Nur Handgepäck? Ich nicht!

Nur Handgepäck? Manchmal sehe ich in entsprechenden Reiseforen und auf Reiseblogs die Empfehlung, nur mit Handgepäck zu reisen. Das sei soooo viel einfacher und minimalistisch! Ist eben ein Trend! Von Ballast abwerfen und mehr Freiheit ist da die Rede.

Ich hab immer noch nicht ganz verstanden, was daran so toll sein soll.

Rucksack

Mein Gepäck für 18 Monate Asien

Bei meinem Paris-Wochenende hatte ich zuerst mit einem Billigflug geliebäugelt, der nur Handgepäck zulässt. Mit einiger Unruhe habe ich an Rom letztes Jahr gedacht, wo ich eben auch nur ein Handgepäckstück mitnehmen durfte. Die Maße dafür waren strickt festgelegt. Ich durfte damals beim Boarding beobachten, wie immer wieder nachgemessen wurde. Manch ein Köfferchen wurde aussortiert und musste aufgegeben werden (was natürlich Extra-Geld kostete).

Rom 2015 – nur Handgepäck

Ich selbst hatte mir genau überlegt, was ich mitnehme, alles sorgfältig in jede Ritze gepackt. Es passte – für 2 Tage/2 Nächte. Es ging! Aber knapp! Ich verzichtete schweren Herzens auf ein zweites Paar Schuhe, auf einen zusätzlichen Pullover und eine zweite Jeans. Auf Kamera, Notebook, eReader wollte ich nicht verzichten. Kosmetika? Nur das Notwendigste!

Paris 2016 – mit aufgegebenem Gepäck

Für meinen Flug nach Paris kann ich einen Koffer aufgeben. Schon überlege ich mir, welchen Luxus ich mir mitnehmen kann/möchte. Jubel! Ich kann meinen kleinen Schirm einpacken, den Paris-Reiseführer und ein richtiges Buch für unterwegs. Für die Badewanne in meinem Zimmer kann ich meinen Lieblingsbadeschaum mitnehmen und mir einen richtigen Wellness-Abend gönnen! Ich kann alle nötigen Aufladegeräte mitnehmen. UND: Mein Schweizer Taschenmesser (samt Korkenzieher) kann ins aufgegebene Gepäck. Dass ich mir abends eine Flasche Wein gönnen kann, ein Butterbrot schmieren oder eine Tomate schneiden: Toll! Ich freue mich, dass ich einen Extra-Tagesrucksack (oder auch Handtasche) mit nehmen kann. Und auch mein Bärchen, treuer Begleiter auf vielen Reisen, kann mit, ohne dass ich darüber lange nachdenken muss.

Nur Handgepäck - niemals! Bärchen in Nijmegen 2015

Bärchen in Nijmegen 2015

Ein anderer Aspekt ist der, dass ich die in Hotels und/oder in fernen Ländern angebotenen Shampoos und Seifen meistens nicht vertrage. Ich nehme grundsätzlich lieber meine eigenen Seifen mit. So bin ich vor unliebsamen Überraschungen sicher. Auf Handtücher kann ich verzichten.

Außerdem hoffe ich darauf, mir das eine oder andere Kunstbuch im Museum kaufen zu können. Das muss dann auch mit! Denn schließlich habe ich keine Zeit, um mir vor Ort eine Post zu suchen und ein Päckchen nach Hause zu schicken.

Lange Reisen – immer mit großem Gepäck?

Bei meinen längeren Reisen, soforn sie mehr als 3 Tage dauern, würde ich nie auf die Bequemlichkeiten eines großen Rucksacks oder Koffers verzichten wollen. Während meiner Großen Asienreise 1991/92 war mein 60l-Rucksack immer hart am Limit: 20kg wog der mindestens. Dazu noch Handgepäck. Aber ich empfand das nicht als groß oder schwer. Ich habe damals ungeahnte Kräfte entwickelt – ganz ohne Mucki-Bude! Mein Rucksack

Nepal Trekking mit leichtem Gepäck

Einmal habe ich während dieser Zeit auf den größten Teil meines Gepäcks verzichtet. Für das Trekking am Annapurna reduzierte ich auf rund 12 KG – gesamt. Inklusive Fotoapparat. Das war gar nicht so einfach. Biologisch abbaubares Waschmittel (schwer) hatte ich dabei, weil ich zwischendurch häufiger als gewohnt waschen musste.

Als ich zurück in Kathmandu war, hatte ich einen Nestbautrieb entwickelt. Ich freute mich über die Wiedervereinigung mit dem Rest meines Gepäcks und richtete mir das preiswerte Einzelzimmer ein: Mal den Rucksack komplett leeren. Ablageflächen im Zimmer nutzen. Bücher in eine Reihe. Das seht ihr alles auf diesem Foto:

Ordnung im Zimmer

Ordnung im Zimmer

Neben den Reiseführern (Indien, China, Karakorum Highway) und meinem Chinesisch Lehrbuch hatte ich auch noch Lektüre für unterwegs dabei. Gut, damals gab es noch keine eBook-Reader. Aber bei Reiseführern machen die in meinen Augen sowieso keinen Sinn. Man kann darin nicht wirklich blättern, Fotos und Karten sind nicht überschaubar.

Dazu könnt Ihr links in dem gelben Päckchen meine „Küche“ sehen. In dem Päckchen hatte ich für unterwegs immer ein Messer, einen Löffel, Salz, Pfeffer und Zucker dabei. Der Emaille-Teller kam immer dann gut, wenn ich mir mal eine Mango oder anderes Obst kleingeschnitten habe. Die Mappe in der Mitte enthält verschiedene Notizbücher fürs Tagebuch und ein paar Prospekte, Landkarten, die ich für notwendig hielt. Rechts seht Ihr meine Kulturtasche. Shampoo, Duschgel usw. braucht man ja. Ich bin sehr empfindlich und brauche spezielle Kosmetika. Hinzu kommen so Sachen wie mein Notfallpack oder auch meine Reiseapotheke. Da macht Kleidung noch den geringsten Teil des Gewichts und des Platzanspruchs aus.

Doch so Dinge wie der Teller, eigenes Besteck oder auch mein selbstgenähter Schlafsack (aus einem Sari genäht) erhöhten meine Lebensqualität unterwegs.

Ich gebe zu: Manchmal war ich auch ein wenig neidisch, wenn ich andere mit leichtem Gepäck gesehen habe. Doch eigentlich hätte ich nach einiger Erfahrung auf vieles nicht mehr verzichten mögen.

Auch heute befindet sich in meinem Gepäck wahrscheinlich mehr, als ich dann brauchen werde. Den Luxus gönn ich mir!

Zusammenfassung

Nur Handgepäck

Vorteile

  • Kürzere Zeit beim Anstehen am Gepäckband oder beim Checkin. (Anm. Dass das nicht unbedingt stimmt, könnt ihr in meinem Bericht über meine Anreise nach Paris lesen: Hamburg – Paris
  • Leichtes Gepäck
  • Im Trend: Minimalismus

Nachteile

  • Bärchen kann nicht mit!
  • Man muss mehr Zeit unterwegs mit Waschen verbringen
  • Ersatzhose oder –pullover? Geht nicht!
  • Man ist auf die Kosmetika des Hotels angewiesen.
  • Souvenirs kaufen? Besser nicht – kein Platz!

Bitte versteht mich nicht falsch: Jeder muss selbst wissen, was er tut und was für ihn/sie bequem und richtig ist.Doch ich stelle mich ganz entschieden gegen die Heilsversprechen, dieses „Nur ohne Besitz/ohne Gepäck usw. wirst Du glücklich und frei sein!“

Ballast und mangelnde Freiheit?

Von den Vertretern der „Nur Handgepäck Fraktion“ wird oft argumentiert, dass weniger Gepäck Loslassen bedeutet. „Weniger Ballast und mehr Freiheit!“ ist ihr Credo. Nun, je mehr ich darüber nachdenke und auch dank der interessanten Kommentare zu meinem Artikel ist mir deutlich klar geworden, dass weniger Gepäck nicht wirklich mehr Freiheit bedeutet. Denn es gehört dazu, dass man sich ständig entscheiden muss, was kommt mit, was nicht. Worauf kann ich verzichten… Das empfinde ich als ungeheuren Druck. Sicherlich gewöhnt man sich mit der Zeit daran. Trotzdem: es ist nicht meins!

p.s.: Ich habe den Artikel geschrieben, bevor ich von der Blogparade „Mit leichtem Gepäck“ von reiseum.de erfahren hatte. Nun beteilige ich mich mit diesem Artikel! Vielen Dank für die gebotene Plattform!

„Weniger ist mehr“. Weniger Gepäck bedeutet mehr Freiheit und mehr Komfort. Das schriebt Abenteuer und Reisen in einem Artikel vom 04.03.  Dem habe ich oben ja schon ausführlich widersprochen. Doch der Artikel enthält einige nützliche Packtips. Schaut selbst!

Für mich bedeutet „Nur Handgepäck“ eine Einschränkung meiner Lebensqualität, und damit auch meiner Freiheit unterwegs. 

25 Kommentare

  • wolfgangkaeseler

    Ich liebe es, mit Handgepäck zu reisen. Etwa 8 kg reichen für 2 Wochen oder für 2 Monate (oder für länger). Voraussetzung: Es geht in wärmere Gefilde. Und: Das hat bei mir nix mit Trend, Freiheitsgefühl oder ähnlichem Quatsch zu tun, es ist einfach praktisch und ausreichend. Klar gibt´s auch einige (wenige) Nachteile, viele Vorteile überwiegen jedoch für mich. Und wenn ich mir das Bärchen so anschaue, das würde ich glatt auch noch mitbekommen… 😉

    Aber zum Glück kann´s ja jede/r halten, wie er / sie es mag. Das ist doch das Gute und die eigentliche (Entscheidungs)Freiheit … 😀

    Schönen Reise(n)!
    Wolfgang

    • Ulrike

      Ja, jeder kann das halten, wie er will! Ich bin gerade jetzt bei meinem Wochenende in Paris glücklich, dass ich mehr mitnehmen kann.
      LG
      Ulrike

  • Hallo Ulrike,
    ich habe deinen Beitrag über die Blogparade gefunden, da ich ebenfalls daran teilnehme. Obwohl ich eher zur Fraktion der Minimalisten gehöre, finde ich deinen Artikel und die zugehörige Diskussion hier äußerst interessant, da man wunderbar erkennen kann, wie verschieden wir doch alle sind. Und dabei haben wir wahrscheinlich alle auf unsere eigene Art Recht. Ich kann jedenfalls deine Argumentation nachvollziehen und finde sie schlüssig.

    Liebe Grüße
    Christian

  • Pingback: 5 Dinge, auf die ich selbst bei einem Kurztrip nicht verzichten mag - faszinationeuropa.de

  • Liebe Ulrike,
    du scheinst mit deinem Beitrag einen Nerv getroffen zu haben. 🙂

    Aber ich kann dich voll und ganz verstehen: Nein, ich will nicht nur mit Handgepäck reisen müssen. Auch auf kurzen Reisen habe ich nun mal gerne Kleidung zum Wechseln dabei – Klamotten für das Entdecken einer Stadt, Klamotten zum Wandern (allein schon die Schuhe!) und gerne auch was, mit man sich in einem besseren Lokal oder im Theater blicken lassen kann.

    Dann: Lesestoff! Ladegeräte. Eventuell Geschenke für Freunde, die man besucht.

    Die Faszination und der Stolz, wochenlang nur mit Minimal-Gepäck auszukommen will sich mir echt nicht erschließen.

    Ok, ok… das war viel Rede… und eigentlich nur ein Sinn: Danke dir für deinen Beitrag! 🙂

    Gruß,
    Tobias

    • Ulrike

      Hallo Tobias!
      Ja, da bin ich ganz deiner Meinung! Ich fühle mich einfach auch freier, wenn ich nicht die ganze Zeit Entscheidungen treffen muss, passt das noch rein, kann das mit oder worauf kann ich am besten verzichten..
      LG
      Ulrike

  • Ich finde das unendlich süß, dass dein Bär immer mit auf die Reise geht. Darüber habe ich noch nie nachgedacht, bringt aber bestimmt einen Hauch von Heimat mit zum Reiseort 🙂
    Sonst kann ich dem nur zustimmen, auch wenn ich eher zu den Reisenden gehöre, die zu wenig mitnehmen, aber eine Ersatzhose muss sein – aus leidiger Erfahrung…

  • Lux

    Weniger ist mehr!
    Ich reise für kurze Trips (bis 4 Tage) immer mit Handgepäck. Überlegt euch nicht, was ihr mitnehmen könnt, sondern was kann zu Hause bleiben?
    Ein guter Anhaltspunkt ist das Auspacken am Ende der Reise.
    Ein zweites Paar Schuhe die weite Welt gezeigt und wohlbehalten wieder mitgebracht? Eine Ersatzjeans mitgebracht?
    Schränkt euch lieber ein. Das hat nichts mit „Trend“ zu tun, sondern macht das Reisen leichter und angenehmer. Krimskrams der wertvollen Platz wegnimmt und nur Zeit kostet, weil man ihn immer wieder in die Hand nimmt und ein- bzw. auspacken muss, weil man die Sachen suchen muss die man tatsächlich brauchen muss.

    • Ulrike

      Ja, das ist die eine Seite. Ich hab mir schon mal auf einem Kurztrip einen Schuh zertreten. Ich laufe halt viel und renne auch viel in unwegsamen Ausgrabungsstätten rum. Und nach einem solchen Tag einfach in andere Schuhe schlüpfen zu können, oder eine frische Jeans anzuziehen, das ist etwas, was ich mir gönne. Das ist noch nicht einmal Luxus. Das entspricht meinen Vorstellungen von gepflegt und sauber sein. Oder das eine Mal in Peking, als ich den ganzen Tag in Matsch und Schnee rumgelaufen bin: Wenn ich da kein trockenes Paar Schuhe gahbt hätte, wäre ich wahrscheinlich ziemlich krank geworden. Und: Krimskrams? Ballast? Mein Bärchen würde ich niemals so bezeichnen! Wenn es irgendwie möglich ist, kommt das mit! Wenn man so weit und so oft gereist ist wie ich, dann packt man so, dass man alles mit einem Griff wiederfindet. Nene, da kann man mich nicht überzeugen!
      Meine Erfahrungen mit 3 Tagen Rom und nur Handgepäck letztes Jahr haben mir gereicht!

  • Ulrike, ich habe immer Dinge dabei, die beim Fliegen im Handgepäck so (Art, Menge) nicht zugelassen sind. Und ich brauche, wenn es mehr als zwei Tage sind, generell ein größeres Gepäckstück als das dort zugelassene. Ich würde auch nur im äußersten Notfall, mit gewichtigem Grund oder für sehr kurz nur mit Handgepäck reisen.
    Es würde für mich nämlich sonst tatsächlich den Genuss der eigentlichen Reise beeinträchtigen. Mir macht anstehen oder auf den Koffer warten nicht so viel aus. Nur das etwas ungute Gefühl, ob er wohl mitgekommen ist. Zum Glück flog der Koffer nur selten zu einem anderen Ziel oder verlängerte eigenmächtig seinen Aufenthalt am Reiseort. ^^

    LG Michèle

  • Handgepäck??? Ich hab in meinem Wohnmobil alles dabei, was ich zu brauchen denke (nur kann das Womo halt nicht fliegen). Aber mal grundsätzlich: Es ist immer wieder spannend, wenn man sich im Mittransportierten reduzieren muss.

  • Bei Kurzreisen – zwei bis drei Tagen – tut’s durchaus mein größerer Rucksack, da passt viel hinein, inklusive Tablet, große Kamera, Wäsche zum Wechseln und Kosmetika – und sogar ein Buch. 😉 Auf längeren Reisen muss natürlich der große Koffer her. Ein Schweizer Taschenmesser inklusive Korkenzieher für den abendlichen Schlummertrunk führe ich übrigens auch stets mit. 😉

    • Ulrike

      Hachja! Es gibt so vieles, auf das man auch bei kurzen Trips nicht verzichten möchte!
      Ich wünsch dir eine schöne Restwoche!

  • Danke Ulrike! Beitrag ist schon bei der Blogparade!
    LG

    Alex reiseum.de

  • Wir haben in Japan Kleidung gelagert. Bei meiner Tante und Cousin Ken. Du hast keine Vorstellung was Elfchen … äh … also wir … na gut ich, so alles brauche. 😀

    • Ulrike

      Liebe Mayumi,
      ich bin überzeugt davon, dass Ihr in jeder Kleidung superschön ausseht! Aber das ist natürlich klasse, wenn man sozusagen von einem Zuhause zum anderen reist. Das geht mit leichtem Gepäck.
      LG
      Ulrike

  • Ob ich wohl schon eine Luxuspflanze bin, wenn ich es für mich ausschließe mit nur einem Paar Schuhen, einer Hose und ohne jede Lektüre unterwegs zu sein 🙂

  • Also, ich kann beide Positionen verstehen. Wenn ich die Möglichkeit habe mit dem Auto zu reisen, habe ich auch keine Lust am Gepäck zu knausern. Wenn ich alleine mit den Öffis und/oder Flugzeug unterwegs bin, verteufele ich jedoch jedes Mal mein Gepäck. Ich habe oft wirklich Schwierigkeiten, es zu befördern (bin halt nicht die Stärkste) und leider ist irgendwie auch nie ein Gentleman zur Stelle, wenn ich meinen Koffer gerade irgendwelche Treppen hochwuchte… Zumindest mein Rücken und meine Schultern würden mir eine Beschränkung auf das absolut Minimale danken 😉 .

    • Ulrike

      Liebe Heike, da hab ich ganz andereErfahrungen gemacht! Ich sehe nun nicht gerade klein und schwach aus. Aber es gibt eigentlich immer jemanden, der mir zur Hilfe eilt, wenn er mich mit meinem Gepäck sieht. 😉 NOtfalls bitte ich um Hilfe.
      Rücken und Schultern haben sich bei mir auch erst mit der Zeit an das schwere Gepäck gewöhnt.
      Muss jeder sehen, wie er’s macht.
      Happy Travels
      Ulrike

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