Wüste, Oasen, Buddha-Höhlen – weiter geht’s!

Von Kucha nach Aksu:

Auf der Nordroute der Seidenstraße entlang der Taklamakan-Wüste

Was für eine Erholung nach dem langen Tag gestern! Wir wohnen komfortabel im Kucha-Hotel – 4-Sterne, wenn man die Zimmer mit allem Komfort sieht. Für das Frühstück können keinerlei Sterne vergeben werden: Der Nescafe ist eine helle Brühe ohne Geschmack, die Butter flüssig, der Toast angebrannt, die Spiegeleier schlabberig. Das chinesische Frühstück des Buffets ist sicherlich sehr viel besser, aber bei aller Liebe zu China: ich kriege morgens kein sauer eingelegtes Gemüse oder Reissuppe runter. Hier ist man anscheinend nicht auf viele westliche Touristen eingestellt.

In der Altstadt von Kucha

In der Altstadt von Kucha

Altstadt von Kucha

Durch die lange Busfahrt gestern, durch die wir das geplante Programm nicht haben durchziehen können, wird es heute etwas anstrengend. Trotzdem erkunden wir die Altstadt mit ihren ruhigen, idyllischen Gassen mit einem langen Spaziergang. Die Luft ist immer noch voller Sand. Alles wirkt wie von einem sanften beigem Schleier überzogen. Der Basar scheint nach dem Sturm noch nicht seine übliche Lebendigkeit wieder aufgenommen zu haben. Doch es bieten sich zahlreiche archaische Eindrücke. In den Werkstätten hat es sicherlich schon zur Blütezeit der Seidenstraße wenig anders ausgesehen. Eselskarren befördern Ware oder Marktbesucher. Aus einer Bäckerei dringt der köstliche Duft nach frischem Fladenbrot. Vor der Moschee sitzen alte Frauen und betteln. Hier geben wir gerne ein paar Münzen. Die Große Moschee sehen wir leider nicht. Dazu ist nicht genug Zeit.

Schmiede im Bazar von Kucha

Schmiede im Bazar

Aber ein Spaziergang durch die alten Wohnbezirke muss sein! Anhand von teilweise freiliegenden Lehmmauern erklärt uns Wang die uralte Lehmbauweise. Bunte Tore schützen die Häuser vor unerwünschten Eindringlingen und Blicken. Mich entzücken die unterschiedlichen Ornamente der Tore sehr. Ich beschließe spontan, mindestens 12 Tore zu fotografieren (Türen von Kucha). Daraus will ich für nächstes Jahr einen Kalender machen. Manchmal haben wir die Gelegenheit, in einen der schönen, blumengeschmückten Höfe hineinzuschauen. Die Menschen sind alle sehr freundlich und freuen sich, dass sie uns ihre gepflegten Häuser zeigen können.

Alte Lehmziegelwand in der Altstadt von Kucha

Alte Lehmziegelwand in der Altstadt

Tausendbuddha-Grotten von Kizil

Dann fahren wir weiter zunächst über gute Straßen in Richtung Kizil. Doch schnell wird die Straße zur Piste. Die Landschaft ist Wüste mit beeindruckenden Felswänden. Alles scheint eine graubeige Patina angenommen zu haben, sogar die Kamele heben sich kaum davon ab.

Die Gegend ist voller alter Ruinen und Sehenswürdigkeiten, Zeugen der Bedeutung dieses Gebietes, dem alten Reich Quici, vor 1000 bis 1500 Jahren, als der Buddhismus blühte, die Tang-Zeit ihren Höhepunkt hatte und wahrscheinlich einfach mehr Wasser vorhanden war. Heute staubt alles, die Pfützen vom letzten Regen sind lange ausgetrocknet. Manche Schlucht erzählt Geschichten von Regengüssen und tobenden Wassermassen. Doch heute sind sie trocken und leer. Bis zum nächsten Guss.Wüste bei Kucha

Unser erster Stopp heute ist die alte Klosterstadt Subashi. Rund um zwei große buddhistische Tempelklöster entstand im 4. Jahrhundert eine Stadt, deren Ruinen heute noch gewaltig beiderseits des ausgetrockneten Kucha-Flusses aufragen. Stupas und andere Überreste lassen Einflüsse aus der Gandara-Kultur (Nordpakistan) erkennen. Einen ganz besonderen Fund machte der Japaner Graf Otani, der Anfang des 20. Jahrhunderts in den Ruinen Ausgrabungen initiierte. Dabei fand ein buddhistisches Reliquienkästchen, das aus dem 7. oder 8. Jh. stammt und eindeutig Menschen aus Zentralasien zeigt. Heute ist das Kästchen übrigens im Tokioer Nationalmuseum zu sehen. Solche Geschichten gehen mir durch den Kopf, während ich andächtig durch die Ruinen wandere.

Subashi

Die Fahrt geht weiter durch die staubige Wüste. Unterwegs sehen wir die Ruinen von Feuersignaltürmen. Diese sind hier sozusagen die Verlängerung der Großen Mauer. Bei Überfällen, der Sichtung von feindlichen Heeren usw. hat man von Turm zu Turm mit Feuer Signale weitergegeben.Das war wesentlich schneller und effektiver, als Boten zu schicken.

Mich beeindrucken die Grotten von Kizil sehr. Auch wenn nicht mehr viel zu erkennen ist, so zeugt das wenige, was wir sehen können, von der hohen Kunstfertigkeit der alten Fresken. Man sagt, dass die besterhaltenen Grotten nur Wissenschaftlern zugänglich sind (gegen enorme Gebühren). Wer sich ein Bild von einer dieser Grotten machen will, kann sich eine vollständig mit originalen Wandmalereien rekonstruierte Grotte im Museum für Ostasien in Berlin-Dahlem anschauen.

Kizil Tausend-Buddhagrotten

Weil sich das Programm verschoben hatte, sind wir leider während der heißen Mittagszeit in Kizil. Die Kletterei die Treppen hinauf ist sehr anstrengend, ein ständiger Begleiter der örtlichen Museumsbehörde wacht mit Argusaugen darüber, dass niemand auch nur die Kamera zückt. Fotografieren ist strengstens verboten! Die Höhlen geben aber auch wirklich nicht mehr viel zum  Fotografieren her. Leere Wohnhöhlen der Mönche reihen sich an Tempelhöhlen. Was einst an bunten Freskoes da war, haben zu einem großen Teil die Ausgräber vom Anfang des 20. Jahrhunderts mit genommen. Schön wäre es allerdings, die Aussicht zu fotografieren, den Blick über einen kleinen Teich und den Fluss, der gerade etwas Wasser führt. In dem kleinen Museumsgebäude kann man Fotos von den Wandmalereien sehen. Auch dem Laien fallen die Gesichter und die Kleidung der abgebildeten Personen auf, die wirklich nicht sehr chinesisch wirken. Von Kizil habe ich mal in einem Zeitungsartikel ausführlich geschrieben: mehr

Durch die Wüste

Unsere nächste Station ist Aksu. Auf der Fahrt dorthin geht es weiter durch beeindruckende Wüstenformationen. Manche Felswand wirkt wie sorgfältig gefaltet, mit roten und gelben Lagen. Kamelherden queren die Straße. An anderen Stellen stehen die Sandsteine wie Säulen und tragen zur Verzierung Grasbüschel auf der Spitze. Eine archaische Landschaft!

Bei einer Pause in der Stadt Aksu erzählt uns unser Reiseleiter von einem neuen Café in der Stadt. Das trifft auf ein großes Echo und alle wollen dieses Café sehen, wo es tatsächlich Cappuccino geben soll. Das Café ist sehr schön und gemütlich eingerichtet. Die Tassen sehen einfach toll aus. Doch der Cappuccino ist nicht so wirklich gelungen, denn die Milch ließ sich nicht richtig aufschäumen. In China war Milch bis in neuere Zeit kein Thema. Auch die besonderen Voraussetzungen für eine Milch, die man aufschäumen kann, sind noch nicht überall bekannt.

Aber: die Zivilisation hat uns wieder!

Cappuccino

Info:
Kucha macht es einem wie so viel Orte in Xinjiang nicht leicht, im Internet gefunden zu werden. Jedes Volk hat seinen eigenen Namen, seine Schreibweise für den Ortsnamen. Hinzu kommen alte und uralte Namen des Ortes, des Gebietes oder auch einiger Landschaften. Manch ein Forscher trug zu dem Chaos bei, indem er den Ortsnamen so schrieb, wie er ihn hörte und in seiner Landesprache niederschrieb. Sucht man auf chinesischen Seiten nach Zugverbindungen o.ä. sollte man nach Kuqa suchen.

Dies schreibt Wikipedia zu Kucha:
Kucha or Kuche (also: Kuçar, Kuchar; Uyghur: كۇچار‎, Куча, simplified Chinese: 龟兹; traditional Chinese: 龜茲; pinyin: Qiūcí; also romanized as Qiuzi, Qiuci, Chiu-tzu, Kiu-che, Kuei-tzu, Guizi from Chinese: 屈支 屈茨; 丘玆; Sanskrit: Kucina[1]) was an ancient Buddhist kingdom located on the branch of the Silk Road

Ein Kommentar

  • Diese Felsformationen sind in der Tat höchst erstaunlich! 🙂
    Danke für die Türenkalender-Inspiration. Ich werde versuchen, mir das bis zum Ende des nächsten Jahres zu merken. 😉
    Herzliche Grüße!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.