Nomadische Ressourcennutzung und Existenzsicherung im Umbruch

GruschkeAndreas Gruschke
Nomadische Ressourcennutzung und Existenzsicherung im Umbruch
Die osttibetische Region Yushu (Qinghai, VR China)
Dr. Ludwig Reichert Verlag
Wiesbaden 2012

Ein schwieriges Buch, das sich eher an Wissenschaftler wendet als an den Reisenden oder an China Interessierten. Doch das Buch gibt tiefgehende eindringliche und überzeugende Einblicke in die Welt der tibetischen Nomaden. Deshalb kann ich das Buch jedem empfehlen, der nicht nur an der Oberfläche kratzen möchte. Hier meine Rezension:

Vor dem Erdbeben von 2010, das das Gebiet um Yushu, Provinz Qinghai, mit zahlreichen Städten und Dörfern schwer verwüstete, hatte Andreas Gruschke die Möglichkeit, in dieser abgelegenen Region die Situation der tibetischen Nomaden empierisch längere Zeit zu erforschen. Diese Forschungen und ihre Ergebnisse sind Inhalt dieses wissenschaftlichen Buches. Ausführlich beschreibt Gruschke die wirtschaftliche und soziale Umgebung der Nomaden, ihre Ressourcen, ihre Ziele und ihr einfaches Leben. Zahlreiche Tabellen und Diagramme verdeutlichen seine Forschungsergebnisse.

Mit Leben werden die wissenschaftlichen Daten durch die persönlichen Geschichten einiger Nomadenfamilien erfüllt. Dabei kommen auch die Schwierigkeiten zur Sprache, die durch die sich wandelnden Umgebungen, die Verlagerung der Lebenszentren von den Weiden des Hochlandes in die chinesisch geprägten Städte entstehen. Welche neuen Möglichkeiten entstehen für die Nomaden durch die Urbanisierung? Welche Probleme bringt der gesellschaftliche Wandel mit sich?

Eine große wirtschaftliche Bedeutung kommt dabei dem Raupenpilz zu, der als Heilmittel hohes Ansehen hat. Durch den Handel mit dem kostbaren Pilz sind viele Nomadenfamilien zu Reichtum gekommen. Allerdings wurden dadurch andere Ressourcen vernachlässigt. Doch gerade der Raupenpilz stellt eine Möglichkeit für die Nomaden dar, anstelle des geringer werdenden Einkommens als Hirten ein wirtschaftliches gutes Auskommen zu erzielen.

Nach Lektüre des Buches wird dem Leser die Komplexität der Nomadenwirtschaft und des tibetischen Lebens auf den Hochebenen des westlichen Himalayas bewusst. Auch der Klimawandel hat seinen Einfluss und es  wird deutlich, dass heute nur noch ein Drittel der Bevölkerung in der beschriebenen Region von der mobilen Weidewirtschaft wirklich leben kann. Es müssen und werden auch bereits neue Ressourcen erschlossen. Hinzu kommt die deutlich verbesserte Infrastruktur wie ein wachsendes Straßennetz, Krankenhäuser und Schulen.

Gruschke zeigt in seinem Buch nicht nur die tatsächlichen Möglichkeiten, sondern auch die zukünftigen Entwicklungen der traditionell nomadisch lebenden Bevölkerung in der Region Yushu auf.

Andreas Gruschke, Jahrgang 1960, ist Geograph, Sinologe und Ethnologe. Er spricht tibetisch und erschließt sich dadurch Quellen, die anderen westlichen Wissenschaftlern nicht zur Verfügung stehen. Er ist zur Zeit der kenntnissreichste Tibet-Wissenschaftler in Deutschland. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher und wissenschaftliche Arbeiten unter anderem zu Tibet und dem tibetischen Buddhismus.

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