12.04.1992: Omre Manang Airport – Phokara

Nach einem Tag ausruhen in Manang entschließe ich mich endgültig, den Bergen den Rücken zu kehren. Ich will einfach nur noch raus, bin eben ein Flachlandbewohner und fühle mich mittlerweile ziemlich unwohl in diesen hohen Bergen ringsum. Sie scheinen mich zu erdrücken und mir den Atem zu rauben. Also auf zum Flughafen, dem Manang Airport! Denn auf die erneute Überquerung von 9 Hängebrücken habe ich auch keine Lust.

Der Sohn der Wirtin

Der Sohn der Wirtin

Der Manang Airport liegt in dem kleinen Dörfchen Omre auf rund 3.350m Höhe. Das sind weniger als 200m tiefer als Manang selbst. Bleierne Müdigkeit scheint auf mir zu lasten, als ich die paar Kilometer nach Omre gehe.Ich quartiere mich in einer netten Lodge ein. Zwei Tage muss ich auf das Flugzeug warten. Ich freunde mich mit der tibetischen Wirtin an, die genauso alt ist wie ich, 37 Jahre. Tiefe Falten zerfurchen ihr Gesicht. ich finde, dass sie sehr viel älter aussieht. Was für ein schweres Leben hat sie hier! Mir wird bewusst, welch eine Freiheit ich habe. Welches Glück, dass ich in Deutschland geboren wurde, und damit auch ein recht einfaches Leben habe und reisen kann. Sie spricht wenig Englisch. Ich hüte Ihren zweijährigen Sohn, der fast immer lacht, nur dann nicht, wenn ich ihn fotografieren will. Den Hausherrn bekomme ich nicht zu sehen, denn der arbeitet in Kathmandu und kommt nur selten nach Hause.

Die Backpacker, die vorbei kommen und teilweise auch in der Lodge übernachten, fragen mich alle, was ich hier mache. Sie sind beeindruckt von meinen Abenteuern. Ich schenke einem jungen Amerikaner meine dicken Socken, die ich nun nicht mehr brauche. Ein anderer bekommt meine Mikropur-Wasserdesinfektionstabletten. Ich fühle mich deprimiert, antriebslos und müde. Ich mache kurze Spaziergänge, aber die meiste Zeit hänge ich in der Lodge ab. Mich graust es ein wenig vor dem Flug. Wie wird das Flugzeug sein? Bilder von alten Filmen, in denen fürchterliche Klapperflieger erschreckend nahe an die Berge fliegen, verfolgen mich in meinen Träumen.

Schließlich stehen dann eines Morgens um halb 8 einige von den Wanderern mit mir am Manang Airport ( 😉 ), um mich zu verabschieden. Auch einige Einheimische, für die die Ankunft des Flugzeugs immer noch ein großes Ereignis ist, haben sich an diesem kühlen Morgen versammelt.

Morgens um 8 am Flughafen

Morgens um 8 am Flughafen

Cafeteria und Tea-Lounge

Cafeteria und Tea-Lounge

Der Check In besteht aus einem einfachen Holztisch, an dem ein leger angezogener Mann sitzt. Ich lege meine 50,- Dollar hin und bekomme einen Boarding Pass, ein abgegriffenes Stück Pappe. Mein Rucksack wird an eine primitive Waage gehängt. Er wiegt immer noch 12 Kg. Ein paar Soldaten verscheuchen die letzten Kühe von der Weide – äh, dem Flugfeld. In einem Bretterverschlag flackert ein Feuer, über dem Teewasser in einem kupfernen Kessel kocht.

Omre Airport: Check In

Check In, Tower (das kleine rote Radio), Gepäckabfertigung und Boarding Gate: Omre Airport

Der Mann vom Check In hat ein kleines rotes Radio mit Funksprechanlage neben sich stehen. Kurz vor 8 fängt er an, aufgeregt hineinzusprechen. Unter dem Ah! und Oh! der Zuschauer wird zwischen den Bergen im Morgenlicht ein kleines Flugzeug sichtbar. Als es gelandet ist, steigen ein Flugkapitän, ein Zahlmeister und eine Stewardess aus. Alle tragen sie blitzsaubere und adrette Uniformen.

Manang airport: Warten auf den Flieger

Warten auf den Flieger

Manang Airport: Das Flugzeug kommt!

Da! Das Flugzeug taucht aus dem Dunst zwischen den Bergen auf!

Das kleine Flugzeug

Das Flugzeug in all seiner Pracht

Es gibt 14 Sitzplätze für die Passagiere. Mit mir steigen noch ein paar Einheimische und einige müde Trekking-Touristen ein. Dann rollt das Flugzeug an. Es hebt ab. Die Landschaft, die Berge, durch die wir mitten hindurch fliegen, sind so beeindruckend, dass ich meine Angst, mit solch einem kleinen Flugzeug zu fliegen, völlig vergesse. Rechts und links die schneebedeckten Gipfel des Annapurna-Massivs!! Schon nach wenigen Minuten sind wir raus aus den Bergen, unter uns zuerst terrassierte Felder und dann die Ebene von Pokhara mit dem See. Ein wenig dunstig ist es. Als wir aussteigen, schlägt uns die warme Luft ins Gesicht. Ich fühle mich sehr viel besser. Schön, dass es so warm ist!

Zur ersten Etappe: 06.04.1991: Es geht los!

Was zuletzt geschah: Höhenkrankheit

Zur nächsten Etappe: 13. – 24.04.1992: Nepal: bunt und freundlich

Über meine Flugangst habe ich in der Reihe „Von der Angst unterwegs“ geschrieben: Flugangst

Manang Airport sieht heute, mehr als 20 Jahre danach, etwas anders aus: Wikipedia Es gibt sogar einen IATA-Code (NGX) und man kann die Flüge im Internet finden.

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