Der Michel und seine Orgeln – eine Orgelführung im Michel

Ich hatte Anfang September das Glück zu einer Orgelführung im Michel eingeladen zu werden.

Der Michel – Hamburgs Wahrzeichen

Hoch über dem Hafen steht der Michel, Hamburgs berühmte Hauptkirche St. Michaelis. Der Turm ist gut 132m hoch und dient schon seit dem 17. Jahrhundert als Orientierung für die Schiffe, die die Elbe befuhren.

St Michaelis von der Elbe aus gesehen

St Michaelis von der Elbe aus gesehen

Doch wenn Ihr nun glaubt, dass das heute noch derselbe Turm, dieselbe Kirche ist wie die, die 1669 fertig gestellt wurde, dann habt Ihr Euch geirrt. Die erste Kirche aus dem 17. Jahrhundert wurde aus Holz gebaut und brannte 1750 nach einem Blitzeinschlag komplett ab. 1751 bis 1762 wurde die Kirche neu gebaut. Der Turm bestand überwiegend aus Holz.

Der Turm des Michels stand bis 1906, als er bei Bauarbeiten in Brand geriet und donnernd auf das Kirchenschiff brach. Dabei wurde Kirche samt den großartigen Barockorgeln weitgehend zerstört. Natürlich erfolgte auch jetzt wieder ein Neubau nach alten Plänen. Obwohl viele dagegen waren und ein komplett neues Konzept forderten. Im 2. Weltkrieg kam es schließlich dazu, dass auch Hamburgs geliebter Michel von Bomben getroffen wurde. Die Schäden, die dabei entstanden, konnten repariert werden. So sagt man heute vom Michel gerne, dass dies die schönste barocke Kirche Norddeutschlands ist. Auch wenn genau genommen außer dem Taufstein nichts mehr aus dem Barock stammt.

Der barocke Innenraum von St. Michaelis

Der barocke Innenraum von St. Michaelis

Orgelführung im Michel

Als ich jetzt (September 2016) den Michel nach langer Zeit mal wieder von innen gesehen habe, war ich ziemlich überwältigt von den barocken Formen, dem Weiß der Wände und dem Gold der Verzierungen. Das ist ja normalerweise nicht mein Fall. Aber glücklicherweise fehlen die pompösen Wandgemälde der süddeutschen Barockkirchen.

Ich war zu einer Orgelführung im Michel eingeladen worden. Das ist ein Highlight, das ich jedem nur empfehlen kann! Die Orgeln im Michel sind einfach grandios!Orgelführung im Michel - Große Orgel

Der Michel besitzt fünf Orgeln: eine Marcussen-Orgel auf der Konzertempore (Nordempore), die große Steinmeyer-Orgel mit 85 Registern, 5 Manualen und 6674 Pfeifen auf der Westempore, in der Krypta die romantische Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Orgel sowie ein Fernwerk im Dachboden. Am 1. Advent 2010 wurde auf der Südempore die Carl-Phillip-Emanuel-Bach-Orgel eingeweiht.

Allerdings versuchte Michels Kirchenmusiker und Organist Manuel Gera, uns in dem Glauben zu lassen, dass es sich bei der Großen Orgel um die Orgel handelt, auf der schon im 18. Jahrhundert Carl Philipp Emanuel Bach (* 8. März 1714 in Weimar; † 14. Dezember 1788 in Hamburg) gespielt hatte. Die Orgeln sind nach alten barocken Plänen gebaut. Der Klang ist einfach grandios!

Herr Gera verstand es, uns in der kurzen Zeit einen umfangreichen Eindruck von den vielen Möglichkeiten der Orgeln zu geben.  Was für ein Gefühl, wenn Tausende Orgelpfeiffen ihre gewaltigen Töne in der ganzen Kirche ausbreiten!Orgelführung im Michel

Beeindruckend auch, dass es die Möglichkeit gibt, mehrere Orgeln von einem Generalspieltisch aus zu steuern! Da scheint ein komplettes Symphonieorchester zu spielen! Aber auch ganz leise Töne sind möglich. Ein toller räumlicher Effekt entsteht, wenn das Fernwerk ins Spiel kommt. Dieses Fernwerk ist eine Orgel, die versteckt im Dachstuhl ihre voluminösen Töne erschallen lässt. Das Fernwerk im Dachboden hat 17 Register und 1.222 Pfeifen. Über einen ca. 20 Meter langen Schallkanal werden die Töne zur Deckenrosette (Schallloch) in der Mitte der Kirchendecke in 27 Metern Höhe geführt. Die Orgel wird vom Zentralspieltisch aus gespielt.

Der Zentralspieltisch it ganz viel Technik

Von hier aus werden die Orgeln zentral gespielt. Da steckt natürlich sehr viel modernste Technik hinter

Aber die Orgeln können noch ganz andere Töne! Herr Gera brachte sie dazu zu zwitschern, zu grollen, ein ganzes Gewitter brach los. Glöckchen und Tuba – wir lernten die ganze Bandbreite kennen. Wundervoll und mit viel Humor vorgestellt von Herrn Gera. Ganz herzlichen Dank!

Infos:

Mehr zu den Orgeln und der Musik im Michel findet Ihr hier: michel-musik.de

Nicht jeder hat die Möglichkeit, eine komplette Orgelführung mitzumachen. Aber es gibt jeden Tag bei der Mittagsandacht um 12 Uhr die Möglichkeit, die Orgeln zu hören: In diesem Rahmen erklingen die vier Orgeln im Kirchraum (Große Orgel, Konzert-Orgel, Fernwerk, Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Orgel). Die Andacht dauert ca. 20 Minuten.

Auf der Seite michel-musik.de findet Ihr auch alle Veranstaltungen rundum Musik im Michel.

Weitere Eindrücke von St. Michaelis und der Orgelführung im Michel:Orgelpfeiffen

michel-decke

Da oben kommt die Musik des Fernwerks raus. Die Fenster darunter sind nicht wirklich Fenster. Sie sind verspiegelt und dienen dazu, den Raum optisch zu vergrößern.

Michel - Goldene Säulen-Kapitelle

Dezentes Gold überall

von-der-orgelempore

Blick von der Orgelempore auf den Altarraum, links auf der Empore befindet sich das Zentralspielwerk

taufbecken

Das barocke Taufbecken

5 Kommentare

  • Pingback: Hamburg - Zu Gast beim König der Löwen

  • Dass der Michel eine so schöne Barockkirche ist, habe ich noch gar nicht gewusst. Und schon gar nichts über seine Orgeln. Und wenn ich einmal nach Hamburg kommen werde, dann werde ich mir ganz bestimmt die Mittagsandacht ansehen. Ich liebe nämlich Orgelmusik sehr.

  • Sehr beeindruckend, Ulrike! Das muss ein besonderes Erlebnis gewesen sein!
    Neben den Informationen über die vier Orgeln und die Möglichkeiten des Organisten, fand ich deine Fotos in ihrer Schärfe/Klarheit bewundernswert. Der Anblick der Orgelpfeifen samt Verzierungen (Säulenkapitell und goldene Wandverzierungen/Gitter) ist traumhaft!

    LG Michèle

    • Hallo, Michele!
      Dein Kommentar war leider im Spam-Ordner gelandet. Merkwürdig!
      Danke für Deine Anerkennung! Die weiß ich sehr zu schätzen, da Deine Fotos auch immer sehr gut sind und mich beeindrucken.
      LG
      Ulrike

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