Die Gretchen-Frage: Pauschal oder Individuell?

Max von der strandgazette hat zu einer interessanten Blogparade aufgerufen. Er schreibt: „Bei der Auswahl des richtigen Urlaubsziels gibt es unzählige Geschmäcker und Meinungen. Die wichtigste Frage, die man sich zu stellen hat, bevor es losgeht, ist die Frage, ob man lieber einen Pauschalurlaub bucht oder ob man sich die Reise lieber selber zusammenstellt.“

Einen ersten Beitrag dazu hat Oliver Zwahlen vom Weltreiseforum geschrieben: „Wieso der Respekt bei den Mitreisenden beginnen sollte“. Er ruft zu mehr Toleranz unter den verschiedenen Reisenden auf und bringt das Wort „Backpacker-Bashing“ ins Gespräch.

Da darf ein Beitrag von mir nicht fehlen! 😉

Ulrike und die weite Welt

Ich reise heute am liebsten als Backpackerin und bereite mit großer Begeisterung gerade eine dreiwöchige Individualreise nach China vor. Meine Leidenschaft für das individuelle Reisen mit dem Rucksack hat sich allmählich entwickelt. Siehe „Alleine, mit dem Rucksack“.

Ferienhaus in Finnland 1964

Ferienhaus in Finnland 1964

Meine Reiseleidenschaft wurde schon früh geweckt. Meine Eltern schleppten uns Kinder schon in den 1960er Jahren nach Dänemark und in den finnischen Urwald. Nach ersten Erfahrungen mit drei lebhaften Kindern in einem dänischen Hotel war die Lösung gefunden: Urlaub im Ferienhaus! Das bedeutete damals wohnen in einer einfachen Hütte, häufig ohne fließend Wasser, ohne Heizung und immer mit einem Plumsklo. An solchen Luxus, wie ihn die heutigen dänischen Ferienhäuser bieten (Spülmaschine, Waschmaschine und Whirlpool) war gar nicht zu denken. Nur die finnischen Ferienhäuser hatten nicht nur einen See zum Baden vor der Tür, nein, auch eine Sauna gehörte obligatorisch dazu.

Später machte ich dann eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau in einem großen traditionellen Vollreisebüro. Da kam es dann beim Verkauf nicht auf meine eigenen Vorlieben an, sondern es war Toleranz gefordert, wenn jemand zum Feiern an den Ballermann auf Malle wollte. Und natürlich musste ich mir das auch mal angucken auf einer Info-Reise zusammen mit Kollegen. Da kamen mir das erste Mal Zweifel an den Motiven meiner Kollegen. Warum arbeiteten sie im Reisebüro, wenn sie sich nicht auch für die Kultur und das Leben vor Ort interessierten? Jedenfalls wurden nur Hotels und Strände besichtigt. Und am liebsten Schnitzel in einem der deutschen Restaurants gegessen. DAS war nicht mein Ding!

Mit der Zeit habe ich aber begriffen, dass manche Menschen einfach mal raus müssen, ihr gewohntes Umfeld verlassen, um ihre Alltagssorgen für eine kurze Zeit zu vergessen. Das ist unter anderem das Prinzip einer Kur. Wenn man dafür seinen Urlaub nimmt, möchte man auch Sonne, Wärme, ein bisschen Exotik – aber nicht zu viel. Da freut man sich, wenn man auch in der Ferne altbekanntes vorfindet und sich nicht auf Experimente mit fremdartigen Genüssen einlassen muss. Ist so, hat seine Berechtigung, sollen die Leute machen. Ist eben nicht meins.

Griechenland

Griechenland

Ein weiterer wichtiger Schritt auf meiner Selbstfindungstour war ein Urlaub in meinem damaligen Traumland Griechenland. Athen musste ich gesehen haben! Antike Ruinen, Museen, abends ein leckerer Wein in der Altstadt. Ich reiste mit einer Freundin, individuell. Wir wohnten teils bei Freunden, teils in einer einfachen Pension. Irgendwann waren wir des Pflastertretens müde und sind auf eine kleine Insel gefahren. Vier Tage Strandurlaub, dachten wir. Am ersten Tag begaben wir uns, jede bewaffnet mit einem spannenden Krimi, an den Strand, lagen in der Sonne, schwammen im Meer und lasen. Meinen Krimi hatte ich bald ausgelesen. Schon fing ich an, mich zu langweilen. Als meine Freundin fertig mit ihrem Buch war, machten wir uns daran, die Insel zu erkunden. Meine Erkenntnis daraus: Reiner Badeurlaub ist nichts für mich! Aber andere können das und genießen es, stundenlang in der Sonne zu liegen, dem süßen Nichtstun zu frönen. Meine Schwester zum Beispiel. Sie ist gerade von drei Wochen Strandurlaub in Dubai zurück gekommen und ist ganz begeistert. Wie können Schwestern so unterschiedlich sein?

Als Reiseverkehrkauffrau hatte ich den Überblick über alle möglichen Reiseformen. Damals probierte ich einiges aus. Ich reiste mal individuell, mal organisiert. Ich buchte eine Wanderstudienreise mit Studiosus nach Griechenland. Das war richtig klasse! Ich kam so in Gegenden, in die ich sonst nie alleine gekommen wäre, sah versteckt gelegene Kirchen und entdeckte wilde Alpenveilchen. Immer dabei: ein kompetenter Reiseleiter.

Auf sogenannten Info-Reisen für Reisebüroleute lernte ich Länder kennen, die ich vielleicht sonst nicht besucht hätte: Tunesien, die Bahamas. Immer organisiert und in der Gruppe. Das war schön. Ich lernte viele Menschen kennen. Dabei wohnte ich oft in richtigen Luxus-Hotels. Sehr angenehm, komfortabel, sauber und gutes Essen. Siehe auch: Komfortabel, mit der Gruppe. Hat was – und wer weiß, was geworden wäre, wenn ich mehr Geld gehabt hätte? Oder wenn ich nicht auf meine Große Reise gegangen wäre?

In den letzten Jahren habe ich weitere Erfahrungen mit organisierten Reisen gemacht. Ich habe einige Gruppenreisen durch China begleitet, war auf Einladung auf einer Yangtze-Kreuzfahrt oder in Hongkong und Hainan. Bequem. Könnte ich mich dran gewöhnen.

Strandurlaub in Side, Türkei

Strandurlaub in Side, Türkei

Ja, ich habe in einem Jahr, als es mir nicht so gut ging, einen Urlaub in einem All-Inclusive-Hotel in der Türkei gemacht. Ich dachte, ich könne mich mal am Strand erholen. Hach, das ging immer nur für maximal eine Stunde am Tag! Ich war ständig unterwegs, wanderte, besichtigte Tempel und Museen. Und wunderte mich über die Leute, die sich kaum aus dem Hotel wagten. Manche Menschen können das einfach nicht. Sie fühlen sich unsicher bei so viel Fremdheit vor der Tür. Wahrscheinlich unternehmen sie zuhause in Deutschland auch nicht gerade viel. Aber ok, so ist es, so soll es sein. Ist nicht meins. Trotzdem: ich habe dort nette Leute kennen gelernt, die sich mir manchmal bei meinen Ausflügen anschlossen.

Auch gezeltet habe ich schon. Längere Fahrradtouren gemacht. Wanderungen in Deutschland, in Irland oder in China. Alles ist möglich. Nur Zelten möchte ich mit zunehmenden Alter nicht mehr so gerne. Auto fahren kann ich nicht, also kommt eine Mietwagenreise nicht für mich in Frage.

Jetzt bereite ich also meine nächste Reise nach China vor. Ganz so unorganisiert, wie ich das gerne möchte, geht es leider nicht. Für das Visum brauche ich bestätigte Hotelbuchungen, am besten auch schon die Zugtickets. Also beschäftige ich mich viel mehr mit meiner Route und den Unterkünften, als ich es eigentlich machen würde. Wie schön, dass man die wunderbarerweise von Zuhause aus buchen kann! Also entfallen die endlosen Wanderungen von Hostel zu Hostel, die mich früher Stunden gekostet haben. Meine erste Unterkunft habe ich schon gebucht. Und jetzt überlege ich, ob ich mir für meine letzten zwei Nächte ein absolutes Luxus-Hotel in Xiamen reservieren soll. Für Shanghai habe ich die Wahl zwischen Hostel oder Komfort-Hotel. Oder Privatzimmer. Mal sehen! Noch habe ich drei Monate Zeit.

Fazit: Jeder muss seinen eigenen Weg gehen. Für den einen ist ein Pauschalurlaub oder eine Studienreise das Beste, der andere möchte lieber individuell unterwegs sein. Ich habe noch nie „Nein“ gesagt, wenn ich eingeladen wurde, zusammen mit anderen auf einer organisierten Rundreise ein Land zu erleben. Manchmal habe ich dies zum Anlass genommen, später das Land auf eigene Faust zu erkunden.

Ob ich pauschal oder individuell unterwegs war: Ich habe mich noch nie als der „bessere Tourist“ gefühlt. Und Touristen sind wir immer, wenn wir reisen, egal ob als Backpacker oder Pauschaltouri.

Gerade hat Christina von travelworldgoosmann, dem Reisebüro meines Vertrauens, eine sehr ausführliche Antwort auf diese Frage gegeben. Ganz aus der Sicht eines Reiseprofis: Pauschal oder individuell?

13 Kommentare

  • Hallo Ulrike, ich bin erst heute auf deinen Beitrag aufmerksam gemacht wurden. Vielen dank für deine wunderbaren Zeilen.

    Was heißt eigentlich Individuell? Wird Individuellreise immer mit “selbst gestaltet” gleich gesetzt oder darf man sich dabei auch Hilfe suchen?

    Ich handhabe das bei meinen Reisen seit Jahren so, dass ich individuell mit meinen Kunden gemeinsam die Reise plane. Ich unterstütze also bei der Individualität.

    Ich als Reiseveranstalter reise sicherlich anders (habe ich hier einmal zusammen geschrieben: http://www.madiba.de/blog/blogparade-reise-typen-deine-reise-ist-nicht-meine-reise/), bin allerdings an den Meinungen der Reisenden, in dem Fall also von dir, sehr interessiert.

    Heißt individuell selbst geplant oder darf man sich Hilfe holen 🙂

    Freue mich über deine Antwort!

    LG Daniel

    • Ulrike

      Hallo Daniel,

      auch ich komme aus dem Tourismus, bin gelernte Reiseverkehrskauffrau und arbeite jetzt bei einem China-Reiseveranstalter. Auch ein Individualtourist darf sich Hilfe holen. So gibt es gerade bei uns im China-Geschäft eine große Nachfrage nach organisierten Individualreisen, da sich viele in China, dessen Sprache und Schrift sie nicht verstehen, unsicher fühlen und gerne jemanden haben (einen Reiseleiter), der ihnen zur Seite steht. Ich selbst habe leider nicht die Möglichkeit, kontinuierlich entwickelte Routen und Reisen zu testen. Aber ich glaube, das ist auch gar nicht nötig in China. Denn wir haben vor Ort eine gute Agentur. Persönlich lasse mich auch ungern in eine Schublade stecken. Ich bin oft als Backpacker durch die Lande gezogen. Aber eine organisierte Reise durch China finde ich auch toll…
      Happy Travels
      Ulrike

      • Lieben Dank für deine weiteren Zeilen.

        Die Begründung mit der Sprache kann ich komplett nachvollziehen! An diese “einfache” Begründung hatte ich noch gar nicht gedacht. 🙂 Wie war das mit dem Bambus im Bambuswald 😛

        LG Daniel

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  • Sabine Depew

    Super interessanter Artikel! Die Erfahrungen mit den Ferienhäusern in den 60ern, klasse! Wir haben in den 70ern Wohnmobile gemietet. War so ähnlich. Ich kenne beides und finde individuell auch grundsätzlich besser außer ich brauche so eine Art Kururlaub mit Verwöhnprogramm. LG Sabine

    • bambooblog

      Danke für deinen Kommentar! Ich tu mich schwer mit dem “besser”. Jeder muss da seinen Weg finden, der für ihn richtig ist. Wohnmobil-Urlaub hab ich auch schon gemacht. Ist auch toll. Hätte ich letztes Jahr beinahe gemacht. Aber keine Zeit wegen Arbeit. LG Ulrike

  • Ich bin auch eine Freundin von Individualreisen. Das einzige Mal, wo ich meine längeren Aufenthalte in fremden Ländern so “richtig” mit Unterkunft und allem Drum und Dran gebucht hatte, war auf Oahu, und als ich das allererstemal auf Kreta gewesen bin. Ansonsten bestelle ich lediglich die Anreise und einen Mietwagen vor, und lasse mich dann von Ort zu Ort treiben. 😉 Tage- oder gar wochenlang am Strand faulenzen, ohne sich um das Land und die Menschen ringsum zu interessieren, ist ganz und gar nicht mein Ding, ich muss mich unter’s Volk mischen, und das größte Kompliment für mich ist, wenn man mich für eine Einheimische hält, wie mir das auf Kreta und in den USA schon etliche Male widerfahren ist. 😉
    Liebe Grüße!

  • Ich persönlich ziehe das individuelle Reisen vor. Man hat damit zwar mehr Organisationsstress und meist klappt nicht alles so wie vorgestellt, aber ich finde Reisen sollte mehr sein als Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Ich möchte immer auch gerne mit der Kultur in Kontakt kommen und ich denke die wirklichen Abenteuer ergeben sich meist unerwartet und ungeplant 😉

    • bambooblog

      Es hat alles seine guten Seiten, auch die organisierte Gruppenreise. Und so muss jeder seinen eigenen Weg finden. Was sind die “wirklichen” Abenteuer? Auch da hat jeder seine eigenen Vorstellungen.
      LG
      Ulrike

  • “Jeder muss seinen eigenen Weg gehen” Da stimme ich dir voll zu und ich hab mir, bedingt durch deinen Blog und meine gerade abgeschlossene Fahrt nach Schleswig-Holstein, schon Gedanken über mein Reiseverhalten gemacht: Also eine so detaillierte Planung wie die deinige für China kann ich für meine Reisen nicht nachvollziehen, ich informiere mich vorher (Internet und Reiseführer) über mögliche Sehenswürdigkeiten, notiere mir dann auch ein paar “must-be-Ziele”, liebe es aber dann irgendwo anzukommen und dort zu sehen (u.U. auch nach Kommunikation mit “Eingeborenen”) was ich nun mache.
    Und manchmal findet etwas dann etwas erstmal später statt: siehe meinen Blog (cubusregio.com) der letzten Fahrt, Stichworte “Externsteine” und “Willkomm Höft”, beides war anders (in andrer Reihenfolge) geplant, wurde dann aber doch besucht.
    Zurück zur Gretchenfrage: “Individuell” !!! bin noch nie anders gereist 🙂

    • bambooblog

      Lieber Peter! Danke für deinen ausführlichen Kommentar! Wart mal ab, wie das mit meiner Planung weiter geht! Ich hab jetzt schon mindestens 5 Mal die Route geändert. 😉 Und wie dann die Reise im Endeffekt aussehen wird, kann ich erst sagen, wenn ich dort bin. Spielraum für die Empfehlungen der Einheimischen lasse ich mir immer. LG Ulrike

  • Pingback: Pauschaltourist oder individuell in den Urlaub? (Blogparade) | Die Strandgazette

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