10 Tipps, wie man in China die Touristenmassen vermeidet

Aktualisiert (August 2016)

Viele Menschen, die ich kenne, erzählen mir, dass sie nur notgedrungen auch die Verbotene Stadt in Peking oder  die Terrakotta-Armee in Xi’an „abhaken“, weil man das eben gesehen haben muss. Sie werden getrieben von der Suche nach dem „authentischen“, alten China „abseits der Touristenpfade“. Und sie unternehmen große Anstrengungen, um aufs Land zu fahren, sich kleine Dörfer anzusehen, um das „Shangri La“ der Individualreisenden zu finden: Den Ort, wo „noch nie ein Tourist“ war, oder wo man das “authentische China” findet. Um dorthin zu gelangen, müssen sie weite Strecken zurück legen, am besten mit exotischen Fahrzeugen wie Eselskarren oder einem kaum verkehrstauglichen Bus. Einfachste Hotels und mangelnde Hygiene stellen ihre Abenteuerlust auf eine harte Probe.

Dabei ist es so einfach! Jeder berühmte Touristenort, jede überlaufene Sehenswürdigkeit hat verborgene Schätze, die der Durchschnittstourist nie zu Gesicht bekommt, die Ruhe und Beschaulichkeit abseits der Touristenströme bieten. Manchmal muss man sich nur mal einen anderen Zeitplan überlegen, um eine Sehenswürdigkeit alleine genießen zu können.

Hier meine Empfehlungen und Ideen dazu:

1. Feiertage meiden

Peking an einem Sonntag beim Zoo

Peking an einem Sonntag beim Zoo

Niemals NIEMALS während der Feiertage wie Frühlingsfest (Januar/Februar) oder Nationalfeiertag (1.Oktober) nach/in China reisen. Es sei denn, Du liebst das enge Bad in der Menge.

2. Die Jahreszeiten
Wer Mühsal und Anstrengung nicht scheut, um den Touristenmassen zu entgehen, sollte im Sommer nach China reisen. In Peking ist es sehr heiß, in Südchina regnet es, da möchte man meinen, dass man dann gar keinen Spaß an den Besichtigungen hat. Doch es regnet nicht immer, Busse, Hotels und Museen sind klimatisiert. Da erscheint einem manchmal sogar die Verbotene Stadt einsam. Das Gleiche gilt für den Winter, der noch einen Vorteil bietet: Es regnet kaum. Wenn Schnee gefallen ist, haben manche Sehenswürdigkeiten außerdem einen ganz besonderen Charme.

China im Winter

China im Winter: Cuandixia bei Peking

3. Die Tageszeiten
Die meisten Touristen besuchen die Große Mauer am Vormittag, warum also nicht mal am späten Nachmittag, wenn die Sonne über den Bergen untergeht, die steilen Stufen erklimmen?! Auch für andere Orte gibt es beliebte Zeiten, die man gut vermeiden kann. Die Wasserdörfer rund um Shanghai werden als Ausflugsziel häufig erst gegen Mittag erreicht. Eine Übernachtung vor Ort gibt Dir die Möglichkeit, ganz früh in den noch stillen Straßen unterwegs zu sein.

Große Mauer bei Badaling am späten Nachmittag

Große Mauer bei Badaling am späten Nachmittag

4. Parks
Es muss nicht unbedingt der Himmelstempel sein. Überall in China sind Parks zu finden, in denen man die Menschen bei ihrer Morgengymnastik trifft, auch mal ins Gespräch kommt und ein Tänzchen mit den Einheimischen wagen kann. Was kann es authentischeres geben?!

In Chengdu

In Chengdu

5. Treffpunkte
In fast jedem Ort in China gibt es Treffpunkte der Einheimischen, wo sie sich abends zum Kartenspielen, zum Reden, Singen und Musizieren treffen. Fragen Sie in Ihrem Hotel nach!

Tipp: Großartige und authentische Eindrücke findet Ihr z. B. in Datong vor dem Shanhua Tempel, der selbst uralt und doch wenig besucht ist. Auf dem Platz davor gibt es eine fast unbekannte Fünf-Drachen-Mauer. Mehr dazu hier.

Vor dem Shanhua Tempel in Datong

Vor dem Shanhua Tempel in Datong

6. Peking
Auch in der Verbotenen Stadt findet man interessante und lauschige Plätze, man braucht sich nur von der gängigen Südnord-Route zu entfernen. Dann kann man fast alleine im Garten des Kaisers Qianlong sitzen oder sich beim Brunnen, in dem die Konkubine Zhen ertränkt wurde, gruseln, während die Massen weit entfernt scheinen. Oder kennt jemand den Palast des Allumfassenden Glücks in der Verbotenen Stadt? Auch die vielen wechselnden Ausstellungen in den Seitenhallen werden wenig besucht.

Tipps für wenig besuchte Sehenswürdigkeiten in Peking: Tempel der weißen Wolke (Dao), Fayuan-Tempel (Buddhismus), Trinkwassermuseum, der Stadtteil Xicheng mit zahlreichen Museen und fast unbekannten Tempeln.

Mehr auf www.insidebeijing.de

Ich bin schon so oft in Peking gewesen und entdecke immer neues, spannendes. Mein Fazit: Eine Woche reicht einfach nicht!

7. Xi’an
Natürlich: Die Terrakotta-Armee muss man einfach gesehen haben! Die mannshohen Soldaten können aber noch viel intensiver und von Nahem gesehen werden im Shaanxi-Provinz-Museum (Xi’an). Da ist man zugegebenermaßen nicht alleine, aber das Gedränge ist nicht so groß wie beim Grab des ersten Kaisers von China. Rund um Xi’an kann man noch mehr riesige Grabanlagen aus den Anfängen des chinesischen Kaiserreichs besichtigen. Sie bergen ungeahnte Schätze wie Freskos aus der Tang-Dynastie (618-907) oder prachtvolle Skulpturen. Siehe auch: Das Maoling-Grab

Das Grab Han Yangling, die sog. “nackte Terrakotta-Armee”. Es handelt sich um das Grab des Kaisers Jingdi (188 – 141) aus der Han-Dynastie : Wikipedia

Tipp: Der Wohnhof der Familie Gao mit Schattenspiel-Museum, eine zauberhafte Wohnanlage aus der Qing-Dynastie mitten im Muslim-Viertel

Wohnhof der Familie Gao, Xi'an

Wohnhof der Familie Gao, Xi’an

8. Chengdu
Die Hauptstadt der Provinz Sichuan ist meistens nur ein kurzer Stopp sowohl für Gruppen- als auch Individualreisende. Angesichts modernster Hochhäuser glaubt man nicht, dass es außer den Pandabären und dem Wenshu-Kloster irgendetwas zu sehen gibt. Doch auch hier gibt es unendlich viel altes, authentisches, spektakuläres. Ein Beispiel für Chengdu off the Beaten Path: Nur wenige Meter vom berühmten Wenshu-Tempel entfernt liegt das buddhistische Aidao-Nonnenkloster, wo man mit ein wenig Glück die Nonnen beim Singen erleben kann. Chengdu ist berühmt für seine Teehäuser, die man in fast jedem Park findet, da muss es nicht unbedingt das Teehaus des Wenshu-Tempels sein. Man kann auch zum Tempel der Grünen Ziege gehen, Ein wunderbarer daoistischer Tempel mit einem schönen Park.

Tipp: Die Museen der Ausgrabungen von Jinsha oder das von Sanxingdui. Letzteres ist etwas außerhalb von Chengdu, doch der Besuch lohnt sich: Außergewöhnliche Skulpturen, Bronzemasken von den Ursprüngen Chinas vor mehr als 3.000 Jahren sind modern und eindrücklich ausgestellt in Gebäuden, die in einem weiten, ruhigen Park liegen.

San Xing Dui Museum bei Chengdu

San Xing Dui Museum bei Chengdu

9. Shanghai
Hättest Du gedacht, dass es selbst in Shanghais quirliger Altstadt, nur wenige Meter vom berühmten Yu-Garten entfernt, einen ruhigen Platz gibt? In einer Seitenstraße liegt der buddhistische Guanyin-Tempel Chenxiangge mit freundlichen Nonnen. Hierhin verirren sich nur selten Touristen. Auch die umliegenden Straßen bieten einen Blick in das alte Shanghai. Eine andere Möglichkeit, den Touristenfluten zu entkommen, ist das Jüdische Museum im Stadtteil Hongkou.

In Shanghais Altstadt

In Shanghais Altstadt

Tipp: Am Samstag Morgen findet in einer Ecke des Renminparks ein Heiratsmarkt statt. Schau selbst!

10. Dörfer
Überall in China tauchen Dörfer auf, die bis vor Kurzem noch auf keiner Touristenkarte zu finden waren. Sie beeindrucken mit alter Architektur, originellen Bauernmärkten und dem einen oder anderen interessanten Tempel.

Cuandixia

Cuandixia bei Peking

Beispiel: Cuandixia bei Peking, ein Örtchen versteckt in einem Tal, umgeben von Bergen, einst an einer wichtigen Verkehrsroute nach Xi’an gelegen und dann in Vergessenheit geraten, als die moderne Straße an dem Dorf vorbei gebaut wurde. Wenn man das Dorf hinter sich lässt, kann man in diesem Gebiet noch vieles unbekanntes entdecken. Oder Wuzhen bei Shanghai

Zu guter Letzt:
Der Tourist als solches ist faul! Er bewegt sich gerne auf den eingetretenen Touristenpfaden. Deshalb ist es so einfach, den Touristenmassen zu entgehen: Schwing Dich auf ein Fahrrad und erkunde die Umgebung, wandere, geh einmal in eine unbekannte Gasse hinein und verliere Dich für kurze Zeit in den Straßen rund ums Hotel! Du wirst schnell das authentische China finden, ganz ohne große Mühe und weite Wege!

Übrigens: Auch auf organisierten China-Reisen hat man Zeit für eigene Erkundungen! Deshalb schaut Euch mal meinen Artikel “7 Tipps, wie Ihr in Peking mehr aus Eurer China-Rundreise macht”

Ich habe mir und anderen Bloggern die Frage gestellt: Was bedeutet Authentizität auf Reisen?

Ich will sicherlich in nächster Zeit mehr zu China abseits der Touristenpfade schreiben. Doch wenn Ihr schon vorab einen Tipp haben möchtet oder Fragen habt, schreibt mir! Kontakt

16 Kommentare

  • Pingback: WPC Off Season at Badaling Great Wall

  • Hallo Ulrike,

    meine China-Erfahrungen waren auch, dass man noch viele stille Orte entdecken kann, wenn man nur einen kleinen Schritt zur Seite tritt. Ich hatte z.B. in Peking ein kleines Hotel in den Hutongs, wo ich noch Alltag pur erleben durfte. Und zur Großen Mauer bin ich nicht nach Badaling, sondern nach Simatai gefahren und konnte sie an manchen Stellen auch noch menschenleer erleben.

    LG

    Daniela

  • Das sind seeeehr brauchbare Tipps! Dankeschön 🙂
    Bisher wusste ich nur, dass man preislich am besten liegt wenn man Lastminute bucht vorausgesetzt man ist spontan genug…
    Lg, Ju

    • bambooblog

      Hallo Julia,

      Bei Linienflügen, vor allem für Fernstrecken, gilt das nicht. Je früher man bucht, desto preiswerter sind die Flüge Kurzfristig und spontan geht bei China sowieso nicht, da man ein Visum braucht. Da kann ich sowieso nur von abraten. Für eine Reise nach China sollte man sich schon einige Zeit für die Vorbereitung nehmen.
      LG
      Ulrike

  • Ich hätte schwören können, dass ich diesen Artikel schon mal kommentiert oder wenigstens geliket habe. Dann eben jetzt, ist ja nie zu spät 😉

    “Wenn Schnee gefallen ist, haben manche Sehenswürdigkeiten einen ganz besonderen Charme.”
    Hätte ich auch nie gedacht, aber nachdem du öfter verschneite Orte präsentiert hast, glaube ich dir 😀

    • bambooblog

      Liebe Tanja,
      das hast Du bestimmt schon. Dein Kommentar sollte allerdings zu sehen sein.Die Likes sind alle verloren gegangen bei meinem Blog-Umzug. Mit ein Grund, zumindest die guten Artikel noch mal zu posten. 😉 Ich liebe meine Likes!
      In Shanghai wird ja wohl kein Schnee liegen, wenn ich komme. Mal sehen, was sich in Fujian da noch bietet. Allerdings fahre ich nicht zum Wuyi-Shan.

      • Dann habe ich vielleicht nur ein Like verteilt. Auf jeden Fall kann ich mich erinnern, den Artikel schon mal gelesen zu haben 😀

        Willst du auf deiner Reise denn unbedingt Schnee sehen?

      • bambooblog

        Ne, bin kein Freund von Schnee. Deshalb geht es auch nicht in den Wuyi Shan. Ich freue mich schon auf das Meer. Baden muss ich ja nicht. Ist auch zu kalt. Aber das Rauschen der Brandung!

  • Anonymous

    … hätte ich bloß diesen Artikel früher gelesen 🙂

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  • ralphbuttler

    Hat dies auf Auf dem Dao-Weg rebloggt.

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