Ein Denkmal für William Lindley in Hamburg

Hamburg abseits der üblichen Touristenpfade: William Lindley Denkmal

Versteckt, leicht zu übersehen steht zwischen den U-Bahn-Stationen Baumwall und Landungsbrücken die Statue eines Mannes. Würdevoll im langen Gehrock steht er da, in der rechten Hand einen Plan und die linke energisch in die Hüfte gestämmt. Über ihm rattert die U-Bahn und um ihn herum tost der Verkehr. Wer war der Mann?

William Lindley

William Lindley

William Lindley (1808 – 1900), in London geboren, lebte einige Zeit in Hamburg. Das ist aber noch nicht Grund genug, ein Denkmal für ihn aufzustellen. William Lindley wird gepriesen als „Konstrukteur des Fortschritts“, als genialer Ingenieur.

1838 bis 1842 war er am Bau der Bahnstrecke von Hamburg nach Bergedorf beteiligt. Er erwarb sich damals den Ruf eines höflichen Briten und guten Ingenieurs. Als durch den großen Brand von 1842 deutlich wurde, dass Hamburg dringend eine gut funktionierende Stadtentwässerung brauchte, beauftragte man Lindley mit der Planung und dem Bau.

Nach wenigen Tagen legte Lindley einen Wiederaufbauplan vor. Und der sah nicht nur die Kanalisation vor, sondern ein Zentrum mit breiten Straßen, Gasbeleuchtung, öffentlicher Wasserversorgung und Wasch- und Badehäusern. Rat und Bürgerdeputation waren beeindruckt und ernannten ihn zum Berater der Technischen Kommission für den Wiederaufbau. Als Brite hatte er allerdings auch so seine Schwierigkeiten mit der Hamburger Bürgerschaft. Er war eben kein Hamburger.

1860 zog er mit seiner Familie zurück nach London und begann seine spektakuläre internationale Karriere. Er wurde in der ganzen Welt als Spezialist für Wasserversorgung und Kanalisation geachtet. Sogar aus Sydney fragte man ihn an.

In Hamburg nimmt Lindley einen besonderen Platz ein. Er trug während seiner Zeit in Hamburg 1838 bis 1860 maßgeblich zur Modernisierung Hamburgs bei.

Das hübsche Jugendstil-Häuschen hinter dem Denkmal ist der Einstieg ins Hamburger Sielsystem – wie passend! Und: Die berufliche Schule William Lindley (G2) in Hamburg ist das Kompetenzzentrum im Sanitär-, Heizungs- und Klimabereich für technische Industrie- und Gebäudeausrüstung in Verbindung mit erneuerbaren Energien.

Das geheime Zimmer

Das kleine Jugendstilhäuschen mit dem Sieleinstieg birgt ein Geheimnis:

Das Hamburger Abendblatt berichtete am 10.01.2014:
Unterhalb der Hochwasseranlage am Baumwall haben Hans-Joachim Hoch und seine Kollegen ein verschollenes Stück kaiserlicher Geschichte freigelegt. Seit 1904 dient das sandfarbene Einstiegshäuschen an der Straße Vorsetzen als bequemer Zugang zur Hamburger Kanalisation – es gilt als gesichert, dass der Einstieg für einen Besuch des “Reisekaisers” Wilhelm II. in Hamburg erbaut wurde. Ein Raum wurde später aus unbekannten Gründen zugemauert und vergessen. Knapp sechs Quadratmeter, schlauchartig, mit glasierten Fliesen verkleidet. Das geheime Ankleidezimmer des Kaisers. Für eine Bootsfahrt durch die Siele.

Das Kuhmühlen-Stammsiel wurde gebaut, um die damals schnell wachsenden “Vorstädte” Eppendorf und die Uhlenhorst an das bestehende Sielnetz anzuschließen. Gleichzeitig vollendete es den vorläufigen Ausbau der Hamburger Kanalisation nach der Idee Lindleys.

Der Ruf der hochmodernen Sielanlagen in Hamburg hatte Wilhelm II. zu dieser Zeit längst erreicht, den Kaiser trieb ein fast wahnhafter Fortschrittsglaube. Und offenbar wünschte sich WilhelmII. für seinen geplanten Besuch in Hamburg ein Zimmer, um sich vor der feierlichen Eröffnungsfahrt durch das Stammsiel einen weißen Schutzkittel überzustreifen, wie ihn sonst Viehhändler trugen.

Ob die Bootsfahrt mit dem Kaiser im September 1904 wirklich stattfand, ist nicht belegt. Die Hamburger Zeitungen berichteten ausführlich über den dreitägigen Besuch des Kaisers, seine Aufsicht auf das große Herbstmanöver der Marine im Hafen, einen Besuch im Schauspielhaus mit Gattin Viktoria. Eine Sielbesichtigung fand in den bekannten Aufzeichnungen jener Tage keinen Niederschlag.

“Die plausibelste Theorie ist, dass die Bootsfahrt aus terminlichen Gründen zunächst abgesagt wurde”, sagt Ole Braukmann. Am 8. Dezember 1904 wurde das Stammsiel offiziell eröffnet. Möglicherweise holte der technikbegeisterte Kaiser die Bootsfahrt später nach. Wilhelm II. bereiste Hamburg bis zum Ersten Weltkrieg noch mehrere Male, etwa zum Durchschlag der ersten Elbtunnel-Röhre im Jahr 1910. mehr

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