Buntes, aufregendes Kashgar

Kashgar! Nach der Fahrt, die uns einen Tag lang durch einsame Gebiete im Tianshan geführt hatte (mehr), erreichen wir ziemlich erschöpft Kashgar, eine Großstadt mit Hochhäusern und breiten Straßen. Fast genau 15 Jahre nach meiner Reise 1992 erlebe ich Kashgar zum zweiten Mal. Ich bin gespannt, ob ich etwas wiedererkenne. China verändert sich so schnell! Mit vor Aufregung trockenem Mund und weit aufgerissenen Augen schaue ich auf die Straßen. Ich erkenne nichts wieder! Kann mich kaum orientieren! OK, da muss ich jetzt durch.

Id Kah Moschee in Kashgar

Id Kah Moschee

Das Hotel ist schön, schon ein wenig alt, kein überkandidelter Neubau. Ich weiß leider gar nicht mehr, wie es hieß. Ich habe keine Ruhe. Gleich nach dem Abendessen, das sehr gut ist, mache ich mich auf, die Umgebung des Hotels zu erkunden. Ich tauche ein in die schmalen Gassen mit Läden und Handwerksstuben. Das ist zwar nicht die zur touristischen Sehenswürdigkeit gewandelte alte Altstadt von Kashgar, aber es ist ein lebhafter alter Bezirk. Ich bin begeistert von den kleinen Supermärkten und sauberen Apotheken. Und decke mich nochmal mit Imodium ein. Gegen Abend sind überall Schaschlik-Stände aufgebaut, deren Duft appetitlich die Luft durchzieht. Ich lasse mich treiben, nehme alles auf: Düfte, Lichter, Menschen lächeln.

Kashgar Hoteleinfahrt

Amüsant: In der Einfahrt zu dem Hotel stand dieser komplett künstliche Plastikbaum

Am nächsten Tag geht es los mit den Besichtigungen. Die Hauptsehenswürdigkeit ist die Große Moschee, Id Kah, die das Zentrum der Stadt bildet. 1992 hatte ich keine Lust auf die Besichtigung gehabt. Heute bin ich ganz begeistert von dem schattigen Hof, den freundlichen Menschen und der Architektur. Die Moschee hat sich langsam aus einem einfachen Bau im 15. Jahrhundert zur heute größten Moschee in Xinjiang entwickelt. Es ist das zentrale Gebetshaus für die Menschen in Kashgar und aus der Umgebung. Jeder Nomade, der zum berühmten Sonntagsmarkt kommt, wird auch die Gelegenheit für ein Gebet in der Id Kah Moschee nutzen.

Kopfbedeckungen in der Id Kah Moschee

In der Moschee

Ganz in der Nähe liegt die sog. Handwerkergasse, eine alte Straße, in der es zahlreiche traditionelle Werkstätten gibt. Sie ist ein Teil der Altstadt, die vor allem für Touristen sehr attraktiv ist. In den Werkstätten kann man zuschauen und auch selbst einiges kaufen. Einige Werkstätten sind auf traditionelle Musikinstrumente spezialisiert.

Am Straßenrand sitzen ein paar Händler oder Bauern, die Eier verkaufen. Wir bekommen eine halbe Stunde Freizeit. Ich stürme los wie ein Fohlen, das man plötzlich in die Freiheit entlässt. Überall gibt es etwas zu sehen, zu erkunden! Ich vergesse fast, Fotos zu machen. Ich will nur gucken, staunen, lächeln. Hier spricht kaum jemand Chinesisch. Ja, eigentlich sprechen die Leute eher Englisch wegen der Touristen.Eierverkäufer in de Handwerkergasse

Am Ende der Gasse steht das große Postamt. Interessant ist mir nicht das große Gebäude oder das Innere der Post sondern das, was davor geschieht: Es gibt einige dicht umlagerte Schreiber. Sie schreiben Briefe für die des Schreibens unkundigen. Und davon scheint es eine Menge zu geben. Ich schaue den Menschen interessiert über die Schultern. Es geht ja nicht nur darum, Briefe in Uigurisch zu schreiben, sondern auch die Kundigen, die die chinesischen Schriftzeichen beherrschen, sind gefragt.Schriebstuben vor dem Postamt in Kashgar

In der Mittagshitze fangen wir alle an zu schwitzen. Der obligatorische Besuch eines Touristengeschäftes führt uns in einen spektakulären Teppich-Laden. Keine ist böse darüber. Besondere Pluspunkte sind die Klimaanlage und die sauberen Toiletten. Dazu die wundervollen Teppiche! Ich hab da gleich meinen Lieblingsteppich gefunden. Doch den kann ich mir nicht leisten. Wir erfahren viel über die Herstellung und die verschiedenen Arten der Teppiche. Es scheint, als wollen manche aus unserer Gruppe gar nicht mehr raus.

Doch unser Besichtigungsprogramm geht weiter: Vor den Toren von Kashgar liegt das Mausoleum des Abak Hodscha mit dem Grab der Duftenden Konkubine. Die Anlage ist ganz zauberhaft in einem schönen Garten gelegen. Man sagt, dass der Taj Mahal in Indien als Vorbild gedient hat. Abak Hodscha war ein  berühmter Sufi-Lehrer des 17. Jahrhunderts und ist immer noch ein verehrter Heiliger in Westchina.Abak Hodscha Mausoleum

Die Duftende Konkubine

Xiang Fei bzw. Iparham, wurde im 18. Jahrhundert als Konkubine mit dem Kaiser Qianlong (1711 – 1799) verbunden. Sie war die einzige uigurische Prinzessin, die den langen Weg nach Peking auf sich nahm. Es heisst, dass sie einen feinen Duft ausströmte, ganz ohne Parfüm. Sie lebte 28 Jahre am Hof des Kaisers. Ihr Leben lang hielt sie am Islam fest. Der Kaiser soll extra für sie eine Moschee gebaut haben, ein spezieller Koch hat ihr muslimisches Essen zubereitet. Doch sie blieb unglücklich und litt unter Heimweh. Als sie mit ca. 55 Jahren starb (wurde sie vergiftet??) ließ Qianlong ihren Leichnam nach Kashgar bringen. Die Überführung soll mehr als 3 Jahre gedauert haben. Neueste Ausgrabungen allerdings bestätigen, dass die Konkubine in den Östlichen Qing-Gräbern bei Peking beerdigt wurde. Die Duftende Konkubine steht vor allem für die Verbundenheit Chinas mit dem Westen des Reiches. Da sie eine Verwandte des Abak Hodscha war, hat sie ihren Platz des Gedenkens in dem alten Mausoleum.

Was nun  wahr ist, was Mythos und Legende, darüber streiten sich die Gelehrten noch heute. Auf jeden Fall kann ich den Besuch der Anlage sehr empfehlen.

Als wir abends zum Hotel zurückkehren, stehen einige bunte hochklassige SUVs mit koreanischen Nummernschildern im Hof. Eine Gruppe von Autofahrern aus Südkorea haben sich auf den Weg gemacht, bis nach Europa zu fahren. Spannend!

Der nächste Tag führt uns auf dem Karakorum Highway zum Karakul-See. mehr

Auch von der mächtigen Mao-Statue in Kashgar habe ich schon geschrieben: mehr

Demnächst folgt noch ein Artikel über den legendären Sonntagsmarkt in Kashgar

Impressionen aus Kashgar

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