WPC: Ephemeral / flüchtig, vergänglich: Wasserkalligraphie

Wieder hat mich die Weekly Photo Challenge ein neues Wort gelehrt: Ephemeral. Das Wort, das es in der Form „ephemer“ auch im Deutschen gibt, kommt aus dem Griechischen:

Von griechisch: εφημερος (ephēmeros) = „für einen Tag“, aus επι (epi) = auf und ‛ημέρα (hēméra) = Tag (Wiktionary), Bedeutung: nur für kurze Zeit bestehend, flüchtig, ohne bleibende Bedeutung.

Was für eine Herausforderung für ein Foto! Ich habe ein wenig drüber nachdenken müssen, bevor mir ein passendes Foto einfiel, das genau dieses „nur für kurze Zeit bestehend“ darstellt.

Wasserkalligraphie bei der Großen Wildganspagode in Xi'an

Wasserkalligraphie bei der Großen Wildganspagode in Xi’an

Wasserkalligraphie im Stadtmauerpark in Xi'anJa, ich habe dann sogar zwei Aufnahmen gefunden, die ich 2011 in Xi’an von den Wasserkalligraphien gemacht habe, die auch heute gerne in den Parks der Großstädte geübt werden.

Gleich habe ich also noch so ein schwieriges griechisches Wort gefunden: „Kalligraphie“ und ich bemühe wieder Wiktionary:
“Von griechisch καλλιγραφία (kalligraphίa) → grc „das Schönschreiben“ entlehnt;[1][2] aus κάλλος (kállos) → grc „Schönheit“ und γράφειν (gráphein) → grc „schreiben““

Kalligraphie ist also die Schönschreibkunst.

„Schönschreibkunst“ ist ein Begriff, der auf die chinesische Kalligraphie so ganz und gar nicht zutrifft. Sich mittels Schriftzeichen künstlerisch auszudrücken, gehört seit der Tang-Zeit (618 – 906) zu den vornehmsten der Künste zusammen mit Malerei, der Dichtkunst, dem Musizieren und dem Bogenschießen (!).

Wie mir im Palastmuseum in Taipeh erklärt wurde, soll mit einer chinesischen Kalligrafie der individuelle Ausdruck des Künstlers hervorgehoben werden. Der Inhalt spielt eine ebenso große Rolle wie die Schrift. Eine Kalligraphie ist ein Gesamtkunstwerk. Kraft und individueller Charakter zusammen mit der Poesie zeigen die Schaffenskraft des Künstlers. Noch heute gehört es zu dem Können und Wissen eines gelehrten Menschen in China, dass er berühmte Kalligraphen an den Schriftzeichen erkennt, diese kopiert und sich daran übt, diese Ausdruckskraft selbst zu erreichen.

Warum nun aber diese Kalligraphie mit Wasser auf den Steinplatten in Parks und auf Fusswegen?

Man sagt, dass man das macht, weil Graffiti in China genauso verboten sind wie bei uns auch. Die Sprüche und Schriftzeichen aus Wasser verschwinden gleich wieder und verursachen keinen Schaden.

Die Wasserkalligraphie ist anscheinend eine neuere Kunst, die erst seit den 1990 Jahren überall in den Parks beobachtet werden kann. Man nennt es dishu (地 书 Erde + Schrift) in China.

Dishu dient der Übung und der Meditation. Meistens werden Sprüche und Sprichwörter geschrieben, die dem Beobachter und Vorübergehenden Glück und Wohlergehen wünschen.

Häufig kann man sehen, wie sich die Zuschauer um den Schreibenden versammeln und die Zeichen, die Art wie sie geschrieben werden, kommentieren. Auch in Tempeln kann man die Mönche bei der Wasserkalligraphie beobachten.

Ich habe mal gehört, dass diese Wasserkalligraphie schon früher geübt wurde. Man zeichnete die Schriftzeichen in Sand oder eben mit Wasser und gab seinem Unmut und Protest Ausdruck. Ein stiller Protest, der sich ganz schnell verflüchtigte…

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