Der jüdische Friedhof Wandsbek

Hamburg abseits der Touristenpfade

Gestern war ich bei schönstem Wetter in Wandsbek. Endlich wollte ich mal Fotos von dem Jüdischen Friedhof machen, der ganz in der Nähe meiner alten Arbeitsstelle liegt. Der so geheimnisvoll wirkt mit seinen alten Grabsteinen unter alten Bäumen. Manchmal scheint es, als komme kein Licht durch. Jeder Sonnenstrahl, der auf die alten Grabsteine fällt, wirkt wie ein kleines Geschenk. Ein hoher Gitterzaun schützt und trennt. Man kann nur von außen hineinschauen. Vielleicht spüre ich gerade deshalb die unberührte Ruhe des kleinen Gräberfeldes.

Jüdischer Friedhof an der Königsreihe in Wandsbek

Jüdischer Friedhof an der Königsreihe in Wandsbek

Zwischen 1675 und 1881 wurden hier rund 1200 Gräber angelegt. Heute sollen noch 500 Grabsteine (Andere Quellen sprechen sogar von 850 noch erhaltenen Grabsteinen) erhalten sein. Das sollen hier wirklich noch 500 Grabsteine sein? Ich habe da so meine Zweifel.

Wandsbek 3Um 1884 wurde die Schließung des kleinen Friedhofes wegen fast vollständiger Belegung verfügt. Trotzdem fanden noch bis 1909 hier Beerdigungen statt. Während der Nazizeit erlitt auch dieser Friedhof einige Schändungen. Auch der Krieg und die karge Nachkriegszeit haben ihm zugesetzt. Bomben, Holzdiebstahl. Wie ein Wunder erscheint es mir, dass er immer noch existiert. Seit 1960 steht der Friedhof unter Denkmalschutz.

Der jüdische Friedhof liegt an der Königsreihe in Wandsbek. Mit ein paar Schritten kommt man von hier zur Wandse, die als schmales Flüsslein sich durch den Ort in Richtung Alster windet. Auch ein schöner Platz unter den Bäumen, die ihre Äste bis zum Wasser neigen. Auf einer der Bänke an der Wandse habe ich im Sommer oft gesessen und meine Mittagspause verbracht.

Tja, jetzt wollte ich also endlich mal Fotos machen und meine Kamera funktionierte nicht! Also habe ich mal geguckt, wie das Fotografieren mit dem Handy geht. Die Resultate seht Ihr hier.

5 Kommentare

  • mei-mei

    Der schönste alte Friedhof, den ich kenne, ist Highgate in London! Dort findet man u.a. viele verwunschene kleine Mausoleen aus dem 19. Jahrhundert zwischen alten Eiben, Moos und Farnbüschen, skurile Grabplatten und seltsame Skupturen von Lieblingshunden und anderen Tieren, jede Menge Steinengel natürlich, und auf dem Promi-Abschnitt u.a. die Grabstätte von Karl Marx mit seiner riesigen Steinbüste. Vor 10 Jahren war ich dort – es war absolut still und friedlich – zwei Wochen zuvor wurde die Stadt von den schrecklichen Bombenattentaten in der U-Bahn erschüttert.

    • bambooblog

      Friedhöfe sind wundervolle Orte. Voller Geschichten ruhig und friedlich. Ich liebe Friedhöfe! Da muss ich wohl mal nach London. Danke für den Hinweis!

  • wir haben in wien auch am zentralfriedhof einen jüdischen teil. schön ist es dort, die stimmung aber ganz eigenartig, weil die meisten grabsteine und denkmäler langsam von der natur übernommen werden. wenn die kamera aufgibt dann ist das immer sehr ärgerlich 🙁

    • bambooblog

      Danke für deinen Kommentar! Ich gehe gerne auf alte Friedhöfe. Die Stimmung ist meistens so friedlich. Gerade das Verfallen, das Morbide alter Grabsteine, die fast schon in der Erde versinken, finde ich interessant. Ich muss da unbedingt noch mal mit meiner richtigen Kamera hin.

      • mir geht es genauso. ich mag aber eigentlich nur stillgelegte friedhöfe, deswegen hat mir auch der friedhof st. marx so gut gefallen, der seit über 100 jahren nicht mehr in betrieb ist. “leider” wird er nun restauriert und verliert so mMn sehr viel von seinem echten charme der verlorenen zeit.

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