Der Fayuan Tempel und die Ochsenstraßen-Moschee

Peking abseits der Touristenpfade:

Im Süden Pekings liegt der Fayuan-Tempel. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich ihn wirklich als einen Tipp abseits der Touristenpfade beschreiben soll. Er wird in allen gängigen Reiseführern beschrieben. Doch finden nur wenige Touristen den Weg dorthin. Wenn man einen halben freien Tag hat und noch etwas typisch Chinesisches erleben möchte, dann empfehle ich diesen lebendigen buddhistischen Tempel und die nahegelegene Oxstreet-Moschee.

Der Fayuan Tempel in Peking

Der Fayuan Tempel in Peking

Der Fayuan-Tempel, 法源寺 Fayuan Si = Tempel der Quelle des Gesetzes, ist ein alter, ehrwürdiger buddhistischer Tempel.

1956 wurde hier die Chinesische Buddhistische Akademie gegründet. 1963 wurde in dem Tempel eine Konferenz von Buddhisten aus 11 asiatischen Ländern abgehalten. 1980 erfolgte die Einrichtung eines Museums für buddhistische Schriften und Kultur. Heute ist der Fayuan Tempel ein bedeutendes Zentrum für buddhistische Forschungen und Lehre. Die Ursprünge des Tempels reichen ins 7. Jahrhundert zurück. Damit ist der Tempel der älteste buddhistische Tempel in Peking.

Auf dem ausgedehnten Gelände des Tempels kann man wunderbar Rast machen und sich erholen von der Hektik der Megametropole. In den alten Bäumen zwitschern Spatzen, die liebevoll gefüttert werden. Die Hallen strahlen Würde und Alter aus. Manchmal kann man den Mönchen bei ihren Gebeten und Mantras lauschen. Unter den ehrwürdigen alten Bäumen befinden sich nicht nur Gingko- und Gewürznelkenbäume sondern auch zwei Holzapfelbäume, die Kaiser Qianlong (1711 – 1799) während seiner Regierungszeit in der Qing-Dynastie gepflanzt haben soll.

Die Statuen in der Haupthalle, Vairocana Buddha, Manjusri und Samnthabhadra, erinnern an eine alte Schule des Buddhismus, die Huayan-Schule, in deren Mittelpunkt die Avatamsaka-Sutra, die Blumengirlanden-Sutra, steht. Diese wurde bereits im 5. Jahrhundert ins Chinesische übersetzt. In einer weiteren Halle gibt es eine beeindruckende Guanyin-Statue aus der Ming-Dynastie.

TIPP: Wenn man in China buddhistischen Mönchen oder Gläubigen begegnet, so lautet der angemessene Gruß: „Amituo-Fu“ Das ist der Name eines der bedeutendsten Boddhisattvas, der in China sehr verehrt wird: Amithaba. Man legt zum Gruß die Hände zusammen, verbeugt sich leicht und murmelt „Amituo-Fu“ (Irgendwie klingt das immer ein wenig wie „Ami – Tofu“). Das erfreut den Gläubigen. Aber dann wird von dem Besucher auch erwartet, dass er weiß, wie man sich ordentlich vor den Buddhastatuen verbeugt.Mehr: Ich verneide mich vor Buddha

Auf dem Platz vor dem Tempel treffen sich die Einheimischen

Auf dem Platz vor dem Tempel treffen sich die Einheimischen

Vor dem Fayuan-Tempel hat man einen weiten Platz geschaffen, der zum Treffpunkt der Einheimischen geworden ist. Eine großartige Möglichkeit, China und seine Menschen kennen zu lernen! Da wird gesungen, getanzt, Mahjiang gespielt oder einfach nur der Hund ausgeführt und ein Schwätzchen gehalten. China, wie ich es liebe!

Die Moschee

Die Moschee

Nur wenige Schritte sind es von hier zur Ochsenstraßen-Moschee. Diese ist auch schon 1000 Jahre alt und Zentrum der rund 10.000 chinesischen Muslime, die in diesem Stadtteil leben. Ein Besuch lohnt sich auch hier. Interessant ist die Kombination von traditionellen muslimischen Architektur-Elementen mit chinesischer Bauweise. Die Große Halle bietet 1000 Gläubigen zum Gebet Platz. Es gibt einen speziellen Frauenbereich, eine Koran-Schule und einige Gräber verehrter Imame zu sehen. Die Menschen begegnen dem Touristen sehr freundlich und zeigen einem gerne die Besonderheiten. Allerdings stößt man vor allem als Frau schnell auf Grenzen: bestimmte Bereiche dürfen nur von Männern betreten werden.

Die Moschee hat ihren Namen nach der Straße, an der sie liegt – oder die Straße nach der Moschee? Fakt ist, dass in diesem Viertel der Hui (Chinesische Muslime) keine Schweine gehalten werden durften. Zum Markt wurden die Rinder durch eben jene Straße getrieben.

Wer in Peking gerne Halal-Gerichte essen möchte, kann das in den zahlreichen muslimischen Restaurants rund um die Moschee.

1988 – 2009
Ich habe sowohl den Tempel als auch die Moschee schon 1988 besucht. Seitdem hat sich in diesem alten Viertel einiges verändert. Den großen Platz vor dem Fayuan-Tempel gab es damals noch nicht. Der Tempel selbst war schwer im Gewirr der alten Hutong-Gassen zu finden. Auch die vielen Muslim-Restaurants gab es noch nicht. Heute sieht man auch mehr chinesiche Frauen mit Kopftuch in dieser Gegend. Der Tempel wirkt deutlich gepflegter und mehr Gläubige suchen ihn auf.

Mein persönlicher Eindruck: Immer noch sehr authentisch, sehr chinesisch, sehr lebendiges Peking. Unbedingt ansehen!

Info: Die Moschee liegt ungefähr 20 Minuten Fußweg von der U-Bahn-Station Caishikou entfernt. Als Tourist zahlt man einen Eintritt von 10 Yuan RMB. Für den Fayuan-Tempel werden 5 Yuan fällig.

10 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.