29.11. – 08.12.91 Thailand: Traum und Wirklichkeit

Zur Erinnerung: Ich schreibe diesen Reisebericht analog zu der Großen Reise 1991/92. Und im Dezember 1991 war ich in Thailand.

 

An der Khaosan Road 1991

An der Khaosan Road 1991

Ja, Weihnachten will ich in Thailand sein! Wo genau weiß ich noch nicht. Aber ich stelle es mir einfach toll vor: Strand, tropische Temperaturen, der Klang der Wellen, die an den Strand rollen, warmes Wasser , in dem ich stundenlang schwmmen kann. So der Plan. Doch zunächst quälen mich immer noch fiese Bauchschmerzen. Auch die Ungewissheit, ob Geli wirklich kommen wird und wie es sein wird, mit ihr zu reisen, setzt mir zu.

Ich wohne in einem Gasthaus etwas abseits von der berühmten Khaosan Road. Das kannte ich schon, denn ich war bereits 1989 in Thailand gewesen. Eigentlich hatte ich darauf gehofft, dass es dort immer noch recht ruhig ist. Doch ich schlafe unruhig in dem kleinen Zimmerchen. Die Wände bestehen aus dünnen Bastmatten, man kann jedes Geräusch aus den Nachbarzellen hören.

Die Zeit in Thailand ist eine Zeit der Entscheidungen: Was kommt danach: Indonesien oder Indien? Vietnam oder…? Es scheint der Scheitelpunkt meiner großen Reise erreicht zu sein. Wie lange würde  mein Geld noch reichen? Fragen über Fragen, Unruhe ohne Ende, auch ein Grund, warum ich eine zeitlang nicht besonders gut schlafe. Doch zunächst einmal muss ich wieder gesund werden. Und wenn Geli nicht bald schreibt, rufe ich sie an.

Ob die Khaosan Road immer noch so ist wie damals? Ich weiß es nicht. Nach den Beschreibungen im Internet scheint sich nicht viel geändert zuhaben. Nur ist alles noch lebhafter noch größer geworden.Das Gasthaus “My House Guesthouse” scheint es immer noch ungefähr an der alten Stelle zu geben.

Bangkok
Der Flug von Hongkong ist sehr angenehm. Wir landen früh auf dem Bangkoker Flughafen. Ich bin ganz überrascht, dass sich zwischen den Rollbahnen ein Golfplatz befindet. Die Luft ist dick und es riecht nach Abgasen.

Während des Fluges habe ich schon ausführlich in meinem neu erworbenen Thailand-Reiseführer gelesen. Bei den Warnungen und Gefahren steht, dass man vorsichtig sein soll, wenn einem jemand im Bus Süßigkeiten oder Getränke anbietet. Da seien häufig Schlafmittel oder Drogen enthalten. Noch ganz unter dem Eindruck dieser Lektüre steige ich in den Flughafenbus. Es vergehen keine zwei Minuten, da reicht mir ein junger Mann eine Bonbontüte. Ich starre ihn entsetzt an und wehre energisch ab! Er ist ganz erstaunt über meine heftige Reaktion, aber er drängt mich nicht weiter.

Ich komme gut am Democracy Monument an. Der Verkehr ist ziemlich heftig. Ich finde schnell den Weg zum My House Guesthouse, wo ich schon 1989 gewohnt habe. Es scheint sich viel geändert zu haben, aber die Mädchen, die hier arbeiten, sind, glaube ich, noch die gleichen. Ich erinnere mich an die guten Chicken-Curries, die sie früher im Restaurant serviert haben. Aber damit halte ich mich erst mal zurück. Ich gönne mir einen von den leckeren frischen Obstsalaten mit Papaya und Ananas. Das rächt sich sofort, denn am nächsten Morgen habe ich erneut starke Bauchschmerzen. Ich bleibe im Bett und nehme nur Reis und Tee zu mir.

Das zeigt schnell Wirkung. Einen Tag später geht es mir so gut, dass ich durch die schmalen lebhaften Straße von Banglampo wandere und einige kleine Tempel besichtige. Überall werden hier Erdbeeren verkauft. Ich würde ja gerne welche essen, aber zum Einen geht es mir soo gut nun auch wieder nicht und zum Anderen habe ich Bedenken, dass Erdbeeren nicht besonders sauber sind. Wer weiß, wie die gedüngt werden? Seufzend wende ich mich ab. Ich ruhe mich viel aus, schreibe Briefe und Tagebuch.

Einige Male fahre ich mit dem Express-Boot zum Postoffice. Immer noch keine Nachricht von Geli! Ich mache mir viele Gedanken darum, was ich mit ihr unternehmen werde. Was mag sie nur sehen wollen, wenn sie hier ist? Ob wir lange Zeit am Strand verbringen werden? An welchem Strand am besten? Sicher wird sie nicht so viele Tempel besichtigen wollen. Aber einige sind ein absolutes Muss! Ich wünschte, ich wüsste schon, ob und wann sie kommt!

Königs Geburtstag

Königs Geburtstag

Anfang Dezember wird die Stadt mit Bildern des Königs und Girlanden in den Landesfarben geschmückt, denn er hat Geburtstag. Das ist ein wichtiger Feiertag und wird mit Paraden und Volksfesten gefeiert. Auf dem großen Platz vor dem Nationalmuseum herrscht gute Stimmung. Aus riesigen Lautsprechern dröhnt Popmusik. Die Erde vibriert von den dröhnenden Bässen. Trotzdem lagern sich ganze Familien auf dem Rasen vor den Lautsprechern und picknicken. Luftballon- und Eisverkäufer machen gute Geschäfte. Abends gibt es ein schönes Feuerwerk. An einer Stelle gibt es Informationen zum Umweltschutz. Ich halte den Lärm kaum aus. Doch beim Umweltschutz wird der Lärm völlig vergessen. Die Polizisten, die an den viel befahrenen Kreuzungen den Verkehr regeln, tragen richtige Gasmasken, nicht nur einfachen Mundschutz!

Mir geht es nicht gut. Immer, wenn ich dem leckeren Obst und den fantastischen Coconut-Curries nicht widerstehen kann, habe ich am nächsten Morgen Bauchschmerzen. Ich kann auch nicht gut schlafen, da im Guesthouse ständig Lärm herrscht und es sehr warm in den Zimmern ist.

Im Restaurant meines Guesthouse hängt ein Zettel am Schwarzen Brett, auf dem ein zehntägiges Meditationsretreat Ende Januar auf Koh Phangan angeboten wird. Koh Phangan ist eine kleine Insel in der Nähe von Koh Samui. Ich überlege, dass das eine gute Idee ist, um mal richtig auszuspannen. Ich denke an Anita, die so etwas in einem Tempel in Nordthailand gemacht hatte und davon ziemlich begeistert war. Aber ich muss auch an meinen früheren Kollegen Cord denken, der nach einer solchen Retreat buddhistischer Mönch wurde. Was würden meine Eltern denken, wenn ich mir die Haare scheren lassen und Nonne werden würde? Ich bin wirklich sehr interessiert. Aber ich werde es mir noch ein wenig überlegen. Wenn nach Geli’s Besuch die Zettel immer noch da sind, dann werde ich vielleicht nach Koh Phangan fahren.

Die Khaosan Road in Banglampo ist ein ähnlicher Traveller-Treffpunkt wie Yangshuo, nur noch zentraler und größer. Wenn ich in einem der zur Straße hin offenen Restaurants sitze, dann sehe ich häufig Leute, die mir bekannt vorkommen. Ich bin hier wirklich nicht alleine, denn ich treffe Leute, die ich schon in China oder Hongkong kennen gelernt habe, und mit denen ich Besichtigungen mache oder Essen gehe. Abends bin ich dann froh, wenn ich meine Ruhe habe.

Der Weg von der Khaosan Road zu den weiter abseits liegenden Guesthouses durch den kleinen Tempel ist immer ganz spannend, dort laufen Kühe, Hunde und Katzen herum, die von den Mönchen aufgenommen worden sind, weil sie alt oder behindert sind. Manchmal kann man auch einen Blick auf eine gerade stattfindende Zeremonie werfen. Doch die Mönche sind nicht ganz glücklich über den ständigen Strom von Backpackern, der durch ihren Tempel zieht. Manchmal werfen sie uns düstere Blicke zu. Abends ist dann das hintere Tor abgeschlossen.

Es ist heiß, ich schwitze viel und esse wenig. Dadurch habe ich so abgenommen, dass mir meine Hose fast von alleine die Hüften runterrutscht. Aber ich finde keinen geeigneten Ersatz. Ich leiste mir einen neuen Haarschnitt. Dazu gehört hier in Thailand eine wunderbare Kopfmassage, die ungefähr eine halbe Stunde dauert. Fast schlafe ich dabei ein. Manchen Tag verbringe ich damit, dass ich einfach nur in einem der Restaurants herumhänge, Briefe schreibe oder die Khaosan Road auf und ab laufe. Regelmäßig fahre ich mit dem Expressboot bis zum Anleger am Oriental Hotel, wo in der Nähe das General Postoffice liegt. Ich bekomme natürlich nicht an jedem Tag Post. Und der ersehnte Brief von Geli kommt auch nicht.

06. – 08.12.1991 Lopburi und der Affentempel
Weil ich ja nicht immer nur abhängen kann, fahre ich mit dem Zug nach Lopburi, einer kleinen Stadt nördlich von Bangkok. In diesem Ort gibt es wie überall in Thailand viele schöne Tempel, aber in einem werden Affen gefüttert, die dort über die Reliefs und Mauern turnen. Das möchte ich mir ansehen! Ich reise mit leichtem Gepäck: einiges habe ich in Bangkok gelassen, da ich ja in ein paar Tagen zurück sein werde.

In Lopburi angekommen suche ich mir ein Zimmer in einem Hotel, das vom Lonely Planet Guide empfohlen wird. Es liegt nicht weit vom Bahnhof und macht einen etwas dunklen und heruntergekommenen Eindruck. Die Wirtin ist sehr nett und das einfache Zimmer billig und sauber. Vom Fenster aus blicke ich auf einen trostlosen, mit Müll vollgeschütteten Hof. Als ich mich abends ins Bett lege, stelle ich fest, dass sich die Tür nicht abschließen lässt. Ich bin nur mäßig beunruhigt. Aber einschlafen kann ich lange nicht. Es ist schwülwarm im Zimmer und von draußen dringt das Pfeifen der Ratten. Im Flur vor dem Zimmer herrscht ein reges Kommen und Gehen noch bis spät in der Nacht. Wo bin ich hier?

Am nächsten Morgen komme ich mit der Wirtin ins Plaudern. Sie warnt mich eindringlich vor Räubern, die auch vor ihrem Hotel nicht Halt machen würden. Ich habe mein Zimmer von außen abschließen können und habe alle wertvollen Sachen sowieso direkt am Körper. Trotzdem fühle ich mich immer weniger wohl in Lopburi.

Bei strahlendem Sonnenschein gehe ich durch die Hitze zu den Tempeln. Lopburi ist eine alte Stadt. Überall stehen mitten zwischen den modernen Häusern die Ruinen von Tempeln und Palästen aus dem 17. Jahrhundert. Zu der Zeit war Lopburi die Hauptstadt von Thailand. Die Ruinen sind sehr beeindruckend. Doch jetzt, wo die meisten Gebäude ohne Stuckverzierungen dastehen und nur die nackten Ziegelmauern zeigen, fällt es mir schwer, mir die alte Pracht vorzustellen. Da ich gerade erst aus China komme, fallen mir die riesigen uralten Bäume auf, die überall stehen. Selbst in Südchina war die Landschaft nicht so üppig grün wie hier! Der Rasen zwischen den Palastgebäuden wirkt sehr gepflegt und grün. Das Gras wird eingerahmt von bunt blühenden Orchideen und anderen exotischen Pflanzen. Bananen und Papaya- Pflanzen gibt es im Überfluss. In den Zweigen singen die Vögel. Die Leute sind alle freundlich und lächeln mich an, ohne aufdringlich zu sein. An allen Ecken stehen noch geschmückte Photos vom König.

In festlich gestimmter Laune wandere ich von Tempel zu Tempel und gelange schließlich auch zu dem Affentempel. Die Affen turnen teilweise auch zu den umliegenden Gebäuden. Mit wenigen Drahtgittern versucht man, die Bande in Schach zu halten. Zum einen kann man als Buddhist kein Lebewesen töten zum anderen machen die Viecher offensichtlich auch Dreck und richten viel Schaden an. Der Hof des Tempels, wo die großen Futterplätze sind, ist übersät von Pflanzenresten. In einem Käfig sitzt ein grimmig blickender Oberaffe. Der ist wahrscheinlich so gefährlich, dass man ihn einfach nicht rauslassen darf.

Schweren Herzens kehre ich am Abend in mein düsteres Zimmer zurück. Morgen fahre ich nach Ayuthaya weiter! Gottseidank! Die Nacht wird ein einziger Alptraum: ich habe starke Kopfschmerzen von der vielen Sonne, die Ratten pfeifen, ein paar Mal klopft es an der Tür. Ich schiebe einen Stuhl unter die Türklinke. Am nächsten Morgen weiß ich nicht, ob ich nur geträumt habe, dass jemand versucht hat, in mein Zimmer einzudringen. Vielleicht hat sich ja nur jemand in der Tür geirrt. Um 7:00 Uhr werde ich von lauter thailändischer Disco-Musik geweckt. Völlig verquollen, müde und schlecht gelaunt stehe ich auf. Ich bin erleichtert, dass ich weiter kann.

Zum Beginn meiner Großen Reise: 06.04.1991 Es geht los!

Zur vorangegangenen Etappe: 15. – 29.11.1991 Südchina – meine Laune fährt Achterbahn

Zur nächsten Etappe: 08. – 18.12.1991 Die Spannung wächst

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