Trommel- und Glockenturm – die Zeitansage

Glocken und Trommeln waren schon vor Tausenden Jahren wichtige und beliebte Musikinstrumente in China. Ab der Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n.Chr.) gab es Glocken, die den Morgen anzeigen sollten, und Trommelschläge galten für den Abend. Diese zeigten die Zeiten an, zu denen die Stadttore geöffnet bzw. geschlossen wurden. So war es in Peking üblich, dass morgens um 7:00 Uhr die Glocke des Glockenturm geschlagen wurde. Bis 5 Uhr nachmittags wurde die Glocke alle 2 Stunden geschlagen, denn der chinesische Tag wurde nicht in 24 Stunden geteilt sondern in 12 Zeiteinheiten. Mit dem Ertönen der Trommeln des Trommelturms wurde die Nacht begonnen und die Stadttore wurden geschlossen. Nachts klangen die Trommeln dann alle 2 Stunden.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich spezielle Gebäude für die wichtige „Zeitansage“. Seit dem 13. Jahrhundert kennzeichnen der Trommel- und der Glockenturm das Stadtzentrum chinesischer Städte. Dabei steht der Glockenturm in der Mitte und der Trommelturm wenige Meter weiter.

Auch wenn in vielen Städten heute die Stadtmauern und alte Gebäude verschwunden sind, so gibt es häufig noch den Trommel- und den Glockenturm. Sie stehen wie Denkmäler für die Vergangenheit fest mitten im brausenden Verkehr, auch wenn sie heute keine Bedeutung mehr als Verkündiger der Zeit haben. Die bekanntesten sind die Türme in Peking und in Xi’an. Oder schaut Euch mal den Trommelturm in Datong an. Interessant ist der Trommelturm in Peking. Hier kann man hinaufsteigen und einige beeindruckende alte Trommeln sehen. Für Glocken allerdings steigt man in Peking nicht auf den Glockenturm, sondern besucht den Tempel der Großen Glocke.

Am besten bekannt sind der Trommel- und der Glockenturm in Xi’an. Die Türme wurden ursprünglich im 14. Jh. erbaut, aber mehrmals renoviert und sogar im 16. Jh. abgerissen und komplett an anderer Stelle neu erbaut. Nachdem es im 20. Jh. keine Notwendigkeit mehr für die Zeitansage per Glocken- oder Trommelschlag gab, wurde vor allem der zentral gelegene Glockenturm für ganz spezielle Aufgaben genutzt: 1911 war es das Telefon-Amt. 1927 wurde hier ein Kino eröffnet. 1928 kam ein Planetarium hinzu. Später wurde es auch als Wetterstation genutzt. Für eine kurze Zeit gab es im Glockenturm sogar ein Gefängnis. Heute hat man drumherum einen großen Platz erbaut, der Verkehr tobt an dem alten Gebäude vorbei.

Auch in der Provinz Gansu, in Zhangye, gibt es einen Trommel- und Glockenturm: Mehr

Peking: Trommel- und Glockenturm

Peking: Glocken.- und Trommelturm

Datong: Trommelturm

Datong: Trommelturm

Xi'an Glockenturm

Xi’an: Glockenturm

Xi'an Trommelturm

Xi’an: Trommelturm

Bild

Xuanhua, Provinz Hebei

 

Ein Kommentar

  • Bei historischen Gebäuden versuche ich mir immer die Geschichte vorzustellen: wie war die Zeit damals, was haben die Menschen gedacht. Bei Japan gelingt mir das recht gut. Auch Deutschland funktioniert. China, Korea bleiben mir fremd Schwestern und Brüder zwar, aber auch eine andere Mentalität.

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