10 Tipps für Deine erste China-Reise

Möge ich den Mut haben zu ändern, was ich ändern kann
Möge ich mit Gelassenheit akzeptieren, was ich nicht ändern kann
Möge ich zwischen beidem unterscheiden können

Das sog. Gelassenheitsgebet (siehe auch Wikipedia Gelassenheitsgebet) ist ein guter Grundsatz für das Reisen im allgemeinen und besonders für das Reisen in China. Nachdem ich nun seit mehr als 10 Jahren China-Reisen für andere organisiere (bei meiner Arbeit bei einem China-Reiseveranstalter) sind mir schon viele Menschen begegnet, die erstaunlich wenig vorbereitet nach China reisen. Gerade bei einem so fremden und andersartigen Land wie China sollte eine gründliche Vorbereitung auf eine China-Reise selbstverständlich sein.

Touristen in Chengdu

Touristen in Chengdu

Wenn man sich nicht ordentlich vorbereitet, kann es passieren, dass einen der Kulturschock umhaut, dass man vor lauter Unkenntnis von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpert und dass die Reise letztlich zur Qual wird. Damit Ihr Euch an Eurer China-Reise erfreuen könnt und locker mit all den exotischen Eindrücken umgeht, habe ich 10 Punkte zusammen gefasst, die ich am liebsten auch jedem Kunden kurz und deutlich ans Herz legen möchte.

Meine Tipps für die erste China-Reise

Vorbereitung ist alles

Meine Empfehlung: lest das Buch „China-Knigge“ von Petra Häring-Kuan, einer ausgezeichneten China-Kennerin

Überall Sicherheitskontrollen

Auf Bahnhöfen, U-Bahn-Stationen und manchmal auch beim Betreten von Museen und Sehenswürdigkeiten trifft man auf umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen. Mindestens ein Durchleuchtungsgerät für das Gepäck und Handgepäck ist vorhanden, beobachtet von mehr oder minder interessierten Beamten. Legt das gedanklich unter „Dinge, die ich nicht ändern kann“ ab und macht mit. Dumme Späße, lautes sich beklagen oder wütend werden bringt gar nichts, kann sogar zu bösen Auseinandersetzungen führen, die die Beamten auf jedem Fall gewinnen. Siehe auch: U-Bahn fahren in China

Ihr seit manchmal die Sensation des Tages!

Ihr werdet in China angestarrt werden! Auch wenn das in den großen Metropolen schon sehr nachgelassen hat, so ist das doch immer noch weit verbreitet. Je weiter Ihr Euch von den ausgetretenen Touristenpfaden entfernt, desto deutlicher wird man als Fremder von den Einheimischen wahrgenommen. Manch ein Chinese bleibt verdutzt stehen und starrt einem mit großen Augen hinterher. Lächelt, winkt freundlich! Das könnte der Beginn eines netten Gespräches sein.

2015 Fröhliche Kinder, die genau beobachten, was die westlichen Besucher so machen

2015 Fröhliche Kinder, die genau beobachten, was die westlichen Besucher so machen

Ihr seid die Stars!

Ihr werdet zum Fotoobjekt. Jeder (naja: fast jeder) möchte sich mit euch fotografieren lassen. Das Selfie mit Ausländer ist ein absolutes Muss für Chinesen. Hintergrund egal, Hauptsache mit Ausländer! Dabei spielt es auch eine Rolle, ob Ihr eher klein und schmal seid oder groß und dazu möglicherweise ein wenig umfangreich seid. Ach, letzteres ist für Chinesen einfach toll! Es kann Euch auch passieren, dass Ihr um ein Autogramm gebeten werdet. Nein, es ist nicht so, dass man euch mit einer Berühmtheit verwechselt: So eine fremde Unterschrift hat was Besonderes, Exotisches an sich und wird deshalb gerne erbeten.. Macht mit! Es kann so viel Spaß machen!

Mit Chinesen diskutieren

Chengdu 2013
Apropos Kontakt zu Einheimischen: Diskussionen mit den Einheimischen über Themen wie Menschenrechte, Umwelt- und Tierschutz sollte man lassen! Chinesen lieben ihr Land. Sie sind sich der Probleme des riesigen Reichs der Mitte sehr wohl bewusst. Aber das einem Fremden gegenüber zuzugeben, geht gegen ihren Stolz. Man will ja nicht sein Gesicht verlieren, indem man zugibt, dass das Heimatland Probleme hat. China ist einfach toll! Wenn man mit Chinesen spricht, sollte man immer die großen Erfolge im sozialen Bereich anerkennen. Oder auch die Wiederaufforstung, die überall sichtbar ist. Nur so kann man verhindern, dass die chinesischen Gesprächspartner sich sofort verschließen und gar nicht mehr mit einem reden möchten. Besonders Reiseleiter leiden unter dem hartnäckigen Nachfragen und Kritisieren mancher Gäste. Lasst es! Haltet Euch zurück! Und mit der Zeit wird sich ein Gespräch ergeben. Übrigens: Die aktuelle Luftverschmutzung wird sehr frei und offen in China diskutiert. Denkt bei einem Gespräch darüber aber daran, dass die Luft in deutschen Städten auch nicht ohne ist! Mehr zu diesem Thema findet Ihr im China-Knigge (Punkt 1)

Essen gehen

Wenn man in Deutschland gemeinsam essen geht, bestellt meistens jeder für sich und isst auch nur das, was er bestellt hat. Das ist in China ganz anders! Man geht zusammen ins Restaurant, sitzt an einem großen Tisch, bestellt gemeinsam (oder einer für alle) und nimmt sich von den Speisen, die in die Mitte gestellt werden. Das ist ein großartiges Gemeinschaftserlebnis! Wenn Ihr zum Schluss den Kellner richtig nerven wollt, dann besteht darauf, jeder einzeln zu zahlen! Mehr dazu in meinem Artikel Chinesisch essen – wie läuft das ab?

I
n den meisten Touristenrestaurants gibt es Vorlegelöffel, doch bei einem Essen mit Freunden oder in einer chinesischen Familie taucht jeder seine eigenen Essstäbchen in die Schüsseln und nimmt sich, was ihm gefällt. Habt keine Angst davor, dass Ihr Hund oder Katze serviert bekommt. Das passiert nur, wenn Ihr das wirklich wollt. Oder das teuerste Gericht auf der Speisekarte bestellt. 🙂 Mehr zu dem Thema „Chinesen essen alles“

Mit Stäbchen essen

Nein, Ihr müsst nicht mit Stäbchen essen! Aber Ihr solltet es versuchen! Wenn es gar nicht geht, so fragt im Restaurant nach einem westlichen Besteck oder Löffel. Oder Ihr nehmt einfach Euer eigenes Besteck mit. Ich hatte anfangs immer einen Löffel dabei, den ich allerdings kaum gebraucht habe, außer wenn ich mir eine Instantnudelsuppe gemacht habe.

Vegetarisch essen

Chinesisches Essen
Das gibt es. Das Verständnis für vegetarisches Essen ist allerdings nicht so weit verbreitet, wie man denken könnte, angesichts der vielen Buddhisten, die es China gibt. Hilfreich ist es, sich als Buddhist auszugeben. Dass es auch noch eine Steigerung dazu gibt, nämlich das vegane Essen, hat sich noch nicht so weit rumgesprochen in China. Milch und Käse sind zwar in China nicht so üblich wie in Europa, aber Eier dienen gerne als Bestandteil vieler Gerichte. Es ist dann einfacher, sich mal im Restaurant oder vielleicht sogar in der Küche umzusehen und auf das zu deuten, was man essen mag. Bei einer organisierten Reise sollte man schon frühzeitig den Reiseveranstalter darauf hinweisen, dass man Vegetarier ist.

Allergien und Unverträglichkeiten

Glutamat wird ganz selbstverständlich in der chinesischen Küche verwendet. Wenn man das nicht mag oder nicht verträgt, kann man sich den Satz in Chinesisch aufschreiben lassen: „Ich möchte kein Glutamat im Essen.“ Das sollte helfen. Dieses und alle anderen Unverträglichkeiten und Allergien bitte immer rechtzeitig dem Veranstalter mitteilen.  Ich kann mich noch gut erinnern, wie schwierig es vor ein paar Jahren war, einer Kollegin in China deutlich zu machen, was eine Gluten-Unverträglichkeit ist.

Chinesische Toiletten

Öffentliche Toilette irgendwo unterwegs. Die in Hongkong war sauberer, aber die Mäuerchen waren niedriger.

Öffentliche Toilette irgendwo unterwegs. Die in Hongkong war sauberer, aber die Mäuerchen waren niedriger.

In China bevorzugt man die Variante „Hockklo“. Ich persönlich bin ein großer Fan von Hockklos, da ich die viel hygienischer finde. Eine Besonderheit in China: Normalerweise haben die Toiletten keine Türen zum Gang. Die einzelnen Abteile sind nur durch ein niedriges Mäuerchen voneinander getrennt. Das passt in die Kategorie „Kann ich nicht ändern“. Dazu brauch ich hier aber gar nicht viel zu schreiben, denn da gibt es bei Shaoshi aus Shanghai einen wunderbaren und sehr ausführlichen Artikel: 24 Survival-Tipps für chinesische Toiletten.

Das waren sie, die wichtigsten Dinge, die Ihr wissen solltet, wenn Ihr Eure erste China-Reise antretet. Hat jemand noch mehr Ideen? Das meiste steht ja schon in dem o.g. China-Knigge und all den anderen „Gebrauchsanweisungen“ für China-Reisen.

Jetzt habe ich auch den ultimativen Tipp für Eure erste China-Reise fertig: Hier

5 Kommentare

  • Pingback: Der ultimative Tipp für Deine erste China-Reise

  • Das sind wirklich hilfreiche Tipps! (Und danke fürs Verlinken ;-))

    Zu 2.: Hier in Shanghai kann man zumindest bei den U-Bahnstationen einfach an den Sicherheitskontrollen vorbeigehen, sofern man nicht gerade einen Koffer oder eine riesige Reisetasche dabei hat. Aber wenn sie einen aufhalten sollten (manche nehmen ihre Arbeit doch ernst), spielt man halt mit.

    Zu 7.: Wozu brauchst du bei einer Instantnudelsuppe einen Löffel? Oder gibt es in China noch andere Nudelsuppen mit kleinen, kurzen Nudeln?

    Zu 8.: Bei traditionelleren Keksen ist auch oft Schweinefett o.Ä. enthalten. Also auch da aufpassen.

    Zu 9.: Ja, zu Glutamat könnte man einen ganzes Buch schreiben! Deswegen habe ich das Thema auch schon ewig vor mir hergeschoben (aber schon einige interessante Gespräche darüber geführt). Bin gespannt, was du drüber schreiben wirst!

    Ob das klappt, der Bedienung mit einem aufgeschriebenen Satz zu zeigen, dass man kein Glutamat im Essen will? Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Chinesen mit absolutem Unverständnis drauf reagieren und man immer erst eine riesige Diskussion durchstehen muss, ehe sie nachgeben. Das könnte für Touristen, die kein Chinesisch sprechen, eine ziemlich komplizierte Situation werden 😉

    • bambooblog

      Oha! Da hab ich mich anscheinend verplappert und Du hast mich erwischt! Ich esse Instantnudelsuppen tatsächlich immer mit dem Löffel.Warum eigentlich? Mit Stäbchen wäre es doch viel einfacher! Das muss ich mal überdenken. 😉
      Der Satz „Ich möchte kein Glutamat“ war der erste, den ich auf Chinesisch sprechen konnte. Das hat dann eigentlich auch immer funktioniert. aber für mich war das nicht so überlebenswichtig. Ich hatte nur irgendwann das Gefühl, dass manches Gesundheitsprobleme daher kam, wie z.B. das schlechte Schlafen. Hmm, ich werde das bei meinem nächsten Besuch in China och mal genauer ausprobieren. Danke für Deinen Kommentar. Sehr hilfreich!

      • Okay, dann nehmen Bedienungen das mit dem Glutamat vielleicht einfach so hin. Ich kann nur von Kochkurslehrerinnen und meiner Schwiegermutter sprechen und was mir andere Ausländer so erzählt haben – jedes Mal ein riesiges Theater. Und meine Schwiegermutter würde niemals ohne kochen, lieber beim schlimmsten Wetter noch mal schnell ein Päckchen kaufen gehen …

      • bambooblog

        😀 So sind Schwiegermütter…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.