oder ein beeindruckendes Tor markiert den Eingang. Nichts davon in Sicht. Ich streiche an den Geschäften entlang und entdecke schließlich den Eingang. Auch hier betrete ich ein andere abgeschiedene Welt.

Der Jinsha-Tempel ist sehr viel kleiner als der Aidao-Tempel. Er wurde in der Qing-Dynastie zur Zeit Kaisers Qianlong (1735 – 1799) erbaut. Der Tempel beherbergte eine Statue des Bodhisattva Avalokiteshvara. Diese war aus Ton und hatte die zahlreichen Arme, die die vielen Fähigkeiten des Bodhisattva symbolisieren. Diese Statue soll den Tempel einst vor einem Feuer geschützt haben. Leider existiert die Statue nicht mehr. Der Tempel beherbergte die meiste Zeit nicht mehr als 10 Nonnen. Erst in modernen Zeiten wurde der Tempel dem Publikum geöffnet und bietet auch Nonnen von überallher einen Platz zum Studium und zum Rückzug.

Im Jinsha-Tempel

Im Jinsha-Tempel

Beide Tempel sind ideal, um das religiöse Alltagsleben in einer chinesischen Großstadt zu beobachten – ganz abseits der Touristenpfade.

7 Kommentare

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  • Schoen, dabei zu sein, wenn auch nur in Gedanken. Was geschah mit den Nonnen waehrend der Kulturrevolution? Als die Ausuebung des Buddhismus wieder toleriert wurde, wie haben sich die Kloester wieder konstituiert? Kamen die vormaligen Nonnen wieder zurueck? Gibt es heute wieder junge Chinesinnen, die in Kloester eintreten?
    Viele Fragen, deren Beantwortung ich nicht erwarte, ich warf sie nur auf, weil sie mich beschaeftigen. Vielleicht gibt es spaeter einmal einen Post darueber, oder es gibt bereits einen, dann wuensche ich den Link bitte.

    • Danke für die Fragen! In bezug auf die beiden Tempel habe ich alles Wissen bereits mitgeteilt. Es gibt über die beiden Tempel wirklich so gut wie gar nichts. Aber da mir beim Schreiben schon die Dürftigkeit der Quellen bewusst wurde, werde ich versuchen, über Freunde in Chengdu mehr dazu herauszubekommen.
      Nur zu einem Punkt kann ich etwas sagen: Ja, es gibt heute junge Chinesinnen, die sich entschließen, Nonne zu werden.
      Später also hoffentlich mehr zu dem Thema.
      LG
      Ulrike

  • Danke für die spirituelle und quirlige Reise. Es ist beeindruckend, dass mitten in diesem Häusermeer so eine Oase des Rückzugs zu finden ist. 🙂

  • Und wieder war ich mit auf der Reise durch (dein) China. Vielen Dank dafür.

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