Das Emin Minarett in Turfan

Natürlich haben wir auf unserer Seidenstraßen-Reise in Turfan auch das berühmte Emin Minarett besucht. Am späten Nachmittag, als die Hitze schon etwas nachgelassen hatte. Ja, ich hatte mir das Minarett, dieses weltbekannte Wahrzeichen Turfans. schon im Juli 1992 angesehen. Ich erinnere mich noch, wie ich damals mit einem Eselskarren dorthin fuhr. Irgendwie scheint mich das damals nicht sehr berührt zu haben. Ich erwähne es nicht in meinem Reisebericht von meiner Großen Asienreise 1991/92.

Das Emin Minarett in Turfan: Die kunstvollen Muster der Lehmziegel

Die kunstvollen Muster der Lehmziegel

Doch diesmal bin ich sehr beeindruckt. Wir sind fast die einzige Touristengruppe hier. Stille liegt über den Gebäuden. Irgendwo schreit ein Esel, ein Raubvogel kreist in dem dunstigen Himmel. Mit wird wieder mal bewusst, wie toll es ist, hier mit einem kundigen Reiseführer unterwegs zu sein. Er erkärt uns alle geschichtlichen und kulturellen Einzelheiten.

Emin-Minarett ( 苏公塔,  Su Gong Ta Pagode des Prinzen Su)

Das Minarett, das eigentliche Hauptgebäude, wurde von Prinz Su im 18. Jh. im Gedenken an seinen Vater General Emin Khoja errichtet. Emin hatte sich immer sehr für die Vereinigung von China und den westlichen kleinen Königreichen eingesetzt. Das Emin Minarett war also ursprünglich keine Moschee und auch kein Minarett. Später wurde das Gebäude um eine Gebetshalle erweitert. Heute gehört die Moschee zu den drei bedeutendsten Moscheen in Xinjiang neben der in Kashgar und der in Kucha. Sie wird allerdings nur noch an hohen muslimischen Feiertagen als Moschee genutzt.

Am Eingang zu dem Bereich stehen zwei Stelen. Die eine ist in Chinesisch und erinnert an die Heldentaten von General Emin Khoja, die andere preist auf Uighurisch Allah.

Das Minarett ist 44 Meter hoch. Eine Treppe mit 72 Stufen führt auf eine kleine Aussichtsplattform.

Das Emin Minarett in voller PrachtDie Ziegel sind beim Emin-Minarett in kunstvollen Mustern aufeinander geschichtet. Ich bewundere die Muster, ziehe mich ein wenig zurück und nutze die Zeit, die wir kurz zur freien Verfügung haben, um die Umgebung auf mich wirken zu lassen. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Wie im Traum umwandere ich die Gebäude. Ich kann sie mir direkt vorstellen, die prächtig gekleideten Fürsten der Seidenstraße. die lachenden Familien, die im Schatten des Minaretts ein Picknick machten. Auf den Hügeln rundum sehe ich einige muslimische Kuppelgräber. Sicher war es besonders wertvoll, sein Grab in der Nähe eines so bedeutenden Gebäudes wie dem Emin-Minarett zu haben.

Auch die große Halle der Moschee wirkt alt und würdevoll mit ihren alten Holzpfeilern und dem nackten Lehmboden. Ein deutliches Zeichen, dass hier nur selten Gottesdienste statt finden, ist es, dass wir die Schuhe anbehalten können. Nur in einer Ecke liegen ein paar Gebetsteppiche. Aus den wenigen Fenstern und Türen dringt ein mystisches Licht.

Im Inneren der Moschee

Im Inneren der Moschee

Schließlich kehren wir zum Bus zurück, nicht ohne an einer Reihe von Souvenirständen vorbei zu gehen.

Blick vom Emin Minarett

Blick vom Emin Minarett

Übrigens gibt es  deutliche Verbindungen zur Lehmziegelarchitektur Zentralasiens. So existiert zum Beispiel in Buchara, Usbekistan, ein ähnliches Minarett der Moschee Kalan, das allerdings schon im 16. Jahrhundert erbaut wurde.

Moschee Kalan in Buchara mit Minarett

Moschee Kalan in Buchara mit Minarett

Und so präsentierte sich der Innenraum 1992. Sorry, es ist ein Scan von einem Dia.

Innenraum der Moschee 1992

Moschee 1992

2 Kommentare

  • Einer meiner Lieblingskollegen ist Uigure, er musste vor etlichen Jahren aus seiner Heimat flüchten. Würde er wieder zurück kehren, dann würde man ihn zum Tode verurteilen. Ich weiß nicht genau warum, aber ich glaube, er hat gegen die Chinesen revoltiert. Ich werde ihm morgen den Link zu diesem Blogpost geben, liebe Ulrike.

    • Das ist ja toll! Danke! Da wird in nächster Zeit noch mehr kommen. Vor allem Kashgar erschien mir eine sehr uighurische Stadt. Bin gespannt, ob ihm mein Blog gefällt, bin ja ziemlich pro China.

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