Aberglauben, mitgebracht aus China

Unterwegs lernte ich nicht nur viele Kulturen und Religionen kennen, sondern auch die fröhlichen und manchmal düsteren Volksbräuche, den Aberglauben. Was habe ich dabei kennengelernt? Was für mich übernommen? In China hatte ich viele Möglichkeiten, die unterschiedlichsten Vorstellungen von der Beschwörung des persönlichen Glücks zu erleben.

Das blaue Auge aus der Türkei soll den bösen Blick abwenden

Das blaue Auge aus der Türkei soll den bösen Blick abwenden

Ich habe mir einige Jahre lang gerne Glücksbringer aus aller Welt schenken lassen oder selbst mitgebracht. Doch die „Blauen Augen“ aus der Türkei, die Amulette aus Thailand oder das Hufeisen aus China sind bei mir lediglich Dekoration. Warum habe ich nur alle im Eingangsbereich meiner Wohnung aufgehängt? Ob da doch etwas in mir ist, das sich davon etwas Glück und die Abwehr des Bösen verspricht? 😉

Nicht nur auf meinen Reisen habe ich einen uralten Bierflaschenöffner von Dortmunder Union-Bier als Schlüsselanhänger immer mitgetragen. Doch den sehe ich nicht als Glücksbringer, sondern er soll mich an meinen verstorbenen Mann erinnern, der ihn mir einst für meine „Große Reise“ geschenkt hatte.

In meinem Türbereich hängt auch ein solcher Glücksbringer aus China:

Der endlose Knoten - ein Glücksbringer

Glückssymbole überall in China

Aberglaube in China

Wenn man mich also danach fragt, ob ich abergläubisch bin, könnte ich  mit einem energischen „nein!“ antworten, wenn da nicht eine Kleinigkeit wäre, die ich aus China mitgebracht habe und seitdem mit mir „rumschleppe“. Für mich ist 4 eine Pechzahl und 8 eine Glückszahl.

In China gibt es nur rund 400 verschiedene Silben, die durch die 4 Töne zu rund 1300 unterschiedlich ausgesprochenen Silben werden. In China gilt außerdem: 1 Silbe = 1 Wort. Mit 1300 Worten hat man noch keine Sprache und so ist es gekommen, dass es unzählige Wörter gibt, die gleich ausgesprochen werden. Da gibt es viele Beispiele für die Verwendung des einen Wortes, um einen ganz anderen Sinn auszudrücken:

Beispiel:
Fledermaus: 蝙  biān
Glück: 褔  fú

In der Mitte ist das stilisierte Zeichen für Glück zu sehen, eingerahmt von Fledermäusen

In der Mitte ist das stilisierte Zeichen für Glück zu sehen, eingerahmt von Fledermäusen

Deshalb findet man vor allem an alten Häusern häufig die Fledermaus abgebildet, um dem Haus und seinen Bewohnern Glück zu bringen. Nun ist es nicht so, dass ich mich in meiner Wohnung mit Fledermäusen umgebe.

Über die Bedeutung der Fledermäuse und der Zusammenhang mit dem Glück lest Ihr mehr bei Shaoshi aus Shanghai: Fledermäuse

4 und 8

In meinem täglichen Leben spielen dagegen die Zahlen 4 und 8 eine mehr oder weniger starke Rolle.

4 = 四 sì = 死 sǐ = Tod, sterben

Die Vier hat damit eine ähnliche Bedeutung wie in Europa die 13. In China wird man manchmal Hotels oder Häuser finden, in denen es keine 4. Etage gibt. Da die Chinesen offen für alles sind, habe ich letztens gelesen, dass es vor allem in Hotels die Etagen 4, 13 und 14 nicht geben soll. Sehr verwirrend! Passenderweise wird am 4.4. das Qingming-Fest gefeiert, das „Grab-fegen-Fest“. An diesem Tag gedenkt man seiner Ahnen, geht zu ihren Gräbern und säubert diese.

Ich wehre mich noch innerlich gegen diesen Aberglauben, aber es drängt mich doch sehr, mir eine neue Handy-Nummer zuzulegen, da meine jetzige auf 44 (!) endet.

Siehe auch den Artikel “Warum man in China nicht Tschüss sagen sollte”

Dagegen steht die

8 = 八 bā  =  发 fā = Wohlstand, reich werden

Die Acht ist in China sehr mit Geld und finanziellem Erfolg verbunden und wird gerne in Handy-Nummern oder Autoschildern gesehen. Achtet mal drauf, wenn Ihr in China seid! Für mich ist die Acht von besonderer Bedeutung, da mein chinesischer Name die Silbe „Ba“ gleich zweimal enthält. In meinem täglichen Leben spielt die Acht insofern eine Rolle, als ich zum Beispiel auf die Spendendose mit der Nr. 8 bestehe, wenn ich für die Bahnhofsmission sammeln gehe. Ich weiß, das ist Aberglauben pur. Doch ich bin ziemlich erfolgreich beim Spendensammeln. Deshalb brauch ich auch gar nicht mehr darauf hinweisen, wenn ich mich zum Sammeln anmelde. Die Dose Nr. 8 ist für mich reserviert.

Siehe auch den Artikel “Barbara und die Acht”

Meine Glücksbringer

Ich habe viele Glücksbringer von meinen Reisen mitgebracht, doch von Bedeutung sind sie meistens nicht für mich. Hier noch ein paar Fotos von einigen “Glücksbringern!

Dzi- Perlen, Himmelsperlen, sind besondere tibetische Glücksanhänger

Dzi- Perlen, Himmelsperlen, sind besondere tibetische Glücksanhänger. Sie gehören zur tibetischen Tracht. Ich habe die untere Perle in einem kleinen tibetischen Laden in Xiahe beim Labrang-Kloster gekauft. Wegen des Augen ähnlichen Musters und weil die echten Dzi-Perlen sehr selten sind, gelten diese Perlen bei den Tibetern als Glücksbringer.

Mehr zu den “Perlen des Himmels”

Diese wahrscheinlich nicht echte Bernsteinperle, die ich auch in Xiahe erstand, trage ich immer, wenn ich einen stressigen Tag erwarte. Bernstein soll auch gegen Erkältung helfen. Chinesen lieben Bernstein.

Diese wahrscheinlich nicht echte Bernsteinperle, die ich auch in Xiahe erstand, trage ich immer, wenn ich einen stressigen Tag erwarte. Bernstein soll auch gegen Erkältung helfen. Chinesen lieben Bernstein.

Diesen Bären habe ich auf Hokkaido, Japan, in einem Museum der Ureinweohner Ainu gekauft. Die Bären sind die Totemtiere der Ainu. Manchmal trage ich den Bären als mein "Krafttier"

Diesen Bären habe ich auf Hokkaido, Japan, in einem Museum der Ureinwohner Ainu gekauft. Die Bären sind die Totemtiere der Ainu. Manchmal trage ich den Bären als mein “Krafttier”

Zum Schriftzeichen über der Tür (das mit den Fledermäusen drumrum) habe ich folgendes Bild gefunden:

Von links nach rechts: Glück, Wohlstand /Reichtum, Langlebigkeit, Glück/Freude

Von links nach rechts:
Glück, Wohlstand/Reichtum, Langlebigkeit, Glück/Freude

Ich denke, das Zeichen über der Tür entspricht am ehesten dem für Wohlstand (2. von links)

13 Kommentare

  • Hallo Ulrike,
    schöner Beitrag, gut recherchiert, beschrieben und mit Bildern versehen. Solche Erfahrungen zu diesem Thema habe ich nicht gemacht, deshalb ist mein Beitrag auch sehr viel kürzer ausgefallen.
    Viele Grüße
    Claudia

  • Ja, das viele Geld, das Chinesen für eine Autoschild mit 8888 ausgeben! Hier in Thailand ist es die 9, weil kau = 9 auch Fortschreiten, mehren, weitergehen bedeutet und damit das Glück, resp. das Geld mehren soll.

    Abergläubisch bezeichne ich mich nicht, aber ich band mir immer die gleiche rote Kravatte (Schlips) um, wenn ich zu einer wichtigen Verhandlung ging. Problematisch wurde es, als sie an einer Ecke blöde wurde, ein bisschen ausfranste. Welche andere rote soll ich nun zur Glückskrawatte befördern?

    Das mit dem longevity sign sehe ich auch wie peterpreus.

    • Hallo, Danke für den Kommentar. Ich habe meinen Artikel aktualisiert und mal die verschiedenen “Glückszeichen” abgebildet. Ich denke, das Schriftzeichen über der Tür ist das für “Wohlstand/Reichtum”

  • Eine Frage: Ist das goldfarbene Zeichen über dem Durchgang nicht eher das Zeichen für Langlebigkeit?

    • Ich habe meinen Artikel aktualisiert und mal die verschiedenen “Glückszeichen” abgebildet. Ich denke, das Schriftzeichen über der Tür ist das für “Wohlstand/Reichtum”

  • Ich interessiere mich total für die Ainu! Wenn du da eventuell einen Buch- oder Website-Tipp hättest, wär ich dankbar 🙂

  • Texthase Online

    Guten Tag Ulrike,

    das ist wieder einmal ein lebendiger und interessanter Artikel! Wie funktioniert das eigentlich mit den Blogparaden? Wie können Blogger daran teilnehmen? Wer kann zu einer Blogparade aufrufen? Und wie lang dauern sie?

    Alles erdenklich Gute und viel Erfolg und Freude bei der aktuellen Blogparade!

    Liebe Grüße

    Christiane (Texthase Online)

    • Hallo Christiane,
      ich stolpere meistens zufällig beim Stöbern bei anderen Blogs auf diese Blogparaden. Zu dieser Blogparade ist der Link oben in dem Einführungstext. Hier direkt: http://www.museumsblog.at/2014/02/28/welt-ohne-zufall-blogparade-zum-thema-aberglauben/
      Es gibt bei google+ auch eine Gruppe “BloggerNetzwerk” Da wird manchmal auf Blogparaden hingewiesen.
      Es kann jeder an einer solchen Blogparade teilnehmen oder auch dazu aufrufen, Dauer und mehr ist ganz unterschiedlich.
      Je mehr man in der Bloggerszene unterwegs ist, desto mehr Blogparaden, Blogstöckchen usw. begegnen einem. Mir wird es schon fast zu viel. Ich will ja auch mal selbst inspirierte Artikel schreiben. 😉
      Viel Spaß
      Ulrike

      • Texthase Online

        Hallo Ulrike,

        herzlichen Dank für die Informationen! Begegnet bin ich Hinweisen auf Blogparaden schon häufiger wusste aber nie, was es damit genau auf sich hat!

        Liebe Grüße

        Christiane (Texthase Online)

      • Solche Blogparaden usw. sind eine gute Gelegenheit, den eigenen Blog bekannt zu machen. Einfach gucken und losschreiben!
        Ich versuche meistens, das Thema mit einem China-Text zu verbinden.
        Alles Gute
        Ulrike

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