Hildesheim: Roemer- und Pelizaeus-Museum

Im Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim gibt es zur Zeit zwei Sonderausstellungen. Die eine war der Anlass für mich, Ende April 2016 eine mehrstündige Zugfahrt auf mich zu nehmen, um gemeinsam mit einer Freundin von Hamburg nach Hildesheim zu fahren. Die andere war dann die, die mich davon überzeugte, dass der Besuch nicht vergeblich war.

Schätze für den Kaiser 21.11.15 – 04.12.16
Meisterwerke chinesischer Kunst (1368 – 1911)
Kunstwerke aus der Ming- und Qing-Dynastie aus privaten Sammlungen waren angekündigt. Große Worte wurden gewählt, um die Ausstellung und die neu eröffnete Dauerausstellung anzupreisen. „Wir entführen Sie in den kaiserlichen Palast und zeigen Ihnen die prachtvoll ausgestatteten Gemächer des Kaisers und seines Hofstaates“.

Vielleicht hab ich schon zu viele chinesische Meisterwerke gesehen: Mich hat die Ausstellung enttäuscht. Die Dauerausstellung zeigt einige prachtvolle Vasen und andere Kostbarkeiten in traditioneller Präsentation. Vitrinen enthalten Porzellan und Kunstwerke ohne große oder ausführliche Beschriftungen.

Die Sonderausstellung wirkt auf mich lieblos. Auch hier werden kaum Zusammenhänge dargestellt, weitergehende Informationen geboten. Ein schlichter Tisch mit Schreibutensilien, einige Fotos, ein paar Seidengewänder. Letztere teilweise auf Kleiderbügeln an eine Stange gehängt: Möglichkeit, sich so ein Gewand überzuwerfen, um sich darin fotografieren zu lassen? In China wäre das auf jeden Fall so gewesen.

Apropos Fotografien: Es gibt auch eine Ausstellung alter Fotos aus China, die man leicht übersehen kann. Sie zeigt Fotografien aus dem Leben und den Städten in China vom Ende des 19. Jh.

Der sog. Altarraum zeigt ein paar Buddha-Statuen und Zeremonie-Geräte. Nach allem, was ich persönlich weiß und schon gesehen habe, hat diese Aufstellung nichts mit einem tatsächlichen Altarraum in der Verbotenen Stadt zu tun. Die tibetischen Tangkas passen nicht zu den Statuen, die nicht aus Tibet stammen.

Schätze für den Kaiser: Altarraum

Schätze für den Kaiser: Altarraum

Es gibt aber ein Ausstellungsstück, das mich sehr begeistert hat: Der Tapir aus Bronze. Solche Gefäße sind nach meinem Wissen alte Weinkessel, die mehr als 2.000 Jahre alt sind. Leider wird nirgendwo erklärt, was es mit dem Gefäß auf sich hat, wie die Chinesen auf die Idee gekommen sind. einen Tapir abzubilden. Tapire sind in China seit 10.000 Jahre ausgestorben. Aber es gab Kaiser und Reiche, die sich einen kleinen privaten Zoo leisteten. Mich erinnert das Gefäß an ein Nashorn aus Bronze, das ich in Xi’an gesehen habe: Maoling

Bronzenes Weingefäß in Form eines Tapirs

Bronzenes Weingefäß in Form eines Tapirs

Ich denke, dass die Ausstellung schön und interessant ist, weil es im weiten Umkreis kein Museum mit einer Ostasiatischen Abteilung gibt. Wenn man chinesische Kunstwerke und Porzellan sehen will, muss man sonst mindestens bis nach Berlin.

Das Roemer- und Pelizaeus-Museum
Das Museum ist recht unübersichtlich. Es bietet neben einer großen und beeindruckenden Sammlung ägyptischer Funde auch eine schöne Ausstellung von Artefakten aus Südamerika. Neben dem alten Museumsgebäude wurden auch die Räume einer Kirche integriert. Alles sehr schön, aber auch zum Teil sehr unübersichtlich. Auch mir doch geübten Museumsbesucherin gelang es nicht sofort, das zu finden, was ich suchte. Ein sinnvoller Rundgang scheint nicht möglich. Um von der Peru-Ausstellung (2. Stock im Kirchengebäude) zur Ägyptenausstellung (2. Stock in Museumsgebäude) zu kommen, muss man erstmal runter in den 1. Stock, über eine Brücke und dann wieder hinauf. Dankbar war ich für einen freundlichen Museumsangestellten, der uns anhand eines Museumsplans die Wege erklärte. So gelangten wir dann auch zu der wirklich interessanten Ausstellung „Mumien der Welt“, die der Höhepunkt meines Besuchs war.

Mumien der Welt 13.02. – 28.08.2016
Von den ägyptischen Mumien hat jeder schon gehört. Da das Roemer- und Pelizaeus-Museum für seine umfangreiche altägyptische Sammlung berühmt ist, kann man auch mit Mumien rechnen.

In der Sonderausstellung gibt es nicht nur ägyptische sondern auch Mumien aus zahlreichen anderen Kulturen zu sehen. „Die Hildesheimer Ausstellung umfasst 26 vollständig erhaltene menschliche Mumien und zahlreiche Tiermumien aus sechs Kulturkreisen“ heißt es in dem Begleitblatt. Wir machen uns also auf die Suche. Neben den ägyptischen Mumien sehen wir unter anderem Moorleichen, mumifizierte Nonnen aus einem süddeutschen Kloster und ägyptische Katzenmumien. Wir finden Fotos und Erklärungen zu asiatischen Selbstmumifizierungen. Neueste Forschungsergebnisse werden verständlich dargestellt. Weitere Mumien sind auch in der Peru-Ausstellung zu finden.

In der Sonderausstellung darf nicht fotografiert werden. Beeindruckend sind die ausgestellten 3D-Scans von Mumien und Gegenständen, die zu zerbrechlich oder auch zu wertvoll sind, um sie zu transportieren. So kann man auch das Mammut-Baby bewundern, das man in Sibirien ausgegraben hat und das im Original in Mannheim zu sehen ist.

Mumie in der Peru-Ausstellung

Mumie in der Peru-Ausstellung

Infos (Stand Mai 2016):
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10:00 – 18:00 Uhr
Eintritt: € 10,-

Webseite: http://www.rpmuseum.de/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.