08.12. – 18.12.1991 Die Spannung wächst – Reisebericht

Unruhig warte ich auf Nachricht von meiner Freundin Geli. Schließlich will sie mich hier unterwegs in Thailand über Weihnachten besuchen. Meine Bauchschmerzen haben nachgelassen und treten in den Hintergrund bei all meiner erwartungsvollen Spannung. Wie wird das sein, wenn Geli kommt? Habe ich mich verändert? Passt das noch mit uns? Vor lauter Unsicherheit fahre ich mal kurz nach Krabi (über Nacht mit dem Bus, mehr als 12 Stunden), um zu gucken, ob es dort gut genug für Geli ist. Weihnachten selbst scheint weit weg zu sein, auch wenn in Thailand überall die Weihnachtsmänner grinsen. Mein Reisebericht von meiner Großen Reise geht weiter:

08.12. – 10.12.91 Alte Königsstadt Ayuthaya
In Ayuthaya bin ich so erschöpft, dass ich mir, auch wenn es recht teuer ist, ein Zimmer mit Bad leiste. Das Zimmer ist sonnenhell, sehr sauber und bietet sogar einen Tisch zum Briefe schreiben. Trotzdem gehe ich gleich los, denn in der Nähe ist das Museum von Ayuthaya.

Zwei Nächte verbringe ich in Ayuthaya. Das Zimmer ist schön, aber abends fahren Motorräder mit dröhnendem Auspuff vor dem Haus vorbei. Ich kann kaum schlafen wegen des Lärms. Ich wünschte, ich wäre nicht so empfindlich. Ich habe außerdem einen kleinen Mitbewohner, der mich ziemlich erschreckt hat. Ein winziger Gecko hat sich an einer Plastiktüte vergriffen und damit einen solchen Lärm gemacht, dass mein erster Gedanke war: Ratten! Der Kleine war von meinem Schreckensruf sicher auch sehr geschockt. Er ist sehr niedlich, und ich habe die Gelegenheit genutzt, mir das Tierchen  aus der Nähe anzusehen. Er ist ganz blass mit runden schwarzen Knopfaugen. Seine winzigen Füßchen mit den zarten Zehen sind wunderschön. Ich mag ihn sehr. Also stört er mich nicht. Ein viel größeres Ärgernis sind die Ameisen, die auch hier ihren Weg in mein Bett gefunden haben. Was die nur an mir so mögen? Also schlafe ich erneut nicht besonders gut. Nur die vielen Besichtigungen, die immer mit langen Fußmärschen verbunden sind, lassen mich ein wenig erschöpfte Ruhe finden.

Buddhastatuen in Ayauthaya

Ayuthaya

Die alten Tempel und Paläste von Ayuthaya sind sehr viel größer und zahlreicher als die in Lopburi. Ich gehe durch die alten Straßen und klettere durch die Ruinen. Überall Buddha-Statuen, die mit gelben Tüchern geschmückt sind, auch wenn sie keine Köpfe mehr haben. Ein gewaltiger neuer Tempel summt vor Leben. Nicht nur Touristen kommen hierher sondern auch viele Gläubige und thailändische Schulklassen. Die Luft ist schwer vom Rauch der Räucherstäbchen. Ständig klingt ein Gong oder eine Glocke. Vor dem Tempel werden Lotos-Blüten verkauft. In Käfigen flattern verschreckt kleine Vögel, die, wenn sie jemand kauft, freigelassen werden. Man kann sich damit Verdienste erwerben, die zu einer besseren Wiedergeburt führen.

10.12.91 Mit dem Nachtbus nach Krabi
Nach zwei Tagen fahre ich zurück nach Bangkok, hole mein Gepäck und fahre mit dem Boot zum GPO. Beim GPO bekomme ich endlich den ersehnten Brief von Geli! Ich freue mich sehr. Sie kommt am 22.12. morgens an! Da habe ich noch Zeit, mir zu überlegen, wo wir die Weihnachtstage verbringen werden. Ich hatte gehört, dass Krabi sehr schön sein soll. Da werde ich jetzt hinfahren und gucken, ob das auch wirklich so ist! Außerdem kann ich ein paar Tage Ruhe gebrauchen.

Nur, bis Krabi, das weit im Süden von Thailand liegt, ist es ziemlich weit. Wie gut, dass man bei den zahlreichen Reisebüros in der Kao San Road die Busfahrt dahin buchen kann! Zusammen mit vielen anderen Travellern warte ich abends auf den Bus. Er kommt mit einiger Verspätung. Der größte Teil der Strecke ist Autobahn. Ich profitiere von der Schlafmaske, die ich mir in Hongkong gekauft hatte. So kann ich wenigstens ein bisschen schlafen. Natürlich hält der Bus genau zu dem Zeitpunkt, als ich gerade wirklich tief schlafe, damit wir ein Restaurant und eine Toilette aufsuchen können. Es ist 2:00 Uhr nachts! Ich fühle mich zerschlagen, ungewaschen und schlecht gelaunt. Als der Bus nach einer Stunde weiterfährt, brauche ich lange, bis ich wieder einschlafe. Frühmorgens kommen wir in Surathani an. Dort steigen einige Leute aus, die weiter nach Koh Samui wollen. Kaum ist unser Bus dann aus Surathani raus, hat er einen Motorschaden. Wir müssen zurück und auf einen Ersatzbus warten.

Ich warte auf den Bus nach Krabi 1991

Ich warte auf den Bus nach Krabi 1991

11.12. – 17.12.1991 Krabi: Raleigh Beach – ein tropisches Paradies am Indischen Ozean
Mit drei Stunden Verspätung kommen wir endlich in Krabi an. Dort werden wir auf Minibusse verteilt, weil es verschiedene Strände gibt. Ich werde zusammen mit einer netten Schwedin zum Bootsanleger gebracht, wo wir ein kleines Motorboot besteigen. Wir wollen zum Raleigh-Beach, der nur mit dem Boot erreichbar ist.

Die Fahrt mit dem kleinen Motorboot geht entlang der Küste. Wir sehen die auf Stelzen stehenden Häuser der Seezigeuner inmitten von Mangrovenwäldern. Die frische Brise weht uns ins  Gesicht. Die Berge rundherum erinnern an die Karstberge bei Guilin mit ihren steilen Hängen und spitzen Gipfeln. Nach einer halben Stunde erreichen wir den Strand von Raleigh Ost. Wir steigen aus und patschen ein paar Schritte durch das Wasser. Hier macht der Strand noch keinen guten Eindruck. Es ist bereits Nachmittag und die Sonne steht auf der anderen Seite der Halbinsel, so dass es hier schon ein wenig dunkel ist. Zu unserem Busticket gehört auch eine Nacht in einer Bungalowanlage auf dieser Seite. Die Schwedin und ich teilen uns den Bungalow. Das Häuschen liegt unter hohen Bäumen, besteht aus Bambus und ist leider sehr dunkel. In der Nacht kann ich wegen der ungewohnten Ruhe kaum schlafen. Ich genieße die Stille. Nur manchmal rauscht der Regen in den Blättern über uns.

Wir ziehen dann doch um zum Raleigh Beach an der Westküste. Hier ist es so viel heller! Der Strand ist aus feinem weißem Sand. Rundherum Palmen und mitten unter ihnen kleine Bungalow-Anlagen. Ich habe keine Lust auf Ratten und so nehmen wir uns einen winzigen Bungalow ohne eigenes Bad. Aus den Badezimmern kommen nämlich die Ratten in die Zimmer. Allerdings habe ich keine Ahnung, ob es wirklich Ratten gibt. Ich will nur vorsichtig sein. Drei, vier solche Bungalowanlagen gibt es, dazwischen liegen Restaurants, wo man unter freiem Himmel die wunderbaren thailändischen Curries essen kann. Es gibt auch den beliebten Banana-Pancake.

Ich gewöhne mich schnell daran, morgens früh aufzustehen, wenn noch niemand am Strand ist. Dann gehe ich langsam am Wasser entlang und sammele Muscheln und kann auch in Ruhe mal schwimmen. Ich habe immer ein wenig Angst, dass mir jemand mein Geld, meine Kamera oder meine Kreditkarte klaut. Mit meinen Befürchtungen stehe ich mir selbst im Weg, wenn es darum geht, ein erholsames Bad im warmen Indischen Ozean zu nehmen. Ebbe und Flut sind deutlich zu unterscheiden. Meistens ist es Mittags am besten zum Baden.

Krabi Raleigh Beach

Krabi Raleigh Beach

Durch einen kleinen Wald gehe ich zu einem weiteren Strand. Die geschützte Bucht bietet Möglichkeiten zum Schnorcheln. Doch wenn ich die Viecher sehe, die ich als Seegurken kennen gelernt habe, vergeht mir die Lust, mich in dieses Wasser zu begeben. Ich verbringe meine Tage damit, dass ich von einem Restaurant zum anderen ziehe, unruhig mal eine Stunde am Strand verbringe und mit den anderen Travellern rede. Glücklicherweise gibt es einen Laden, in dem gebrauchte Bücher verkauft werden. So habe ich genug zu lesen. Das ist mir die Hauptsache, denn ausruhen alleine macht mich nervös. Ich kann nicht lange in der Sonne liegen, dann bekomme ich Kopfschmerzen. Außerdem verträgt meine Haut keine Sonne. Trotzdem werde ich nach und nach deutlich braun.

Außerdem nutze ich die ruhige Zeit dazu, mir zu überlegen, was ich  nach der Zeit mit Geli machen werde. Fahre ich nach Vietnam? Mache ich die Meditationsretreat? Fahre ich nach Indonesien oder nach Indien? Ich rechne mir aus, wie viel Geld ich noch habe. Wie lange kann ich noch unterwegs sein? Zwischendurch denke ich darüber nach, was ich mit Geli zusammen machen werde. Wie kann ich die zwei Wochen so gestalten, dass sie möglichst viel sieht und viel Spaß hat? Wo habe ich mich schon zu sehr ans Travellerleben gewöhnt, wo muss ich Rücksicht auf Geli nehmen? Was kann ich ihr in bezug auf lange Busfahrten und einfache Hotels zumuten? Wie viel Luxus möchte sie haben und wie viel Luxus kann ich mir leisten? Kein Wunder, dass ich unruhig bin! Ich finde kaum Antworten auf meine vielen Fragen.

Die Schwedin reist ab. Für mich wird es Zeit, nach Bangkok zurückzukehren, um Geli vom Flughafen abzuholen. Die lange Busfahrt nach Bangkok wird zur Qual. Ich habe wieder Bauchschmerzen, die mit heftigen Rückenschmerzen einhergehen. Wann wird das endlich aufhören?

Anmerkung:
Raleigh Beach bzw Ralay-Beach bei Krabi ist heute nicht mehr das abgelegene Backpackerparadies. Es haben sich einige komfortable Touristenhotels dort angesiedelt. Zum Beispiel das Rayacadee Resort, das auf seiner Webseite eine beeindruckende Fotogalerie zeigt.

Reisebericht

Zum Anfang meiner Großen Reise: 06.04.1991 Es geht los!

Zur vorangegangenen Etappe: 29.11. – 08.12.91 Thailand – Traum und Wirklichkeit

Zur nächsten Etappe: 18.12. – 29.12.1991 Thailand – Weihnachten – Desaster

 

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