Staatsoper Hamburg: Lulu von Alban Berg

Die Staatoper Hamburg hatte zum Tweetup eingeladen: #LuluHH. Eine Große Probe der Oper Lulu von Alban Berg mit Kent Nagano. Da mir  solche Veranstaltungen gut gefallen, war ich der Einladung gefolgt. Das Schöne an so einem Event ist die spezielle Einführung. Man bekommt einige Informationen, kann Fragen stellen und sich mit Gleichgesinnten austauschen. Lulu von Alban Berg

Aber das war nicht die einzige Motivation, die mich an diesem Mittwoch Nachmittag in die Oper trieb. „Lulu? Alban Berg?“ fragte mich mein Vater (90) erstaunt. „Das ist doch so schwierige 12-Ton-Musik?!“ Oh, mein Vater wusste von der Oper! Und drückte das aus, was ich auch dachte. Alban Berg? 12-Ton-Musik? War das nicht schwierig, grässlich, unschöne Musik? Muss Musik immer schön sein? Großes Kopfkino! Ich erinnere mich an meine Schulzeit: Mussorksi „Bilder einer Ausstellung“ hab ich damals gar nicht gemocht. Jetzt gefällt es mir. Und so hoffte ich auf einen ähnlichen Effekt bei Alban Berg.

Die Oper Lulu von Alban Berg:

Alle, die Lulu lieben, sterben an dieser Liebe. Lulu ist den Männern Befriedigungsinstrument ihrer sexuellen Begierden, sie selbst aber bleibt dabei auf irritierende Art und Weise autonom und unangetastet und scheint dadurch umso attraktiver. Attraktiver, weil ihre libidinösen Regeln in verführerischem Kontrast zum moralischen Mainstream stehen. Alles, was sie betreibt, betreibt sie mit ihrem Körper, und den Männern widerfährt ekstatisches Glück, ekstatische Aggression, ekstatisches Sterben. Lulu versorgt diesen Mechanismus mit Brennstoff. „Wenn sich die Menschen um meinetwillen umgebracht haben, so setzt das meinen Wert nicht herab.“ Auf beiden Schlachtfeldern – Liebe und Geld – drohen Fehlspekulationen. An der Börse werden Aktien gehandelt, sie steigen und fallen ebenso wie der Wert erotischer Anziehungskraft. Der finale Crash reißt Lulu mit hinab.

Inszenierung: Christoph Marthaler
Bühnenbild und Kostüme: Anna Viebrock
Licht: Martin Gebhardt
Dramaturgie: Malte Ubenauf

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Unterstützt durch die Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper

Kent Nagano übernimmt die musikalische Leitung, Christoph
Marthaler inszeniert und die kanadische Sopranistin Barbara
Hannigan ist als Lulu zu erleben

So beschreibt die Staatsoper Hamburg den Inhalt der Oper und so wurde es uns bei der Einführung erklärt. Liebe, Treue, Dankbarkeit stehen im Mittelpunkt der Geschichte. Leider hat Alban Berg seine Oper nicht vollenden können. Er hinterließ seine Entwürfe für den 3. Akt in einer Weise, die nun jeder, der die Oper aufführen will, auf seine Weise interpretieren kann. Leider ist die Inszenierung des 3. Aktes in Hamburg noch ein große Geheimnis. Deshalb haben wir diesen nicht gesehen. Es bleibt spannend!Das Bühnenbild zur Oper Lulu von Alban Berg ist ein wenig verwirrend

Meine Eindrücke

Was ich gesehen habe, war beeindruckend. Ein interessantes Bühnenbild mit verschiedenen Räumen gleichzeitig zusammen auf der Bühne. Die Sänger und Darsteller bewegen sich von einem Raum in den anderen. Irritierend. Die Musik: Für mein Ohr immer noch schwierig, schrill und eben atonal. Aber: darf ich das sagen, wo doch ein so großartiger Dirigent wie Kent Nagano am Pult steht?

Die meisten Schwierigkeiten, die ich mit der Oper hatte, lagen wohl daran, dass ich nicht die richtige Brille dabei hatte. Ich konnte von meinem Platz weit weg von der Bühne die Obertitel nicht richtig lesen. Außerdem hatte ich mich gar nicht vorbereitet, keine Ahnung von der Handlung – trotz der interessanten Einführung. Da hatte ich mich anscheinend zu sehr auf’s Twittern konzentriert.

Ich fühlte mich an meine Besuche in einer Peking-Oper erinnert: Die Musik: Gewöhnungsbedürftig. Die Unter- (Ober-) Titel: Kaum lesbar oder gar nicht verständlich. Die Handlung: Schleierhaft. Das Bühnenbild: Fragmentarisch. Was fehlte, waren die prächtigen Kostüme einer chinesischen Oper. Aber die braucht man nicht.

Mir hat besonders die Sopranistin Barbara Hannigan gefallen, die als Lulu leichtfüßig über die Bühne sprang, wie ein Schmetterling hin und her flatterte und dabei mit einer großartigen Stimme alle Herausforderungen der Oper meisterte. Große Klasse!

Fazit: Ich kann den Besuch der Oper Lulu von Alban Berg sehr empfehlen, auch wenn ich hier nicht in totale Begeisterung ausbreche. Die Inszenierung ist spannend, überraschend, gelungen. Die Musik gewaltig. Nur: Vergesst nicht Eure Brille! Und lest Euch vorher schon mal in den Inhalt ein.

Am 18.02.17 gibt es die Oper Lulu von Alban Berg in der Staatsoper Hamburg mit einer Einführung. Es lohnt sich, diese zu erleben. mehr

Was ist so ein Tweetup? Worum ging es bei dem Event der Staatsoper Hamburg? Das wird interessant und ausführlich auf dem Blog Musermeku ausgeführt. Lesenswert!

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