06.04.1991 Es geht los!

Aus meinem Reisetagebuch:

“Der 6. April 1991! Hannover – Samstag. Ein wunderschöner Frühlingstag. Blauer Himmel. Milde Luft. Mein Zug fährt erst gegen 17:00 Uhr. Mittags hält es meine Freundin Geli und mich nicht mehr in der Wohnung. Wir bringen mein Gepäck zum Bahnhof und gehen zum Flohmarkt. Bei dem herrlichen Wetter ist er natürlich richtig voll. Ich treffe Leute, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Ein Abschiedsbier. Eine letzte Umarmung. Dann gehe ich schließlich alleine zum Bahnhof.

Auf dem Bahnsteig am 06.04.1991. Warten auf den Zug nach Moskau

Auf dem Bahnsteig am 06.04.1991. Warten auf den Zug nach Moskau

Dort warten schon meine Eltern und meine Schwester. Mein Leben scheint nur noch aus Abschied zu bestehen. Mein Gepäck im Zug. Ich stehe an der Zugtür und meine Familie auf dem Bahnsteig. Ich fühle mich wie befreit. Ich muss aufpassen, dass ich nicht abhebe vor Glück. Alle anderen sind so traurig, dass ich gehe.

Der Zug fährt an. Ein letztes Winken. Ein Foto von der Familie auf dem Bahnsteig. Dann sitze ich im Zug und fahre. Ich bin unterwegs. Ich bin wirklich unterwegs! Mein Rucksack ist nun alles, was ich habe. Draußen Gärten mit blühenden Tulpen und Narzissen. Ein Wald, der Boden bedeckt mit Buschwindröschen. Auf den Feldern sehe ich in der sinkenden Abendsonne Rehe, Hasen, Fasane und sogar einen Kranich. Alles leuchtet golden. Es ist fast zu viel.”

Mein ganz großer Traum
In meiner Jugend hatte ich einen ganz großen Traum: Frei und unabhängig durch die Welt zu reisen. Als sich die Gelegenheit andeutete, dass ich diesen Traum umsetzen könnte, habe ich alles dafür getan, dass ich wirklich auf große Fahrt gehen kann. Sparen, meine Eltern drauf vorbereiten, mich drauf vorbereiten. Ein Jahr lang habe ich diesen Traum jeden Tag geträumt und Schritt für Schritt umgesetzt. Heute (6.04.2014) vor genau 23 Jahren startete ich in mein Abenteuer und bereiste 18 Monate lang Asien. Ich war frei, überall, wo es mir gefiel, so lange zu bleiben wie ich wollte. Frei auch von allen Zivilisationzwängen wie „Was ziehe ich heute an?“, „Was esse ich wann?“, „Unternehme ich heute etwas?“. Kein „Muss“ behinderte mich, es gab nur ein „kann, möchte“.

Vor dem Studentenwohnheim in Peking 1993

Vor dem Studentenwohnheim in Peking 1993

Als ich nach Hause zurückkehrte, war ich sehr zufrieden, ich hatte meinen Traum gelebt, und ich konnte mich wieder gut ins deutsche Alltagsleben einfügen. Doch ein Traum war neu entstanden unterwegs: Ich wollte in Peking Chinesisch lernen. Mit Hilfe meiner Eltern und einem intensiven Sparen war ich 6 Monate nach meiner Rückkehr in Peking am Beijing Language Institute und lernte. Ein Jahr in der Stadt meiner Träume! Ein Jahr wieder Schüler sein zu dürfen. Ich fühlte mich die meiste Zeit privilegiert und zufrieden.

 

 

 

Auf all diesen Erfahrungen und erfüllten Träumen baut sich mein jetziges Leben auf. Und manchmal träume ich im Schlaf davon, meine Koffer zu packen und zum Flughafen zu fahren.

Nächste Etappe:
09.04.1991 Abenteuer Transsib

In engem Zusammenhang steht auch dieser Artikel:
Von der Angst unterwegs – die Sorgen der Eltern

In diesem Artikel schildere ich die Zeit vor meinem Aufbruch
Von der Angst vor der Reise – Die Zeit vor dem Aufbruch

Und was ich hier von meinem großen Aufbruch bislang verschwiegen habe, findet Ihr dort: 06.04.1991: Mein großer Aufbruch: Bedenken, Unsicherheit und Glück

Ich freue mich sehr über Euer Feedback! Vor allem zu der Frage: Interessieren Euch die alten Geschichten überhaupt? Ich werde auf jeden Fall meine Erlebnisse von “damals” immer versuchen in einen aktuellen Zusammenhang zustellen.

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