Kizil – Tausendbuddha-Grotten

(Aktualisiert Januar 2016)

Die Seidenstraße in Westchina

Die Seidenstraße entlang der Taklamakan-Wüste habe ich 1992 und 2007 befahren: Eine eindrucksvolle Landschaft, die von schneebedeckten Bergen und der Kargheit der Wüste geprägt ist. Wie mühsam muss es vor Tausend, Zweitausend Jahren gewesen sein, auf den Pfaden zu reisen und zu handeln! Immer bedroht von Hunger und Durst, Sandstürmen und gleißender Sonne. Man möchte denken, dass die Menschen nur eines im Sinn hatten: Sich so schnell wie möglich in grüne, angenehme Landschaften zu flüchten. Es gab nur wenige Siedlungen, Oasen, die ein halbwegs erträgliches Leben ermöglichten.

Für die buddhistischen Mönche, die ihre Religion aus Indien mit sich brachten, boten die abgelegenen Täler ideale Rückzugsmöglichkeiten zum Meditieren. Die steilen Felswände der Berge waren gut geeignet, um tiefe Höhlen hineinzugraben und in den Höhlen kleine und große Tempel zu schaffen mit eindrucksvollen Statuen und Wandgemälden, die früher kaum jemand sah. Ein hochinteressantes Beispiel sind die Tausendbuddha-Grotten von Kizil, die ich 2007 besuchen konnte. Leider sind dort keine Fotos erlaubt.

Kizil Tausend-Buddhagrotten

Kizil Tausendbuddha-Grotten

Der Weg des Buddhismus

Vor 2000 Jahren kontrollierte das Reich von Qiuci (Kucha – ca. 300 v.Chr. – 800 n.Chr.) den Handel im äußersten Westen Chinas. Dass nicht nur Seide und Gewürze ihren Weg von Ost nach West und von Indien nach China über die Seidenstraße fanden, sondern auch Religionen, kann man nirgendwo deutlicher beobachten als in den Tausendbuddha-Grotten von Kizil.

70 Kilometer durch Wüste und kahle Berge führen von Kucha zu dem steilen Felshang, an dem die Höhlen schon von weitem zu erkennen sind. Heute legt man dafür eine kurze Fahrt zurück, vor 2000 Jahren waren tagelange Fußmärsche durch ausgetrocknete Flusstäler und über steinige Hügel notwendig.

Felswände wie in Kizil haben die Mönche des frühen Buddhismus inspiriert, in Verehrung des Buddha Höhlen mit wunderschönen Fresken und Statuen zu schaffen, von Bamian in Afghanistan bis hin zu den Yungang-Grotten bei Datong.

Tausendbuddha-Grotten von Kizil

In Kizil finden sich die ältesten buddhistischen Malereien in China. Die dargestellten Figuren tragen zum Teil deutliche Züge der Gandara-Kunst (Nord-Pakistan 3. Jahrhundert). In den Abbildungen vermischen sich Bildgeschichten aus dem Hinayana-Buddhismus, dem Buddhimus in Indien, mit Figuren aus dem Mahayana. So ist Kizil ein bedeutendes Zeugnis für den Weg des Buddhismus von Nordindien nach China und seine allmähliche Wandlung zum Mahayana, wie er noch heute in ganz Ostasien besteht. Die dargestellten Menschen mit ihren Trachten und den europäisch anmutenden Gesichtszügen sind dabei besonders interessant. Spätere Fresken sind typisch Chinesisch gestaltet und stammen vor allem aus der Tang-Zeit (bis 9. Jahrhundert)

Heute sind die lebhaften Farben verblasst, viele Stellen an den Wänden leer. Zeit, Wind und Wetter haben ihre Spuren hinterlassen. Nachdem die letzten Mönche im 12. Jahrhundert die Gegend verließen, nutzten Nomaden die Höhlen als Unterkunft. Sie fühlten sich von den Gestalten an den Wänden beobachtet und kratzten ihnen die Augen aus. Die Goldschichten der Kleidung verschwanden. Schließlich gerieten die Höhlen in Vergessenheit bis zur Zeit der großen Zentralasien-Expeditionen am Ende des 19. Jahrhunderts. Männer wie Sven Hedin oder Albert von le Coq stießen in die damals geheimnisvollen Länder Zentralasiens vor. Sie entdeckten verfallene Tempel, Ruinenstädte und antike Schriften am Rande der Wüste.

Albert von le Coq schnitt viele der schönsten Fresken aus den Wänden der Höhlen, packte sie zusammen mit Statuen und Schriften in Kisten und schickte sie per Karawane und Eisenbahn nach Deutschland.

Der Verfall scheint kaum aufzuhalten zu sein. Auch die neueste Geschichte und die vielen Besucher hinterlassen ihre Spuren. Doch noch warten weitere Höhlen im Sand unterhalb der Felsen auf ihre Entdeckung und Erforschung.

Möchte man originale Fresken von Kizil in gutem Zustand ganz nahe und ohne große Kosten sehen, liegt ein Besuch im Museum für Asiatische Kunst in Berlin nahe. Dort ist unter anderem die Höhle der Ringtragenden Tauben (4./5.Jahrhundert) rekonstruiert und gibt dem Besucher einen authentischen Einblick in die Kunst der Tausendbuddha-Grotten von Kizil. Update 2016: Das Museum in Berlin zieht um  und auch die Höhle der Ringtragenden Tauben muss umziehen: mehr

Bilder der Freskos

Infos (Stand Juli 2015):
Öffnungszeiten: 09:30 – 20:00 UhrEintritt: RMB 55,- p.P.

Die Grotten von Kizil liegen rund 70km von Kucha entfernt. Ein Besuch dort kann gut mit einem Stopp bei den gewaltigen Ruinen der antiken Klosterstadt Subashi verbunden werden.

Öffentliche Verkehrsmittel scheint es nicht zu geben. Am besten, man versucht, in Kucha einen Wagen mit Fahrer zu mieten.

Mein Bericht von der Seidenstraßen-Reise 2007: Kucha-Aksu
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