Nijmegen – Stadtrundgang im Dunkeln

Dunkel, nass, kalt – Nijmegen an einem Abend im November

Vor uns ein riesiger roter Regenschirm mit Beinen. Das ist Mieke, unsere Stadtführerin. Hinter uns die glatte Fassade des Museums Het Valkhof, links eine Straße mit bunten Lichtern in den Geschäften, rechts ein Park, dessen Konturen hinter dem Vorhang von strömendem Regen verschwimmen. Und das Ende des großen Platzes ist in der Dunkelheit kaum zu erkennen.

Het Valkhof

Het Valkhof

Doch da müssen wir jetzt durch. Eine Stunde Stadtrundgang erwartet uns, die neun Teilnehmer einer kurzen Info-Reise auf Einladung des Tourismusbüro der Region Arnhem-Nijmegen.

Nijmegen ist die älteste Stadt der Niederlande!“ beginnt Mike. Wir werden diesen Satz noch öfters hören in den nächsten Stunden, zwei Tagen… Sofort liefert sie auch Daten und Fakten, um diesen Satz zu untermauern: 2005 wurden 2.000 Jahre Nijmegen gefeiert. Hier gab es ein bedeutendes Römerlager: Ulpia Noviomagus Batavorum. Von Noviomagus, dem Neuen Markt, leitet sich auch der Name der Stadt Nijmegen ab. Im 8. Jahrhundert baute Karl der Große eine Pfalz.

Ja, alles genau an der Stelle, wo wir gerade stehen, dem Valkhof. Davon ist nichts mehr zu sehen, vor allem jetzt in der Dunkelheit. Mieke deutet auf einen Pfeiler auf dem Platz: Die Basis bildet eine offensichtlich römische Stele: „Das war einst ein Teil einer Siegessäule des Tiberius. (mehr) . Das Original steht im Museum. Dies hier ist übrigens eine Sonnenuhr. Deshalb ist der Pfeiler so schräg.“ Tja, von Sonne nichts zu sehen, also müssen wir ihr einfach mal glauben.

Die Pfalz wurde in den nächsten Jahrhunderten zu einer großen Burg und Festungsanlage ausgebaut „de Valkhof“.   Das erfahren wir, als wir schließlich in der angenehm warmen und vor allem trockenen St. Nikolaus-Kapelle stehen. Ach nein, es gibt dort sogar Stühle. Wir sitzen also überwiegend.

Kastell

Kastell

Die St. Nikolaus-Kapelle (mehr) ist etwas ganz spezielles. Sie ist eines der zwei Gebäude, die von der Festung übrig sind. Und schon bekommen wir wieder das Alter von Nijmegen zu spüren: Die Kapelle ist der einzige romanische Zentralbau in den Niederlanden. Erbaut wurde sie ab 1.030. Sie ist achteckig und ähnelt damit ihrem Vorbild, der Pfalzkapelle von Aachen. Das hat auch schon dazu geführt, dass man sie älter eingeschätzt hat. Sie wurde im Gedächtnis an Kaiserin Theophanu, Frau von Otto II., errichtet. Theophanu starb 991 in Nijmegen. Man ist hier sehr stolz auf diese bedeutende Frau, die übrigens den Kult um den Heiligen Nikolaus nach Europa brachte. Die Wandmalereien, die man zum Teil restaurieren konnte, stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Schön und beeindruckend.

St Nikolaus Kapelle

St Nikolaus Kapelle

Langsam hat es aufgehört zu regnen, wir gehen durch die weihnachtlich erleuchtete Stadt weiter in Richtung Marktplatz und Waage. Unterwegs sehen wir einen Stein im Straßenpflaster, der den Platz kennzeichnet, wo man mittelalterliche Gräber gefunden hat. Ein paar Schritte weiter ist ein grauer quadratischer Stein im Boden eingelassen: Hier wurden im Mittelalter Hinrichtungen durchgeführt.NIjmegen

Eine Waage gehört in den Niederlanden zu jedem ordentlichen Ort hinzu: Ein Gebäude, in dem früher die Waren gewogen und Steuern eingenommen wurden. Erst danach durften die Händler auf dem Markt ihre Waren verkaufen.
Mich beeindruckt bei unserem Stadtspaziergang vor allem, dass die zahlreichen Kneipen und Restaurants gut besucht sind. Überall möchte ich am liebsten eintreten und eines von den leckeren Bieren trinken, die in Nijmegen gebraut werden.

Mariken

Mariken

Auf dem Großen Markt vor der Waage erzählt uns Mieke noch eine spannende Geschichte. Vor uns steht die Statue einer schmalen jungen Frau Mariken von Nijmegen. Diese Frau lebte im 14. Jh. Sie wird von ihrer Tante beschuldigt, mit dem Onkel geschlafen zu haben. Mariken ist ganz verzweifelt und bittet um Hilfe: egal ob Gott oder Teufel – Hauptsache Hilfe! Na, das hört der Teufel gerne und ist sofort zur Stelle. Einige Jahre ziehen sie gemeinsam durch die Lande und leben „in Sünde“. Als Mariken nach sieben Jahren nach Nijmegen zurückkehrt, überkommt sie die Reue und sie fleht Gott an, ihr zu vergeben. Das mag der Teufel natürlich gar nicht gerne hören. Er hebt sie hoch und schmettert sie zu Boden. Sie überlebt, die Menschen beten für sie, die reuige Sünderin. Der Teufel wird mit Bibelzitaten vertrieben. Um wirkliche Absolution zu erhalten, reist Mariken sogar bis zum Papst nach Rom. Der Papst legt ihr als Buße auf, drei eiserne Ringe um Hals und Arme zu tragen. Diese sollen erst abfallen, wenn ihre Sünden wirklich von Gott vergeben sind. Mariken tritt in ein Kloster ein und trägt 23 Jahre lang die Ringe. Dann erscheint ihr der Erzengel Gabriel und löst die Ringe. Nun kann sie endlich in Frieden leben. Sie stirbt im Jahr 1500. So wird die Geschichte in einem Mysterien-Spiel aus dem frühen 16. Jahrhundert. Wiedergegeben. Bei Wikipedia kann man lesen, dass die Geschichte möglicherweise aus Syrien stammt.

Natürlich werfen wir auch noch einen Blick auf die Stevenskerk, die historische Hauptpfarrkirche von Nijmegen. Diese ist interessanterweise heute ökumenisch. In ihr befindet sich eine berühmte Orgel: die Königsorgel von Christian Ludwig König aus dem 18. Jahrhundert.

Danach gehen wir durch die schmalen Gassen der Altstadt hinunter zum Rhein. Ach nein! Das ist nicht der Rhein selbst sondern ein großer Nebenarm, der Waal. Im nahen bunten Spielcasino sind wir zum Abendessen eingeladen.

Auch im spielcasino kann man auf den Sympathieträger Panda nicht verzichten

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Facit: Auch wenn ich nicht wirklich viel in dieser Stunde gesehen habe, so hat mir doch das, was ich gesehen habe, sehr gefallen. Nijmegen ist eine hübsche kleine Stadt mit einigen Sehenswürdigkeiten und einer sehr gemütlichen Ausstrahlung. Die Sehenswürdigkeiten und Museen sind sicherlich einen Besuch von mindestens zwei Tagen wert.

Ich war in Nijmegen auf Einladung der Regio Arnhem Nijmegen.

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