Der Bischofsturm

Hamburg abseits der Touristenpfade

„Der Bischofsturm – ein Hamburger Touristenmagnet“ heißt es so schön auf der Webseite des Archäologischen Museums Hamburg. So weit würde ich nicht gehen. Denn eigentlich ist der Bischofsturm bei Besuchern Hamburgs so gut wie unbekannt. Diese Ausgrabungsstätte an einer der bedeutendsten Stellen der Hamburger Geschichte hätte mehr Beachtung verdient. Bischofsturm 2Eigentlich deutet nichts auf ein Museum hin. Wenn man von der Mönckebergstraße Richtung Rathaus geht, kann man vor der Jakobikirche in die kleine Kreuslerstraße einbiegen und weiter zum Domplatz gehen. Ganz schnell steht man dann vor dem modern gestalteten Platz, an dem man nun endgültig die Hammaburg verortet hat, die Keimzelle Hamburgs. War da nicht noch etwas? Achja, der Bischofsturm, „Hamburgs Touristenmagnet“. Aber wo nur? Nichts deutet auf ein nahes Museum hin.

Doch da, diese Bäckerei mit ihren hohen Glaswänden! Ja, beim Blick durch die Scheiben sieht man eine Treppe, die in die Tiefe führt, und eine große Schrift „Archäologisches Museum Hamburg“. Man muss tatsächlich in die Bäckerei, um die riesigen Fundamente im Untergeschoss zu besichtigen. Keine Bange, man muss jetzt nicht gleich ein Brötchen kaufen, um Zutritt zu erhalten! Aber man könnte das. Die Franzbrötchen, eine Hamburger Spezialität, schmecken hier besonders gut. Und man könnte sich mit einem Becher Kaffee mitten rein setzen in den Kreis von riesigen Steinen.Bischofsturm 1

Der Bischofsturm heißt so, weil man bei seiner Entdeckung in den 1960er Jahren die riesigen Fundamente für einen Teil des einstigen Bischofssitzes hielt. Was konnte dieser mächtige Steinring (19m Durchmesser) auch anderes sein als der Rest eines bedeutenden Gebäudes? Schließlich lag in unmittelbarer Nähe einst der Hamburger Dom. Archäologen lieben solche Rätsel. Die Diskussion ging hin und her: Bischofssitz oder Teil der mittelalterlichen Stadtmauer?

Der Steinring stammt aus dem 12. Jahrhundert. Da war man sich schnell einig. Doch über den Verlauf der alten Stadtmauer war man sich nicht klar. Schließlich kann man nicht die dicht bebaute Hamburger Innenstadt einfach so umgraben. Auch der ursprüngliche Ort der Hammaburg stand lange nicht fest. Mittlerweile weiß man, dass der Ursprung Hamburgs im 8. Jahrhundert an der Stelle des heutigen Domplatzes zu finden ist. Glücklicherweise hat man den Platz nicht, wie vor ein paar Jahren geplant, für ein großes gläsernes Bürogebäude genutzt, sondern die Fläche frei gelassen. Eine Zäsur, ein freier Raum mitten in der Stadt!Bischofsturm 3

Zurück zum Bischofsturm: Heute ist man sich weitestgehend einig, dass es sich um einen Turm der mittelalterlichen Stadtmauer handelt. Wenn man sich hinunter begibt, kann man noch mehr entdecken als „nur“ die riesigen Findlinge des Fundaments. Ein kleinerer Steinkreis entpuppte sich als Brunnen, der noch ca. 4 Meter in die Tiefe reicht. In den Vitrinen ringsum sind Funde ausgestellt, die man bei den Ausgrabungen in und um den Bischofsturm gemacht hat.

1986 wurde bei Ausgrabungen in der Nähe eine Glockengussgrube entdeckt, in der die Glocken für den nicht mehr existierenden Hamburger Dom gegossen wurden. So kann man im Museum des Bischofsturms auch eine der alten Glocken bewundern.

Infos:

Da sich diese Außenstelle des Archäologischen Museums Hamburg im Untergeschoss einer ganz regulären Bäckerei befindet, kann man sie von Montag bis Samstag während der Öffnungszeiten (7:00 – 20:00) besuchen. Sonntags leider nicht. Der Eintritt ist frei

Adresse: Domplatz Ecke Speersort, 5 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt

Mehr auf der Webseite des Archäologischen Museums

Ein Besuch ist sehr empfehlenswert. Vor allem wenn man in einer außergewöhnlichen Umgebung Kaffee trinken will.Bischofsturm

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