Rom Tag 2

Heute lasse ich es entspannt angehen. Die meisten Museen öffnen erst um 9:00 Uhr.Ein Plausch mit dem Hotelier, ein Bummel über den tatsächlich wieder aufgebauten Markt (allerdings erheblich kleiner als gestern), ein Powerfrühstück aus frischen Früchten und schon stehe ich vor den Diocletians-Thermen. Laut Google Maps hätte ich vom Hotel ungefähr 10 Minuten gebraucht. Doch Google hat nicht immer recht. Der Eingang zu den Thermen samt Museum liegt genau gegenüber vom Bahnhof Termini. Auf der linken Seite kann man den Platz der Republik erahnen. Alles also ganz dicht beieinander.

In Sorge gucke ich zum Himmel: Es soll ja schließlich heute regnen, mit großer Wahrscheinlichkeit laut Internet-Wetterbericht. Die Sonne strahlt vom momentan wolkenlosen Himmel. Also auch dem Internet kann man nicht immer glauben.

 Herrlichstes Wetter in Rom

Tag 2: Herrlichstes Wetter

Die Diokletiansthermen sind auf den ersten Blick riesengroß und auch auf den zweiten Blick eröffnen sich immer mehr Höfe, Hallen und gigantische Räume. Überall, wohin man guckt, Statuen mit und ohne Kopf, Marmorköpfe von Frauen, Männern und Kindern. Römisch natürlich! Ich weiß gar nicht, wohin ich zuerst schauen soll! Wahnsinn! Ich sehe eine Venus-Statue, die mir bekannt vorkommt, ein Jupiterkopf soll nach einem Original aus der Schule des Phidias sein. Ich erinnere mich an meine Archäologie-Studium und bin überwältigt von all den tollen Ausstellungsstücken. Die Gärten sind voller Pinien, Zypressen und Orangenbäume. Vögel zwitschern. Wie verzaubert gehe ich durch die Räume und bin einfach nur glücklich. Auf jeden Fall sind die Thermen sehenswert und einen extra Bericht wert!

Dann gehe ich hinüber zu dem Busbahnhof und nehme den Bus Nr. 40 zur Piazza Navona. Dort verpasse ich die richtige Haltestelle und steige aus, als ich die Engelsburg von weitem sehe. Wie schön! So sehe ich die auch wieder! Erinnerungen an die Klassenfahrt nach Rom, an einen tollen Lateinlehrer werden wach.

Nunbummele ich durch die engen Gassen, schaue mir eine barocke Kirche an. Dunkle Wolken ballen sich über mir. Und bald fallen die ersten dicken Tropfen. Also hat das Internet doch recht gehabt! Aber bevor ich ein geschütztesStraßencafe gefunden habe, hört auch schon wieder auf. Und dabei bleibt es für den Rest des Tages. Trotzdem mache ich erstmal Pause. Mein Magen knurrt vernehmlich. In einem kleinen Restaurant abseits allerTouristenströme finde ich einen Platz an der schmalen Straße. Der Salat ist perfekt, der Rotwein ein Genuss!

Hier lasse ich mcih gerne für eine Pause und einen Salat nieder!

Hier lasse ich mcih gerne für eine Pause und einen Salat nieder!

Nächster Punkt: die Neue Kirche. Ein freundlicher junger Mann überredet mich, einenAudioguide zu nehmen. So erfahre ich mehr über die Kirche, als mich eigentlich interessiert. Die Kirche ist mit barocker Pracht ausgestattet, viel Gold und kleine Engelchen. Beeindruckende Deckengemälde und Gemälde von Rubens im Altarraum. DieRubensgemälde sind so dunkel, dass ich kaum erkenne, was dort dargestellt ist. Die Kirche ist schön, aber die Pracht des Barock ist nicht so meins.

Also wandere ich weiter durch die schmalen Gassen zur Piazza Navona. Im strahlenden Sonnenschein tummeln sich hier und heute, am Samstag, die Touristen aus aller Welt. Ich wandere ziellos hin und her, fühle mich verpflichtet, einige Fotos zu machen, und überlege, was ich mit dem Resttag noch anfange. Es ist noch ziemlich viel Resttag, denn es ist erst 13:00 Uhr.

Schließlich nehme ich den Bus 87 zum Kolosseum. Denn ich möchte noch einmal zum Forum Romanum. Die Busfahrt wird zu einem ganz speziellen Erlebnis. Ich habe einen Sitzplatz und frage meine Nachbarin, eine ältere Italienerin, nach der richtigen Haltestelle. Sie hat gar keine Ahnung, dass der Bus am Kolosseum vorbei fährt, muss einen Mitfahrer fragen. Ja, alles ok! Doch die Frau freut sich, jemanden zum Reden gefunden zu haben und textet mich auf Italienisch zu. Ich weiß nicht, wovon sie redet, und schalte schnell auf Durchzug. Hin und wieder ein Lächeln und ein Nicken, die Frau redet ohne Pause.

Zu meiner Freude fahren wir am Circus Maximus vorbei, sehen die Kirche mit dem Maul der Wahrheit. Dann macht mich die Italienerin darauf aufmerksam, dass die Straße rechts zumAventin führt. Ich konzentriere mich wieder und verstehe, dass sie meint, dass dort viele wunderschöne Kirchen stehen. Aber ich lasse mich nicht von meinen Plänen abbringen.Kirrchen habe ich schon genug gesehen heute.

Konstantinsbogen und Kolosseum

Konstantinsbogen und Kolosseum

Dann kommt unverkennbar das Kolosseum in Sicht! Ich steige aus und fange sofort an zu fotografieren. Ich habe mir vorgenommen, so viel wie möglich zu fotografieren. Aber ich habe schnell das Gefühl, dass ich die Umwelt nur noch durch die Kamera sehe bzw. alles unter dem Aspekt sehe, ob sich das gut als Foto auf meinem Blog macht.

Das Kolosseum! DerKonstantinsbogen! Und über allem lacht die Sonne von einem wieder fast komplett wolkenlosen Himmel! Ist das nicht herrlich?!!! Ich fühle mich vom Glück verfolgt und marschiere los. Noch tun mit weder Füße noch Beine weh. Ich fühle mich total fit. Doch schnell hat mich die Realität eingeholt. Die Wege hinauf auf den Palatin, die vielen Treppen,  Pfade, die aufAussichtsplattformen enden und nur ein Zurückgehen zulassen kein Weitergehen. Aber es gibt überall Bänke und alteSäulenreste, auf denen ich mich ausruhen kann. Der Palatin ist schön mit vielen Bäumen und Palmen. Ich beobachte eine fette Möwe, die um Brot bettelt, und folge einem Rotkehlchen in einen ruhigen Garten.

Dann steige ich hinunter zum Forum Romanum. Die alten runden Steine machen das Gehen mühsam. Als ich eine Frau dabei beobachte, wie sie mühsam einen Kinderbuggy durch Rillen und Löcher schiebt, wird mir bewusst, dass diese Wege alles andere als behindertenfreundlich sind. Auch mir tun schnell die Füße und Beine wieder weh, von dem langsamen balanzieren von Stein zu Stein. Man scheint aber das Problem erkannt zu haben, denn an manchen Stellen wird ein glatter Weg angelegt, anscheinend für Kinderwagen und Rollstühle.

Als ich nach mehr als einer Stunde das Gelände wieder verlasse, bin ich total k.o. Mir tun die Füße weh bis zu den Hüften. Als steige ich in den nächsten Bus und fahre zum Bahnhof. Bei den wenigen Schritten merke ich, dass meine Füße letztendlich nur auf den holprigen Wegen des Forums gelitten haben.

Nach einer Pause im Hotel gehe ich essen. Typisch italienisch und wunderbar. Den Abend beschließe ich gemütlich auf meinem Zimmer bei einem Glas Rotwein und ein wenig Fernsehen.

Zum Tag 1 in Rom

 

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