ChengFu Courtyard Restaurant

Peking 2015: Das Restaurant ChengFu Courtyard – ein Reisebericht

Am Tag nach der großen Parade, also am 04.09.15, regnet es. Vergessen der strahlende Sonnenschein vom Tag davor. Gleichzeitig ist es auch merklich kälter geworden. Trotzdem versuche ich, mein Programm durchzuziehen. Das beinhaltete den Spaziergang entlang der Nanchang Jie, einer schmalen Straße zwischen der Verbotenen Stadt und dem Zhongnanhai (Mittel- Süd-See), dem Hauptquartier der Kommunistischen Partei. Entlang der Nanchang Jie sollte es einige halbvergessene Tempel geben.

Aber als erstes hatte ich Hunger. Die Idee, den Regen in einem netten Restaurant abzuwarten, kam auf. Doch ich fand nichts passendes. Es war auch vielleicht die falsche Uhrzeit: 15:00 Uhr ist keine Essenszeit in China. Erschöpft und völlig durchnässt schlurfte ich weiter. An einer Bushaltestelle hoffte ich auf einen Bus zu meinem Hotel. Es kam keiner. Ich wurde nur noch nasser. Eine Taxi-Fahrerin hielt, als ich ihr winkte. Sie verlangte aber gleich einen Preis, der mich einfach nur wütend machte. Da hatte ich auch keine Lust mehr zum Handeln. Also weiter!

Ich guckte, wie ich das immer so mache, in jeden Hof, in jede Tür. Die Straße war alt, rechts und links graue traditionelle Gebäude, denen man einen gewissen Wohlstand ansah. Dann sah ich hinter einer Tür ein chinesisches Schild! Stand da nicht „Restaurant“? Nur Chinesisch, keine Pinyin-Umschrift.

Chengfu Courtyard

Im ChengFu Courtyard

Neugierig trat ich durch das Tor und gelangte in einen kleinen Innenhof, auf dem nasse Tische und Stühle standen. Gleich begrüßte mich eine sehr freundliche junge Dame in einem traditionellen Gewand. Ob ich jetzt etwas zu essen bekommen könnte, fragte ich in meinem besten Chinesisch. Sie lächelte, ja, das ginge! Ich fragte nach der Speisekarte. Nicht, dass ich hier in diesem doch exklusiv wirkenden Restaurant astronomische Summen für ein besonders feines Menü zahlen musste. Doch abgesehen von einigen Preisen für 4-bis 5-Gänge Menüs schien es sich im bezahlbaren Bereich zu finden. Meinen geliebten Mapo-Doufu gab es schon für unter 30 RMB. Ich bestellte, fragte, was sie mir empfehlen würde. Mianjin schlug sie vor. Ich war nicht ganz sicher, was das sein sollte. Mian schien ja auf Nudeln hinzudeuten. Warum also nicht etwas Neues versuchen?!

Schließlich wurde ich in ein kleines Zimmer mit zwei großen Tischen geführt. Es war warm und Maos Portrait hing an der Wand. Die junge Dame erklärte mir auf Chinesisch, dass das Restaurant von Liu Jian, dem Enkel eines Chefkochs von Mao Zedong, geführt wird, eine lange Geschichte habe und eigentlich eine Reservierung erforderte. Ja, das bestätigte mir hinterher auch ein chinesischer Freund, der ganz erstaunt war, dass ich so exklusiv gegessen hatte. Die Gäste kommen häufig aus dem nebenan gelegenen Zhongnanhai, denen man hier edles biologisches Essen serviert.

1962 hat hier eine bemerkenswerte Begegnung statt gefunden: Mao Zedong hatte zu einem kleinen Festessen eingeladen. Da betrat ein einfach gekleideter Mann das Restaurant, den Mao nicht gleich erkannte aber doch herzlich als Freund begrüßte. Dieser Mann war Puyi, der letzte Qing-Kaiser.

Mein Menü:

Mapo-Doufu
Würzig, scharf, richtig gut!
zum Rezept

Mianjin
Erst später fand ich heraus, dass es sich bei „Mianjin“ um Gluten bzw. Saitan handelt. Das gilt auch in China als Fleischersatz. Man kann daraus fleischliche Gerichte wie Hühnchen mit Erdnüssen ganz vegetarisch kochen. Hier entpuppte sich Saitan als der Hauptbestandteil des Gerichtes. Merkwürdige schlabberige Klöße, die nach nichts schmeckten. Dazu gab es viel leckeres Gemüse, so dass das Ganze doch sehr gut schmeckte. Und ein kühles Bier.

Zum Grundrezept für Saitan auf China Radio International: Saitan

Nach ungefähr einer Stunde verließ ich gestärkt und getrocknet das kleine Restaurant. Doch der Regen hatte immer noch nicht aufgehört. Schließlich fand ich einen Bus in die richtige Richtung.

Das Restaurant ChengFu Courtyard
38 Nanchang Jie, Dongcheng District, Beijing (北京市东城区南长街38号)
Tel:010-6606-9936
Das Restaurant ist auf Kaiserliche Küche spezialisiert. Auch einige der Lieblingsgerichte Mao Zedongs findet man auf der Speisekarte. Die Zutaten sind frisch und bio.
Das Restaurant hat insgesamt nur 4 kleine Räume und den Hof. Da können 30 Personen speisen. Ich hatte Glück, dass ich am Nachmittag dort war. Es wird dringend dazu geraten, einen Tisch 3 Tage vorher zu reservieren.
In einigen Quellen habe ich gelesen, dass man nur fertige Menüs (Preise ab 500 RMB aufwärts) serviert. Das stimmt nicht ganz. Auf jeden Fall sollte man mit mehreren Leuten hingehen und die Köstlichkeiten in einer Gruppe genießen.

Die China Daily schreibt:
„The unparalleled culinary craftsmanship, unique cultural heritage and perfected service at ChengFu make it the premier Chinese dining experience in Beijing.“

Visit Beijing auf Facebook:
„Served at the top dining standard, the banquet offers culinary variety over volume, which is a non-conforming principle of health and well-being. The highlight dishes are Marshal Shrimp Roll (fusion dish), Mao’s Roasted Pork (Mao’s favorite), and Cooked Bluntnose Black Bream with Basil (signature dish)“.

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