05.09. – 12.09.1992 Mongolei – fremd, so fremd

September 1992: Meine Große Reise neigt sich dem Ende zu: Ich bin eindeutig auf dem Rückweg. Doch noch warten einige spannende Abenteuer auf mich. Anfang der 1990er Jahre präsentiert sich die Mongolei voller Armut und Leere. Erst 1990 hatte man eine demokratische Regierung gewählt. Die Wirren in Russland (die UdSSR hatte sich aufgelöst und war in viele einzelne Staaten zerfallen) brachten auch die wirtschaftlichen Verbindungen zum Erliegen. Leere Geschäfte, leere Straßen: Ulan Bator wirkte alles andere als die Hauptstadt eines Staates. Und doch gab es bunte Märkte, freundliche Menschen in ihren traditionellen Gewändern und auch das eine oder andere touristische Highlight. Mich beeindruckte die grandiose Natur am meisten: Blühende Wiesen, Edelweiß in unendlichen Mengen, dass man verwundert den Kopf schüttelt: Sind die nicht vorm Aussterben?

Heute wird auch Ulan Bator von modernen Hochhäusern geprägt. Doch es gibt sie immer noch, die unendlichen Jurtensiedlungen am Stadtrand.

Terelj Jurten

Aus meinem Reisetagebuch 1992

Um 5:45 Uhr treffen sich die Leute, die mit dem Zug nach Ulan Bator fahren wollen, vor dem Hotel. Es ist trübes Wetter, neblig, kühl. Leicht fröstelnd stehen wir am Parkplatz und warten auf den Bus, der uns zum Bahnhof bringen soll. Die Gruppe ist recht groß: 40 Leute aus aller Welt und allen Alters. Ein junger Mann von Monkey Business verteilt die Pässe und gibt jedem ein T-Shirt, auf dem ein großer frecher Schimpanse grinst.

Jeder von uns hat Unmengen von Gepäck dabei: neben dem normalen Rucksack auch Souvenirs, Kekse und Instant-Nudelsuppen für den Notfall. Ich habe gar nicht so viel Proviant dabei, weil ich einerseits darauf vertraue, dass man mich nicht verhungern lässt, und andererseits weil ich auch einfach gar nicht mehr tragen kann.

Die Stimmung schwankt zwischen euphorischer Aufbruchstimmung und deprimiertem Stirnrunzeln. Auch ich fühle mich zerrissen zwischen der Freude auf ein letztes Abenteuer und dem Abschiedsschmerz. Mit einem Bus fahren wir durch das noch morgendliche Peking zum Bahnhof. Die leeren breiten Straßen im grauen Dunst wirken seltsam fremd.

Transmongolia Train 

Auf dem Bahnsteig steht schon der Zug bereit. Unsere Gruppe nimmt einen ganzen Wagen in Anspruch. Ich teile das Abteil mit zwei älteren Französinnen und einer Kanadierin – Rosie. Die übrigen Wagen des Zuges werden hauptsächlich von Mongolen belegt, die anscheinend in Peking eingekauft haben, um dann ihre Waren in der Mongolei oder in Russland zu verkaufen. Bei den riesigen Kartons und Plastiktaschen, die die Händler mit sich führen, frage ich mich, wo die Menschen schlafen werden. Kommen sie denn überhaupt noch in ihre voll gestopften Abteile rein? Anscheinend klappt das, denn nach und nach leert sich der Bahnsteig. Ein Pfiff, ein Rütteln: der Zug fährt los.

Nach einem ersten Beschnuppern wird klar, wo sich die Party-Abteile befinden und wo es eher ruhig ist. Ich bin ganz froh, dass ich mit den älteren Französinnen zusammen bin. Bei uns ist es gemütlich. Ich sitze am Fenster und schaue wehmütig auf die vorbeirauschende Landschaft mit ihren herbstlich gefärbten Pappeln und den braunen frisch gepflügten Feldern. Wir fahren nach ein paar Stunden an der Großen Mauer entlang. Ich bin wieder einmal sehr beeindruckt von diesem Wall, der sich elegant an den Bergen rauf und runter schlängelt. Dann quält sich der Zug hinauf auf die Berge. Es wird kälter.

Wir haben massive Probleme mit den mongolischen Schaffnerinnen: beide Toiletten in unserem Wagen sind verschlossen. Die Schaffnerinnen wollen sie nicht öffnen. Es geht das Gerücht, dass es daran liegt, dass sie die Toiletten nicht putzen wollen. Die Klos in den anderen Wagen sind zum Teil auch geschlossen. Vor den übrigen muss man Schlange stehen, manche sind schlimm verschmutzt. Eine Delegation von uns geht zur Schaffnerin und versucht, sie trotz der allgemeinen Verständigungsschwierigkeiten zu bitten, doch wenigstens ein Klo für uns zu öffnen. Die etwas rundliche Dame guckt uns erstaunt an. Sie versteht uns sicher, doch sie wendet sich in aller Ruhe wieder ihrer Suppe zu. Sie bleibt eisern, auch als wir ihr demonstrieren, dass wir nicht davor zurück schrecken würden, ihr Abteil als Toilette zu missbrauchen. Wir müssen vorerst erfolglos wieder abziehen. Doch nach einer halben Stunde kommt einer unserer jungen Männer: er habe sich noch mal an die Schaffnerin gewandt und sie habe nun nachgegeben und eine der beiden Toiletten aufgeschlossen. Ob die Frau nur auf einen Mann hört?

Abends essen wir von unseren Vorräten (Kekse und Instant-Nudelsuppe) und gucken in die Dunkelheit. Grenzkontrolle mitten in der Nacht, dann endlich Ruhe und Schlafen beim gleichmäßigen Rütteln des Zuges.

Als ich am nächsten Morgen aufwache, ist es draußen deutlich kälter geworden. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel auf endlose grüne Steppen. Wir haben die Ausläufer der Wüste Gobi erreicht. Riesige Antilopenherden bevölkern die Steppe. Reiter auf kleinen zottigen Pferden bewachen ihre Yaks. Kamele und Jurten. Manchmal sehen wir stundenlang keine Menschen, nur die Herden oder auch mal ein ausgebleichtes Pferdeskelett. Wenn dann eine Siedlung auftaucht, besteht sie nur aus ein paar Hütten und Jurten.

Von mittags an wird die Landschaft gebirgiger und ist auch dichter besiedelt. Auf den Bergen wachsen Birken, deren Blätter schon anfangen, die Farbe zu wechseln. Dazwischen stehen dunkle Fichten und helle Lärchen

06.09. – 09.09.1992 Ulan Bator

Mit 3 Stunden Verspätung erreichen wir am Nachmittag endlich Ulan Bator. Auf dem Bahnhof warten zwei junge Männer des Reisebüros Zuulchin auf uns. Sie begrüßen uns und teilen uns in zwei Gruppen auf, da wir mit 40 Personen einfach zu viele sind. Die eine Gruppe fährt zuerst in das Jurtencamp in Terelj und wird sich dann Ulan Bator anschauen. Die andere Gruppe, der ich mich anschließe, ist zunächst für 3 Tage in Ulan Bator untergebracht.

Unser Reiseleiter heißt Bibi. Er bringt uns zu einem kleinen einfachen Hotel, in dem für uns eine ganze Etage angemietet wurde. Die Zimmer sind sparsam mit Betten und ein paar Haken für die Kleidung ausgestattet. Größter Luxus sind die Duschen, die 24 Stunden am Tag heißes Wasser bieten.

Ich genieße die Dusche nach der Nacht im Zug. Das Abendessen – das Reiseprogramm in der Mongolei enthält Vollpension – ist einfach: Reis, Fleisch, wenig Gemüse. Die Vegetarier der Gruppe sind nicht glücklich mit dem Essen. Ich bin ganz zufrieden. Zum Frühstück gibt es Spiegeleier mit Reis und Tee. Das ist etwas ungewohnt, aber mir macht das nichts. Ich habe sowieso wenig Appetit, da ich heftige Kopfschmerzen habe.UB Kaufhaus

Die Stadt Ulan Bator bietet mit ihren breiten autoleeren Straßen und den grauen Häusern einen   trostlosen Anblick. Die Architektur erinnert an russische Städte. Die Geschäfte sind leer. Es gibt wenig zu kaufen, auch in den Lebensmittelläden sind die Regale so gut wie leer. Vor dem Bäcker steht eine lange Schlange. Wichtige Lebensmittel wie Reis sind rationiert: 200g Reis pro Mensch pro Monat z.B.

Die Besichtigung des größten Tempels in Ulan Bator, dem Ganden-Kloster, entführt uns aus dem grauen Ulan Bator in eine bunte, exotische Welt. Die Mongolen gehören dem Tibetischen Buddhismus an, der durch viele frühe Kontakte zwischen Tibet und der Mongolei hierher gebracht wurde. So sieht man in der Tempelarchitektur und auch in der traditionellen Kleidung der Mongolen deutlich den tibetischen Einfluss. In den dunklen, mit dem Duft der Räucherstäbchen erfüllten Hallen stehen prächtige Buddha-Statuen. Viele Gläubige verbeugen sich und zünden Kerzen an. Im Hof füttert ein alter Mönch die Tauben. Überall leuchtend bunte Gebetsmühlen, die von den Mönchen und Gläubigen angeschoben werden.UB Ganden Tauben

Die Haupthalle ist ein Gebäude, das sich deutlich von den anderen unterscheidet: ein niedriger quadratischer Bau mit einem goldenen Dach erinnert vom Aussehen her an eine mongolische Jurte. Aus einem Saal klingen die monotonen Gesänge der Mönche. Bibi erzählt, dass es früher in der Mongolei über 700 Klöster gab, die aber zu einem großen Teil in den 30er Jahren zerstört wurden. Natürlich wurden sie in der russischen Zeit danach nicht wieder aufgebaut. Doch seit ein paar Jahren gibt es wieder mehr Mönche und auch Leute, die in die Rekonstruktion und Renovierung der alten Tempel investieren.

Anschließend besuchen wir das Naturhistorische Museum. Die Mongolei ist berühmt dafür, dass man in der Gobi-Wüste viele Saurier-Skelette ausgegraben hat. Die schönsten der Skelette sind in diesem Museum ausgestellt. In einer riesigen Halle stehen wir vor Sauriern, die uns mit ihrer Vielfalt und ihrem bizarren Aussehen in Erstaunen versetzen. Es hat anscheinend sogar einen Saurier gegeben, der wie Donald Duck ausgesehen haben muss: Er hatte einen breiten knöchernen Schnabel und ging auf seinen Hinterbeinen. Von einem Balkon in der großen Halle können wir den Sauriern direkt in die Augen schauen. Ich finde diese Ausstellung am beeindruckendsten. So etwas habe ich noch nie gesehen. Die hübschen Trachten und anderen Ausstellungsstücke schaue ich mir kaum an.

UB Markt MannHöhepunkt ist der Besuch eines großen Marktes, auf dem nicht nur Gemüse und andere Lebensmittel verkauft werden, sondern auch Bekleidung. Man hat uns nicht darauf vorbereitet, dass es im September schon so kalt ist. Ich habe glücklicherweise ein Sweatshirt und meinen Anorak, die mich warm halten. Aber einige andere aus der Gruppe sind mehr auf warmes tropisches Wetter eingerichtet und nutzen die Gelegenheit, sich hier eine dicke Daunenjacke für wenig Geld zu kaufen. Die Mongolen lachen und freuen sich über das gute Geschäft.

Als ich am Nachmittag noch einmal auf eigene Faust ins nahe Stadtzentrum gehe, begegne ich vielen jungen Männern, die schon so früh betrunken sind. Ich verstehe nicht, was sie mir zurufen, aber sie sind mir unheimlich. Von den mongolischen Männern, auch von den nicht betrunkenen, geht eine Aura von Gewaltbereitschaft aus, die mich verstört. Es sind überhaupt überwiegend Männer auf der Straße zu sehen. Bibi hat uns gewarnt, abends unterwegs zu sein.

Das große Kaufhaus, das von der Architektur her sehr an russische Bauten erinnert, ist leer. Nur wenige Menschen gehen lustlos durch die Reihen leerer Regale. Nur in wenigen Regalen findet sich Ware, Dosen mit Fleisch, bunte Tischdecken… Im obersten Stockwerk finde ich eine Abteilung mit Souvenirs und Postkarten. Auch hier ist die Auswahl nicht groß. Aber die niedlichen Holzpüppchen mit ihren kleinen Pelzmützen finde ich sehr hübsch. Sicher wird ein solches Püppchen meiner Mutter gefallen!

Ein weiterer Höhepunkt unseres Aufenthalts in Ulan Bator ist der Besuch einer Folklore-Show. Wir sind die einzigen Touristen, die sich die Obertongesänge der Mongolen anhören. Ich bin besonders beeindruckt von einem hochgewachsenen gutaussehenden jungen Mann, der mit Hingabe ein Liebeslied singt. Beim Klang der seltsamen Musik komme ich ins Träumen. Wie schön, dass ich hier sein kann!UB Folklore

Nur meine Kopfschmerzen stören mich gewaltig. Sie haben sich zu einer richtigen Migräne entwickelt. Am letzten Abend in Ulan Bator lasse ich das Abendessen ausfallen und gehe früh ins Bett. Ich hoffe darauf, dass es mir morgen besser geht.

09.09. – 12.09.1992 Edelweiß und Jurten in Terelj

Ich wache leider mit Kopfschmerzen auf. Heute fahren wir mit dem Bus aufs Land. Die Straße ist gut und so kommen wir schnell in die Hügel rund um Ulan Bator. Die Berge werden höher. Sie sind bedeckt mit dunklen Nadelbäumen. Terelj ist ein Naturschutzgebiet in der Mongolei, das uns die Möglichkeit bietet, ohne großen Aufwand die Landschaften der Mongolei kennen zu lernen. Ein klarer Fluss fließt durch das Tal, in dem wir schließlich ankommen.

Ein kleines Hotel mit einigen Jurten ist unsere Unterkunft. Wir schlafen jeweils zu acht in den Jurten. Diese sehen wunderschön aus mit ihren weißen Wänden, die aus Filzdecken bestehen, und den bunten Holztüren. In der Mitte steht ein Holzofen, der bei unserer Ankunft rotglühend beheizt wird. Es riecht nach Rauch. Es ist sehr warm. Für mich mit meinen Kopfschmerzen ist die Luft fast unerträglich. Wie soll ich das nur aushalten? Ich versuche mit meinen Mitreisenden zu reden, sie davon zu überzeugen, dass wir die Jurte lüften sollten. Doch mit ziemlich harschen Worten werde ich als egoistisch zurechtgewiesen, es sei so kalt draußen, dass das Lüften eine Zumutung sei für alle. Ich gebe resigniert auf. Die anderen ziehen es vor, den Nachmittag im Restaurant des Hotels zu verbringen. Da ist es wenigstens warm.

Ärgerlich mache ich mich auf einen Spaziergang. Vielleicht hilft die klare frische Luft gegen die Kopfschmerzen. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Die Farben der Bäume und des Grases leuchten. Auf einer Wiese schaue ich mir die vielen bunten Blumen an. Zu meinem Entzücken ist die Wiese übersät mit Edelweiß und blauem Enzian. Die Berge im Hintergrund sind mit dichtem Gras überzogen. Nur entlang des Flusses wächst ein dichter Wald.

In einem kleinen Dorf in der Nähe gibt es eine Schule. Dort ist gerade Pause, als ich vorbeikomme. Oja, ein Foto von den niedlichen kleinen Mädchen mit den riesigen Schleifen im Haar, das ist doch was! Ich habe allerdings noch nicht ganz meine Kamera ausgepackt, da haben mich die Kinder schon entdeckt. Begeistert stürmen sie auf mich zu und stellen sich für ein Foto auf. Schade! Ich hätte sie lieber beim Spielen fotografiert. Doch so ist es vielleicht typischer. Ich habe ein paar chinesische Bonbons dabei und verteile sie an die nun etwas schüchtern wirkenden Kinder.Terelj Schulkinder

Auch hier besteht das Essen überwiegend aus Hammel und Reis, wenig Gemüse. Aber ich habe sowieso keinen Appetit. Die anderen aus meiner Gruppe sind nur am nörgeln: das Wetter ist zu kalt, das Essen zu wenig abwechslungsreich, die Gegend öde. Ich versuche, mich ein wenig von ihnen fernzuhalten. Vielleicht bin ich zu lange alleine gereist, so dass ich jetzt gar nicht mehr mit einer Gruppe klar komme. Ich jedenfalls freue mich über die ungewohnte Umgebung, freue mich an allem, was mir geboten wird und fühle mich privilegiert. Wer hat schon die Möglichkeit, ein paar Tage in diesem schönen und fremden Land zu verbringen?

Abends wird der Ofen in der Jurte wieder geheizt, bis er glüht. Ich liege auf meinem einfachen Bett, kuschele mich unter meine dicke Decke und habe das Gefühl, dass mir der Schädel platzt. An einer Naht in der Filzwand, bohre ich vorsichtig ein Loch, bis ich endlich einen Hauch der kalten Außenluft spüre. Ich halte meine Nase dicht an dieses Loch. Wie soll ich das noch zwei Nächte aushalten? Immer wenn der Ofen ein wenig runterbrennt, steht jemand auf und schiebt weiter Holz nach. Dadurch entsteht eine ständige Unruhe.

Am nächsten Tag wache ich wunderbarerweise fast ohne Kopfschmerzen auf. Ich genieße mein Frühstück aus Spiegeleiern und Reis. Das Wetter ist wunderschön. Ich gehe alleine in den Wald und ein wenig am Fluss entlang. Das Wasser ist kristallklar. Die Birken wirken in dem strahlenden Licht der Sonne wie mit Gold überzogen. Die Blätter fallen schon. In der Nacht hat es gefroren. An schattigen Stellen sind die Pfützen mit einer dünnen Eisschicht überzogen und die Pflanzen wirken wie mit Puderzucker bestreut. Doch die glitzernde Pracht der Eiskristalle löst sich in den warmen Strahlen der Sonne schnell auf. Große Hunde streunen auf dem Gelände des Jurten-Camps herum. Sie sehen prachtvoll aus mit ihrem struppigen Fell. Sie sind auf jeden Fall gut genährt und gepflegt – im Gegensatz zu den Hunden in China. An einem kleinen Haus werde ich von einer freundlichen Mongolin eingeladen, bei ihr ein Stückchen Käse zu probieren. Die Unterhaltung ist recht einsilbig. Aber durch ihr herzliches Lachen scheinen wir uns gut zu verstehen.

Am letzten Tag in Terelj regnet es. Ich nutze die Gelegenheit, meinen Rucksack neu zu packen, ein wenig Chinesisch zu lernen und zu lesen. Ich genieße es, dass ich keine Kopfschmerzen mehr habe. Einige aus der Gruppe mieten sich Pferde und machen trotz des kalten Nieselregens einen Ausflug mit einem einheimischen Führer. Als sie zurück kommen, haben sie viel zu erzählen von der tollen Landschaft, aber auch, dass Rosie vom Pferd in den Fluss gefallen ist. Ihr ist nicht viel passiert, nur nass ist sie geworden. Sie wärmt sich schnell am glühenden Ofen in der Jurte auf.

Als uns angeboten wird, gegen einen kleinen Aufpreis am Abend auf traditionelle Weise in der Jurte zu essen, sind wir alle begeistert dabei. Und so wird für uns ein Lamm geschlachtet. Gut, dass wir dabei nicht zugucken müssen! Die Vegetarier unter uns wenden sich mit Schaudern von uns ab. Das Tier wird so wie es ist in Stücke gehackt. Dann wird in der großen Jurte, die wir die Party-Jurte nennen, ein Feuer gemacht, in dem große Steine erhitzt werden. Die Fleischstücke kommen mit ein paar Kräutern in einen großen Topf mit Wasser. Die heißen Steine werden dazu getan, so dass das Wasser sofort spritzend anfängt zu kochen. Bei einem mongolischen Bier sitzen wir an einem langen Tisch in der Jurte und essen das etwas zähe, aber gut gewürzte Fleisch. Wir probieren auch Kumys, die mongolische Spezialität aus gegorener Stutenmilch. Da soll auch ein wenig Alkohol drin sein. Mir schmeckt dieses säuerliche Getränk nicht. In dieser Nacht ist die Jurte nicht ganz so warm. Wahrscheinlich hilft auch das Bier, dass ich gut schlafe.

Zur ersten Etappe: 06.04.1991 Es geht los!

Zur vorangegangenen Etappe: 17.08. – 05.09.1992 Peking – Abschied

Zur nächsten Etappe: 12. – 21.09.19 Ulan Bator – Moskau

Das Naturhistorische Museum in Ulan Bator

 

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