5 spezielle Erlebnisse einer China-Gruppenreise

Es gibt kleine und große Erlebnisse auf einer organisierten Rundreise, die man als Rucksackreisender unterwegs mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht haben kann. Für die es auch kaum eine Möglichkeit gibt, wenn man sich individuell mit Auto oder Fahrrad auf den Weg macht. Dafür macht man als Individualreisender andere Erfahrungen. Doch wer vermag zu sagen, welche besser oder schlechter sind, spannender oder interessanter? Das Reisen mit der Gruppe ist anders. Es bietet viele Vorteile. (Siehe auch „Komfortabel, mit der Gruppe“).

Hier einige Erlebnisse, die ich als Alleinreisende aller Wahrscheinlichkeit nicht gehabt hätte:

1. Überland von Aksu nach Kashgar
Wie ich schon beschrieben habe, hatte ich bereits 1992 die Gelegenheit, durch den wilden Westen Chinas, die Provinz Xinjiang. als Backpacker zu reisen. 2007 konnte ich eine organisierte Reise entlang der Seidenstraße begleiten. Wir waren eine Gruppe von 15 Teilnehmern, ich und der chinesische Reiseleiter. Es war eine Reise voller einmaliger Highlights. Ein besonderer Höhepunkt war die Fahrt durch die Ausläufer des Tianshan-Gebirges immer parallel zur Grenze nach Kirgistan. Diese Strecke war erst 2005 oder 2006 für Ausländer geöffnet worden. Auch wir hatten eigentlich nur eine Durchfahrtgenehmigung. Das trieb unserem Reiseleiter ständig den Schweiß auf die Stirn, wenn wir in einem kleinen Ort anhalten wollten und den Markt fotografieren. Doch wir fuhren durch ein Gebiet, das sehr, sehr ursprünglich war. Kleine Dörfer, alte Moscheen, bunte Märkte, leere Straßen. Und im Hintergrund immer die schneebedeckten Gipfel der Berge. Als wir höher in die Berge kamen, tanzten schmale Sandteufel im Wind, die Berghänge waren braun und kahl. Dort, wo es ein wenig Grün gab, sahen wir unzählige Murmeltiere. Es war eine Landschaft, so leer, soo ursprünglich, wie man sie in China kaum vermutet. Ein tolles Erlebnis, für Individualreisende nicht erlaubt. Siehe auch: Die Weite des Karakorums im Blick und die Tränen im Gesicht

2. Fotostopps
Wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, kann man nicht einfach rufen: „Anhalten! Ich möchte fotografieren!“ Das geht nur bei einer organisierten Reise, wenn einem der Bus oder der PKW zur Verfügung steht. Das habe ich auf meinen organisierten Reisen in China immer sehr genossen.

3. Essen am großen runden Tisch
Essen spielt in China eine wichtige Rolle. Von besonderer Bedeutung ist das Essen in großer Runde. Je größer die Gesellschaft desto mehr verschiedene Gerichte kann man bestellen und auch alle ausprobieren. Wie schön, wenn man dann auch noch einen Reiseleiter dabei hat, der Empfehlungen ausspricht, Rezepte erklärt und exotische Gemüse bei ihrem deutschen Namen nennen kann. Und der die chinesische Speisekarte lesen kann! Ja, manchmal findet man auch genug Mitesser, wenn man alleine reist. Doch je weiter man sich von den ausgetretenen Touristenpfaden entfernt, desto einsamer ist man vor allem beim Essen. Siehe auch: Chinesisch essen – wie läuft das ab?

4. Massage in Kunming
Eine Massage ist eine tolle Sache! Egal ob Füsse, Rücken, Nacken oder Kopf – ich liebe es, massiert zu werden! Doch in China, und ich denke auch anderswo, ist es schwierig, ein seriöses Unternehmen zu finden. Allzu oft wird man in dubiose Etablissements geführt, wo es dann letztlich um Sex geht. Das Problem habe ich als Frau zwar nicht so oft, aber ich habe immer Bedenken, ob das Massage-Institut wirklich vertrauenswürdig ist. Da war es ein ganz besonderer Hochgenuss, gemeinsam mit der Gruppe 2011 in Kunming ein Massage-Unternehmen aufzusuchen! Und der Spaß, den wir in der Gruppe hatten, war kaum zu überbieten!

5. Rotwein auf der Großen Mauer
Der China-Reiseveranstalter, bei dem ich lange gearbeitet habe, hatte die Idee, den Besuch der Großen Mauer auf den Abend zu verlegen. Dann ist die Mauer tatsächlich fast ohne Besucher. Man kann die Sonne über den Bergen im Westen untergehen sehen. Obwohl wir an der touristischsten Stelle, nämlich in Badaling waren, hatten wir die Große Mauer fast für uns alleine. Und der Reiseleiter kredenzte zur Feier des Tages Rotwein. Das war ein ganz besonderer Moment. Dabei muss auch darauf hingewiesen werden, dass man um die späte Uhrzeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr zurück nach Peking kommt. Auch das kleine Geschäft, in dem wir uns bei einem heißen Tee aufwärmen konnten und noch Souvenirs kaufen, wäre normalerweise geschlossen gewesen. Unser Reiseleiter bzw. die Agentur in Peking hatte eben gute Verbindungen!

Das sind nur einige Erlebnisse, die ich alleine nicht gehabt hätte. Hinzu kommen die vielen Anekdoten, die ein guter Reiseleiter erzählen kann, die Hinweise auf kleine Sehenswürdigkeiten am Rande, die man sonst beinahe übersehen hätte, der Besuch bei einer Familie in den Hutongs. Der einfache unbeschwerliche Weg zu Orten abseits der Touristenpfade. Sowas steht heutzutage immer auf dem Programm guter Reiseveranstalter.

Eine China-Gruppenreise bietet also auch einiges, was man als Individualreisender nicht erleben würde. Eine Gruppenreise ist eben anders. Eine Gruppenreise ist nicht besser oder schlechter als eine Individualreise. Ein Gruppentouri ist nicht besser oder schlechter als ein Backpacker! Er ist anders.

Mehr:
Blogparade: Die Gretchenfrage: Pauschal oder Individuell?

6 Kommentare

  • Die Chinesische Mauer wollen wir uns auf jeden Fall anschauen. Und noch so einiges mehr. Da wir unser Leben aber anders gewichtet haben, muss die Asienreise noch warten. Gut, Japan ist auch Asien. Aber das ist bekanntlich Heimat für mich 😉 Bis dahin lese ich dann gern bei dir mit und lerne, was du über China zu sagen hast.

    • bambooblog

      Ich bin schon gespannt auf Deine Berichte aus China. Bis dahin fasse ich mich in Geduld und erfreue mich an Deinen immer so interessanten Artikeln.

  • Ich sehe es ähnlich: Jedes Ding hat seine zwei Seiten! Die Idee, besonders populäre Sehenswürdigkeiten am Abend (oder eben ganz früh am Morgen) zu besuchen, bewährt sich eigentlich auch überall auf der Welt. So habe ich auch schon manchen Ort genossen, bei dem andere müde abwinkten mit dem Argument: “Viel zu überlaufen!” : )

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