Das Maoling-Mausoleum bei Xi’an

Xi’an abseits der Touristenpfade: Das Grab des Kaiser Wudi, genannt Maoling-Mausoleum

Winter ist mit all seiner Wucht plötzlich über Xi’an hereingebrochen. Anfang November eigentlich eher ungewöhnlich. Doch heute schneit es. In dicken Flocken segelt der Schnee auf den nicht gefrorenen Boden. Es bilden sich sofort tiefe Pfützen. Die Bäume unterhalb der Stadtmauer scheinen schwer an den dicken weißen Polstern zu tragen. Und für diesen Tag hatte ich eine organisierte Tour gebucht. Diese Tour wird auch die „West-Tour“ genannt. Eigentlich will ich ja „nur“ zum Famen-Tempel. Der ist der letzte Punkt der Tour. Vorher werden das Maoling-Mausoleum, das mehr als zweitausend Jahre alte Grab des Kaisers Wudi, das Grab des Prinzen Yide und der Seelenweg zum Grab der beeindruckenden Kaiserin Wu Zetian besucht. (Zum Grab des Prinzen Yide und dem Grab von Wu Zetian werde ich später noch eigene Artikel schreiben)

Maoling

Maoling-Mausoleum

Der Kleinbus, der mich vom Hostel abholt, ist leider nicht beheizt. Aber er ist voll besetzt mit chinesischen Touristen, so dass sich die Luft ein wenig erwärmt. Eine nette Reiseführerin erzählt während der Fahrt viel – auf Chinesisch. Es liegt nicht nur an der Akustik, dass ich nicht allzu viel verstehe. Mein Chinesisch ist wohl nicht so gut, wie ich immer glaube. Ein wenig frustriert schaue ich auf die Obstplantagen, durch die wir fahren. Die Schneeflocken bilden einen weißen Schleier. Es ist nicht viel zu sehen.

Xi’an war einst die Hauptstadt des geeinten chinesischen Reichs der Mitte. Unter dem Namen Chang’an erlebte Xi’an in rund 1120 Jahren viele Höhen und Tiefen, vor allem aber auch die Tang-Dynastie (618 – 907), die als das Goldene Zeitalter Chinas gilt. Von der Zeit der Reichseinigung unter dem Kaiser von China, Qin Shihuang (221 – 209 v. Chr.) an haben sich zahlreiche Kaiser rund um Xi’an ihre Grabstätten gebaut. Das berühmteste ist das Grab von Qin Shihuang, berühmt vor allem wegen der Terrakotta-Armee. Noch sind bei weitem nicht alle Ton-Figuren ausgegraben und erforscht. Doch, was man bereits gefunden hat, fasziniert und beeindruckt.

Das Grab des Kaisers Wudi (156 – 87 v. Chr.), der einer der bedeutendsten Herrscher der Han-Dynastie war, wird allgemein Maoling-Mausoleum (茂 陵 mao = üppig, ling = Mausoleum) genannt. Es liegt ungefähr 40 Kilometer von Xi’an entfernt, mitten im gelben Lössgebiet, umgeben nicht nur von Apfelplantagen sondern auch von zahlreichen Gräbern seiner Frauen, Familienangehörigen und Minister. Es heißt, dass Kaiser Wudi genauso bedeutend war wie Qin Shihuang. Wudi führte zahlreiche Kriege, vor allem im äußersten Westen (Stichwort „Seidenstraße“) und im Norden gegen die mongolischen Nomadenvölker. Der Bau des Mausoleums dauerte rund 50 Jahre und verschlang ein Vermögen. Alte Berichte erzählen von Geld und Gold, das dem Kaiser mitgegeben wurde, und die Grabkammer so füllte, dass schließlich nichts mehr reinpasste.

Als wir endlich vor dem imposanten Grabhügel halten, hat es aufgehört zu schneien. In das Grab selbst kommen wir nicht hinein. Aber wir können auf den Hügel hinaufsteigen. Ich laufe einfach hinterher, ohne daran zu denken, dass man heute keinen besonders guten Blick auf die Umgebung hat. Der Aufstieg ist auch gar nicht so einfach, da die Stufen dick mit Schnee bedeckt sind, der an manchen Stellen zu Eis fest getreten wurde. Mühsam erklimme ich den Gipfel und stelle gleich fest, dass das eigentlich ein Fehler war, denn ich muss ja auch wieder hinunter! Es gibt kein Geländer, nichts, an dem ich mich abstützen könnte. Den großen Stein, dessen Berührung langes Leben verheisst, lasse ich links liegen. Obwohl, beim nächsten Ausgleiten denke ich, hätte ich doch den Stein berührt! Wer weiß, ob ich überhaupt wieder heil unten ankomme! Doch dann bin ich glücklich wieder unten.

In dem Bereich des Maoling-Mausoleum gibt es einige große Steintiere zu bewundern. Dann sind da noch die Hallen, in denen Funde aus dem Grab ausgestellt sind. Die hauen mich einfach um! Die Ausstellung dieser wertvollen Artefakte wirkt wie vor 20, 30 Jahren: Schlecht beleuchtet, einfachste Glasvitrinen mit ungeputzten Scheiben, keine englischen Erklärungen. Aber da stehen ein fantastisches Bronze-Nashorn, ein vergoldetes Pferd und viele andere großartige Objekte.

Ich verliebe mich sofort in dieses unglaublich schöne Nashorn. Kunstvoll ist die Haut gestaltet. Die Einzelheiten sind natürlich und lebendig. Das Nashorn trägt einen kleinen Sattel. Es ist einfach toll! Überall Schilder, die das Fotografieren verbieten. Doch da der Wächter gelangweilt in der Tür steht, nichts zu sehen scheint und alle chinesischen Touristen alles fotografieren, was sich ihren Kameras bietet, vergesse ich meine Hemmungen, in einem Museum zu fotografieren und halte drauf. Kälte und Nässe sind für einen Moment vergessen.

Zu meinem Entzücken gibt es ein Restaurant und wir haben genug Zeit, eine heiße Mahlzeit zu essen. Ich bestelle Tomaten mit Ei und bekomme einen großen Topf heiße Suppe vorgesetzt. Diese kräftige Suppe wirkt unglaublich aufmunternd und stärkend. Ich fühle mich der Kälte und dem langsam wieder einsetzenden Schneetreiben erneut gewachsen. Weiter geht’s!

Info (Oktober 2014)
Eintrittspreis
: März bis November: 80 Yuan RMB; Dezember bis Februar: 60 Yuan RMB
Öffnungszeiten: März bis November: 7:00 bis 19:00 Uhr; Dezember bis Februar: 8:00 bis 18:00 Uhr

Anfahrt: Es fährt kein direkter Bus zum Maoling-Mausoleum. Man kann mit dem Bus nach Xianyang fahren und von dort ein Taxi nehmen.

In der Hochsaison gibt es die Westtour auch in Englisch. Ich empfehle diese Tour, die in den Hotels und Hostels angeboten wird, weil man auf diese Weise eine Menge zu sehen bekommt und nicht dies Theater mit den verschiedensten Bussen und Taxis hat.

Eine ausführliche Beschreibung des Kaisers und des Maoling-Grabes gibt es auf china.org.cn

11 Kommentare

  • Pingback: Der ultimative Tipp für Deine erste China-Reise

  • Du schreibst: “mao = üppig” Was heißt das beim “Großen Vorsitzenden” Mao Zedong (bzw. mao tse tung)?

  • Die Atmosphäre mit dem Schnee hast du schön beschrieben. So langsam glaube ich, dass es sich doch mal lohnen würde, auch im Winter in China zu reisen …

    Jetzt wollte ich dich gerade fragen, was es mit dem Nashorn auf sich hat. Aber mein Mann hat es zufällig gesehen und mir einen langen Vortrag gehalten 😉

    • bambooblog

      Jetzt würde ich doch auch gerne mehr über das Nashorn erfahren! 😉 Irgendwie ist es schon eigenartig, so ein Tier in einem uralten Grab zu finden…

      • Mein erster Gedanke war auch: hä, wie, Nashorn in China?

        Mein Mann meint, die Chinesen haben früher Nashörner (wahrscheinlich Sumatra-Nashörner, die ja mal ganz Südostasien bevlkerten) als Reittiere in der Armee gehabt. Und die Figuren waren dann die Grabbeigaben. Soll angeblich ganz normal sein.

        Wie gesagt, sind das die ungeprüften Aussagen von meinem Mann. Aber in chinesischer Geschichte kennt er sich normalerweise echt gut aus 😀

        Sind dir in anderen Gräbern auch schon mal Nashörner aufgefallen?

      • bambooblog

        Ne, kann mich nicht erinnern. Aber das mit dem “Reittier” macht ja Sinn, den das Nashorn hier hat einen Sattel. Ich werde mal Mr Google bemühen 😉

      • bambooblog

        Gib mal “Rhinoceros Han-Dynasty” bei google ein und schau mal unter Bilder. Da gibt es noch mehr! Dass das Rhino vom Maoling als Weinbehälter gedient hat, mag ichnicht glauben, das Vieh ist groß und schwer.

      • Dass das hier ein Weinbehälter sein soll, kann ich auch schwer glauben. Aber wenn man genau hinsieht, erkennt man am Sattel ein Scharnier! (auf manchen Google-Bilder kann man es besser sehen)

        Das mit den Reittieren im Krieg soll mir mein Mann am besten mal mit einer Quelle belegen 😀

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