09.07.1991 Und schon bin ich in Südkorea!

Ich bin in einem netten Gasthaus in Kyongju (Gyeongju) angekommen. Langsam gewöhne ich mich an die doch etwas entspanntere Atmosphäre in Südkorea, gönne mir sogar mal einen ganzen Tag Nichtstun. Zeit, um ein Resümee meiner vier Wochen Japan zu ziehen.

Japan:

Kyoto (2)

Tempel in Kyoto

Was hat mich am meisten beeindruckt?
Kyoto mit seinen tollen Tempeln, eigentlich wäre ich gerne länger geblieben, um mir wirklich alle Tempel und Schreine anzugucken.

Die kleine Stadt Takayama, die irgendwie nur aus alten Häusern und kleinen Museen zu bestehen scheint. Naja, jedenfalls die Altstadt.

In einem Geisha-Haus, Kanazawa

In einem Geisha-Haus, Kanazawa

In Kanazawa habe ich die berühmten Geisha-Häuser gesehen und die Residenzen der Samurai. Wieder beeindruckten mich die schlichten Räume mit ihren hellen Tatami-Matten und der sparsamen Möblierung.
Hokkaido mit seinen Vulkanen und dem Volk der Ainu war ein ganz besonderes Erlebnis.Siehe auch: Japan bringt mich zum Verzweifeln
Das Idemitsu-Museum in Tokyo: Klein aber fein!
Zum Abschluss habe ich noch die großartige Burg von Himeiji besucht. Vom Konzept her, wie auch die traditionellen japanischen Häuser, ganz anders als Vergleichbares in Deutschland. Ich kann es gar nicht genau beschreiben, was mich so begeistert hat. Alles strahlt eine Leichtigkeit und Eleganz aus

Die herausragenden Erlebnisse der letzten Tage:

In Tokyo komme ich in den Genuss eines ganz besonders guten Kaffees: Aus meinem Reisetagebuch:

Kaffee
Ich finde die großen, eleganten Kaufhäuser in Tokyo sehr interessant. Man kann wirklich alles kaufen. An jeder Ecke stehen junge Mädchen in Uniform, die einem mit einem freundlichen Lächeln den richtigen Weg weisen, damit man sich seine Wünsche problemlos erfüllen kann. Ich muss mich sehr beherrschen, um nicht in einen wahren Kaufrausch zu verfallen. Die Lebensmittelabteilung im Untergeschoss der Kaufhäuser ist gigantisch. Obst und Gemüse, wie nun schon gewohnt, makellos. Kirschen werden wie Pralinen nur in Schachteln verkauft. So erlesene Früchte habe ich noch nicht gesehen! Aber die Preise sind ähnlich erlesen!

Am Kaffeestand wird der Kaffee nach Herkunftsland verkauft. Es gibt keine gemischten Kaffees, sondern Sorten wie „Kilimanjaro Charcoal Roasted“ oder „Columbia Finest“. Man kann die verschiedenen Kaffeesorten gleich nebenan in einer Kaffeebar probieren. Entsprechend dem edlen Kaffee wird in feinstem Porzellan serviert. Milch und Zucker stehen in silbernen Gefäßen bereit. Auch wenn die Tasse Kaffee hier mindestens 5,- DM kostet, muss ich den „Kilimanjaro Charcoal Roasted“ ausprobieren. Einfach köstlich! Nie wieder Tchibo oder Eduscho! Leichtsinnige Vorsätze, denn im Rucksack habe ich immer noch den Nescafé.

Ich vor dem Großen Buddha von Kamakura.

Ich vor dem Großen Buddha von Kamakura.

Kamakura
Ein Sehnsuchtshöhepunkt und Erfüllung eines Traumes ist der Besuch von Kamakura, einer kleinen Stadt am Meer nicht weit von Tokyo. Ich wandere dort von einem Tempel zum nächsten. Ringsum eine wunderbare Natur mit Wäldern, blühenden Blumen und leuchtenden Schmetterlingen. Fast verpasse ich es, rechtzeitig vor Schließung beim großen Buddha von Kamakura zu sein. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, vor dieser riesigen Bronzestatue zu stehen. Ja, hier merke ich noch einmal, dass ich in Japan bin, und gebe mich mit Tränen in den Augen dem Gefühl hin, einen ganz großen Wunsch erfüllt zu bekommen.

Natürlich habe ich unglaublich viel gesehen in den letzten Wochen, immer getrieben von dem Gefühl, keine Zeit (und Geld) vergeuden zu dürfen. Das war letztlich mein größtes Problem, dass ich etwas zu geizig für Japan war. Meine Gedanken drehten sich immer wieder um mein Budget, ums Sparen. Kann ich mir diesen Eintritt leisten? Kann ich die köstlichen Muscheln probieren? Unbeschwertes Reisen war für mich in Japan kaum möglich. Aber ich habe mir alles Mögliche gegönnt, eben auch den Kaffee oder die Muscheln. In Takayama habe ich ein köstliches Kräutermenue gegessen, in Kanazawa eine original Sushi-Bar auf dem großen Gemüse- und Obstmarkt erlebt und mich unter die Japaner beim Lunch gemischt. In den Wäldern zu wandern war kostenlos. Ich hatte mir nie vorgestellt, dass Japan über so viel großartige Natur verfügt.

Begegnungen mit Japanern waren eher flüchtig. Da war die nette Jugendherbergsmutter in Noboribetsu, der nette Mann, der mich zur Jugendherberge in Nikko gefahren hat, das junge Mädchen, das mir in Kanazawa den Weg zur Straße der Geisha-Häuser zeigte und mich begleitete, bis ich wirklich an der richtigen Stelle war. Naja, es waren nicht viele, mit denen ich mehr als einen kurzen Gruß austauschte. In Tokyo traf ich mich allerdings mit einer jungen Frau, der Freundin einer Freundin in Deutschland. Wir gingen zusammen essen und ich erfuhr viel von ihr und ihrer bevorstehenden Hochzeit.

In Tokyo genoß ich die Wiederbegegnung mit zwei Iren, die ich aus Shanghai kannte. Einen Tag lang zogen wir durch die Tempel im Zentrum der Stadt.

Ach, ich könnte noch so viel von Japan erzählen! Doch nun bin ich in Südkorea, in dem netten Ort Kyongju (Gyeongju), der auf Grund seiner königlichen Geschichte unglaublich viele archäologische, geschichtliche und buddhistische Sehenswürdigkeiten zu bieten hat.

Der große Schlafsaal in der Fähre nach Südkorea

Der große Schlafsaal in der Fähre nach Südkorea

Die Überfahrt von Shimonoseki, Japan, nach Pusan, Südkorea, war stürmisch gewesen. Ich werde glücklicherweise nicht seekrank. Doch die Wellen waren riesig und die Fähre schien jede einzelne mitzunehmen. Im Schlafsaal „Korean Style“, d.h. keine Betten, sondern schlafen auf dem Boden, rollte ich von einer Seite zur anderen, immer krampfhaft bemüht, nicht über meine Mitreisenden hinwegzurollen. Wir waren in die Ausläufer eines Taifuns geraten.

Übrigens: Im Jahr 2000 hat es eine Erneuerung der Umschrift koreanischer Wörter gegeben. Die „Revidierte Romanisierung“ führt dazu, dass die Ortsnamen, so wie ich sie kenne, heute alle anders geschrieben werden. Ich werde versuchen, die aktuellen Namen zumindest in Klammern hinter die mir bekannten Namen zu setzen. Mehr zur Koreanischen Schrift: Eine Schrift, die man lernen kann.

Zum Anfang meiner Großen Reise: 06.04.1991 Es geht los!

Zur nächsten Etappe: 08.07. – 25.07.91 “Those ridiculous Tombs”

Zur vorangegangenen Etappe: 02.07.1991 Japan bringt mich zum Verzweifeln!

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