Ihr denkt, das gibt es nur in China? Hamburg!

Hamburg hat neuerdings zwei UNESCO-Weltkurturerbestätten. Dazu gibt es auf ZEIT Online einen sehr kritischen Artikel von Benedikt Erenz, den ich Euch nicht vorenthalten möchte:

ARCHITEKTUR UND ABRISS IN HAMBURG
Kann das weg?

Zitat:
Geschichte interessiert Hamburg nicht. Obwohl man gern so tut und nun Speicherstadt und Chilehaus erfolgreich  zum Weltkulturerbe hat erklären lassen. Denkmalschutz existiert nur dem Namen nach. Was wegmuss, muss weg. So funktionierte die „wachsende Stadt“ schon immer. Dafür wird dann mit großer Girlande irgendwo am Grindel oder am Hafenrand eine Tankstelle oder Telefonzelle aus den fünfziger Jahren unter Schutz gestellt, Doppelseite mit Kultursenatorin im Abendblatt.

Da jammert man hier in Deutschland über die Abrisswut der Chinesen und verliert das Geschehen vor der eigenen Haustür aus den Augen.

Ja, mich hat es gleich irritiert, dass man zwei Orte in Hamburg in die Liste der UNESCO aufgenommen hat, die ursprünglich auf dem Leid von vielen Tausend Menschen erbaut wurden. Damals, als die Speicherstadt und vor allem das Kontorhausviertel entstanden, wurden unzählige Menschen, Familien, Arme einfach so und ohne sie zu fragen, umgesiedelt. Dazu gibt es übrigens im Hamburg-Museum einiges Interessantes zu erfahren.

Hamburg: Speicherstadt

Hamburg: Speicherstadt

Hat Hamburg nichts Würdigeres für die UNESCO-Liste zu bieten?

12 Kommentare

  • Iris Schaper

    Das war mir auch nicht bewusst, umgekehrt waren die Umsiedlungen im Zuge des Drei-Schluchten-Staudamms ständig in den Schlagzeilen…

    • bambooblog

      Die Umsiedlungen in Hamburg waren ja schon vor mehr als 100 Jahren…

      • Iris Schaper

        Aber die Weltkulturerbe-Ernennung ist doch hochaktuell. Normalerweise finden bei solchen Anlässen doch auch dunkle Kapitel in der Geschichte Erwähnung – aber vielleicht habe ich nur nicht genau genug geschaut… Der Zeitartikel ist mir tatsächlich vorher gar nicht aufgefallen.

      • bambooblog

        Mir war das schon lange bewusst. Im Museum für Hamburgische Geschichte kann man noch mehr, fast unbekannte und ziemlich beschämende Fakten erfahren. Zum Beispiel war früher in Hamburg Fremdenfeindlichkeit Programm, so dass die (ausländischen) Menschen bis ins 20. Jahrhundert hinein lieber nach Altona zogen… Dort gab es u.a. bessere Steuergesetze für Nicht-Deutsche… Ich werde da noch drüber schreiben.

  • Das ist natürlich fragwürdig. Z.B. hat Budapest einige schöne Weltkulturerbe aufzuweisen und das kann man auch mal schnell besuchen.

  • Das wusste ich bislang auch noch nicht. Danke für die geschichtliche Aufklärung, liebe Ulrike.

    • bambooblog

      Danke für Deinen Kommentar! Bei all der Schwärmerei in Hamburg für die angeblich „schönste Stadt der Welt“ werden diese Dinge häufig verdrängt…

  • An die Entstehungsgeschichte zu denken, ist nicht so beliebt. Lieber nur kurzfristig gedacht…
    LG Tina

  • War mir gar nicht bekannt/bewusst, danke für den Hinweis!

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