Noch eine Stadtmauer – Datong

Viele Städte hatten einst eine Stadtmauer, Befestigungen gegen die Eroberer aus dem Norden. Die meisten sind in den 1950er Jahren abgerissen worden. Von manchen findet man die Spuren nur noch in den gestern wie heute rechteckigen Stadtgrundrissen. Wo früher die Stadtmauer stand, hat man heute breite Ringstraßen erbaut. So wie in Peking.

Manch eine Stadtmauer war zu groß, zu mächtig, um sie abzureißen. Sie wurden aber immer von den Einwohnern als bequemer Steinbruch benutzt. Was übrig blieb nach 600 Jahren, waren dicke Erdwälle. Hässlich und raumgreifend mitten in der modernen Stadt. So wie in Datong, einer nach heutigen Maßstäben eher kleinen Stadt im Norden der Provinz Shanxi mit 1,5 Millionen Einwohnern.

Stadtmauer 2011

Stadtmauer 2011

Datongs Stadtmauer war einst 7 Kilometer lang, Damit ist sie nicht viel länger als die von Pingyao (6km). Deshalb passt es so gut, dass der ehemalige Bürgermeister von Pinygao  sich nun in Datong an der Rekonstruktion der Stadtmauer versucht. Im Rahmen des Altstadtprojekts entstehen nicht nur die einst alten Häuser neu, es wird auch eine praktisch neue Stadtmauer gebaut. Das kostet Milliarden, soll aber auch anhaltende Gelder aus dem Tourismus bringen. (siehe auch: Chinas neue Altstädte)

Ich habe ein etwas zwiegespaltenes Verhältnis zu dieser Rekonstruktion. Bereits 1988 war ich zum ersten Mal in Datong. Damals habe ich zwar die Reste der Stadtmauer gesehen, aber die hässlichen Erdwälle waren mir kein Foto wert. Bei meinem nächsten Besuch 2009 hatten die Arbeiten an der Stadtmauer angefangen. 2011 waren die Arbeiten schon weit fortgeschritten. Heute ist die Stadtmauer fertig. Und jetzt entsteht auch ein breiter Befestigungsgraben neu.

Mittlerweile kann man auch auf dieser Stadtmauer spazieren gehen und die neuen Wachtürme und Stadttore bewundern. Das soll genauso aussehen wie damals im 14. Jahrhundert, als die ursprüngliche Mauer gebaut wurde. Natürlich sind die Mauern zu neu, um alt zu wirken. Alles ist schön glatt. Ein chinesisches Disneyland? Doch man braucht nur ein paar Jahrzehnte zu warten. Dann haben Witterung und zahlreiche Besucher die Mauer bearbeitet. Dann hat man vergessen, dass die Mauer eigentlich aus dem 21. Jahrhundert stammt.

Eindrücke von 2009:

Eindrücke 2011:

Eindrücke von 2012 oder später findet Ihr bei Bernhard Peter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.