Meine ersten Schriftzeichen

1991 in Shanghai versuche ich, chinesische Schriftzeichen wieder zu erkennen. Das ist gar nicht so einfach.

Aus meinem Reisetagebuch 1991:

Jedes chinesische Schriftzeichen an den Läden und Gebäuden prüfe ich darauf, ob ich es schon kenne oder nicht. Mir fällt auf, dass viele Türen das chinesische Schriftzeichen für „Oben“ tragen. Lange grübele ich darüber nach, ob es sich vielleicht um „obere“ Behörden handelt. Erst ganz allmählich fällt mir auf, dass das zweite Schriftzeichen dahinter immer das gleiche ist. Und endlich, endlich fällt bei mir der Groschen: oben = shang. Das zweite wird „hai“ ausgesprochen, also steht überall „Shanghai“. Ich komme mir ziemlich dumm vor.Shanghai NameShanghai bedeutet also: Aufs Meer hinaus

Ein interessanter Hinweis aus Wikipedia:
Die offiziellen Abkürzungen von Shanghai im Chinesischen sind  (滬 / 沪) und Shēn (申). Der Kurzname  – nach einem im 3. Jahrhundert verwendeten Fischereigerät (einer Art Kelle) – wird auch an Autokennzeichen verwendet.

Da das “Lesen” der Schriftzeichen in China eine ganz andere Region im Gehirn anspricht, ist es für uns, die wir ans eine alphabetische Schrift gewöhnt sind, schwierig, sich auf die bildhaften Zeichen einzustellen. Ich persönlich habe ungefähr 1000 chinesische Schriftzeichen lernen müssen, um einen Zugang zu finden.

Später habe ich in Peking Chinesisch an der Uni gelernt. Dabei lag mein Fokus immer auf den Schriftzeichen. Meine Zensuren im Sprechen waren relativ schlecht. Doch schreiben und vor allem lesen konnte ich bald recht gut. Zum Ende meiner Pekinger Zeit beherrschte ich ungefähr 5.000 chinesische Schriftzeichen, von denen ich heute schon viele wieder vergessen habe. Mit der Hand chinesisch schreiben kann ich nicht mehr. Aber die Textverabeitung hilft. Man kann Word problemlos auf “Chinesisch” umstellen. Das kann ich und kann so immer noch zumindest kurze Emails auf Chinesisch schreiben.

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