New Silk Road: Von Shanghai nach Hamburg in 57 Tagen

Mit dem Auto von China nach Deutschland: 18.000 Kilometer, 57 Tage, 12 Länder

Müde, erleichtert, strahlend, so kamen sie am Freitag, 18.07.,  in Hamburg an: 8 Teams aus China mit ihren Autos. Rund 18.000 Kilometer lagen hinter ihnen. Auf ihrem Weg entlang der uralten Handelsrouten der Seidenstraße hatten sie zwölf Länder durchquert, Wüsten erlebt, hohe Gebirgspässe überwunden und romantische Landschaften erkundet. Mit der ihnen gebührenden Anerkennung wurden sie um 18:00 Uhr am Yu-Garden-Teehaus hinter dem Völkerkundemuseum empfangen. Beifall brandete auf, als sie das Zieltor durchfuhren.

Die Ankunft

Die Ankunft

Und ich war dabei! Schließlich war dies für mich eine Gelegenheit, alte Bekannte wieder zu treffen. Ich hatte  2010, als ich noch für China Tours arbeitete, selbst eine der ersten Rallyes von Bremen nach Shanghai organisiert. Das war eine Fahrt, die ausdrücklich für Oldtimer ausgeschrieben war. Da war nicht nur die Tour selbst ein riesiges Abenteuer sondern auch die Vorbereitung! Was musste alles beachtet und organisiert werden! Neben den Hotels unterwegs waren Fragen wie, wo es genügend und welches Benzin gab, wie man in Zentralasien am einfachsten über die Grenzkontrollen kam und wie das mit den Versicherungen war, die jeden Tag neue Herausforderungen an mich stellten. Und das für mich, die ich noch nicht einmal einen Führerschein habe!

Für die Chinesen war es nach 2013 die zweite. lange Fahrt entlang der New Silk Road. Sie profitierten von all der Erfahrung, die China Tours nun mit der Organisation solcher Auto-Reisen erworben hat. Von Shanghai aus hatte One Billion Voices zusammen mit China Tours diese chinesische Autofahrt organisiert. Diesmal konnte ich völlig entspannt beim Empfang dabei sein. Das Yu-Garden Teehaus bot dem Ereignis den angemessenen schönen chinesischen Rahmen. Das tolle Sonnenwetter war das Tüpfelchen auf dem i.

Zu dem Anlass war auch der Chef der Hamburger Tourismusbehörde, Dietrich von Albedyll, erschienen und hielt eine kurze Willkommensansprache. Shanghai, wo der Convoi am 27. Mai gestartet war, und Hamburg, das Ziel, das nach 57 Tagen erreicht wurde, das sind zwei Städte, die seit 1986 durch ihre Städtepartnerschaft verbunden sind.  Die New Silk Road Rallye lässt die beiden Städte näher zusammenrücken. Auch der im Vergleich zum letzten Jahr, als zum ersten Mal eine Auto-Rallye von Shanghai Hamburg erreichte, einfache Empfang unterstreicht die Normalität, die Alltäglichkeit der Beziehung.

Andreas Janz, stellvertender Geschäftführer von China Tours, überreichte nach all den Willkommensansprachen jedem Teilnehmer eine Medaille und eine Urkunde. Denn sie hatten Großartiges geschafft! Nein, sie waren nicht, wie Herr von Albedyll scherzhaft meinte, nur auf komfortablen Highways gefahren. So manche Wüstenpiste, manche unbefestigte Gebirgsstraße stellte hohe Anforderungen an die Fahrer und ihre Fahrzeuge. Nach den Herausforderungen gefragt, winkten die Fahrer mit chinesischer Bescheidenheit ab: „Alles ganz normal, keine Probleme!“ Dabei wurde kurz vergessen, dass einer aus der Gruppe an der Höhenkrankheit gelitten hatte. Ein anderes Fahrzeug hatte es „nur“ bis Istanbul geschafft. Allgemein wurde bedauert, dass man immer viel zu kurz in den beeindruckenden Städten der Seidenstraße anhielt. Gerne hätte man sich mehr Zeit für die Erkundung von Städten wie Samarkand oder Chiva gewünscht.

Frau Wang

Frau Wang

Auch Frau Wang aus Shanghai, die ihren Wagen von Istanbul alleine gefahren hatte, nachdem ihr Mann nach China zurück musste, wehrte meine Frage nach den Herausforderungen der anstrengenden Fahrt ab: Nein, es habe keine besonderen Schwierigkeiten gegeben. Am schönsten seien die Länder zum Schluss gewesen: Italien, Österreich, Deutschland: so romantisch, so schön! Frau Meng aus Peking schwärmte von Georgien und seinen großartigen Landschaften. Ich war begeistert, dass ich mein Chinesisch mal wieder nutzen konnte. Beim Wort für „Georgien“ brauchte ich allerdings kurz die Hilfe einer chinesischen Freundin.

Einige deutsche Rallye-Pioniere hatten es sich nicht nehmen lassen, bei dieser zweiten chinesischen Rallye-Ankunft in Hamburg dabei zu sein. Darunter Günther Degner, der mit seinem Oldtimer die Strecke schon drei Mal gefahren ist. Er war auf einer der ersten Fahrten 2006 von Hamburg nach Shanghais dabei und zollte den chinesischen Fahrern seinen Respekt: Auch wenn die chinesischen Fahrzeuge moderne Allrad-Wagen seien, mit allen technischen Vorzügen ausgestattet, so stelle eine solche Reise eine große Herausforderung für die Fahrer und die Autos dar. Ich freute mich über ein Wiedersehen mit ihm und anderen, die an der Rallye 2010 teilgenommen hatte. Herr Barke hatte sogar seinen Oldtimer mitgebracht.

2014 Rallye GruppeBeim Glas Sekt zum Schluss waren sich alle einig: Am schönsten waren die Begegnungen unterwegs gewesen. Neue Freundschaften wurden geschlossen.  „Hamburg ist eine tolle Stadt“ meinte Herr Yan, der die Rallye als Reiseleiter begleitet hatte. Ja, und ich hatte auch eine neue Freundin gewonnen. Frau Meng gab mir ihre Telefonnummer in Peking und lud mich eindringlich zu einem Besuch ein, wenn ich das nächste Mal nach China komme.

China Tours plant schon die nächste Reise 2015 mit einer neuen, hochinteressanten Route: Mit dem Oldtimer von Düsseldorf nach Chongqing. Diesmal geht es sogar quer durch Tibet!

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