Still und dunkel

Montag – Glücksmomente (KW23)

Da habe ich doch gerade von meinen Abenteuern 1991 in Hangzhou, China, berichtet und bin über einen ganz besonderen Glücksmoment gestolpert, den ich mir für heute aufgehoben habe.

Ich wohnte damals im Zhejiang-Hotel, einst ein Gästehaus speziell erbaut für die chinesischen Kader und deren ausländische Gäste. Mehrere Villen lagen in einem großen parkähnlichen Gelände verstreut. Weite Rasenflächen, Blumenbeete und viele alte Bäume. Die Millionenstadt Hangzhou schien unendlich weit weg. Ich war jetzt schon zwei Monate unterwegs, meistens in großen Städten, und hatte viel in unruhigen Mehrbettzimmern in lebhafter Umgebung (Katalogdeutsch für „direkt an einer großen Straße“) geschlafen. Nun war ich hier gelandet, mitten in der Natur, in einer herrlich grünen Umgebung.

Die Nächte waren ganz speziell. In der ersten Nacht im Zhejiang-Hotel wachte ich auf. Was hatte mich geweckt? Ich lauschte in die Stille. Mit geschlossenen Augen nahm ich wahr, dass in den Bäumen vor dem Fenster ganz leicht der sanfte Wind rauschte. Sonst nichts. Ich öffnete die Augen: Nur ein mattes Licht drang von draußen ins Zimmer. Ansonsten war es stockdunkel. Und es war still! So still! Das hatte ich in den vergangenen Wochen nicht erlebt. Das musste ich genießen! Ich lag da und lauschte auf die Stille. Dieses Glück! Das musste ich doch festhalten! Nein, bloß nicht wieder einschlafen! Noch ein wenig genießen! Nur eine Minute noch! Doch schon war ich wieder eingeschlafen. Tief und fest schlief ich wie selten. Bis mich am Morgen das Zwitschern der Vögel weckte und ich wieder da lag: Das muss ich genießen! Noch nicht aufstehen!

Doch dann rührten sich meine Zimmergenossen und ein neuer Tag meiner Großen Reise begann.

5 Kommentare

  • Kann ich mir gut vorstelle wie Du die Stile plötzlich wahrnimmst…. dann sie Naturgeräusche… (ich lebe ja eigentlich hier auch so..und freue mich jeden Tag daran)
    Pearl S Buck hab ich als Kind (so ab 10 Jahren?) schon gelesen… fand ich damals wirklich gut.
    LG, Petra

  • Dein Erlebnis erinnert mich an eine Szene aus Pearl S. Buchs Buch “Die Frauen des Hauses Wu” 🙂 Dort lauscht Madam Wu auch auf die Geräusche der Nacht in ihrem eigenem Hof, als sie alleine im Bett liegt!

    • 🙂 Pearl S. Buck muss ich auch unbedingt mal wieder lesen!

      • Ich habe sie als Teenager gelesen und jetzt dachte ich, sollte ich so alte Freunde mal wieder hervorkramen, auch um China Wieder mal besser kennen zu lernen. Ich habe noch drei Titel vor mir, aber erst sind einige Rezensionsbücher dran. Pearl S. Buck schreibt in einem anderen Stil, als wir es heute gewohnt sind, aber es gefällt mir trotzdem. Langsamer, behäbiger…

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