Zhang Bi – ein befestigtes Dorf in Shanxi

张壁古堡             Zhang Bi Gu Bao             Zhang Bi Alte Festung

Es waren unruhige Zeiten am Ende der Sui-Dynastie (589 – 618 n. Chr.) Räuber, Rebellen und anderes windige Volk zog durch die Lande. Die kaiserlichen Truppen waren mehr oder weniger machtlos. In dieser Zeit wurde Liu Wuzhou Anführer einer solchen Rebellentruppe. Schnell gelang es ihm, viele Anhänger zu finden. Mit seiner Gruppe eroberte er einen Landstrich nach dem anderen. Er liebte es, in einem fürstlichen Stil zu leben, und ernannte sich selbst zum Kaiser. Dabei ist nicht ganz eindeutig, ob er sich „Khan“ (Chinesisch Kehan) nannte oder „Tianzi“ (Sohn des Himmels = Kaiser). Er regierte über weite Teile der heutigen Provinz Shanxi und der Inneren Mongolei. Doch in Chang’an (heute Xi’an) etablierte sich die Tang-Dynastie mit Kaiser Gaozu (618). Das war ein starker Gegner. Liu Wuzhou legte sich außerdem mit den Tujue an, einem Turkvolk, das sein eigenes Reich aufbaute. Ehrgeizig versuchte Liu Wuzhou, seine Macht zu behalten, zog nach Taiyuan und musste dann wieder zu den Tujue fliehen. Diese haben ihn dann den alten Berichten zufolge hingerichtet (622?).

Übersichtsplan

Übersichtsplan

Auf diesen Liu Wuzhou führt das Dorf Zhang Bi, in der Nähe von Pingyao, seine Ursprünge zurück. In einem Kehan-Tempel wird sein Andenken bewahrt.

Zhang Bi liegt rund 40 Kilometer westlich von dem alten Städtchen Pingyao. Man kann es gut mit einem Ausflug zum Wohnhof der Familie Wang verbinden. Die Landschaft ist geprägt von dem gelben Lössboden der Provinz Shanxi. Wie weich der ist, kann man gut an all den tiefen Einschnitten in dem eigentlich flachen Land sehen. Die Erosion hat steile Canyons aus der Erde geschnitten. Im Kontrast zu dem Gelb der Lösserde stehen die grünen Felder und Bäume. Zhang Bi schmiegt sich an einen Hügel, kaum zu erkennen von der Straße aus. Wie schon seit Urzeiten liegt es abseits der üblichen Wege. Nur wenige Besucher finden hierher.

Südtor

Südtor

Die meisten Gebäude und auch die erhaltene Mauer stammen aus der Ming- und Qing-Dynastie. Die Befestigungen wie Stadtmauer, Tore und Wachtürme geben dem Dorf ein sehr wehrhaftes Aussehen. Deshalb wird es auch als Festung bezeichnet. Doch wenn man die Tore durchschritten hat, präsentiert sich ein altes verschlafenes Dorf. Die Straßen bestehen aus dicken Steinen, Autos müssen auf dem Parkplatz beim Südtor bleiben. Früher war Zhang Bi sowohl von mehreren Tausend Soldaten als auch den einheimischen Bauern bewohnt. Heute leben noch einige Hundert Menschen in den alten Häusern. Die Atmosphäre ist friedlich, bäuerlich – ein verschlafenes Dorf möchte man meinen. Doch es gibt heute noch 16 Tempel, die dem Buddhismus oder dem Daoismus gewidmet sind. Alleine entlang der Hauptstraße gibt es 4 große Tempel. Es ist erstaunlich, dass dieses kleine Örtchen so viele Tempel vorzuweisen hat.

Auf dem zentralen Dorfplatz steht ein alter Baum. Hier haben sich zwei Arten verwachsen: ein Schnurbaum (Sophora japonica) und eine Weide. Der Schnurbaum soll über Tausend Jahre alt sein. Die Weide dagegen nur 60 Jahre. Einst standen hier 6 alte Schnurbäume. Doch 5 verbrannten bei einem großen Feuer 1947.

Schnurbaum

Schnurbaum

Alleine dieses verschlafene Nest zu entdecken mit all seinen Gassen, alten Häusern, Tempeln und der Stadtmauer ist einen Besuch wert. Doch Zhang Bi ist wegen einer anderen Sehenswürdigkeit berühmt in China: dem ausgeklügelten Tausend Jahre alten Tunnelsystem. In den weichen Lössboden wurden im Laufe der Jahrhunderte rund 10 Kilometer Tunnel gegraben. Diese dienten zunächst vor allem militärischen Zwecken: schnelle Verschiebungen der Truppen, Wachposten und Verstecke waren möglich. Doch heute betonen die Einheimischen gerne den friedlichen Sinn der Tunnel und unterirdischen Räume als Getreidespeicher. Man kann zur Zeit nur 1,5 Kilometer besichtigen. Diese geben gar nicht dieses beeindruckende Tunnelsystem wieder: In drei Lagen wurden die Tunnel und Speicher untereinander bis zu 20m tief in den Berg gegraben. Es gab Brunnen und Licht/Luftschächte. Man konnte gut im Falle eines Angriffs in dieser gerne auch als „unterirdische Stadt“ bezeichneten Anlage verschwinden und es eine Weile dort aushalten.

Unsere Reiseleiterin erklärt uns den Tunnel

Unsere Reiseleiterin erklärt uns den Tunnel

Fazit: Zhang Bi ist unbedingt einen Besuch wert! Den Tunnel kann man sich meiner Meinung nach sparen. Wir hatten leider viel zu wenig Zeit, um auch die Seitengassen und die vielen Tempel zu erkunden. Die Atmosphäre war großartig. An den Straßenecken saßen die alten Leute und schauten ruhig auf die Touristen, die so plötzlich ihr Dorf besuchten. Kinder spielten in der Sonne. Ein alter Mann kam mit seinem geschmückten Maultier und versuchte, die Touristen zu einem Ritt zu bewegen. Hunde kläfften.
Übrigens: Von Touristen wird ein Eintrittsgeld von RMB 60,00 pro Person genommen

Impressionen aus Zhang Bi

 

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