Blogparade – Mein Abenteuer ist nicht Dein Abenteuer

„Mein Abenteuer ist nicht Dein Abenteuer“ schreibt Florian vom flocblog und ruft damit zu einer Blogparade auf. Er gibt auch einige interessante Beispiele für seine Abenteuer. Dabei stellt er 4 Thesen auf:

  • Ein Abenteuer hängt von Erfahrung ab
  • Ein Abenteuer ist subjektiv
  • Ein Abenteuer musst Du Dir verdienen
  • Ein Abenteuer ist oft überraschend

Ich kann Florian nur von ganzem Herzen zustimmen! Auch ich habe mir schon viele Gedanken um den Begriff des Abenteuers gemacht und hier eines meiner „größten“ Abenteuer beschrieben: Südchina – abseits von allen Touristenpfaden.

Was ist ein Abenteuer? Das sagt Wikipedia dazu:

Als Abenteuer (lat.: adventura: „Ereignis“; mittelhochdt.: aventiure) wird eine risikoreiche Unternehmung oder auch ein Erlebnis bezeichnet, das sich stark vom Alltag unterscheidet. Es geht um das Verlassen des gewohnten Umfeldes und des sozialen Netzwerkes, um etwas Wagnishaltiges zu unternehmen, das interessant, faszinierend oder auch gefährlich zu sein verspricht und bei dem der Ausgang ungewiss ist. In diesem Sinne gelten und galten Expeditionen ins Unbekannte zu allen Zeiten als Abenteuer.

Hier auch mal das Herangehen der Chinesen an den Begriff „Abenteuer“:奇 遇 	  qíyù		Abenteuer, außergewöhnliches Erlebnis, glückliche Fügung, 		überraschende Begegnung1. Ein Abenteuer hängt von Erfahrung ab
Der erste Begriff ( = qíyù) enthält die Aspekte des Ungewohnten und der Begegnung. Dazu passt, finde ich, der 1. Punkt von Florian sehr gut: Ein Abenteuer hängt von Erfahrung ab. Wenn man neu in einem Land ist, kann eine einfache Radtour zum aufregenden Abenteuer werden.

Mein Beispiel:
An meinem ersten Tag in China, damals 1987, hatte ich mir gleich ein Fahrrad geliehen und radelte munter hinaus aufs Land vor den Toren von Xi’an, China. Jede Minute schien mir wie ein großes Abenteuer, der Verkehr war der Wahnsinn. Niemand schien sich an Verkehrsregeln zu halten. Ich mit meinem Fahrrad war das schwächste Glied in der Kette. Ich musste ausweichen, wenn ein LKW mit zornigem Hupen an mir vorbei rauschte oder ein PKW mir auf meiner Seite plötzlich entgegen kam. Dazu kamen tiefe Löcher im Asphalt, ungewohnte Wegweiser und immer die Angst, mich zu verfahren. Am Straßenrand fielen andere Radfahrer fast von ihrem Stahlross, wenn sie sahen, wer da an ihnen vorbei strampelte.

Später ist mir das Radfahren in China zur Gewohnheit geworden. Vor allem seit ich Chinesisch sprechen und nach dem Weg fragen kann. Was nicht bedeutet, dass es nicht zu Abenteuern kommen kann. Suzhou: mit dem Fahrrad auf Abwegen

2. Ein Abenteuer ist subjektiv
“Schönheit liegt im Auge des Betrachters“ sagt man gerne. Das gilt auch für das Abenteuer. Wenn ich mit vor Aufregung trockenem Mund und voller Bewunderung die Abenteuer von großen Reisenden wie Alexander von Humboldt oder Alexandra David-Néel betrachte, dann fühle ich mich klein und gar nicht als Abenteurerin. Und doch gibt es Menschen, die mich wegen meiner Abenteuer bewundern. Das macht mich immer etwas verlegen. Andererseits ist das, was ich auf meinen Reisen unternehme für viele ein richtiges Abenteuer.

Mein Beispiel:
Mit einer Freundin und per Fahrrad unterwegs in Südchina. Ich genoß die tolle Landschaft, die weiten Reisfelder, das geruhsame Fahren auf schmalen unbefestigten Wegen. Freundlich erwiderte ich jedes „Hallo!“ der Kinder am Wegesrand. Erst ganz allmählich merkte ich, dass meine Freundin, die zum ersten Mal so eine Tour unternahm und noch nicht lange in China war, immer stiller wurde. Bei einer Pause, als wir von einer Mädchenbande etwas feindselig angestarrt wurden, kam es zum finalen Aufschrei: Meine Freundin wollte nur noch weg, nur noch zurück ins nette Hostel. Ihr war das alles zu fremd, zu abenteuerlich. Ich hätte ja gerne mit der Anführerin gesprochen, sie gefragt, warum sie so feindselig war, schließlich konnte ich ja ein wenig Chinesisch. Aber die Zeit blieb mir nicht. Was für mich ein netter Ausflug war, war für meine Freundin ein zu großes Abenteuer.

3. Ein Abenteuer musst Du dir verdienen
„Jedes Erlebnis wird abenteuerlicher, wenn Du etwas Unbequemes erdulden musst.“, schreibt Florian. Ich möchte ergänzen „um das Erlebnis zu erreichen“. Doch da kann ich nur sagen „Der Weg ist das Ziel!“. Sicherlich ist manches einfach schon als Gegensatz zum Alltäglichen, zum vorher Erlebten ein Abenteuer. Wenn man mit dem Zug quer durch Sibirien unterwegs ist, verlaufen die Tage eintönig. Selbst die endlose Landschaft der Taiga erscheint ohne Abwechslung, Birken bis zum Horizont. Man hat auch keine Sorgen, muss sich um nichts kümmern, denn Transport und Unterkunft sind auf Tage hinaus festgelegt. Wenn man dann aussteigt, sich wieder mit einer neuen fremden Umgebung auseinander setzen muss und zunächst unsicher ist, wie man sich zurechtfinden, Unterkunft und Transport organisieren kann, dann ist man wieder mitten drin im Abenteuer.

Ulrike unterwegs

Ulrike unterwegs

Mein Beispiel:
Meine erste China-Reise 1987. Ich war mit einer Freundin von Chengdu aus zum damals noch fast unbekannten Nationalpark Jiuzhaigou aufgebrochen. Die Fahrt war wirklich abenteuerlich! Tiefe Schluchten, schneebedeckte Berge und kleine Dörfer boten eine spektakuläre Kulisse zu unserem Abenteuer. Als wir unser Ziel erreichten, war es fast schon eine Erholung, in dieser zauberhaften Umgebung spazieren zu gehen und den freundlichen Tibetern zu begegnen. Mehr zu diesem Abenteuer: Von der Angst unterwegs: Schlechte Straßen und tiefe Schluchten

4. Ein Abenteuer ist oft überraschend
Als Reisender stellt man sich den Abenteuern und anderen plötzlich auftauchenden Herausforderungen. Ja, ich denke, dass ein typischer Aspekt des Abenteuers die Überraschung ist. Und die Herausforderung besteht darin, mit diesen plötzlichen Wendungen und Abenteuern fertig zu werden.

Mein Beispiel:
Wieder Jiuzhaigou 1987: Als wir oben in den Bergen waren, erlebten wir einen plötzlichen Schneesturm, halbwegs warm von unserer Unterkunft aus. Am nächsten Tag war alles mit Schnee bedeckt. Wir hatten leichte Panik, weil wir nicht wussten, ob wir eine Möglichkeit finden würden, wieder ins Tal zu kommen. Ein Bus? Jemand, der uns mit nahm? Nein! Das gab es nicht an diesem Tag! Wir entschlossen uns also, die 25 Kilometer zum Parkeingang zu Fuß zu gehen. Eine abenteuerliche Wanderung, die uns Begegnungen mit freundlichen Nomaden und zotteligen Yaks bescherte. Mehr…

Noch einmal Chinesisch

Abenteuer 2Das zweite chinesische Wort für Abenteuer birgt auch den Aspekt des Risikos in sich. Ja, auch das ist Teil eines Abenteuers: Ungewissheit über den Ausgang, das Risiko, einen Unfall zu haben, die Gefahr, keine Unterkunft zu finden, keinen Transport, kein Weiterkommen.

Meine Antwort darauf ist „Risikominimierung“. Ich wäge ab, ob ich ein Risiko auf mich nehmen will. Ich plane meine Reisen heute sorgfältig, versuche, mich auf alle Unwägbarkeiten vorzubereiten. Außerdem: Ich bin gar keine Abenteurerin, wie manche denken. Ich bin die Stadtmaus, liebe Kultur- und Städtereisen und mein Einzelzimmer mit Dusche.

p.s.: Das Titelfoto zeigt mich mal nicht in China,, sondern bei den Pyramiden von Gizeh. Es kommt meiner Vorstellung von „Ulrike, die Abenteurerin“ am nächsten.

9 Kommentare

  • Ein sehr guter und treffender Titel für diesen interessanten Bericht. Bei uns ist das auf einer Reise so: Ich plane und Yuki setzt um. All die Feinheiten, die ich sonst vielleicht vergesse. Auch ich bin nicht perfekt. Und nur komplett mit Elfe 😉

    • bambooblog

      Nobody is perfect! 😉 Ich empfinde Deine Berichte von den Auto-Testfahrten immer als tolle Abenteuer-Berichte und sehr spannend.

  • Wow, eine interessante Blogparade!

    Risikominimierung – ich glaube, du würdest dich gut mit meinem Mann verstehen 😉

    Von deinen Reiseberichten hätte ich dich schon als eher vorsichtigen Mensch eingeschätzt, aber du und keine Abenteurerin?

    Ich fühle mich übrigens auch nicht als Abenteurerin. Damals haben mir z.B. alle prophezeit, dass das Auswandern nach China ein Abenteuer wird. Aber eigentlich … na ja … Ich habe es nie als solches wahrgenommen …

    PS: Danke, dass du an deinen Jiuzhaigou-Artikel erinnert hast. Den habe ich damals gelesen und aus Zeitgründen abbrechen müssen – und dann vergessen 🙁

    • bambooblog

      Deshalb finde ich den Titel auch so passend „Mein Abenteuer ist nicht Dein Abenteuer“ Jeder hat eine andere Vorstellung vom Abenteuer.
      Hmm, ich glaube, ich möchte Euch beide bald mal kennen lernen. 😉
      Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!
      Ulrike

      • Noch eine Ergänzung zu deinem Wort „Risikominimierung“, liebe Ulrike. Wenn wir nach Japan reisen kennen wir dort natürlich Land und Leute. Japan ist schon recht sicher als Reiseland. Aber es gibt immer Orte, die du auch als Einheimischer meiden solltest.

      • bambooblog

        Ja, in der HInsicht gebe ich auch viel auf die Empfehlungen der Einheimischen.

  • Wow, die alten Chinesen wissen eben was ein Abenteuer ist!
    Da hast Du ja doch noch ein Fahrrad untergebracht, wenn auch kein Mountainbike 😉

    Danke für Deine Teilnahme an der Blogparade.

    • bambooblog

      Ja, richtig! Ich fahre gerne mit dem Fahrrad. Nur Mountainbikes sind nicht mein Ding. Danke für die spannende Blogparade.
      LG
      Ulrike

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