Der Palast des Allumfassenden Glücks

Peking – Verbotene Stadt – Abseits der Touristenpfade

Der Kaiserpalast, die Verbotene Stadt, die Sehenswürdigkeit schlechthin in Peking und China. Das in Verbindung mit dem Begriff „Abseits der Touristenpfade“?? Doch, ja! Das kann man durchaus sagen. Denn der durchschnittliche Tourist, vor allem, wenn er mit einer Gruppe unterwegs ist, braust in 2 Stunden von Süden nach Norden, dicht entlang der Mittelachse, durch die Verbotene Stadt. Und glaubt danach, den alten Kaiserpalast gesehen zu haben.

Es gibt aber noch so viel mehr als nur die großen Hallen in der Mitte des Palastes! Es gibt so abgelegene Paläste, dass man dort wirklich von „abseits der Touristenpfade“ sprechen kann. 890 Paläste und legendäre 9.999 Räume: das kann man gar nicht alles an einem Tag sehen! Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich in der Verbotenen Stadt gewesen bin, mindestens 10 Mal! Und ich entdecke jedes Mal etwas für mich völlig Neues, eine neue Ausstellung, einen neuen Hof, einen neuen Palast. Auch in den nächsten Jahren werden weitere bislang den Touristen vorenthaltene Paläste und Höfe zugänglich gemacht. Also muss ich nächstes Jahr unbedingt wieder hin.

Heute zeige ich Euch einen etwas merkwürdigen Palast: den Palast des Allumfassenden Glücks Yanxi Gong, auch Kristallpalast genannt.

Der Kristall-Palast

Der Kristall-Palast

Dieser Palast gehört zu den sog. 6 Östlichen Palästen, in dem früher Kaiserinnen, Konkubinen und Hofdamen wohnten, Natürlich lebten hier auch die kaiserlichen Prinzen und die Eunuchen. Diese Gebäude stammen aus der Frühzeit der Verbotenen Stadt und entstanden um 1420. Im 18. Jahrhundert war dieser Bereich vor allem beim Kaiser Qianlong beliebt. In einem der Gebäude wohnte seine Mutter, die er sehr verehrte. Auch die Konkubine Zhen, die so tragisch endete (siehe „Konkubine Zhen“), lebte in den östlichen Palästen..

Der alte Palast Yanxi Gong brannte 1845 komplett ab. Das Gelände blieb lange ungenutzt. 1909 begann man an dieser Stelle mit dem letzten Palastbau der Qing-Dynastie. Man hatte sich einen Pavillon gedacht, eine Art Wasserburg im europäischen Stil. In dem Wassergraben sollten Goldfische schwimmen und die weiten Fenster den Blick direkt auf die Wasserfläche erlauben. Deshalb wurde das Gebäude auch gerne der „Kristall-Palast“ genannt. Doch es kam anders. Als die Qing-Dynastie 1911 stürzte, wurden auch die Bauarbeiten am Wasserpalast des Yanxi Gong eingestellt.

Der Kristall-Palast und die Gebäude aus den 1930er Jahren

Der Kristall-Palast und die Gebäude aus den 1930er Jahren

Erst 1925, als die Verbotene Stadt offiziell zum Museum wurde, interessierte man sich wieder für dieses abgelegene Gelände und baute einige Häuser um das verwitternde Stahlgerüst herum. Hier sind seitdem Forschungsabteilungen zu Kalligrafie und Porzellan des Kaiserpalastes untergebracht. Heute kann man im Yanxi Gong wundervolle Ausstellungen zu Keramik und Kalligrafie bewundern.

Das alte Stahlgerüst des Wasserpalastes Shui Dian bildet einen seltsamen Kontrast zu den roten Bauten des Kaiserpalastes. Alleine schon deswegen lohnt es sich, bis hierher vorzustoßen. Auf dem Weg dorthin muss man durch die Schmuck- und Juwelen-Ausstellung, die einen Extra-Eintritt kostet.

Der Kristall-Palast

Der Kristall-Palast

Auf der Internet-Seite des Palastmuseums findet man verschiedene Routenvorschläge, je nachdem, wie viel Zeit man auf dem Gelände verbringen will. Der halbtägige Plan B führt auch zu dem Yanxi Gong. Die Wanderung durch den etwas abgelegenen östlichen Teil erlaubt einem auch den einen oder anderen Blick in noch nicht freigegebene Wege und Höfe.

Neueste Erkenntnis zum Kristallpalast findet Ihr auch hier

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