Rom Tag 1

Der erste Tag in Rom liegt schon hinter mir. Es war ein toller Tag! Ich habe schon alles gesehen, was ich sehen wollte: Forum Romanum und das Museum Palazzo Venezia mit der Mawangdui-Ausstellung. Darüber folgen einzelne Artikel in den nächsten Wochen. Hier zunächst einmal eine Art Tagebucheintrag.

Rom - Forum Romanum

Forum Romanum

Der Freitag fing damit an, dass ich vor lauter Angst zu verschlafen, viel zu früh wach war, nämlich schon um 3.45 Uhr. Damit hatte ich mehr als genug Zeit für letzte Aktionen. Meine Tasche hatte ich bereits am Abend vorher gepackt.

Was man doch so alles beachten muss, wenn man nur Handgepäck mitnehmen kann! Mein Taschenmesser war schon rausgeflogen. Aber was ist mit dem Feuerzeug? Weg damit! Brauch ich sowieso nicht! Eine Kulturtasche packt sich auch nicht so einfach, wenn man Flüssigkeiten nur in Größen von maximal 100ml mitnehmen darf. Also mal eben schnell alles zusammenraffen, was man auch sonst täglich braucht – nein, das geht gar nicht! Kleine Fläschchen und Tübchen sind angesagt. Notfalls kann man Shampoo etc. auch in kleine Plastikfläschchen in der passenden Größe umfüllen. Sowas kann man in jeder Drogerie kaufen. (siehe auch: Nur Handgepäck? – Ich nicht!)

Bekleidung? Hier in Hamburg soll es demnächst wieder kalt werden, in Rom ist es dagegen frühlingshaft mit Temperaturen um 15°. Und es soll am Samstag regnen! Meine Lösung: Ein alter Anorak, eine Fleece-Strickjacke und eine Bluse für unterwegs. In die Tasche kommen noch zwei Pullöverchen, die nicht zu warm sind. Eine Ersatzhose? Passt nicht in die Tasche! Meine Schwester bekam leichte Schnappatmung, als ich am Abend vorher meinte, dass ich keine Ersatzhose mitnehmen würde. “Was machst Du, wenn Du Dir Tomatensoße über die Hose kippst?” Ist ja in Italien durchaus möglich, auch wenn ich mir vornehme, keine Tomatensoße zu essen. Also ziehe ich eine schwarze Jeans an. Da fallen dann Flecken nicht so auf.

Dann ab zum Flughafen! Hach, ist es schön, endlich wieder mal zu fliegen! Alles läuft ganz wunderbar. Außer dass ich am Flughafen erstmal durch den Business-Class-Eingang will und mich wundere, warum mein Boardingpass nicht funktioniert. Ich bin sehr früh am Flughafen. Easyjet hatte mir eine Email geschickt mit dem Hinweis, zwei Stunden vor Abflug da zu sein. Das ist sehr großzügig bemessen. Ich hab noch sehr viel Zeit. Also in Ruhe einen Kaffee trinken, eine Zeitung lesen und dann gemächlich zum Gate gehen. Die Maschine ist pünktlich. Es gelingt mir, 30 Minuten zu schlafen, dann lande ich in einem sonnigen Rom.

Bahnhof im Flughafen Fiumicino

Mit dem Zug vom Flughafen in die Stadt

Den Flughafen Fiumicino in Rom finde ich etwas unübersichtlich. Schnell erinnere ich mich daran, das “Uscita” Ausgang bedeute und folge den Schilden. Doch wo ist die Touristeninformation? Die finde ich schließlich auch, kaufe mir meine Roma Card für 2 Tage und pflücke mir ein paar Prospekte und einen Stadtplan aus dem spärlich bestückten Regal.

Mit dem Leonardo-Express fahre ich zum Hauptbahnhof Roma Termini. Mit einem inneren Jubel begrüße ich den Anblick von Kakteen, Palmen und Orangenbäumen. Die Sonne scheint, es ist angenehm warm. Der Bahnhof selbst ist ein fürchterliches Durcheinander. Viele Geschäfte, Cafes und vor allem Menschen in Massen. Ich hatte mir den Weg vom Bahnhof zu meinem Hotel schon rausgesucht und ausgedruckt. Damit bin ich ganz schnell da, wo ich hin will. Ich merke, dass Google Maps mit seinen Angaben zu Fußwegen sehr großzügig ist. Statt der angegebenen 8 – 9 Minuten brauche ich nur rund 5 Minuten. Doch bevor ich mein Hotel finde, muss ich über einen bunten Markt, der die ganze Straße einnimmt. Socken, Schuhe, Pullover und Gemüse und Obst. Sogar auf dem Markt verkaufen sie in Würfel geschnittene Melonen und anderes Obst. Eine gute Portion für 1 Euro! Da kaufe ich mir gleich etwas.

Im Hotel Virginia (mehr) werde ich freundlich empfangen. Es liegt in einem alten Gebäude, ist recht klein und schon etwas älter. Zementsäcke in den Gängen deuten an, dass gerade renoviert wird. Aber alles ist ruhig. Das Zimmer ist klein, aber mit einer Dusche ausgestattet. Die Klimaanlage ist auf ungeheure 29 Grad eingestellt. Schnell finde ich den Schalter und stoppe die heiße Luft. Alles ist ein wenig abgegriffen aber sauber und ordentlich.

Nach einer ganz kurzen Pause, in der ich u.a. meine Strickjacke ablege, geht es los! Vorbei an den Diokletians-Thermen, die ich mri für später vormerke, komme ich zur Piazza Republica. Was für ein buntes Leben auf den Straßen! Viele Touristen aus aller Welt. Ja, die Chinesen sind auch schon da. Und die Japaner und die Koreaner. Ich sehe und höre auch Amerikaner, Briten, Türken, Spanier und und und. Ich gehe weiter in Richtung Forum Romanum.

Dort komme ich zuerst am Trajans-Forum vorbei. Achja, wenn ich schon mal da bin. Es ist ja noch früh. also besuche ich als erstes dieses beeindruckende Forum, dass in Teilen wirklich gut erhalten ist. Wir haben es damals, auf der Klassenfahrt 1972, das “Karstadt des alten Roms” genannt. Es hat sich viel getan seitdem. Jetzt ist es ein sorgfältig gepflegtes Museum, in dem einige der Funde, die man bei Ausgrabungen hier gemacht hat, ausgestellt. Nicht so schön finde ich ich die Idee, eine Ausstellung mit modernen, sprich rostigen, Eisenskulpturen im Gelände zu verteilen. Nicht schön, muss aber wohl heute so sein. Von hier werfe ich meinen ersten Blick auf das Forum Romanum. Im strahlenden Sonnenschein!

Gleich geht es dann hinüber. Touristen, Eiswagen, Andenkenverkäufer, Rickshas, Pferdekutschen: was für ein herrliches Treiben! Von weitem sehe ich das Kollosseum. HInter mir das Trajansforum, vor mir das Forum Romanum. Und der Kapitolsberg. Und strahlend weiß das Monument Vittorio Emanuele II rechts. Klar, hier muss ein Selfie gemacht werden! Bzw. ich lasse machen. Dann hinein!

Das Forum Romanum! Andächtig gehe ich von Stein zu Stein. Später mehr! Als ich dann das Forum in Richtung Piazza Venezia verlasse, gönne ich mir eine Pizza auf die Hand an einer Bude. Kindliche Freude, als ich am Wegesrand Büsche von Akanthus entdecke! Erinnerung an 1972: Unser Lehrer zeigt uns, wieso die Römer diese Pflanze als Vorbild für ihre Säulenkapitelle genommen haben.

Gleich hinter der Piazza Venezia liegt der Palazzo Venezia, ein Museum und mein Hauptziel. Denn hier ist die Ausstellung zum Grab von Ma Wang Dui untergebracht. Ein alter Palast mit einem gewaltigen Treppenhaus. Das Ticketoffice ist im ersten Stock, die Ausstellung im Erdgeschoss. Ich bin eigentlich schon ziemlich erschöpft, meine Beine tun weh und meine Knie stöhnen entsetzt, als sie die viele Stufen sehen. Irgendwie scheine ich (oder die Römer?) das mit dem 1. Stockwerk missverstanden zu haben. Es geht jedenfalls gefühlt drei Stockwerke über eine imposante Treppe hinauf. Und da ich es geschafft habe, schaue ich mir natürlich auch dass Museum an, dessen Ausstellungsräume auch im 1. Stock liegen. Alte hohe Räume, bunter Steinfußboden, dunkle Decken und in den Vitrinen ein Sammelsurium von Skulpturen vom Mittelalter bis zum Barock. Eine Porzellansammlung enthält auch schöne Stücke aus Japan und China.

Doch dann geht es zum Höhepunkt meiner Reise, der Ausstellung Mawangdui. Hier und jetzt nur so viel: Es handelt sich bei Ma Wang Dui um das Grab einer zentralchinesischen Adligen aus dem 2. Jahrhundert vor Christus. Berühmt geworden ist die Dame in Deutschland mit der ZDF-Dokumentation “Die Lady von Day”. Ich habe die Fundstücke und auch die Mumie schon 1991 in Changsha in China gesehen. Dort war ich von den wunderbar erhaltenen Lackarbeiten begeistert. Hier in Rom gibt es einige Beispiele davon zu sehen. Die Mumie natürlich nicht. Einzelheiten dazu gibt es später. Einen Ausstellungskatalog gibt es nicht – schade!

Nun bin ich endgültig völlig am Ende. Meine Füße tun weh, mein Gehirn schreit um Erbarmen, weil es nichts mehr aufnehmen kann. Also lasse ich mich genüsslich in einem Straßenrestaurant mit Blick auf das Monument und die Piazza Venezia nieder, ordere eine halbe Flasche Rotwein und eine Portion Spaghetti mit Meeresfrüchten. Ein Traum!  Dann klingelt mein Handy: Mein Vater erkundigt sich, ob es mir gut geht. Hatte ich ihm nicht gesagt, er soll mich nicht anrufen?! Ach, mich kann heute nichts mehr erschüttern. Ich schwebe auf kleinen rosa Wölkchen.2015 Rom Halb 125

Doch meine schmerzenden Füße bringen mich schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Ich fahre mit dem Bus zum Bahnhof Termini und gehe von dort aus zu Fuß zum Hotel. Nicht ohne mir unterwegs noch eine Flasche in einem der zahlreichen Minimarkets zu kaufen. Im Zimmer lasse ich mich erschöpft aufs Bett fallen. Seit es dunkel geworden ist, ist es auch merklich kälter geworden. Aber ich habe ja eine warme Decke, unter die ich gleich krieche.

Mein Hotel bietet kostenloses WLan auf dem Zimmer. also muss ich auf nichts verzichten: Ich kann meine Emails checken, ein erstes Foto auf Facebook posten und Fernsehen. Dazu ein Gläschen Wein. Perfekt! Zum Blog Schreiben fehlt mir die Kraft. Es gibt auch keinen Schreibtisch. Das macht das Schreiben nicht leicht. Also erledige ich das am nächsten Morgen, an dem ich wieder sehr, sehr früh wach bin. Doch jetzt ist Schluss! Mein 2. Tag in Rom wartet! So viel für heute.

Hier erfahrt Ihr, was ich mir am 2. Tag angeschaut habe: Rom Tag 2

Zu meinem Artikel über Mawangdui: Der Zauber von Mawangdui

9 Kommentare

  • archaeologos1

    Liebe Ulrike,
    Zufällig habe ich gerade Deinen schönen Reiseblog gefunden, interessiert durchgeblättert und festgestellt, dass Du auch ein Rom-Fan bist.
    Vielleicht möchtest Du bei Deinem nächsten Ausflug in die ewige Stadt auf ein paar meiner Reisetips zurückgreifen, die ich bei meinen beruflichen Aufenthalten dort gesammelt habe: http://archaeologos.at/category/reiseberichte/
    Und vielleicht animieren sich Dich ja zu neuen Erkundungen und einer baldigen Reise – denn Rom kann man nicht oft genug besichtigen 😉
    Liebe Grüße, Claudia

    • Ulrike

      liebe Claudia, danke! Rom steht im Moment nicht mehr auf dem Plan – aber wer weiß! Ich gucke mir deine Reiseberichte gerne an
      Beste Grüße
      Ulrike

  • bambooblog

    Danke! LG Ulrike

  • Ach, wie sind dein Bericht und die Bilder schön! 😀 Da bekomme ich gleich Heimweh nach der Ewigen Stadt… Freue mich schon sehr auf die Fortsetzung!
    Liebe Grüße!

    • bambooblog

      Fortsetzung ist schon fertig 😉 HIhi, und angeregt durcjh Deine wundervollen Fotos habe ich mir vor allem bei den barocken Kirchen viel Mühe beim Fotografieren gegeben. Aber sind nicht alle Fotos online. 😉

  • Oh wie schön, da reise ich doch gleich mit. Ich glaube, ich muss auch mal ein paar Tage Rom planen. Ist schon sooo lang her.
    Geniesse Deine Zeit, labe dich an der ewigen Stadt und iss was leckres!

  • Wie toll! Auf Rom freue ich mich auch schon unbändig. Es wird wahrscheinlich schon unser übernächstes Land, weshalb ich deinen Bericht mit doppeltem Interesse lese. Danke für den Hinweis mit der Roma-Card. Da muss ich mal googeln, ob sich das für uns lohnt.
    Ist die Hose noch unbefleckt? Meine Schwester und ich waren vor Jahren mal eine Woche mit Handgepäck unterwegs. Das war auch eine Herausforderung. 🙂
    Viel Spaß noch beim Kurztripp!

    Lena

    • bambooblog

      Rom ist einfach großartig! Bin gerade wieder völlig k.o. ins Hotel zurück. Wenn Ihr viel mit Öffis fahren wollt und einiges ansehen, dann lohnt sich die Roma Card bestimmt!

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