Abseits der Touristenpfade durch Xinjiang

Seidenstraße 2007 – abseits der Touristenpfade am Tianshan

Der neue Tag bringt neue Abenteuer mit sich. Auf einer erst seit 2 Jahren (2005) für Touristen geöffneten Straße wollen wir nach Kashgar fahren. Ich bin schon sehr gespannt, denn schließlich habe ich diese Route ausgearbeitet. Eine lange Busfahrt steht uns bevor.Tianshan

Kurz hinter Aksu verlassen wir den Highway und fahren in Richtung Norden und später Westen auf einer neuen Straße ins Gebirge. Die schneebedeckten Gipfel des Tianshan, des Himmelsgebirges, kennzeichnen die nahe Grenze zu Kirgistan. Teilweise sind diese Berge um die 7.000 Meter hoch. Sie sehen wie ein unüberwindbarer Wall aus. Andächtig bewundere ich die Landschaft und überlege, wie diese Berge einst von den Händlern der Seidenstraße und auch von den Nomaden überwunden werden konnte. Doch es gibt einige nicht ganz einfach zu begehende Pässe über die Berge, einen werden wir in wenigen Tagen kennen lernen, wenn wir über den Irkeshtam-Pass nach Kirgistan einreisen.

Doch noch sind wir hier in dieser zauberhaften und spröden Landschaft zwischen Wüste und Hochgebirge. Die nahe Grenze zu Kirgistan bereitet den chinesischen Behörden so einige Magenschmerzen. Ja, wir dürfen fahren, aber eigentlich dürfen wir nirgendwo anhalten. An manchen Stellen weist uns unser Reiseleiter Wang an, nicht zu fotografieren.Marktstand unterwegs

Als wir kurz nachdem wir in die Nebenstraße eingebogen sind und einen Markt in einem kleinen Ort sehen, wollen alle, dass wir anhalten und uns mit Tomaten, Gurken und Brot für den Tag eindecken. Wang ist nicht sehr glücklich damit. Doch er gibt nach. Schließlich brauchen wir Proviant, denn heute wird es unterwegs keine Restaurants geben. Ob es weitere Märkte geben wird, ist auch ungewiss. Lieber hier halten als später, wenn wir noch näher an der kirgisischen Grenze sind!

Der kleine Ort mit seinem Markt wirkt sehr ursprünglich. Die Bevölkerung besteht aus Kirgisen. Wir werden neugierig bestaunt. Der Verkehr auf den lehmigen Wegen besteht hauptsächlich aus Eselskarren. Ruhe und Gelassenheit herrschen. Es ist anscheinend kein Markttag heute. Die wenigen Stände mit Gemüse und Fladenbrot scheinen mehr dem täglichen Bedarf zu dienen. Ich ziehe tief den Duft von frischem Brot, Mist und Eseln ein. Ländlicher Orient pur!Eselskarren

Nomadenland

Auf einer fast menschenleeren Straße geht es weiter. Eine  faszinierende Landschaft, mal Wüste, mal Oase, mal Hochgebirge. Kleine Dörfer verstecken sich unter den Uigurischen Pappeln. Seltsam verlassen aussehende Lehmhäuser an den Berghängen. Das sind die Winterquartiere der Nomaden, die jetzt mit ihren Herden in den Bergen sind. Wang erzählt uns viel über die Situation der Nomaden in Westchina. Von der Überweidung durch immer größere Herden von Schafen und Ziegen und den Begrenzungen durch die chinesischen Behörden. Natürlich fällt es den Nomaden schwer, auf größere Herden zu verzichten. Ist doch eine große Herde der ganze Stolz der Familien, ihr Reichtum und ihre Versicherung. Doch andererseits habe ich auf meinen Reisen schon so viele von Schafen und Ziegen leergefressene Berge und Weiden gesehen, dass ich fest davon überzeugt bin, dass nur eine Beschränkung wirklich gegen die zunehmende Wüste helfen kann.

Stundenlang fahren wir durch eine der einsamsten Gegenden, die ich mir in China vorstellen kann. Die Dörfer wirken sehr ruhig. Dazwischen liegen alte muslimische Friedhöfe, einfach zu erkennen an den mit einer Kuppel geschmückten kleinen Mausoleen. Dazwischen die einfachen Grabhügel der weniger wohlhabenden Menschen.Tamarisken am Tianshan

Heute lassen wir den ewigen gelben Staub der Wüste hinter uns. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Die Schneegipfel des Tianshan leuchten, am Straßenrand blühen viele Pflanzen. Typisch scheint mir der rosa angehauchte Busch, der manchmal rosa Felder bildet. Es ist eine Tamarisken-Art, eine Pflanze, die gerne am Rande von Wüsten wächst. Die Frülingsregenfälle haben sie zum Blühen gebracht. Auch andere Blüten sehen wir, meistens klein an stachligen Zweigen sitzend. Manchm al begnen uns die Hirten mit ihren Herden, auch mit Kamelherden. Die Kirgisischen Männer sind leicht an ihren markanten weißen Filzhüten zu erkennen.Kamelherde in Xinjiang

Tianshan

Dann führt uns die Straße in die Berge. Der Himmel scheint sich wieder zu bedecken. Es wird noch einsamer. Manchmal tanzen kleine Sandteufel über das Land: zarte nicht sehr große Wirbelstürme, Mini-Tornados. Das erinnert uns an die nahe Taklamakan-Wüste. Wir fahren durch die Berghänge am Fusse des Tianshans. Da, wo es ein wenig Grün gibt, haben Murmeltiere ihre Höhlen. Mit golden leuchtenden dicken Winterfellen springen sie davon, wenn sich unser Bus nähert. Keine Möglichkeit, sie zu fotografieren! Eine Weile zählen wir die putzigen Tiere. Bei ungefähr 50 geben wir auf. Es sind viele. Hoch über uns ziehen Raubvögel ihre Kreise. Stundenlang begegnet uns kein Auto, kein Eselskarren. Doch in den Berghängen sind deutlich die vielen Pfade, die Schafsherden verursacht haben, zu erkennen.

Beim Versuch, den Fahrtenschreiber zu überlistens

Beim Versuch, den Fahrtenschreiber zu überlisten

Ein kleines Problem unterwegs bildet der Fahrtenschreiber des Busses. Da unser Busfahrer schon lange nicht die vorgeschriebenen Pausen eingehalten hat, gibt das Gerät ein nervtötendes wiederkehrendes Geräusch von sich. Es lässt sich nicht abschalten. Auch die Männer unserer Gruppe können nicht helfen. Busfahrer und Reiseleiter erklären, dass es für sie kein Problem ist, immer weiterzufahren. Auch wird das anscheinend selten kontrolliert. Wir wollen heute noch in Kashgar ankommen. Naja, mit dicken Kissen wird das Geräusch gedämpft. Außerdem machen wir natürlich immer wieder Pausen. Aber für das Gerät ist das anscheinend nicht genug. Man gewöhnt sich an alles.

Nach mehr als 10 Stunden Fahrt durch einsame Berge erreichen wir wieder den Highway nach Kashgar. Hier legen wir eine längere Pause ein. Der Fahrtenschreiber beruhigt sich und wir können ungestört die restliche Strecke zurück legen.

Das Hotel in Kashgar ist bequem und komfortabel. Nach einer kurzen Erfrischungspause können wir im Hotelrestaurant essen. Wir sind alle froh, dass wir nicht noch irgendwohin zu einem Restaurant fahren müssen. Das Essen ist gut. Dazu ein kühles Bier und die Erschöpfung ist vergessen! Ich bin schnell wieder so munter, dass ich in der abendlichen Dunkelheit die umliegenden Gassen erkunde.

Anmerkung: Diese Route ist kaum mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu befahren. Deshalb freue ich mich, dass ich diese herrliche einsame Landschaft auf einer Gruppenreise erleben durfte.

Zur vorangegangenen Etappe: Kucha – Aksu

Nächste Station: Kashgar

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