25.07.1991 Eine Schrift, die man lernen kann

In den Straßen von Puyo - Buyeo

In den Straßen von Puyo – Buyeo

Große Reise 1991/92: Südkorea

Tja, da will ich weiter zum nächsten Ort, nach Puyo, was damals gar nicht schwierig war. Aber heute stellt sich heraus, dass das aus der Ferne gar nicht so einfach ist. Mein Reisebericht braucht eine größere Recherche, damit ich heute weiß, wovon ich schreibe, und einen Bezug herstellen kann zwischen 1991 und 2014. Denn ich finde Puyo nicht mehr. Dass es im Jahr 2000 eine Reform der lateinischen Umschrift des Koreanischen gegeben hat, habe ich schon im letzten Bericht erwähnt. Dass diese Reform aber manche Ortsnamen sozusagen verschwinden ließ, war mir in dem Ausmaß nicht bewusst.

Also suche ich Puyo auf einer modernen Landkarte. Aber wo genau war das? Welche Orte liegen in der Nähe? Leider finde ich keine Liste der Ortsnamen: vorher – nachher.

Anderer Ansatz: Puyo war einst eine Königsstadt, doch von welchem Reich? Wann genau? Ich finde ein Reich Puyo, heute Buyeo, das sich aber von der Mandschurei bis nach Nordkorea erstreckte. Das kann es nicht sein.

Das Internet bringt mich nicht weiter. Nach einiger Zeit kommt mir die Idee, dass ich in meinen alten Ablagekästen noch Erinnerungsstücke an Südkorea finden könnte. Tatsächlich werde ich schnell fündig. Ja, ich stoße tatsächlich auf meine Karte von Südkorea, in die ich meine Reisestrecke sogar eingetragen habe! Ich bin gerettet! So kann ich nun im Vergleich mit Online-Karten feststellen, dass Puyo heute Buyeo heißt, Hauptstadt des Baekje-Reiches von 538 bis 660 n. Chr. Ich fühle mich wieder auf festem Boden und kann weiter recherchieren.

Meine Korea-Karte von 1991

Meine Korea-Karte von 1991

Aber bevor ich mit meinem Reisebericht fortfahre, gibt es hier noch ein wenig mehr über die Koreanische Schrift.

Die Koreanische Sprache ist vollkommen anders als Japanisch oder Chinesisch. Man sagt, dass es Verbindungen zum Mongolischen und zu den Altai-Sprachen gibt. Forscher sind sich nicht wirklich einig, zu welcher Sprachgruppe Koreanisch gehört. Vielleicht ist es ja eine vollkommen eigenständige Sprache?!

Zu dieser ungewöhnlichen Sprache gehört auch eine besondere Koreanische Schrift. Ursprünglich wurden in Korea chinesische Schriftzeichen genutzt. Dass das auf Dauer nicht ging, lag an vielen Faktoren: Chinesisch ist die Schrift der Eroberer und ist ziemlich schwer zu erlernen. Für die komplizierte koreanische Sprache schien sie ungeeignet. Denn die chinesische Regel „Eine Silbe = Ein Wort“ lässt sich in Korea nicht so ohne weiteres anwenden. Bei all dem Konkurrenzdenken in diesem fernöstlichen Gebiet versuchte man, sich abzugrenzen, ein nationales Bewusstsein zu schaffen. Dabei spielten Sprache und Schrift eine große Rolle. Japan entwickelte eine eigene Silbenschrift und behielt einige chinesische Schriftzeichen.

Und Korea?

Im 15. Jahrhundert ließ König Sejong seine Minister und Gelehrten zusammenkommen. Sein Wunsch war es, dass eine Schrift entwickelt werden würde, die für alle Menschen leicht zu erlernen ist. Sie sollte alle Laute der koreanischen Sprache und aller verwendeten chinesischen Lehnwörter sowie die Laute von weiteren Fremdsprachen und sogar Geräusche aus der Natur (wie das Zwitschern eines Vogels oder das Rauschen des Windes etwa) wiedergeben können.

Beispiel für die Koreanische Schrift

Beispiel für die Koreanische Schrift

In meinem Reiseführer stand, dass daraufhin eine alphabetische Schrift, das Hangeul, entstand, die man innerhalb von 24 Stunden lernen könne. Das war eine Information, die ich gleich auf ihre praktische Umsetzbarkeit prüfen musste! Also lernte ich das koreanische Alphabet und konnte mit ein wenig Übung Ortsschilder und Speisekarten lesen (wenn ich die Worte verstand). Das besonders Interessante der Schrift ist, dass die einzelnen Buchstaben zu Silben zusammengefasst und in kleinen Quadraten gruppiert werden. Dadurch scheint die Koreanische Schrift oberflächlich betrachtet wie chinesische Schriftzeichen auszusehen. Aber das lässt sich lernen.

„Auch für seinen Einsatz im 21. Jahrhundert ist das Hangeul-Alphabet gut gerüstet: Grund- und Einzelzeichen, aus denen die Silben des Koreanischen zusammengesetzt werden, lassen sich problemlos für Computer-Tastaturen und Handys aufbereiten.” Heißt es auf einer Internetseite. Wie das geht, kann ich Euch leider nicht sagen.

Beispiele für die Koreanische Schrift:

Puyo = Buyeo = 부여군

Reis = Bap =

Reisgericht = Bibimbap = 비빔밥

Das Wort für „Reis“ war sehr wichtig, da ich, wenn ich das auf einer Speisekarte sah, einigermaßen sicher sein konnte, nicht etwas mit ganz viel Knochen zu bekommen. „ Das Wort „Bibimbap“ erkannte ich schnell und ernannte es zu meinem Lieblingsgericht: Auf eine Grundlage von Reis kommen verschiedene Gemüse, natürlich auch Kimchi (scharf eingelegter Kohl), etwas Hackfleisch und oben drauf ein Spiegelei. Aber Achtung: Unter dem Spiegelei verbirgt sich eine sehr scharfe rote Soße! Und wenn man nicht aufpasst, hat die liebe Wirtin einem schnell gezeigt, wie man alles schön durcheinander mischt. Einfach, schmackhaft und preiswert.

Ein Rezept für Bibimbap findet Ihr bei Miss Boulette: Bibimbap oder das Universum in einer Schüssel

Puyo – Buyeo 1991

Gemütliches Frühstück auf "unserer" Terrasse

Gemütliches Frühstück auf “unserer” Terrasse

So gerüstet komme ich in Buyeo an und beziehe mit Carsten, Ron, Adinda und Annemarie ein ganzes Stockwerk in einer kleinen, gemütlichen Pension. Ich teile ein Zimmer mit westlichen Betten und privatem Badezimmer mit Annemarie. Die hohen weichen Betten sind eine angenehme Abwechslung zu dem Schlafen auf dem Boden der letzten Wochen. Doch etwas ist merkwürdig: Die Matratzen sind noch komplett in Plastik verpackt. Das knistert, wenn sich einer von uns umdreht. Aber auch daran kann man sich gewöhnen. Wunderbar ist die gemeinsame Terrasse, auf der wir uns morgens treffen, um ein selbstgemachtes Frühstück aus Nescafé, Eiern, Toastbrot, Margarine und Marmelade zu verzehren. Annemarie hat einen Tauchsieder dabei, mit dem wir Wasser kochen können. Nur die Stromspannung ist anscheinend recht niedrig. Es dauert ewig, bis das Wasser kocht und die Eier gar sind.

Buyeo als alte Königstadt bietet genau wie Gyeongju jede Menge Königsgräber, alte Tempel und viel Ausflugsmöglichkeiten zu abgelegenen Tempeln und schönen Naturparks. Wen wundert’s also, dass ich hierher will? So ist wieder jeder Tag mit Besichtigungen und Wanderungen ausgefüllt.

Mehr darüber in der nächsten Woche!

 

Zum Anfang meiner Großen Reise: 06.04.1991 Es geht los!

Zur letzten Etappe: 08.07. – 25.07.1992 “Those ridiculous Tombs”

Zur nächsten Etappe: 31.07.1991 Reisegeschichten aus Südkorea

Allgemein zu Sprachen unterwegs: Was? Wie? Wo? – 5 Tipps gegen Sprachlosigkeit 

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