19. – 23.09.1991: Auf nach Ningbo!

Shanghai war auf der einen Seite wieder mal recht angenehm. Ich habe meine ersten Erfahrungen mit chinesischen Schriftzeichen gemacht und nette Mitreisende kennen gelernt. Aber andererseits fühlte ich mich die meiste Zeit so schlecht, dass ich schließlich sogar einen Arzt im Krankenhaus Nr. 1 aufsuchte. Mir wurde versichert, dass mir nichts schlimmes fehlte. (Siehe auch: Erdbeertage, mit Tante Rosa unterwegs) Aber die Abgeschlagenheit und Lustlosigkeit blieben noch für eine Weile. Hinzu kam, dass sich in Shanghai mit Regen und Sturm der Herbst bemerkbar machte.

Ein merkwürdiges Gefühl beschleicht mich in Shanghai. Drei Monate war ich weg, unterwegs in Japan und Südkorea. Doch war ich wirklich dort? Die Zwischenzeit scheint mit meiner Rückkehr nach Shanghai wie ausgelöscht.

Was mache ich also, wenn ich keine Lust mehr habe? Ich breche auf zu neuen Zielen!

Meine grobe Planung für die nächsten Wochen sah wie folgt aus: Ningbo – Huangshan – Jingdezhen – Changsha. Letzte Stadt lockte nicht mit großen Sehenswürdigkeiten, ist aber ein Drehkreuz und ein Punkt, wo ich über meine Weiterreise entscheiden würde. Nun also erstmal auf nach Ningbo! Mein Reiseführer von damals schreibt, dass die Stadt eine halbe Million Einwohner hat, eine Kleinstadt in China (heute sind es mehr als 1,6 Millionen!) Mich reizt es, dass Ningbo völlig abseits der Touristenpfade liegt und einige interessante Tempel ausweist.

In der Altstadt von Ningbo 1991

In der Altstadt von Ningbo 1991

Aus meinem Reisetagebuch:

Mit dem Schiff über Nacht nach Ningbo

Abends begebe ich mich mit meinem ganzen Gepäck zum Schiffsanleger, der mitten in Shanghai liegt. Auf der Fähre bekomme ich von einem sehr netten Steward mein Bett in einer Vierbettkabine zugewiesen. Nach und nach füllt sich der kleine Raum mit chinesischen Männern. Sie scheinen schon in guter Laune zu sein. Als erstes stellen sie eine Schnapsflasche auf den Tisch und fangen an zu rauchen. Bald sind zwei Männer mehr im Raum als Betten da sind. Einer nach dem anderen zieht sein Hemd aus. Als das Schiff ablegt, sitzen sie im Unterhemd da, trinken und essen laut schmatzend ihr mitgebrachtes Essen.

Ich frage mich, ob das die ganze Nacht so weiter gehen soll. Entschlossen gehe ich zu dem netten Steward und klage ihm auf Englisch mein Leid. Der arme Mann versteht kein Wort. Aber gleich ist ein junger Mann zur Stelle, der perfekt Englisch spricht. Leider ist auf dem ganzen Schiff kein Bett mehr frei. Liebenswürdigerweise geht der junge Mann mit mir auf meine Kabine und spricht mit meinen Mitreisenden. Einer von denen bietet mir tatsächlich an, das Bett mit mir zu tauschen. Und so komme ich zu einem Bett in einer Kabine mit zwei Frauen und einem der Männer, der aber die ganze Nacht bei seinen Freunden verbringt.

Jetzt habe ich es ruhig und gemütlich. Ich versuche mein Chinesisch an den Frauen auszuprobieren. Das klappt noch nicht ganz so gut. Doch dann kommt der junge Mann zurück. Er spricht sogar etwas Deutsch! Mit viel Spaß übt er mit mir meine chinesische Aussprache und ich lehre ihn ein wenig Deutsch.

Ningbo

Um zwanzig Minuten nach 6 Uhr kommen wir in Ningbo an. Ich habe ausgeschlafen und bin guter Dinge. Ich schlängele mich durch den Trubel, der am Schiffsanleger herrscht, zur Bushaltestelle. Eigentlich weiß ich gar nicht so genau, wo ich bin, aber meine 50 Worte Chinesisch geben mir den Mut, mich in dieser gar nicht touristischen Stadt zu bewegen. Ich frage nach dem „Ningbo-Hotel“ und steige in den richtigen Bus, der mich an der richtigen Stelle absetzt.

Das Ningbo-Hotel ist ein modernes mehrstöckiges Gebäude. Neben den glitzernden Glastüren prangt ein beeindruckendes Schild mit drei Sternen. Ich zögere: ob die in so einem „vornehmen“ Hotel ein billiges Zimmer haben? An der Rezeption frage ich die junge Dame auf Englisch nach einem Schlafsaal. Sie versteht mich zuerst nicht und ich denke schon ans umkehren, als sie mich mit einem sehr netten Lächeln fragt: „Economy-room?!“ Das hört sich gut an, das will ich haben! Ich bekomme ein Bett in einem Vierbettzimmer, das im Keller des Hotels liegt, kein Fenster hat, aber sehr sauber ist. Sogar ein Fernseher steht auf dem Nachtschrank, und mit ein wenig Glück werde ich das Zimmer für mich alleine haben. Denn es kommen anscheinend kaum westliche Rucksackreisende nach Ningbo. Im Restaurant erhalte ich zu meiner freudigen Überraschung ein gutes Western Breakfast.

Ningbo - im Park der BibliothekDann mache ich mich unternehmungslustig auf den Weg in die Stadt. Ningbo ist ein uralter Ort mit einer schönen Altstadt. Mittendrin liegt ein stiller Park mit einem Pavillon, in dem eine der ältesten Bibliotheken Chinas untergebracht ist. Der Garten und die Gebäude stammen überwiegend noch aus der Ming-Zeit (1368 – 1644). Um stille Teiche mit dunklem grünem Wasser stehen alte Bäume. Die Zikaden machen Lärm, aber sonst ist es ruhig. Es ist ein Ort der Meditation und des beschaulichen Spazierensgehens. Die alten Bücher bekomme ich nicht zu Gesicht. Aber mich interessieren sowieso mehr die Menschen, der Vater, der seinem kleinen Sohn die Bäume und die Skulpturen zeigt, die alten Männer, die auf den Bänken sitzen und Pfeife rauchen.

Von den Bäumen fallen die ersten Herbstblätter. Nachdem sich der Morgendunst gehoben hat, scheint die Sonne. Es wird richtig warm. Ich bin ganz begeistert von diesem chinesischen Garten, der alles bietet, was für einen Chinesen einen schönen Garten ausmacht: Steinlöwen, Teiche, Pavillons, Mondtore, Bonsai-Bäumchen, künstliche Berge, Bäche und hohe Brücken. Auf einem Felsen in der Mitte des großen Teichs liegt ein Bronzerind und schaut für immer auf einen Pavillon mit geschwungenem Dach. Ich setze mich auf eine Steinbank und schreibe in meinem Tagebuch. Alte Männer spazieren vorbei, halten inne und bestaunen meine Schreibkünste. Einer spricht mich sogar auf Deutsch an.

Ich fühle mich mitten in China und weit weg von den Problemen des Reisens, der Hektik der Großstädte und den oberflächlichen Gesprächen mit anderen Reisenden. Ich bin voller Spannung auf die kommenden Wochen und Monate und empfinde endlich wieder die Lust am Reisen. Dies hier ist ein Bilderbuch-China: die Luft, das Licht, die Geräusche, der Duft – mein China!

MondkuchenMondfest

Bald ist Mondfest, ein wichtiges Familienfest zum Vollmond im September. In dem Monat davor kann man überall Mondkuchen kaufen. Das sind runde Kuchen, die meistens mit einer Mischung aus Nüssen und getrockneten Früchten gefüllt sind. Sie sind unglaublich lecker. Doch dann stelle ich fest, dass manche auch mit Rotebohnenpaste gefüllt sind. Das sieht auf den ersten Blick wie Schokolade aus. Ich finde, das schmeckt absolut schrecklich! Außerdem kann sich unter Umständen auch ein hartgekochtes Ei in der Mitte des Mondkuchens befinden. Das ist auch nicht besonders lecker. Die Mondkuchen sehen von außen alle gleich aus. Ich merke, dass mir bessere Chinesisch-Kenntnisse hier helfen würden, denn dann könnte ich auf den Schildern lesen, welche Sorte Mondkuchen angeboten wird. Trotzdem esse ich den ganzen Tag lang diese schweren süßen Kuchen.

Langsam, genüsslich wandere ich weiter durch die schmalen Straßen der Altstadt. Mein deutscher Reiseführer beschreibt Ningbo nur unzureichend. In einem kleinen Laden kaufe ich mir als Ergänzung einen chinesischen Stadtplan. Ich habe schon so eine Idee, wie die Schriftzeichen für Tempel und Busbahnhof aussehen. Mal sehen, ob ich mit dem Stadtplan zurecht komme!

Mitten in der Altstadt liegt der Zhongshan-Park. Hier treffen sich die alten Leute auf ein Schwätzchen, singen chinesische Opernarien, spielen auf alten Instrumenten und lesen die ausgestellten Wandzeitungen. Manchmal zeichnet einer Schriftzeichen in den Sand. Viele scheinen beim Lesen ein Wörterbuch in der Hand zu halten. Ob sie auch nicht immer alle Schriftzeichen kennen? Ich wandere auf den kiesigen Wegen, halte an, um den Menschen zu lauschen, und freue mich an diesen typischen Szenen.

Baoguo Tempel

Wikipedia: Der Baoguo Si (Baoguo-Tempel oder Tempel zum Schutz des Staates, chinesisch 保国寺, Pinyin Bǎoguó Sì) ist ein buddhistischer Tempel im Stadtbezirk Jiangbei von Ningbo in der chinesischen Provinz Zhejiang. Seine Haupthalle aus dem Jahr 1013 der Song-Dynastie ist der älteste Holzbau Südchinas

Mittags suche und finde ich den Busbahnhof für den Bus zum Baoguo-Tempel, der etwas außerhalb von Ningbo liegt. Zusammen mit etlichen Chinesen, die mich neugierig und freundlich lächelnd anstarren, sitze ich in der schmucklosen Wartehalle, die nur ein paar hohe Fenster und einige schlichte Holzbänke bietet. Während ich so auf die Abfahrt des Busses warte, kann ich meinem Hobby frönen: Leute gucken!

Besonders fällt mir ein Vater auf, der seinen Baby-Sohn auf dem Arm trägt. Wie alle kleinen chinesischen Kinder trägt das Baby ein Höschen mit einem Schlitz. Das erspart die Windel. Gerade als der Busfahrer die Abfahrt bekannt gibt, fängt das Kind an, in der typischen Art zu quengeln und zu drücken. Der Vater, der gleich weiß, was los ist, aber keine Zeit dafür hat wegen des Busses, hält dem Baby einfach mit der Hand den Hintern zu, d.h. er kneift dem Kind geradezu die Pobacken zusammen, während er gleichzeitig versucht, es mit Späßen abzulenken. Bis sie im Bus sind, passiert tatsächlich nichts. Dann verliere ich sie aus den Augen.

Dann wird endlich auch die Abfahrt meines Busses angekündigt. Die Fahrt geht auf einer unbefestigten Straße durch das ländliche idyllische China: kleine Dörfer mit schönen alten Bauernhäusern, hin und wieder ein kleiner Tempel, weite Felder und Hühner mitten auf der Straße.

Baguo Tempel

Baguo Tempel

Für die paar Kilometer bis zum Baguo-Tempel braucht der Bus mit häufigen Stopps 45 Minuten. Dann hält er hinter einem Dorf vor einem alten Torbogen. Über endlose steile Stufen erreiche ich den Tempel, der mitten im Wald auf einem Hügel liegt. Immer wieder muss ich stehen bleiben und die vielen bunten Schmetterlinge bewundern, die um mich herum im Gebüsch flattern. Vögel zwitschern in der Sonne. Wenige Leute scheinen den Tempel zu besuchen, der jetzt ein Museum für Kunsthandwerk beherbergt. Eine Halle ist ungefähr tausend Jahre alt, wie eines der wenigen englischsprachigen Schilder verkündet. Ich freue mich, dass ich ein wenig im Wald spazieren gehen und die frische Luft, die leicht nach Kiefernnadeln duftet, atmen kann.

Als ich endlich zur Straße zurückkehre, verpasse ich nur um Sekunden meinen Bus. Macht nichts! Dann gehe ich eben noch eine wenig im Dorf spazieren, bis der nächste Bus kommt! Im Lehm der Straße scharren die Hühner. Vor einem Laden sitzen ein paar Männer im Schatten und spielen Domino. Ich schaue ihnen über die Schultern. Sie lassen sich nicht stören. Natürlich erweckt meine ungewohnte Erscheinung das Interesse der Frauen. Schnell stehen ca. 20 um mich herum und bestaunen meine Größe. Ich bin ganz stolz, dass ich ihnen nun schon sagen kann, dass ich aus Deutschland komme: „Deguo-Ren“

Endlich kommt der Bus. In der einsetzenden Dämmerung fahre ich nach Ningbo zurück. Wehmütig schaue ich auf die Dörfer. Auf einem Platz wird eine Bühne aufgebaut. Was mag es heute Abend dort zu sehen geben? Eine ländliche Oper? Ein Schauspiel? Eine Filmvorführung? Ich bin neugierig, traue mich aber andererseits nicht, auszusteigen und auf das Schauspiel zu warten und womöglich den letzten Bus nach Ningbo zu verpassen. China konfrontiert mich immer wieder mit meiner Unsicherheit und macht mir bewusst, dass ich manches wohl auch aus Bequemlichkeit nicht unternehme. Ich sehne mich schon wieder nach dem weichen Bett und der behaglichen Sicherheit meines Zimmers.

Altstadt

Altstadt

Krank, schlimm

Am nächsten Tag wandere ich durch die engen Altstadtgassen, in die kein Auto kommt, besichtige eine Pagode, finde einen Tempel, der in keinem Stadtplan eingezeichnet ist, und suche den anderen Busbahnhof, von dem aus ich noch zu einigen Tempeln in der Umgebung fahren will. Da erwischt mich plötzlich ein heftiges Bedürfnis nach einer Toilette: Durchfall! Ich scheine mich noch nicht ganz von meinen westlichen Vorstellungen gelöst zu haben, denn ich erwarte, dass es in dem Kaufhaus, an dem ich gerade vorbeikomme, eine Toilette gibt. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Ich kann mich kaum beherrschen, als ich bei meiner Frage nach dem nächsten Klo immer nur auf erstaunte Blicke und Kopfschütteln stoße.

Ich irre von Stockwerk zu Stockwerk, mir steht schon der kalte Schweiß auf der Stirn. Endlich hat eine junge Frau mit mir Erbarmen. Sie führt mich in ein dunkles Treppenhaus zu einer Tür. Ich schaue nicht rechts nicht links. Ich sehe nur, dass sich in dem Chaos dieser „Abstellkammer“ anscheinend eine Toilette westlichen Stils befindet und nutze sie. Danach gucke ich mich nur oberflächlich um: Gerümpel und Schmutz prägen den Eindruck von dieser „Sanitärstation“! Auf dieses Abenteuer hätte ich gern verzichtet! Vor allem ist mir jetzt richtig schlecht.

Mit weichen Knien gehe ich langsam zum Hotel zurück und beschließe, diesen Tag zum „Krankentag“ zu erklären. Ich kann diese Ruhepause, die ich mir verordnet habe, zum Briefe schreiben und Chinesisch lernen nutzen. Außerdem gibt es im Zimmer, das ich immer noch ganz für mich alleine habe, den bereits erwähnten Fernseher. Völlig hingerissen sehe ich mir „Denver-Clan“ chinesisch synchronisiert an. Dass Joan Collins so gut Chinesisch sprechen kann! Welchen Eindruck mögen die Chinesen von den USA und anderen westlichen Ländern gewinnen, wenn sie ihr erstes Bild davon aus solchen Serien schöpfen?! Kein Wunder, wenn sie denken, dass wir alle eine Villa und mehrere Autos haben!

Mein erster Weg am nächsten Morgen führt mich zum Bahnhof in der Nähe, wo ich mir ganz alleine, ohne fremde Hilfe und zum Chinesenpreis eine Zugfahrkarte nach Hangzhou für den nächsten Tag kaufe. Ich habe das Gefühl, dass es mir durch meine frisch erworbenen Chinesisch-Kenntnisse leichter fällt, die einzelnen Schriftzeichen zu unterscheiden. Ich bin ganz stolz auf mich. Natürlich bedeutet das noch lange nicht, dass ich jetzt wirklich Chinesisch lesen kann. Aber ein Anfang ist gemacht!

Der Tiantong-Tempel – Ahnenkult und große Kessel

Ashoka Tempel

Ashoka Tempel

Anschließend fahre ich zu den Tempeln, die ich eigentlich gestern besuchen wollte. Zuerst der Asoka-Tempel. Es ist Sonntag und die Chinesen nutzen den freien Tag für Ausflüge in die Umgebung. Der Tempel ist voller Menschen. Eine Gruppe junger Männer spricht mich auf Englisch an und fragt mich nach meinem Woher und Wohin. Als ich sie nach dem Weg zum ungefähr 10km entfernten Tiantong-Tempel frage, weisen sie mich in die falsche Richtung. Wahrscheinlich wissen sie gar nicht, wo der Tempel liegt. Ich folge also meinem Orientierungssinn – in die andere Richtung – und frage Leute, die mir begegnen, nach dem Weg. Deren Antwort stimmt mit meiner Vermutung überein. Ich gehe optimistisch weiter. Mir ist eigentlich nicht nach einer Wanderung von 10 km, aber ich habe Vertrauen in mein Glück. So kommt es dann auch wie erhofft: nach ein paar Minuten hält neben mir ein Bus, der mich über die Berge zum Tiantong-Tempel bringt.

Wikipedia: Tiantong Temple (Chinese: 天童寺; pinyin: Tiāntóngsì) is a Buddhist temple located in Taibai Mountain of Yinzhou District, Ningbo, Zhejiang, in the People’s Republic of China. The temple covers a total area of 76,400 square metres (822,000 sq ft), with more than 38,800 square metres (418,000 sq ft) of floor space. Tiantong Temple is listed as one of the “Five Chan Buddhism Temples”. Tiantong Temple is the cradle of Japanese Buddhism Sōtō

Die Fahrt geht durch kleine Dörfer, dichten Wald und an einer Pagode vorbei. Der Tempel kündigt sich durch mehrere hohe, geschwungene Holztore an. Dann erreichen wir schließlich den Eingang. Der Tiantong-Tempel ist ein bedeutender und sehr alter buddhistischer Tempel der Chan-Richtung. Es gibt einige Mönche, ein schönes vegetarisches Restaurant und viele Hallen mit Buddhastatuen, Räucherstäbchen und Kerzen. Alles ist erfüllt vom Klang der Gongs und Trommeln, die immer dann geschlagen werden, wenn jemand eine Spende entrichtet. Natürlich werfe auch ich einen kleinen Betrag in den Spendenkasten am Altar. Der sanftmütig blickende Mönch nickt zustimmend und schlägt den Gong. Ich stehe andächtig da und wünsche mir für meine Weiterreise Glück und Gesundheit.

Die riesigen Kochkessel im Tiantong Tempel

Die riesigen Kochkessel im Tiantong Tempel

In der alten Klosterküche bestaune ich die unglaublich großen Kessel, in denen früher das Essen für die vielen hundert Mönche, die einst hier gelebt haben, gekocht wurde. In einer der Hallen stapeln sich Papiermodelle, die die Mönche für die Ahnenverehrung anfertigen. Pferde, Laternen, Truhen, sogar Fernseher und Autos aus Papier werden verbrannt und so dem Toten mit auf seine Reise ins Jenseits gegeben.

Als ich endlich „zuhause“ bin, falle ich müde auf mein Bett und schlafe ein, ohne mich ausgezogen zu haben.

 

Zum Anfang meiner Großen Reise: 06.04.1991 Es geht los!

Zur vorangegangenen Etappe: 10. – 12.09.1991 Shanghai: Bedbugs und Japaner

Zur nächsten Etappe: 25.09. – 28.09.1991 Hangzhou – Jingdezhen: Busfahrten

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