29.12. – 04.01.1992 Silvester in Thailand

Die Tage mit meiner lieben Freundin Geli sind schön, voller Lachen und Reden. Das eine oder andere Desaster unterwegs lacht Geli weg. Mein Stress lässt ein wenig nach. Mir wird aber auch bewusst, wie sehr ich mich von dem Leben zuhause mit Job, Wohnung und regelmäßigen Mahlzeiten entfernt habe. Ich entdecke Aktivitäten wieder, die ich schon fast vergessen hatte, wie Shopping, in den Spiegel gucken und feiern. Wenn ich heute an meine große Asienreise zurück denke und an die Zeit mit Geli, so kommen in mir Themen auf wie „Freunde unterwegs – vielfältig oder einseitig?!“ oder „Alkohol unterwegs“. Ich möchte am liebsten mal einen Artikel schreiben „Hände weg vom Alkohol unterwegs!“. So tun sich bei mir mit jedem neuen Artikel Ideen auf für weitere. Die kommen demnächst.

Bangkok Chinatown

Bangkok

Zunächst aber bin ich noch mit Geli in Thailand unterwegs. Geli möchte alles erleben, hat keine Einwände gegen lange Busfahrten. Egal, was ich vorschlage, sie macht alles mit. Sie beklagt sich nie. Ich fühle mich dadurch unsicher. Ist es so richtig? Gut für Geli? Entschlossen buche ich in einem Reisebüro in Krabi unsere Fahrt bis nach Chiang Mai im Norden. Das bedeutet eine Nachtfahrt bis Bangkok und gleich noch eine Nachtfahrt von Bangkok nach Chiang Mai. Auch diese Fahrten scheinen unter keinem guten Stern zu stehen. Unterwegs nach Bangkok wird einem japanischen Backpacker seine gute Kamera gestohlen. Aufregung mitten in der Nacht und Verspätung bei der Ankunft in Bangkok.

Trotz aller Pannen, die ich teilweise als persönliche Niederlagen empfunden habe, schwärmt Geli noch heute von unserer Zeit in Thailand.

Aus meinem Reisetagebuch

29. – 30.12.91 Fahrt von Krabi nach Chiangmai

In Bangkok angekommen erleben wir eine üble Überraschung. Die Agentur, die uns das bereits bezahlte Ticket für heute Abend nach Chiangmai geben soll, weiß nichts von unserer Buchung und kennt angeblich auch das Reisebüro in Krabi nicht. Sie weigern sich, uns die Fahrkarten zu geben. Ich versuche zu verhandeln. Geli steht unglücklich  im Hintergrund.

Dann gönnen wir uns eine Pause und gehen frühstücken. Die Agentur hat uns versprochen, sich um unser Problem und unsere Tickets zu kümmern. Aber als wir zurückkommen, bestehen sie immer noch darauf, dass wir unsere Tickets neu bezahlen sollen. Geli ist auch schon fast bereit dazu. Doch für mich ist das eine Menge Geld und ich habe keine Lust, zweimal zu bezahlen. Ich sage deutlich, dass ich durchaus noch einmal kommen kann, dass man mich nicht so schnell los wird. Wir warten auf den Sesseln im zur Straße hin offenen Reisebüro und zwischendurch gehen wir Mittag essen.

Geli hat sich nun entschlossen, sich ein Kostüm aus Seide schneidern zu lassen. Wir verbringen einige Zeit beim Schneider mit Anprobieren und dem Aussuchen des Stoffes. Geli entscheidet sich für eine schwere dunkelgrüne Seide. Das Ganze soll nur 100 USDollar kosten. Schon der erste Entwurf sieht toll aus! Ob ich mir auch so ein Kostüm schneidern lassen soll? Nur wofür??

Am frühen Nachmittag gibt man uns endlich die Tickets. Es ist den Leuten im Reisebüro offensichtlich sehr unangenehm gewesen, dass wir so hartnäckig und laut unsere Wünsche und unsere Beschwerden geäußert haben. Geli ist schwer beeindruckt von meinem Durchsetzungsvermögen. Sie hatte schon den Gedanken daran, dass wir heute Abend weiter fahren können, aufgegeben.

31.12.91 – 04.01.92 Chiangmai: Trekking, Boating, Shopping

Die Busfahrt geht auf der Autobahn nach Norden. Ich schlafe und Geli sitzt wieder wach neben mir. In Chiangmai angekommen gehen wir zu einem Guesthouse, das ich schon von meiner Thailandreise 1989 her kenne. Wir bekommen sogar das gleiche Zimmer, in dem ich damals gewohnt habe. Eine eigene Dusche gehört zu dem Zimmer und zu Gelis Entzücken hängt über dem Waschbecken ein Spiegel.

Auch Chiangmai hat eine Menge Restaurants, die sich auf die vielen Backpacker eingestellt haben. Überall kündigen Schilder Silvesterparties an. Doch Geli kann sich nicht entscheiden, was sie an Silvester unternehmen will. Da ich eigentlich keine Lust auf Party habe, dränge ich sie auch nicht. Doch ich weiß, dass sie sicher gerne etwas unternehmen will. Mir wird deutlich, dass ich damit Probleme habe, dass Geli immer allem zustimmt, was ich vorschlage, und ich manchmal hinterher merke, dass sie gar keinen Spaß an diesen Unternehmungen hatte.

Für den Silvesterabend kaufen wir uns eine Flasche Mekong-Whiskey und Cola. Das mischen wir uns und trinken auf dem breiten Bett sitzend. Ich vertrage keinen Alkohol mehr. Nach zwei Gläsern schlafe ich ein. Gegen 6.00 Uhr morgens wache ich mit Kopfschmerzen auf. Ich sehe hoch und erinnere mich mit Entsetzen, dass ich Mitternacht verschlafen habe. Geli sitzt neben mir und weint. Sie ist natürlich enttäuscht. Ich entschuldige mich sehr und wünsche ihr ein gutes neues Jahr. Ich kann sie nicht beruhigen. Ich fühle mich schuldig und deshalb noch mehr dazu verpflichtet, Gelis Ferien so schön wie möglich zu gestalten.

Wir buchen in einer der vielen Agenturen eine Mini-Trekking-Tour durch die Berge im Norden Thailands. Mit Elefantenritt und Floßfahrt!! Eigentlich wollte ich ja nie wieder in meinem Leben auf einen Elefanten steigen!!  Aber Geli zuliebe will ich es noch einmal wagen!

Die Trekking-Tour klappt auch nicht so richtig. Jedenfalls starten wir mit einer Stunde Verspätung. Statt der angekündigten 6 Leute ist außer uns nur noch ein junger Schwede dabei. Unser Führer ist ein drahtiger älterer Mann, der nur manchmal was erzählt. Eine kurze Strecke fahren wir mit einem Jeep. Dann geht es zu Fuß weiter. Ich gucke sorgenvoll auf Gelis spärliche Bekleidung: zu den kurzen Hosen trägt sie ein weitausgeschnittenes Top. Hoffentlich bekommt sie keinen Sonnenbrand! Außerdem bin ich nicht dafür, dass man in solchen Ländern wie Thailand so knapp bekleidet herum läuft. Aber die Thailänder sind an Touristen gewöhnt und die Tour geht ja nicht in abgelegene Gebiete.

Auf dem Elefanten

Auf dem Elefanten

Nach einer Stunde laufen und einem Picknick auf einer Wiese kommen wir zu der Stelle, wo wir den Elefanten besteigen sollen. Wir sollen zu dritt auf der Plattform auf dem Rücken des riesigen Tieres sitzen. Um dorthin zu kommen, steht am Rande des Weges ein Gerüst aus dünnen Baumstämmen. Wir klettern die Leiter hinauf, bis wir auf der Höhe der Stirn des Elefanten sind. Dann ein Schritt auf den Kopf und schwups sitzen wir auf der hölzernen Plattform. Das heißt, bei mir geht es nicht so schwups! Ich fühle mich so hoch oben nicht sehr wohl. Das Tier bewegt ungeduldig seinen Kopf. Da soll ich drauf treten?? Ich fasse mir ein Herz und trete los. Die graue Haut scheint unter mir wegzurutschen. Ein zweiter Schritt. Jetzt bin ich auf dem Brett und lasse mich erleichtert nieder. Die Tour geht los. Ich halte mich mühsam an der niedrigen Reling fest. Hinter uns sind weitere Elefanten mit Touristen aus einer anderen Gruppe. Geli hat viel Spaß an der Schaukelei. Ich bin dagegen froh, als wir absteigen können.

Bis hierher ist der Wald ziemlich licht, nur unterbrochen von hellen Wiesen. Einige Jungens aus einem Dorf gesellen sich zu uns. Mit viel Lärm wandern wir durch den dichter werdenden Wald. Mir fällt auf, dass viele Stämme tiefe Rillen haben von den ständigen Stockschlägen der Jungen. Unser Guide erklärt uns, dass hier keine Bäume gefällt werden dürfen. Nur tote Bäume können abgeholzt werden. Durch die Kerben sterben die Bäume nach und nach ab, so dass man sie nun fällen kann. Ich versuche, die Jungens vom Schlagen abzuhalten. Sie verstehen mich nicht und wissen nicht, was ich will. Resigniert gebe ich auf.

Dorf in Nordthailand

Dorf in Nordthailand

Gegen Abend erreichen wir ein Dorf der Lao. Sie wohnen in einfachen Holzhäusern, die auf Stelzen stehen. Unten leben, wie ich das nun auch schon von anderen Gebieten kenne, die Schweine und Hunde. Wir bekommen ein einfaches Lager aus dünnen Decken in einem der Häuser. Der Fußboden besteht aus Bambusspänen, zwischen denen wir die Schweine und Hühner unten im Dreck scharren sehen können. Nach einem einfachen Abendessen aus Reis und Gemüse setzen wir uns in einer Nachbarhütte mit anderen Touristen zusammen und erzählen. Ich fühle mich in meinem Element. Wir sitzen um ein flackerndes Feuer herum und trinken ein Tee und Bier. Die Abenteuer der vergangenen Wochen und die Pläne für die nächsten Wochen in Asien stehen im Zentrum unseres Gesprächs.

Hier im Wald wird es nachts so dunkel, wie ich es als Stadtkind gar nicht kenne. Ich kann wörtlich nicht die Hand vor Augen sehen. Wir gehen früh zu Bett. Geli ist das Geheul und Bellen der Hunde unheimlich. Eng schmiegt sie sich an mich. Mitten in der Nacht muss sie aufs Klo. Toiletten gibt es natürlich nicht. Ich wache davon auf, dass sie aufsteht und sich vorsichtig zur Tür tastet. Ich bin zu müde, um zu reagieren. Eigentlich weiß ich, dass ich aufstehen müsste, um sie zu begleiten. Aber ich kann mich nicht dazu aufraffen. Als sie die Tür öffnet, fangen die Hunde des Dorfes an zu bellen. Ich höre im Halbschlaf, wie sie einen Satz zurück in die Hütte macht. Dann kommt ein leises „Rieki!“. Mit einem unterdrückten Seufzer stehe ich auf und gehe mit ihr hinaus in die wirklich pechschwarze Nacht und passe auf, dass ihr nichts passiert. Den Rest der Nacht kuschelt sie sich noch enger an mich.

In der Hütte, wo wir übernachtet haben

In der Hütte, wo wir übernachtet haben

Am Morgen geht es nach einem einfachen Frühstück hinunter zum Fluss, wo die Flöße schon bereit liegen. Es sind eigentlich nur ein paar dünne Bambusstäbe, die zusammengebunden sind. Wir bekommen jeder eine lange Stange in die Hand gedrückt, mit der wir das Floß vorwärts bewegen sollen und außerdem uns in Balance halten können.

Der Fluss ist ganz seicht. Wir können die runden Kiesel unter uns sehen. Natürlich ist das Ganze eine kippelige Angelegenheit. Unter großem Gelächter geht die Fahrt los. Am Ufer wachsen hohe Urwaldbäume und dichtes Gras. Vögel singen und manchmal schreit ein Affe. An einer Stelle verliere ich das Gleichgewicht und falle ins Wasser. Geli findet das sehr komisch. Mir ist nichts passiert. In der Wärme trocknen auch meine Kleider schnell. Gegen Mittag kommen wir an einer Hütte an, wo wir die Flöße abgeben. Auf der Veranda über dem Fluss können wir in der Sonne sitzen und ein Bier trinken. Hier steht schon unser Jeep bereit, der uns und eine andere Touristengruppe abholt.

 

Wir halten noch auf einer Orchideen- und Schmetterlingsfarm. Geli ist müde und deshalb ausnahmsweise schlechter Laune. Sie bleibt im Wagen, während ich mir die wunderschönen Blumen und riesigen Schmetterlinge ansehe. Ich bin ganz fasziniert von der bunten Pracht.

In Chiangmai nutzen wir den einen verbleibenden Tag zum Stadtbummel und zum Einkaufen. Der riesige Markt ist wie für Geli geschaffen. Auch ich finde endlich eine leichte Jeans und ein dazu passendes Hemd. Abends möchte Geli noch mal auf den Nightmarket. Ich habe keine Lust dazu. Da entschließt sich Geli, alleine zu gehen. Schön, dass sie auch mal was alleine unternimmt! Ich ruhe mich aus und bevor ich anfange, mir Sorgen zu machen, ist sie zurück, ganz selig über ihre Einkäufe und Erlebnisse.

Nach der Trekking Tour - ein erfrischendes Bier

Nach der Trekking Tour – ein erfrischendes Bier

Zum Anfang meiner Großen Reise: 06.04.1991 Es geht los!

Zur vorangegangenen Etappe: 18.12. – 29.12.1991 Thailand – Weihnachten – Desaster

Zur nächsten Etappe: 05. – 10.01.92 Unterwegs in Bangkok: Eine zwiespältige Erfahrung

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