11. – 13.05.1992 Indien – Bin ich schon zu lange unterwegs?

Die knisternde Spannung vor dem baldigen Monsun und die täglich zunehmende Hitze machen mir zu schaffen. Eigentlich würde ich ja gerne direkt nach Jaipur in Rajasthan fahren. Doch ganz so einfach ist das nicht. Zuerst muss ich mal irgendwohin, wo ich Geld wechseln kann. Damals habe ich noch nicht einmal von Geldautomaten an jeder Ecke geträumt. Die gab es nämlich noch nicht! Also auf in die nächste Stadt, nämlich nach Bhopal. Und dann eine kurze Strecke mit dem Bus nach Indore. Von Indore weiter nach Rajasthan. Udaipur? Jodhpur? Jaisalmer? Doch ich bin des Reisens in Indien so müde. Planen kann ich kaum, ich lasse mich treiben. Ich will das Eine und kriege etwas anderes. Je weiter ich mich von den Backpacker-Hochburgen entferne, desto mehr falle ich als alleinreisende Frau auf. Ich werde angestarrt und manchmal kaum ernst genommen. Auch das trägt nicht gerade zu meiner guten Laune bei. Und ich überlege, ob man zu lange unterwegs sein kann…Unterwegs in Indien

Aus meinem Reisetagebuch 1992

Am Bahnhof von Sanchi, wo ich lange in der Hitze auf den Zug nach Bhopal warten muss, habe ich die Gelegenheit, einen kleinen Vogel zu beobachten. Er ist winzig klein, hat ein schillerndes dunkles Gefieder und einen langen dünnen Schnabel. Ein Kolibri?? Gibt es denn in Indien Kolibris?? (Anmerkung 2015: Wikipedia: „Kolibris leben ausschließlich in Amerika“).

Schließlich kommt der Zug nach Bhopal mit reichlich Verspätung endlich an. Ich will zunächst nach Bhopal, weil ich dringend Geld wechseln muss. Zwei Stunden Bahnfahrt. Mir wird, wohl weil ich Westlerin bin, ein Platz in einem vollen Abteil frei gemacht. Rings um mich Frauen, die mich neugierig anstarren. Mit jedem Halt drängen mehr Menschen in die sowieso schon überfüllten Waggons. Im Gang fällt mir eine Frau mit drei kleinen Kindern und viel Gepäck auf. Das eine Kind, das ungefähr 5 Jahre alt ist, hält sich am Sari der Mutter fest und schläft immer wieder kurz im Stehen ein. Keinem Menschen scheint das Leiden der Frau aufzufallen. Schließlich stehe ich auf, blockiere für alle anderen den Platz und bedeute der Frau, dass sie sich setzen soll. Sie zögert, aber ich nicke ihr ermutigend zu. Sie setzt sich langsam, zwei kleine Kinder auf dem Schoß und das 5-Jährige vor sich auf einer Kiste. Ich habe kaum Halt, stehe zwischen ihr und einer alten, offensichtlich wohlhabenderen Inderin auf der anderen Seite des Abteils. Die Alte guckt mich böse an. Ich denke mir, dass ich wahrscheinlich einer Frau aus einer niedrigen Kaste meinen Platz gegeben habe, was der Alten nicht passt. Mir ist das egal. Dies Kastensystem in Indien geht mir sowieso gegen den Strich. Kurz vor Bhopal steigt die junge Frau mit ihren Kindern aus. Sie lächelt mich schüchtern zum Abschied an.

In Bhopal (Bhopal bei Wikipedia) habe ich zwei Stunden Zeit, bis der Mittagsbus nach Indore, wo ich heute noch hin will, abfährt. Ich stelle mir vor, dass ich schnell in einer der zahlreichen Banken in der Nähe des Bahnhofs einen Reisescheck einlösen kann. Denke ich! Ich gehe in der Mittagshitze mit meinem schweren Rucksack auf dem Rücken von Bank zu Bank und werde überall abgewiesen. Eine Eigenart der hiesigen Banken scheint zu sein, dass sie an der Tür alles mit Gittern so absperren, dass man kaum hindurchkommt, schon gar nicht mit einem dicken Rucksack auf dem Rücken.

Dann sehe ich ein Schild „Bank of India – Change Money“. Die Buchstaben sind ein wenig verblichen, aber ich schöpfe neue Hoffnung. Ich zwänge mich durch den Spalt im Gitter, nachdem ich meinen Rucksack abgenommen habe, zerre ihn dann hinter mir her. Ich stehe in einem dunklen staubigen Saal mit einer hohen Decke, an der im Dunst ein Ventilator müde seine Runden dreht. An mehreren großen Schreibtischen sitzen Männer und beugen sich über vergilbte Akten. Ein dicker Inder kommt auf mich zu und fragt barsch auf Englisch, was ich wolle. Ich möchte Geld wechseln. Das geht hier nicht, antwortet er mir. Ich sage, dass doch „Change Money“ über der Tür steht. Geld wechseln gehe nur in der Zentrale der Bank im Stadtzentrum, meint er. Na ja, meine Hoffnung, heute noch weiter zu kommen, habe ich sowieso schon aufgegeben. Wie komme ich denn ins Zentrum, frage ich resigniert. Der Mann grinst: mit dem Taxi. Ich sage ihm, dass ich kein Geld fürs Taxi habe. Wie komme ich zu Fuß dorthin? Er wendet sich schulterzuckend von mir ab.

Mit Tränen in den Augen vor Frust und Enttäuschung winde ich mich durchs Gitter hinaus auf den Vorplatz. Was soll ich tun?? Ich habe noch genau zwei Rupien in der Tasche, die reichen weder fürs Taxi noch für Hotel noch für Essen. Da hält ein kleines schwarzgelbes Taxi vor der Bank. Ein Westler steigt aus und kommt auf mich zu. Ich sage zu ihm, dass er, wenn Geld wechseln möchte, hier an der falschen Stelle ist. Er will es unbedingt selbst probieren. Ich wünsche ihm viel Glück. Nach kurzer Zeit kommt er resigniert wieder raus. Es stellt sich heraus, dass er Schweizer ist und wir sogar Deutsch miteinander reden können. Schnell sind wir uns einig, dass wir zusammen zur Bank of India im Zentrum fahren. Er legt das Geld für die Taxifahrt erst mal aus. Ich bin völlig fasziniert davon, wie sich auf den ersten Blick so dramatisch erscheinende Probleme manchmal schnell lösen.

Nach einer Fahrt, die über einige Kilometer geht, erreichen wir endlich die Bank of India. Diese Bank ist auch nicht heller oder moderner als die am Bahnhof. Der Manager kümmert sich hier persönlich um uns, allerdings nicht, ohne uns deutlich darauf hinzuweisen, dass gleich Mittagszeit ist. Zur Identifikation möchte er nicht nur unsere Pässe sehen, sondern auch unseren Hotelschlüssel. Ich habe in Bhopal noch gar kein Zimmer. Er zuckt mit den Achseln: dann eben nicht! Kurzerhand sagen wir, dass wir ein gemeinsames Zimmer haben. Der Schweizer hat tatsächlich einen Hotelschlüssel! Zum Entsetzen des Bankmannes bestehe ich zum Schluss der erfolgreichen Transaktion auf einer Quittung. Schließlich kann man in Indien Schwierigkeiten bekommen, wenn man illegal Geld getauscht hat. Widerwillig stellt mir der Mann eine Quittung aus, die er auf der Schreibmaschine wie eine Urkunde gestaltet: „To whom it might concern…“

Als wir endlich wieder Geld haben, lade ich den Schweizer zu einem Bier ein. Nicht weit von der Bank gibt es eine Bar. In schattiger Atmosphäre mit leiser Musik im Hintergrund trinken wir jeder ein fürchterlich teures Bier. Dann fährt er zu seinem Hotel.

Ich gehe alleine weiter zur örtlichen Jugendherberge. Doch dort erfahre ich durch ein kleines Schild in englischer Sprache, dass man erst gegen 17:00 Uhr öffnet. Eigentlich habe ich auch keine Lust auf Jugendherberge. Ich bin völlig frustriert. Mit meinem schweren Rucksack auf dem Rücken gehe ich ziellos durch die staubigen Gassen des Stadtzentrums. In einer Apotheke kaufe ich mir eine Tube Colgate-Zahncreme. Die indischen Zahncremes sind mir zu süß. Auch Colgate schmeckt mir nicht. Sie ist aber so ziemlich das kleinste Übel.

Schließlich fahre ich mit einem Taxi zum Bahnhof. Ich denke, dass es besser ist, wenn ich mir dort ein Hotelzimmer nehme. Dann kann ich gleich morgen früh den Bus nach Indore nehmen. Am Bahnhof herrscht Hochbetrieb, denn es ist Kumbamela in Ujain, ein religiöses Fest der Hindus, das nur alle 12 Jahre statt findet. Saddhus, die Hindu-Heiligen, scheinen in Scharen dorthin unterwegs zu sein. Ujain liegt einige Kilometer nördlich von Indore. Die Heiligen sind spärlich bekleidet. Manchmal haben sie nur ein gelbes Tuch um die Schultern geschlungen. Alle zeichnen sich durch eine ungepflegte struppige Frisur aus.

In einem Hotel in der Nähe des Bahnhofs finde ich ein Zimmer mit Dusche. Der Inder guckt mich verwundert an. Dass eine Frau alleine reist und alleine im Hotel übernachtet, kommt ihm seltsam vor. Ich gehe sehr früh ins Bett, denn draußen ist wirklich überhaupt nichts los. Lange liege ich wach und frage mich, was ich in Indien noch soll. Ich fühle deutlich, dass ich nicht hierher gehöre, dass dieses Land sich mir nicht öffnet. Oder bin ich es, die sich nicht öffnet??

Am nächsten Morgen: Ich habe nicht genug Energie, um mit einem normalen öffentlichen Bus nach Indore zu fahren. Es gibt auch einen Luxusbus mit Aircondition. Den nehme ich! Die getönten Scheiben geben mir ein wenig Distanz zu dem Staub und der Armut auf den Straßen. Ich schaue wie immer fasziniert auf das bunte Treiben. Zwischen den Frauen im bunten Sari sind die gelben Gewänder der vielen Saddhus zu sehen. Die Fahrt geht durch Dörfer aus Lehmhäusern. Ochsenkarren, Kamelwagen, hupende Autos. Dem großen Bus müssen alle anderen Fahrzeuge ausweichen.

Einmal fahren wir an einem Dorf aus ganz einfachen Strohhütten vorbei. Die Menschen sehen anders aus als die Inder, dunkler und kleiner. Es soll ja viele Völker in Indien geben, deren Angehörige häufig noch sehr ursprünglich leben. Sie gehören keiner Kaste an und fallen damit aus dem normalen Sozialgefüge raus. Ihre Existenz wird ignoriert und ist für die Inder kein Thema. Wenn ich im Indischen Museum in Calcutta nicht diese Ausstellung über die verschiedenen Völker Indiens gesehen hätte, wüsste ich nichts von ihnen.

Trotz der Aircondition bin ich ziemlich erschöpft, als ich in Indore (http://www.indorecity.net/) ankomme. Es wird schon dunkel. Zuerst versuche ich, die hartnäckigen Taxi-Fahrer abzuschütteln und in der Nähe des Bahnhofs ein Zimmer zu finden. Doch alle Hotels sind voll. Mein Rucksack wird mit jedem Schritt schwerer. Ich habe Hunger. Die Hitze ist auch jetzt am Abend schrecklich. Ob ich gleich nach Jaipur weiter fahre?? Oder nach Udaipur ? Ach nein, nicht noch mehr Busfahrten heute!

Resigniert steige ich in ein Taxi, dessen Fahrer mich schon eine Viertelstunde lang verfolgt. Ich nenne ihm ein Hotel, das in meinem Reiseführer steht. Er meint, dass das voll sein wird. Alle Zimmer sind belegt von Pilgern, die zur Kumbamela wollen. Er weiß ein Hotel, wo wahrscheinlich noch ein Zimmer frei ist. Ich will nicht auf ihn hören und dränge ihn, zu meinem Hotel zu fahren. Aber natürlich ist das wirklich voll. Und das nächste auch. Ich gebe auf, und sage dem Fahrer, dass er mich doch zu seinem Hotel fahren soll.

Ich verliere ein wenig die Orientierung in dieser Stadt, in der alle Läden im Schein der Lampen glitzern und leuchten. Das macht mich natürlich nicht besser gestimmt. Endlich, endlich hält das Taxi vor einem Hauseingang. Unten ein beleuchtetes Schaufenster. Im ersten Stock die kleine Rezeption. Der dicke Inder im weißen Hemd, der hinter dem schmalen Tresen sitzt, nickt freundlich aber erstaunt, ja, er hat noch ein Zimmer frei. Mit Dusche! Ich bezahle den Taxi-Fahrer und steige dann hinter dem Wirt langsam die Treppe in den 3. Stock hinauf.

Dort öffnet er mir die Tür zu einem Zimmer ohne Fenster aber mit Ventilator. Zum Flur hin gibt es oben in der Wand schmale Fenster, die wohl der Belüftung dienen. Das Bett ist zerwühlt, die Dusche steht unter Wasser. Hier hat noch vor kurzem jemand gewohnt. Ich frage, ob es nicht ein anderes Zimmer gibt, ein sauberes. Nein, das gibt es nicht – alles belegt. Ich bestehe darauf, dass er das Zimmer aufräumt und neue Bettwäsche aufzieht. Die Dusche soll auch geputzt werden. Er nickt zu allem. Ich lege meinen Rucksack hin und gehe auf die Straße, um etwas zu essen zu finden. Die Geschäfte ringsum machen einen ganz wohlhabenden sauberen Eindruck.

Zurück im Hotel bitte ich den Wirt, mir für den Nachtbus morgen Abend nach Jaipur ein Ticket zu besorgen. Das ist ok, er nimmt eine kleine Gebühr dafür. Ich habe keine Lust, mich selbst anzustellen. Deshalb ist es mir den etwas erhöhten Preis wert.

Mein Zimmer ist jetzt einigermaßen sauber und ordentlich. Ich entschließe mich, eine Kur zu machen, die in einer indischen Frauenzeitschrift als gut für die Haut in dieser extremen Trockenheit gepriesen wurde. Ich dusche und öle meinen ganzen Körper und auch meine Haare mit Baby-Öl ein, das ich mir in Bhopal gekauft habe. Das Öl lasse ich eine halbe Stunde einwirken und dusche dann noch mal. Himmlisch! Meine Haut und meine Haare fühlen sich danach schön zart und weich an. Ich bin ganz begeistert von diesen englischsprachigen indischen Frauenzeitschriften. Natürlich richten die sich an gebildete Frauen der Mittelschicht, die auch Englisch können. Doch es ist ganz deutlich, dass diese Frauen normalerweise Hausfrauen sind. Irgendwo habe ich gelesen, dass es als Statussymbol gilt, wenn man eine gebildete Frau hat, die nicht arbeiten muss. Das bedeutet natürlich, dass diese Frauen nicht aus dem Haus gehen.

Da klopft es an meine Tür. Ich zögere, öffne dann aber doch. Ich bin nur mit T-Shirt und Hose bekleidet. Vor der Tür stehen zwei ca. 16 Jahre alte Jungens, die sagen, ich hätte geklingelt und was sie für mich tun können. Dabei sehe ich, dass sie mich ganz unverhohlen anstarren. Ich schicke sie mit barschen Worten weg und schließe energisch die Tür. Da man durch die hohen Fenster zum Flur sehen kann, dass bei mir noch Licht ist, schalte ich es aus. Auf dem Gang ist es ziemlich unruhig. Immer wieder höre ich jemanden kichern und flüstern. Dann wird wieder geklopft. Ich reiße die Tür auf und rufe, dass man mich in Ruhe lassen soll. Das hilft für eine kurze Zeit. Dann wieder Klopfen. Ich ziehe mich an und gehe wütend hinunter zur Rezeption. Ich bitte den Wirt, dafür zu sorgen, dass man mich nicht mehr belästigt.

Kaum bin ich eingeschlafen, knallen draußen die Türen, laufen Menschen hin und her. Ich habe so die Nase voll von Indien und den Indern!!! Unruhig schlafe ich wieder ein. Gegen 2 Uhr nachts wache ich von dem Dröhnen einer Diskothek auf. Das kann doch alles nicht wahr sein!! Da die laute Musik auch nach einigen Minuten nicht aufhört, ziehe ich mich wieder an und gehe zur Rezeption. Jetzt sitzt dort ein junger Mann neben einer Stereoanlage. Ich bitte ihn, die Musik leiser zu stellen. Ich will ja gar nicht, dass er die Musik aus macht. Doch er schaltet sofort das Gerät aus. Frustriert gehe ich zurück auf mein Zimmer.

An Ausschlafen ist am nächsten Tag nicht zu denken. Zeitig sind meine Zimmernachbarn wach und das Türenschlagen beginnt von Neuem. Unausgeschlafen und schlecht gelaunt gehe ich hinunter zur Rezeption. Jetzt sitzt wieder der dicke Wirt dahinter. Ich erzähle ihm von den nächtlichen Ruhestörungen. Er entschuldigt sich höflich. Seine Bemerkung, dass er die Schuldigen bestrafen wird, macht mir ein wenig Sorgen. Dann verspricht er mir, dass er mir mein Ticket bis zum Mittag besorgen wird. Er will auf seine Gebühr aus Kulanz verzichten.

Nachdem ich ihm meinen Rucksack anvertraut habe, gehe ich hinaus, um mir Indore auch bei Tageslicht anzusehen. Mein Hotel liegt anscheinend gar nicht weit vom berühmten Glastempel, einem Tempel der Jains. Die Jains sind eine Sekte, die ungefähr zur gleichen Zeit wie der Buddhismus entstanden ist. Die Tempel der Jains sind sehr prachtvoll. Die Jains sind dafür bekannt, dass die meisten von ihnen sehr reich sind. Sie sind nicht an die starren Kastengesetze der Hindus gebunden. Den Innenraum darf man, wie die Tempel anderer Religionen in Indien nur ohne Schuhe betreten. Ich bin überwältigt von den glitzernden Glasmosaiken, mit denen die Wände verkleidet sind.

Als ich dann in der Nähe an einem kleinen Park vorbei komme, habe ich ein wundervolles Erlebnis: Im Schatten eines Baumes ruht ein alter Mann. Als er mich sieht, steht er auf, lacht mich mit seinem zahnlosen Mund strahlend an, breitet die Arme aus und ruft: „Welcome to India!“ Mein erster Gedanke ist: „Was will der von mir?“ Doch er macht gar nichts weiter. Nach kurzem Zögern lächle ich ihn an. Er nickt zufrieden und setzt sich ruhig wieder unter den Baum.

Hier in Indore kann ich endlich auch mal unbelästigt durch die Straßen wandern, die alten Häuser fotografieren und alle und alles angucken. Die Männer scheinen nicht so aufdringlich zu sein wie in anderen Orten Indiens. Der Kellner in dem sauberen Restaurant bedient mich sehr freundlich und höflich. Eine Frau am Nachbartisch lächelt mir zu. Mir geben diese kleinen Begegnungen die Möglichkeit, mich von dem Stress des ständigen belästigt Werdens zu erholen. Eigentlich ist Indien doch ganz schön…

Von dem dicken Wirt bekomme ich tatsächlich mein Ticket für den Bus nach Jaipur. Damit ist für mich auch entschieden, dass ich nicht nach Udaipur oder Jaisalmer fahren werde. Manchmal habe ich in den letzten Tagen schon daran gedacht, mit dem nächsten Flugzeug nach Hause zu fliegen. Möglicherweise liegt meine schlechte Laune auch daran, dass ich nun schon so lange – zu lange? – unterwegs bin.

Der Bus hat Aircondition und breite bequeme Sitze. Ich habe meine leichte Decke, die ich in Delhi gekauft habe, im Handgepäck und kann mich in sie einhüllen, denn die Temperatur ist sehr niedrig eingestellt. Die Fahrt durch die dunkle Nacht geht zügig voran. Nur mein indischer Nachbar kuschelt sich etwas zu sehr an mich. Nachdem ich ihn drei mal weggeschubst habe, scheint er verstanden zu haben, dass ich das nicht mag.

Zur ersten Etappe: 06.04.1991 Es geht los!

Zur vorangegangenen Etappe: 03. – 11.04.1992 Exkursionen ins ländliche Indien

10 Kommentare

  • Pingback: 14.05. – 23.05.1992 Pink City Jaipur

  • Oh man..das ist alles super, super spannend. Richtig toll, dass du damals Reisetagebuch geschrieben hast. Könnte stundenlang weiter lesen.
    Im Kopf habe ich direkt all die Bilder vor mir. Auch wenn ich Indien nur durch Bilder kenne.
    Danke für diesen (und auch die anderen) spannenden Berichte.

    • bambooblog

      Hallo Janine,

      das sind ja wirklich nette Worte, die mich sehr aufbauen. Manchmal habe ich doch die Befürchtung, dass ich mit diesen alten Geschichten meine Leser eher langweile als unterhalte.

      Aber bald werden neue Geschichtenaus China hinzu kommen.
      Liebe Grüße
      Ulrike

  • Ich war noch nie in Indien. Aber ich habe indische Nachbarn. Sie sind freundlich.

    • bambooblog

      ja, das glaub ich gerne. Auch die Inder, die mir damals unterwegs begegnet sind, waren überwiegend freundlich.

  • Indien wird niemals Ziel meiner Reisen sein. So faszinierend das Land sein mag, so wenig mag ich das männliche Verhalten Frauen gegenüber. Was mir aufgefallen ist: Hattest du mehrfach Pech mit der lauten Stereoanlage in Hotels, oder gehört dieser Abschnitt zu dem anderen Reisebericht?

    • bambooblog

      Das mit der lauten Stereo-Anlage ist tatsächlich zweimal passiert: In Jhansi und in Indore.
      Es gibt ja auch viele Frauen, die von Indien ganz begeistert sind. Und wenn man in guten Hotels wohnt, dann hat man auch diese Probleme mit dem Lärm in der Nacht nicht. 😉

  • Pingback: 03.05. – 11.05.1992 Exkursionen ins ländliche Indien

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