Nomadenland – Kirgistan

Seidenstraße 2007 – herrliches Kirgistan

Heute steht die Fahrt nach Osh, der größten Bazarstadt nicht nur in Kirgistan sondern in ganz Zentralasien, auf dem Programm. 180 Kilometer sind es bis dort. Das hört sich zunächst eigentlich ganz einfach an, doch wir werden den ganzen Tag unterwegs sein. Ein paar Kilometer führt die Straße noch als Schotterpiste durch das Pamir-Hochtal. Die Berge sind grau und eintönig.Haarnadelkurven des Pamir Highways

Dann geht es plötzlich rasant hinunter in ein Flusstal. Enge Haarnadelkurven. Baustellen, die für Hindernisse sorgen. Ich bin froh und  dankbar, dass ich einen Platz ganz hinten im Bus habe. So kann ich von den Schrecken der schmalen Straße nicht so viel sehen. Hatte ich schon berichtet, dass ich unter Höhenangst leide? Für mich sind solche engen Kurven und der Ausblick in ein tief unter uns liegendes Tal der pure Horror. Mit geschlossenen Augen klammere ich mich am Sitz fest und hoffe, dass dies bald vorbei ist. Die Bauarbeiten, die aus dem Bergpfad einen wirklichen Highway machen sollen, gibt es schon seit Jahren. Für mich ist es interessant dies nun selbst zu sehen. Schließlich haben wir es geschafft!Jurte am Pamir Highway in Kirgistan

Auch ich genieße die klare Luft und den Fotostopp. Die Berghänge sind hier noch steil und wenig bewachsen.Ziegen und Schafe haben schmale Pfade in die kargen Bergwiesen gestampft. Wo diese Herden gehen, kann kaum ein Grashalm wachsen. Auch wenn ich eigentlich keine Ahnung habe, so sieht das hier für mich überweidet aus.

Auf dem Pamir-Highway durch Kirgistan

Wir entdecken die eine oder andere Jurte am Wegesrand, aus der eine Rauchsäule aufsteigt. Die Nomaden bereiten sich wohl schon auf das Mittagessen vor. Vor den Jurten stehen kleine Lastwagen. Moderne Zeiten! Schafe oder Ziegen sind hier kaum vorhanden. Dafür kreuzen immer wieder kleine zottige Pferdchen und Esel die Straße.Esel am Wegesrand Kirgistan

Dann sind wir Tal eines Flusses angelangt. Nachdem ich nun einige Landkarten studiert habe, handelt es sich meiner Meinung nach um den Gunt, einem Zufluss des Amurdarja. Das Tal breitet sich aus. Am Flussufer stehen üppig grüne Bäume. doch schon an den Berghängen herrscht wieder Wüste. Manchmal fahren wir durch kleine Dörfer, die aus wenigen Häusern und ein paar Jurten bestehen.Langsam verspüren wir Hunger. Aber es gibt einfach keine Läden, wo man was kaufen könnte.Ich halte mich mit dem Essen zurück, denn es grummelt überl in meinem Bauch, nur mühsam unter Kontrolle gehalten von den letzten Imodiums, die ich den Mitreisenden abgebettelt habe.

Die Straße ist gut und eben. Und doch! Dort liegt ein Lastwagen auf der Seite im flachen Fluss! Eine Gruppe Kirgisen steht drumherum und diskutiert eifrig. Wir halten an und gesellen und neugierig dazu. Was war passiert? Der Unfall ist anscheinend schon gestern gewesen. Der Fahrer hat sich nicht verletzt. Nun ist das größte Problem, wie man den LKW wieder auf die Straße zurück bekommt.LKW im Fluss

Wir fahren weiter, machen Fotostopps bei jedem Esel und bei jeder malerischen Landschaft. Es ist hier merklich wärmer als noch am Morgen – oben in Sary Tash. Die Sonne scheint, Vögel zwitschern, der schmale Fluss plätschert sanft über die runden Kiesel. Herrlich!

Nach 4 Stunden Fahrt erreichen wir einen größeren Ort. Kurze Diskussion, ob wir in einem Restaurant essen wollen. Ach nein, dazu haben wir eigentlich keine Lust. Wir entdecken gegenüber von dem Museum, dass wir gleich besichtigen wollen, einen kleinen Laden.

Museum Kurbanjan Dotka

Irgendwie schon merkwürdig, hier mitten in dieser abgelegenen Gegend ein Museum zu besuchen! Das Museum ist einer Kirgisischen Nationalheldin gewidmet. Wir sehen nicht nur ihre Statue und einige Fotos sondern auch viele Gegenstände aus der Geschichte und dem täglichen Leben der Nomaden. Ich finde sowas ja immer hochinteressant. Doch meine Mitreisenden sind schnell gelangweilt.

Museum : Kurbanjan Dotka

Im Museum

Der Laden lockt! In dem dunklen Geschäft, das hundert Jahre alt wirkt, erhalten wir bei einer freundlichen Dame frisches Fladenbrot, Ziegenkäse und Tomaten. Herrlich! Allerdings muss uns unser Reiseleiter mit kirgisischem Geld aushelfen, da wir noch keine Gelegenheit zu Tauschen hatten.

Osh – Geld und Handel

Als wir endlich gegen 16:00 Uhr die Stadt Osh, eine der größten Städte in Kirgistan, erreichen, geht also unser erster Weg zu einer Bank. Auch ein denkwürdiges Erlebnis! Unser Reiseleiter rät uns, nicht zu viel zu wechseln. Wir werden kaum etwas verbrauchen, bis wir morgen nach Usbekistan weiter fahren. Aber auch das bisschen, was wir schließlich in Händen halten, ist ein dicker Packen Scheine.

Die Laune steigt, als wir unsere Zimmer in einem kleinen Hotel beziehen. Das ist mehr eine Pension, die Zimmer sind einfach eingerichtet. Aber sie haben WC und Dusche. Beides funktioniert auch. Was will ich mehr?!

Bis zum Abendessen haben wir Zeit für uns. Grandios! Denn das Hotelchen liegt direkt bei dem großen Bazar von Osh. Den werden wir zwar morgen Vormittag noch besichtigen, aber mich treibt ein dringendes Bedürfnis ins Getümmel. Ob die mich verstehen, wenn ich nach Imodium verlange? Ist doch eigentlich international, oder? Ich lasse mich treiben, staune über die bunte Vielfalt an Tüchern, Handyhüllen und Waschmitteln. Auf dem Bazar von Osh

Dann finde ich tatsächlich eine kurze Reihe Apothekenstände auf dem Bazar, keiner größer als vier bis sechs Quadratmeter. Ich bin ein wenig skeptisch. In dem ersten stand versteht man mich gar nicht. Hier wäre Russisch von Vorteil. Dann finde ich eine freundliche Apothekerin, die mir aufmerksam lauscht. Dann verlässt sie mit einem freundlichen Nicken ihr Kabuff, macht mir deutlich, dass sie mich verstanden habe und gleich wiederkommen würde. Ich bleibe irritiert zurück. Sie hat mir anscheinend ihren ganzen Laden samt Kasse anvertraut. Nach wenigen Minuten ist sie wieder zurück. Freudestrahlend reicht sie mir eine Packung Tabletten. Das einzige, was ich in den Zeilen russischer Schrift erkennen kann, ist das Wort „Imodium“. Da werde ich ihr mal vertrauen. Apotheke in Osh

Mein Vertrauen in mich und meine Menschenkenntnis ist gestärkt durch das Vertrauen der Apothekerin in mich. Mit frischem Schwung erkunde ich weiter die verwirrenden Gänge des Marktes. Riesige Radieschen und andere Rüben, Kartoffeln, Zwiebeln. Mein Magen knurrt vernehmlich. Ein Apfelsaftverkäufer spricht mich auf Deutsch an. Woher ich komme, wohin ich will… Und ob ich seinen frisch gepressten Apfelsaft probieren wolle. Eine Köstlichkeit aus heimischen Äpfeln! Ohne Zucker! Ach, ich hab ja jetzt wieder Imodium, da kann ich das riskieren. Der Mann ist außerdem so nett! Was für ein tolles Getränk!

Abends in Osh

Zum Abendessen fahren wir zu einem Restaurant am Stadtrand. Gemütlich sitzen wir auf einer Terrasse und schauen auf die Straße. Erstaunlich, was es hier für luxuriöse Wagen gibt! Manchmal hält ein Mercedes oder ein Lexus. Die Leute steigen aus und verschwinden in dem Restaurant. Das scheint ziemlich angesagt zu sein. wir lassen uns gut gewürzte Fleischspieße schmecken. Dazu frische Gurken und Tomaten und frisches noch warmes Fladenbrot. Ich kann immer nur sagen: So ein einfaches Essen ist für mich das köstlichste, das es gibt! Vor allem nach einem solchen Tag! Ein kühles Bier und ich befinde mich in meinem ganz persönlichen Paradies.Schaschlik in Osh

 

Ein Kommentar

  • Was für eine abenteuerliche Reise! Grandios! Als alter Bergstraßenfan wäre ich bei der Straße mit den Haarnadelkurven wahrscheinlich vor Begeisterung ausgeflippt. 😉 Und das Eselchen ganz rechts im ersten Bild hätte ich mitgenommen. 😉
    Herzliche Grüße!

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