Der buddhistische Shanhua-Tempel in Datong

China  abseits der Touristenpfade

Datong, berühmt und verschrien für seine Kohlebergwerke, hat eine Menge wirklich wichtiger Sehenswürdigkeiten zu bieten. Nicht nur die Tausendbuddha-Grotten von Yungang sondern auch die mächtige Stadtmauer und einige große, uralte buddhistische Tempel zeugen von der großartigen Vergangenheit Datongs. Seine Lage an der Großen Mauer und an der Seidenstraße brachten Reichtum in die Stadt.

Bei Rundreisen kommt Datong meistens ein wenig zu kurz. Das Programm sieht in der Regel wie folgt aus: Morgens Ankunft mit dem Zug Peking, Ausflug zu den Yungang-Grotten, Buddhistischer Tempel Huayan, Neun-Drachen-Mauer, eine Übernachtung und schon geht es weiter! Schade!

Die berühmten Tausend-Buddha-Grotten von Yungang

Die berühmten Tausend-Buddha-Grotten von Yungang

Ich war schon 1988 in Datong und blieb drei Tage. Natürlich gehörten auch die o.g. Sehenswürdigkeiten zu meinem Programm. Doch ich hatte Zeit genug, mir die damals noch sehr ursprünglich wirkende Altstadt (siehe auch  Datong Gulou-Straße 1988-2011) anzugucken und auch den buddhistischen Tempel Shanhua zu besuchen. Dieser Tempel hat mich durch seine Ruhe und Würde sehr beeindruckt. 2009 war ich wieder in Datong und habe den Tempel besucht. Dass man den Tempel auch auf einer Gruppenreise besuchen kann, habe ich 2011 erlebt. Man geht am besten am späten Nachmittag dorthin.

Denn dann versammeln sich auf dem Platz vor dem Tempel die Einheimischen zum gemeinsamen Musizieren und Singen. Im Hintergrund die Stadtmauer, die in den letzten Jahren renoviert/wiederaufgebaut wurde und eine Fünf-Drachen-Wand, von der kaum jemand etwas weiß. Die Fünf-Drachen-Wand stammt aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts und dient als sog. Geisterwand des Shanhua-Tempels.

Fünf-Drachen-Wand - Detlail

Fünf-Drachen-Wand – Detail

Der buddhistische Shanhua-Tempel liegt im Süden der Altstadt von Datong direkt am Südtor. Er wird wenig besucht. Auch wenn die duftenden Räucherstäbchen von einem lebendigen Tempel erzählen, so hatte ich doch immer den Eindruck eines Museums, so ruhig und einsam liegt er da. Die Geschichte des Tempels geht bis in die Tang-Dynastie zurück, genauer in die Zeit um 740. Er machte viele Zerstörungen und Renovierungen durch. In der Liao-Dynastie erhielt er seine jetzige Form. Während der Jin-Zeit (1115–1234) wurde der Tempel mal wieder zerstört und erhielt von den Jin, einem nördlichen Volk, aus dem später die Manchu hervorgingen, eine ganz eigene Prägung. Heute gilt der Shanhua-Tempel als eines der besten Beispiele für die Architektur der Jin.

Datong 2009: Shanhua-Tempel Haupthalle

Datong 2009: Shanhua-Tempel Haupthalle

In der Halle der Drei Heiligen gibt es drei Statuen von Bodhisattvas, die auch aus der Jin-Zeit stammen (um 1100). Sie stellen den Buddha Vairochana (Sakyamuni), den Bodhisattva Manjusri (Wenshu) und den Bodhisattva Samanthabadra (Puxian) dar. In der Haupthalle gibt es viele wunderschöne Statuen und Fresken aus der Jin-Zeit. Sie sind sehr beeindruckend.

Sakyamuni

Sakyamuni

Als ich 1988 den Shanhua-Tempel besuchte, war er frei zugänglich. In einem der Seitenhöfe stand eine Statue eines Ochsen, die mich sehr beeindruckte. Sie schien sehr alt zu sein und wirkt ein wenig unfertig. 2011 fand ich die Statue nicht mehr. Als ich einen alten Mann im Tempel danach fragte, konnte er sich zwar an die Figur erinnern, wusste aber nicht, wo sie heute ist. Falls Ihr, liebe Leser, etwas über den Verbleib wisst, dann freue ich mich auf einen Hinweis.

Die Ochsenstatue 1988

Die Ochsenstatue 1988

Absoluter Höhepunkt meiner Besuche 2009 und 2011 war der Platz vor dem Tempel. Dort hörte ich chinesische Volkslieder, Revolutionschöre, alte Instrumente und konnte den Männern beim Kartenspielen über die Schulter schauen. Ein Mann erklärte mir die chinesischen Notenblätter, der Chor schien bei meinem Anblick noch viel lauter zu singen. Man freute sich über mein Interesse. Die Sonne tauchte alles in ein warmes rötliches Licht. Das ist China, wie es schöner kaum geht!Datong 2009

Datong 2009

Datong 2009

Chinesische Notenblätter

Chinesische Notenblätter

Facts: Datong ist eine Stadt in der Provinz Shanxi. Es gut mit dem Zug von Peking aus zu erreichen. Für den Shanhua-Tempel bezahlt man zur Zeit 50,- Yuan RMB Eintritt.

Mehr: Datong auf www.travelchinaguide.com
Zu Datong habe ich auch in meinem Artikel “Chinas neue Altstädte” geschrieben.

3 Kommentare

  • Pingback: 10 Tipps, wie man in China die Touristenmassen vermeidet

  • Abseits der Touristenpfade kann man Länder und Menschen ganz anders und oft viel besser erleben. Das gilt auch für uns in Japan. Zum Glück verstehen wir die Sprache. Und das Verhalten bekommen wir auch meist hin. 😉

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